Lebensmittelampel - hilfreich für die gesunde Ernährung

Mit dem Nutriscore (umgangssprachlich auch Lebensmittelampel genannt) haben sich Experten nach jahrzehntelanger Diskussion auf eine Nährwertkennzeichnung geeinigt. Erfahrungen mit dem System aus anderen Ländern zeigen: Die Signalfarben aus der Verkehrserziehung können auch am Supermarktregal Leben retten – durch bessere Entscheidungen bei der Produktauswahl.
In vielen fertigen Lebensmitteln verstecken sich „ungesunde“ Zutaten wie gesättigte Fette, Zucker oder Salz in einer langen Zutatenliste, oft unter Namen, die nur Ernährungsexperten kennen. Die neue „Ampelkennzeichnung“ soll eine schnelle Einordnung des Produktes erleichtern und dabei ausdrücklich auch solche Menschen ansprechen, die sich für Ernährungsfragen im Detail bisher weniger interessiert haben.

Die Ampel siegt im Praxistest

Ernährungswissenschaftler, Industrievertreter, Verbraucherschützer und Politiker haben lange um ein geeignetes System gerungen. Das Problem: Je einfacher eine Kennzeichnung ist, desto undifferenzierter ist sie auch. Die Herausforderung ist also, auf dem schmalen Grat zwischen korrekt und verständlich zu balancieren. Auch die Bewertungskriterien selbst lieferten Diskussionsstoff – denn was „gesunde Ernährung“ genau ist, bleibt unter Wissenschaftlern im Detail umstritten. Bisher waren Hersteller verpflichtet, auf Lebensmittelverpackung die Gehalte an Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz anzugeben. Das geschieht oft in kleinteiligen Tabellen auf der Rückseite der Verpackung – und wurde von vielen Verbrauchern schlicht ignoriert.

Das Nutriscore-System wurde 2017 von den französischen Gesundheitsbehörden auf wissenschaftlicher Grundlage entwickelt.  Es punktet vor allem mit seiner Verständlichkeit: Umfragen und Studien bestätigen, dass „die Ampel“ mit großem Abstand vor allen anderen getesteten Kennzeichnungsverfahren von Verbrauchern am besten verstanden wird. Besonders Menschen mit starkem Übergewicht oder einem niedrigen formalen Bildungsgrad half diese Kennzeichnung, gesündere Produkte auszuwählen.

Grün heißt nicht gesund

Die „Ampel“ ist besonders geeignet, um Produkte einer Warengruppe miteinander zu vergleichen, also beispielsweise verschiedene Kekse, Tiefkühlpizzen oder Müslimischungen. Solche Produkte enthalten oft viele verschiedene Zutaten und ihr Gehalt an positiv oder negativ bewerteten Inhaltsstoffen schwankt stark zwischen einzelnen Erzeugnissen. So kann ein Fruchtjoghurt theoretisch mit einem grünen B aber auch einem tiefroten E bewertet werden – je nachdem wieviel Zucker, gesättigte Fettsäuren und Kalorien er enthält. 

Der Gehalt an Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen, essenziellen Fettsäuren oder sekundären Pflanzenstoffen wird beim Nutriscore übrigens nicht direkt berücksichtigt, es gibt aber Pluspunkte für den Gehalt an Gemüse, Obst und Nüssen. Weil positive und negative Punkte miteinander verrechnet werden, muss auch ein „grünes“ Lebensmittel nicht in jeder Hinsicht „gesund“ sein.

Orthomol-Expertenmeinung:

So wie die Welt nicht schwarz und weiß ist, sind Nahrungsmittel nicht „grün“ oder „rot“. Wir meinen, dass die Lebensmittelampel trotzdem eine schnelle Orientierungshilfe bietet – gerade bei alltäglichen Spontanentscheidungen. Der gesunde Menschenverstand ist aber weiterhin gefragt. Wenig verarbeitete, frische Lebensmittel und eine breite Basis pflanzlicher Nahrungsmittel sind eine gute Grundlage für eine ausgewogene Ernährung. Für eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen reicht es nicht, sich am Nutriscore zu orientieren.

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