Die Macht der Gewohnheit

Routinen geben uns Menschen Sicherheit – und die brauchen wir gerade aktuell mehr denn je im Alltag. Doch viele von unseren Gewohnheiten haben wir uns nicht freiwillig ausgesucht. Vielleicht sind manche von ihnen sogar eine Blockade für einen produktiven Tag. Lerne hier, wie Du diese negativen Gewohnheiten erkennst und verändern kannst.

Warum existieren Gewohnheiten?

Setzt man sich an einem ganz normalen Arbeitstag ins Auto und fährt los, wird quasi ein „einstudiertes Programm hochgeladen“. Dadurch schalten wir mehr oder weniger auf Autopilot und lassen uns durch den Tag treiben. So spart der Körper viel Zeit und Energie, denn eine Menge alltäglicher Entscheidungen werden durch gewohnte Abläufe clever umgangen.

Das bedeutet nämlich auch, dass Freiraum für neue Gedanken geschaffen wird. Gewohnheiten haben also den Nutzen, die eigene Zeit effektiver zu gestalten. Ein weiterer Grund, weshalb Gewohnheiten existieren, ist der, dass sie uns außerdem kurzfristig nutzen. Legt man sich aufs Sofa und sieht fern, hat das eine entspannende Wirkung. Man meckert seinen Partner an, um Stress abzubauen oder verhält sich anderen gegenüber eingebildet, um seine eigenen Unsicherheiten zu verbergen.

Demnach gibt es immer einen Auslösereiz, der zu der jeweiligen Gewohnheit führt und diese führt dann wiederum zu einer entsprechenden Belohnung. Das hört sich ja erstmal ganz gut an, oder?

Und was ist jetzt so schlimm daran?

Das Problem liegt darin, dass das Gehirn nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten unterscheidet. Gleichzeitig lassen wir uns gerne von Genuss und Bequemlichkeit leiten. So entstehen dann die “schlechten” Gewohnheiten, wie: oft aufs Handy schauen, bei Langeweile Netflix schauen oder nach einem anstrengenden Arbeitstag lieber Pizza bestellen als frisch zu kochen.

Tief in uns befinden sich alte Strukturen, die mit Motivation und Belohnung verbunden sind. Diese sorgen dafür, dass wir uns direkt das nehmen, worauf wir momentan wirklich Lust haben. Und das, obwohl es nicht mit unseren langfristigen Vorsätzen übereinstimmt. Der Bereich im Gehirn, der normalerweise für vernunftbasierte Entscheidungen zuständig ist, wird hier hintenangestellt.

Möglichkeiten vorzugehen

Das klingt jetzt etwas aussichtslos. Doch keine Sorge, Gewohnheiten sind keinesfalls Schicksal. Um sie zu kontrollieren und in eine gewisse Richtung zu lenken, müssen wir zunächst verstehen, wie sie funktionieren. Um den Nutzen der eigenen Gewohnheiten zu verstehen, kann es helfen eine Art Logbuch darüber zu führen. Dabei kannst Du Dir die folgenden Fragen stellen, oder Dich an ihnen orientieren: 

  • Wann bist Du der Gewohnheit verfallen? 
  • Was ist dem Ganzen vorausgegangen? 
  • Wie fühlst Du Dich danach immer?

Verstehst Du erst einmal, woher Deine Gewohnheiten kommen und welchen Nutzen sie für Dich haben, kannst Du sie durch sinnvollere Verhaltensmuster ersetzen. Beispielsweise kann ein Glas Wein, das als Komfort dient, durch eine warme Tasse Tee ersetzt werden. Abhängig von der Art der Gewohnheit könnte eine weitere Strategie sein, sich der Versuchung ganz einfach fernzuhalten.

Ist jemand z.B. Stress-Shopper, kann sich diese Person den verlockenden Läden fernhalten. Oder jemand, der in schwierigen Situationen Schokolade konsumiert, geht nicht zu dem entsprechenden Regal im Supermarkt. Außerdem kann man sich einen “Wenn, dann”-Plan anlegen. So hält man fest, was man tun könnte, wenn man in eine “schlechte” Gewohnheit verfällt.

Ein Ausrutscher kann ja immer mal passieren, doch durch diesen Plan kannst Du verhindern in ein altes Muster zurückzufallen. Du behältst die Kontrolle über Dein unbewusstes Verhalten, indem Du bewusste Entscheidungen triffst.

Es ist okay zu scheitern

Natürlich gibt es immer noch die Möglichkeit zu scheitern und in alte Muster zurückzufallen. Dabei solltest Du nicht zu streng mit Dir sein. Verzeihe Dir selbst auch größere Versäumnisse. Eigentlich kannst Du Dir sogar dankbar sein, denn diesen Ausrutscher kannst Du als Möglichkeit nutzen etwas daraus zu lernen. Es verhält sich hier wie mit dem Fahrrad fahren: Jeder stürzt mindestens einmal. Denk’ immer daran, dass es nun mal ein steiniger Weg ist, eine Gewohnheit zu durchbrechen oder umzustrukturieren

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