Die Windelfrage – Einweg, Stoff oder ganz ohne?

Bis vor einigen Jahren waren Einwegwindeln das Nonplusultra: Sie sind wahnsinnig praktisch, halten das Baby meist trocken und bieten ihm reichlich Bewegungsfreiheit. Doch dann stieg das Umweltbewusstsein und einige Eltern kehrten zu den guten alten Stoffwindeln zurück. Andere verzichten sogar ganz auf Windeln. Aber was sind die Vor- und was die Nachteile dieser drei Varianten?
Wegwerfwindel, Ökowindel, Stoffwindel als All-in-one oder Kombi-Version? Gerade als Jung-Mama kann man da ganz schön schnell den Überblick verlieren. Was ist das Beste für das Baby und auch für die Umwelt, fragen sich da viele. Wir haben ein paar Fakten zu den unterschiedlichen Windel-Alternativen zusammengestellt.

Einwegwindel – viel Komfort

Die Vorteile der Wegwerfwindel, egal ob Marken- oder No-Name-Produkt, sind offensichtlich: Sie sind super unkompliziert zu handhaben. Einmal benutzt, wandern sie unverzüglich in den Abfall, egal ob zu Hause, auf dem Spielplatz oder auf Reisen. Täglich werden in Deutschland mehr als 8 Millionen Wegwerfwindeln entsorgt. Das belastet die Umwelt natürlich. Doch darauf kommen wir später noch einmal zurück.

Die Einwegwindeln sind extrem dünn und saugfähig. Da bleibt die Haut des Babys in der Regel trocken. Kommt ein Häufchen dazu, vermischt es sich nicht mit dem Urin. Das vermindert die Bildung von Ammoniak aus Harnstoff und Stuhl, der wunde Pos und Windelausschlag verursachen kann, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schreibt.

Andererseits sind viele Einwegwindel nicht atmungsaktiv, enthalten Bleichmittel, Weichmacher und Mineralöle, die Auslöser für Windeldermatitis sein können. Dafür halten sie meistens dicht, vorausgesetzt, Du hast die richtige Passform für Dein Baby oder Kleinkind gefunden. 
 
Eltern, die auf mehr Natürlichkeit setzen wollen, wählen Ökowindeln. Ihr Saugkern besteht beispielsweise aus Maisstärke. Außerdem verzichten viele Hersteller auf Duftstoffe, Latex und Chlor. Viele Modelle lassen sich daher auf dem Kompost entsorgen. Allerdings auch nicht alle, denn einige Modelle enthalten doch Erdöl oder synthetische Stoffe, um die Saugkraft zu erhöhen. Das verhindert das Auslaufen und das häufigere Wickeln, was auch Müll vermeidet, so die Argumentation der Befürworter.

Mehr Natürlichkeit mit Stoffwindeln

Kaum bis gar keinen Müll produzieren Stoffwindeln. Die gibt es inzwischen in zahlreichen Variationen: Komplettsysteme, die wie Einwegwindeln funktionieren und als Ganzes gewaschen werden. Oder Kombisysteme, die aus zwei bis drei Teilen bestehen, inklusiv einer Überhose, die bei manchen Modellen ebenfalls aus Gummi oder Kunststoff ist, damit die Windeln dicht bleiben.

Am Ende aber entscheidest Du als Mama, welche Windel an die Haut Deines Babys gelangt. Die Stoffwindeln sind wiederverwendbar und daher nachhaltig. Das allerdings nur auf den ersten Blick. Oftmals rechnet sich die Anschaffung erst bei dem zweiten Kind oder wenn Du sie gebraucht kaufst. Denn die Anschaffungskosten liegen bei mindestens 100 Euro. Nicht einberechnet sind die Ausgaben fürs Waschen und Trocknen. Experten empfehlen einen Extra-Spülgang, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einen 90-Grad-Waschgang. Das belastet die Ökobilanz und verursacht zudem Kosten.

Eine britische Studie kam zu dem Ergebnis, dass, ökologisch gesehen, Wegwerf- und Waschwindeln keinen Unterschied machen. Hinzu kommt, dass es ganz schön lästig sein kann, erst das Häufchen zu entsorgen und die Windel dann noch geruchssicher bis zur nächsten Wäsche aufzubewahren.

Jeder, wie er mag und kann

Probiere doch einfach aus, welche Windeln für Dich am praktischsten sind. Schließlich ist auch eine Kombination möglich: zu Hause die Stoffwindeln, unterwegs und in der Kita die Wegwerfvariante. Eine Alternative ist außerdem, Dein Baby ab und zu mal ganz ohne Windel zu lassen. Das gibt ihm Bewegungsfreiheit und lässt Luft an den Popo.

Inzwischen gibt es Eltern, die von Anfang an auf Windeln verzichten, weil Babys mit dem Instinkt auf die Welt kommen, zu signalisieren wann sie „müssen“. Diese Signale gilt es natürlich zu kennen und das ist teilweise schwierig für Eltern und Betreuer. Aber möglicherweise auch eine Alternative. Wir meinen: Jede Mama und jede Familie sollte das machen, was für sie das Beste ist.

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