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Ein Leben entsteht – Dos and Don’ts während der Schwangerschaft

Katzen übertragen Krankheiten. Hunde etwa auch? Und was ist mit Sport während der Schwangerschaft? Außerdem hast Du diese seltsamen Gelüste nach Gewürzgurken mit Schokolade, dabei willst Du Dich doch jetzt besonders ausgewogen ernähren. Wir haben mit der Hamburger Gynäkologin Prof. Dr. Annika Ludwig über Toxoplasmose, Haustiere, Mikronährstoffe und Sport in der Schwangerschaft gesprochen.

Frau Prof. Ludwig, Katzen können viele Erreger ins Haus bringen und übertragen unter anderem Toxoplasmose. Kann eine Schwangere trotzdem ihre Katze behalten?

Wenn Menschen mit Tieren zusammenleben, können Infektionen vom Tier auf den Menschen und auch umgekehrt übertragen werden. Das Risiko für geimpfte und vom Tierarzt betreute Tiere ist allerdings gering. Eine Ausnahme bilden die Katzen, die mit ihrem Kot Toxoplasmose übertragen können. Bei Menschen verläuft diese Erkrankung meist unbemerkt. Eine Infektion führt dann zu einer lebenslangen Immunität. Erkrankt eine Schwangere allerdings das erste Mal an Toxoplasmose, kann dies zu Entwicklungsstörungen und Schäden beim Fetus führen.

Es wird für alle Schwangeren empfohlen, zu Beginn der Schwangerschaft zu prüfen, ob ein Immunschutz gegenüber Toxoplasmose besteht, also eine Infektion überstanden ist. Eine Schwangere, die keinen Immunschutz aufweist, sollte die Katzentoilette nicht säubern, sondern dies ihrem Partner oder anderen Familienmitgliedern überlassen. Zudem sollte die Katzentoilette regelmäßig mit heißem Wasser gereinigt werden. Bei der Nahrung gilt es, auf rohes Fleisch zu verzichten und stattdessen Dosenfutter zu geben. Nach dem Streicheln des Tieres sollte eine Schwangere sicherheitshalber die Hände waschen. Diese Vorsichtsmaßnahmen sind ausreichend. Schwangere, die zu Beginn der Schwangerschaft keinen Immunschutz hatten, sollten ihn nach acht Wochen nochmal überprüfen lassen.

Was ist mit anderen Haustieren?

Hunde übertragen keine Toxoplasmose. Trotzdem sollte der Hund geimpft sein und regelmäßige entwurmt werden, damit das Infektionsrisiko minimiert wird. Im Falle eines Bisses sollte die Wunde immer inspiziert werden und ggf. ein Antibiotikum gegeben werden. Außerdem muss geprüft werden, ob ein ausreichender Tetanus-Immunschutz besteht. Werden exotische Tiere gehalten, sollte der Tierarzt befragt werden, ob ein besonderes Infektionsrisiko besteht.

Sollten Schwangere bestimmte Mikronährstoffe einnehmen oder bei der Ernährung auf etwas Besonderes achten?

Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse ist in der Schwangerschaft und Stillzeit besonders wichtig, um den Mehrbedarf zu decken. Allerdings fällt das vielen Frauen bei bestimmten Mikronährstoffen schwer, besonders bei Vitaminen und Mineralstoffen, deren Bedarf während der Schwangerschaft um das Doppelte oder mehr ansteigt. Im Falle der Folsäure liegt er sogar um 83 Prozent höher. Dabei ist Folsäure für die Bildung und Teilung von Zellen (mütterliches Gewebewachstum) besonders wichtig. Die ergänzende Aufnahme erhöht bei Schwangeren den Folatspiegel, wodurch das Risiko von Neuralrohrdefekten beim heranwachsenden Fötus reduziert werden kann. Die positive Wirkung stellt sich bei einer ergänzenden Aufnahme von 400 μg Folsäure täglich über einen Zeitraum von mindestens einem Monat vor und bis zu drei Monaten nach der Empfängnis ein. Diese benötigte Menge an Folsäure ist mit der normalen Ernährung nur schwer aufzunehmen.

Der Jodbedarf steigt in der Schwangerschaft zwar „nur“ um 15 Prozent, aber eine ergänzende Aufnahme ist sinnvoll, da Deutschland generell ein Jodmangelgebiet ist. Im Falle der wichtigen Omega-3 Fettsäuren DHA und EPA sieht es ähnlich aus, hier beträgt die durchschnittliche tägliche DHA-Aufnahme 98 mg, empfohlen für Schwangere sind aber 200 mg DHA. Die Aufnahme von Docosahexaensäure (DHA) durch die Mutter trägt zur normalen Entwicklung des Gehirns und der Augen beim Fötus und beim gestillten Säugling bei.

Auch den Bedarf an Eisen über die Nahrung zu decken, fällt vielen Frauen schwer. Bei den allermeisten Frauen sinkt der rote Blutfarbstoff im Schwangerschaftsverlauf und es entwickelt sich eine leichte Eisenanämie. Höher dosierte Eisenpräparate sind häufig schwerer verträglich, viele Frauen leiden bei der Einnahme von Eisenpräparaten unter Darmbeschwerden bis hin zu Verstopfungen. Daher ist es sinnvoll, schon frühzeitig etwas Eisen zusätzlich zu sich zu nehmen.

Wie kann ich diesen Mehrbedarf decken?

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, deren Zusammensetzung an Vitaminen und Mineralstoffen gezielt auf die Schwangerschaft und Stillzeit abgestimmt ist, kann die ausgewogene Ernährung und somit die Mikronährstoffversorgung in dieser Zeit unterstützen. Wenn Sie besondere Ernährungsgewohnheiten haben, sich zum Beispiel vegan ernähren, sollte v.a. auf folgende Mikronährstoffe geachtet werden: Vitamin B12, Eisen, Jod, Folsäure, Zink und Calcium.

Auf welche Lebensmittel muss man als werdende Mutter achten, auf welche sollte man verzichten?

Schwangere sollten natürlich keinen Alkohol trinken, keine Drogen nehmen und auch nicht rauchen, da dies zu vielfältigen schweren Problemen beim Kind führen kann. Auch E-Zigaretten sollten Schwangere nicht konsumieren. Bei Koffein gilt es, maßvoll zu genießen. Zwei Tassen Kaffee, schwarzer oder grüner Tee oder zwei Gläser Cola am Tag sollten nicht überschritten werden.

Generell können in rohen tierischen Produkten Bakterien und Viren enthalten sein. Daher sollten Schwangere kein rohes Fleisch und keinen rohen Fisch essen (z.B. kein Sushi oder Mett/Tartar). In Rohmilch, d.h. nicht pasteurisierter Milch, können Listerien enthalten sein. Daher ist diese ebenfalls zu meiden. Die „normale“ Milch aus dem Supermarkt kann bedenkenlos getrunken werden. Leber und Innereien sollten Schwangere ebenfalls nicht verzehren. Auch weich gekochte oder rohe Eier, ebenso Speisen mit rohen Eiern sollten Schwangere aufgrund der Gefahr einer Salmonelleninfektion meiden. Salate, Früchte und Gemüse sollte immer gut gewaschen werden, da sonst Toxoplasmose oder andere Parasiten übertragen werden können.

Ich habe, bevor ich wusste, dass ich schwanger bin, noch Alkohol getrunken. Ist das schlimm?

Das geht ganz vielen Schwangeren so. Wenn man den Schwangerschaftstest bei Ausbleiben der Regelblutung gemacht hat, dann war die Schwangerschaft zu dem Zeitpunkt ungefähr zwei Wochen alt, also noch nicht weit entwickelt. Wenn Frauen also in der Zeit zwischen dem Eisprung und dem Ausbleiben der Regelblutung oder einige Tage nach dem Zeitpunkt, an dem sie die Regelblutung erwartet hätten, Alkohol getrunken haben, müssen sie sich keine Sorgen machen.

Wenn eine werdende Mutter aber erst später gemerkt hat, dass sie schwanger ist und häufiger oder regelmäßig Alkohol getrunken hat, sollte sie das mit ihrer/m Äzt:in besprechen, damit das Risiko abgeschätzt und eventuell auch eine weitergehende Ultraschalluntersuchung gemacht werden kann.

In den ersten Wochen der Schwangerschaft werden die Organe angelegt, so dass diese Wochen sehr wichtig sind und Einflüsse wie Alkohol, Drogen, Medikamente oder Röntgenstrahlungen die Entwicklung beeinflussen können. In der ganz frühen Phase der Schwangerschaft verlaufen Schäden allerdings oft nach dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“. Das heißt, entweder der „Schaden“ ist so groß, dass es zu einer Fehlgeburt kommt, oder die Schwangerschaft wird nicht geschädigt.

Welche Sportarten bieten sich für werdende Mamas an, welche eher nicht?

Generell ist körperliche Aktivität in der Schwangerschaft förderlich, da sie Beschwerden wie Rückenschmerzen vorbeugen und lindern kann, aber auch das Risiko für Komplikationen, wie ein „Schwangerschaftszucker“ (Gestationsdiabetes) und Bluthochdruck, reduziert. In welcher Intensität eine werdende Mutter in der Schwangerschaft Sport treiben kann, hängt von ihrem Trainingszustand und der Schwangerschaftswoche ab. Generell sollte man etwas weniger intensiv und kürzer als gewohnt trainieren.

Empfehlenswert sind Walken, Joggen (im Verlauf der Schwangerschaft auf Walken wechseln), Schwimmen, Fahrrad fahren (so lange man sich auch mit größer werdendem Bauch sicher fühlt), Yoga, Wassergymnastik, Gymnastik und ähnliches. Schon täglich ein langer Spaziergang an der frischen Luft wird Ihnen und der Schwangerschaft guttun. Abzuraten ist von allen Sportarten mit Verletzungsrisiko und Sturzrisiko, wie Kampfsportarten, Ballsport in der Mannschaft, Ski fahren und Reiten. Kraftsport ist ebenfalls nicht empfehlenswert. Tauchen in größerer Tiefe mit Sauerstoffflasche dürfen Schwangere nicht, da die Dekompression für den Fetus gefährlich ist.