Entschleunigung - weniger Stress, mehr Zeit im Alltag

Vergleicht man die Vergangenheit mit der Gegenwart fällt auf, dass unsere Welt in den meisten Bereichen immer schneller wächst und sich ständig weiterentwickelt. Es gilt mittlerweile als fortschrittsfeindlich mal langsam zu machen. Auf Dauer ist das für die eigene Gesundheit nicht vorteilhaft. Die Slow-Bewegung setzt sich diesem Trend entgegen.
Die Slow-Bewegung, auch unter Entschleunigung zusammengefasst, hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung zugenommen. Sie dient der Auszeit von der hektischen, leistungs- und konkurrenzorientierten Welt, denn heutzutage hat man oft das Bedürfnis sein Gleichgewicht wiederherzustellen.

Der Anfang der Bewegung

Alles begann im Jahr 1986, als die Fast-Food-Kette McDonalds in Rom ihre erste italienische Filiale eröffnete. Damals war die Empörung immens, denn die Arbeitskultur von McDonalds widersprach der einheimischen Küche Italiens. In der italienischen Esskultur geht es vor allem darum, sich Zeit für die Zubereitung und den Genuss der Zutaten zu nehmen. Die Folge waren Proteste gegen McDonalds, die von Tausenden unterstützt wurden. Zu den Gegnern zählte auch Carlo Petrini, der noch im selben Jahr die Organisation Slow Food gründete. Diese setzt sich für die Wahrung von ursprünglichen Zutaten, lokalen Gerichten und die Biolandwirtschaft ein. 
2004 publizierte Carl Honoré das Buch Slow Life: Neue Kreativität und Lebensqualität durch die Verwirklichung von Eigenzeit. Das Buch war das erste Standardwerk, was wirklich das Thema eines entschleunigten Lebens behandelte. 

Entschleunigung – was genau ist das?

Bei der Slow-Bewegung geht es nicht um Langsamkeit an sich, sondern viel mehr um die Balance zwischen dem einen und dem anderen. Man soll den Dingen mehr Aufmerksamkeit schenken und sich die Zeit nehmen um das Aroma des Lebens auszukosten.
Der verstorbene israelische Schriftsteller Amoz Oz sagte einst: „Alle schönen Dinge, die ich mir vorstellen kann oder erlebt habe, werden noch schöner und besser, wenn man sie häppchenweise genießt, wenn man sich Zeit dafür nimmt.“
Es existieren bereits einige Lebensphilosophien rund um die Entschleunigung, z.  B. Hygge, Wabi Sabi aus Japan oder der allbekannte Minimalismus. Man legt generell sehr viel Wert auf Qualität und liebevolle Handwerkskunst, man sollte sich den Dingen im Leben intensiv widmen. Geld soll dabei eine eher geringere Rolle spielen.

Wie sieht es heute aus?

Es gibt einige Beispiele die darstellen, wie gut sich das Lebensbild Entschleunigung bereits etabliert hat.
Weltweit gibt es mittlerweile etwa 250 Städte, die für das Cittaslow qualifiziert sind. Dabei handelt es sich um ein internationales Gütesiegel, was die Lebensqualität der Bewohner an erste Stelle stellt. In Deutschland existieren momentan 21 dieser Städte. Der Fokus liegt hier vor allem auf Nachhaltigkeit und Innovation, die primär von den Bürgern vorangetrieben werden soll.
Auch die Natur ist ein Fokuspunkt vieler Menschen geworden. Die Natur lässt sich nicht drängen, sie existiert einfach und geht nur ihren Aufgaben nach, sie macht also genau das, wofür sie bestimmt ist. Das inspiriert die Menschen und so gibt sie ihnen einen optimalen Ruheort. 
Auch der Trend, sein Smartphone mal über das Wochenende auszuschalten, kriegt immer mehr Unterstützer. Hierbei handelt es sich um eine weitere Art sich von der hektischen Welt zu distanzieren.

Und zum Schluss...

Beschleunigung an sich ist nichts Schlimmes, nur, wenn sie die Überhand gewinnt, kann es problematisch werden. Deswegen geht es bei der Slow-Bewegung um ein gesundes Gleichgewicht. 
Stelle dir doch einfach mal die folgenden Fragen und denk‘ intensiv über die Antwort nach:
Was ist mir persönlich so wichtig, dass ich ihm Zeit widmen möchte?
Welche Elemente machen mein Leben lebenswert?
Zum Schluss noch ein Zitat, das ebenfalls in Ruhe hinterfragt werden kann:
„Der größte Feind der Qualität ist die Eile.“ ~ Henry Ford
 

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