Gesund durch die kalte Jahreszeit - Tipps gegen Erkältung

Experteninterview mit Dr. Kathrin Hamann

Dr. Kathrin Hamann ist niedergelassene Allgemeinmedizinerin aus München und beantwortet uns im Interview die wichtigsten Fragen rund um das Thema Erkältung.

Ab wann kommen vermehrt Patienten mit Erkältungen in Ihre Praxis? Kann man das rund um einen bestimmten Zeitpunkt bestimmen?

Wie jedes Jahr beginnt die erste Grippewelle ab Ende August und hält oft bis Mitte März ins nächste Jahr noch an. Vor allem, wenn es nach dem Sommer bei wechselhaftem Wetter abkühlt, bis sich die Temperaturen dem Nullpunkt neigen, kämpft unser Körper und versucht, sich anzupassen. Außerdem steigt in der Erkältungs- und Grippezeit natürlich die Ansteckungsgefahr. Im Frühjahr können wir dann die warmen Tage nicht erwarten und legen bei den ersten Sonnenstrahlen meist mehr Kleider ab, als nötig. So sind grippale Infekte auch im Frühjahr eine regelmäßige Erscheinung.

Wie erkälten sich die meisten Menschen?

Die Basis für eine Erkältung ist immer ein geschwächtes Immunsystem, denn nur dann sind wir für grippale Infekte angreifbar. Das Immunsystem wird in der Winterzeit aber auch stark gefordert: Drinnen ist es oft warm, draußen dann sehr kalt, die Luft in den Räumen, in denen wir uns aufhalten, ist trocken und unsere Schleimhäute somit häufig nicht feucht genug. Die Ernährung in den dunklen Monaten kann deftiger und weniger vitaminhaltig sein. Wir trinken häufig nicht ausreichend, weil wir keinen so großen Durst verspüren wie zum Beispiel unter sommerlicher Hitze.

Wie lange sollte man sich bei einem grippalen Infekt schonen?

Die meisten Patienten wollen nicht krankgeschrieben werden. Dabei ist das Ausruhen wichtig für die Genesung. Man sollte dabei auch nicht nur an sich, sondern auch an die Mitmenschen im Büro denken. Jeder Erkältete ist ein potentielles Infektionsrisiko auch für die Kollegen. Man sollte erst dann wieder zur Arbeit gehen, wenn man das Gefühl hat, der beruflichen Belastung ohne Medikamente standhalten zu können. Hier muss man dann ganz ehrlich zu sich sein. Wenn ein Patient montags zu mir kommt, schreibe ich ihn meistens bis freitags krank, damit er sich ausreichend erholen kann. Ein nicht ausgeheilter Infekt kann erneut und oftmals sehr viel schwerer wieder zurückkommen. 

Wie kann man Erkältungen bzw. die Ansteckung am Arbeitsplatz in Herbst und Winter am besten vermeiden? Haben Sie Tipps?

Für alle gilt: Warm anziehen ist das A und O. Bestenfalls sollte man dabei auch den Hals schützen mit einem Schal oder Rollkragenpullover. Dazu viel trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten, auch, wenn man keinen Durst hat. Vitaminreiche Ernährung ist auch im Büro sehr wichtig. Darauf sollte man vor allem in den Wintermonaten achten und sich gerne auch Mahlzeiten selbst mit ins Büro bringen. Auch Stress kann sich negativ auf die Abwehrkräfte auswirken. Ideal ist, wenn man mit Bewegung oder Meditation für einen Ausgleich sorgen kann. Und ansonsten: ausreichend schlafen – aber natürlich nicht während der Arbeitszeit.

Welche Ratschläge geben Sie Erkältungspatienten? Haben Sie Hausmittel, die Sie bei Erkältung selbst einsetzen?

Das Wichtigste ist viel zu trinken, am besten Wasser und Kräutertees, und die Flüssigkeitsaufnahme auch gerne durch Suppen zu ergänzen. Zuckerfreie Bonbons lutschen, um die Schleimhäute feucht zu halten, die Raumluft Zuhause befeuchten, das geht zum Beispiel mit einem nassen Handtuch über der Heizung. Auch ein Erkältungsbad kann das Körperempfinden verbessern und eine Nasendusche dabei helfen, ungewollte Bakterien oder Sekret aus der Nase zu spülen. 

Welche Symptome treten bei Erkältung, welche bei einer Grippe häufig auf? Wie kann ich das unterscheiden und wann sollte ich zum Arzt gehen?

Es gibt 100 verschiedene Grippeviren, unzählige Bakterien, die sich dazu gesellen und uns das Leben schwer machen. Die Unterscheidung, ob es eine echte Grippe oder ein grippaler Infekt ist, spielt im Alltag keine wesentliche Rolle. Krank fühlt man sich in jedem Fall. Klassische Symptome eines grippalen Infekts sind Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Müdigkeit, Schnupfen, Halsschmerzen, Husten und eine erhöhte Temperatur. Ab 38,5 spricht man von Fieber. Bei einer ‚echten Grippe‘, der Influenza, ist der Körper jedoch stärker und oft auch länger betroffen. 

 

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