Ernährungswissen ist ausbaufähig

Die Krankenkasse AOK hat eine Studie zur Ernährungskompetenz der Deutschen vorgestellt – und bezeichnet die Ergebnisse als “alarmierend”.

Bei der repräsentativen Befragung zeigten über die Hälfte der Teilnehmer ein “problematisches” Ernährungswissen. 1,3 Millionen Erwachsene verfügen danach gar nicht über ausreichende Kenntnisse, um sich ausgewogen zu ernähren. Aus den Ergebnissen leiten die Autoren klare politische Forderungen ab.

“Ernährungskompetenz ist das Rüstzeug, (…) um die Qualität der Ernährung zu gewährleisten. Dazu gehören Wissen, Fertigkeiten und Verhaltensweisen, um Essen zu planen, zu organisieren, auszuwählen und vorzubereiten, so dass ernährungsspezifische Bedürfnisse abgedeckt und die Aufnahme von Nährstoffen abgesichert werdne können”, definiert der Studienbericht.

Junge Eltern oft überfordert

Ausreichende Ernährungskompetenz fehlte der Studie zufolge vor allem bei jungen Erwachsenen. Von den 18- bis 24-jährigen erreichten nur etwas mehr als ein Drittel ausreichende Werte. Ähnlich bescheiden schnitten Studienteilnehmer mit einem niedrigen formalen Bildungsabschluss ab.
Prof. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und praktizierender Pädiater, ist mit dieser Entwicklung regelmäßig im kinderärztlichen Alltag konfrontiert: „Generell sehe ich bei jungen Eltern einen zunehmenden Rückgang der Fähigkeiten zur selbstständigen Zubereitung von Mahlzeiten aus Grundnahrungsmitteln. Dies ist auch deshalb problematisch, weil Fertigprodukte regelmäßig zu viel Kalorien, Zucker, gesättigtes Fett und Salz enthalten. So kommt es insgesamt zu einer schlechteren Ernährungsqualität in vielen Familien mit Kindern, gerade auch, wenn diese nicht einfach zwischen schlechteren und besseren Fertigprodukten unterscheiden können.“

Repräsentative Ergebnisse

Die Ergebnisse stehen auf einer recht breiten Basis: Knapp 2000 Personen zwischen 18 und 69 Jahren beantworteten online 29 Fragen rund um die eigene Ernährung. Dabei fragte man nicht konkret, was gegessen wurde, sondern wie die Menschen ihre eigenen Fähigkeiten einschätzen. Eine der Fragen lautete etwa: “Können Sie ein Kochrezept selbst verändern?” Die möglichen Antworten waren in einer fünfstufigen Skala gestaffelt.
In einem zweiten Teil mussten die Teilnehmer anhand einer Eispackung mit Nährwertangaben Fragen zu dem Produkt beantworten. Daraus errechneten die Forscher einen Wert für die Fähigkeit, Ernährungsinformationen richtig zu erfassen. Eine Beispielfrage war: Angenommen, Ihnen wurde geraten, zum Nachtisch nicht mehr als 60 Gramm Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, wie viel dürfen Sie dann höchstens von der Eiscreme essen?

Besserer Rahmen für gesündere Auswahl

Der Vergleich von Lebensmitteln bezüglich ihrer Nährwerte war für viele besonders schwer: 72 Prozent der Befragten hatten hier keine ausreichenden Fähigkeiten. „Es war höchste Zeit, dass die Lebensmittelampel, der sogenannte Nutri-Score, auch in Deutschland eingeführt wurde. Allerdings bringt es nichts, wenn die Lebensmittelindustrie die Kennzeichnung von Nährstoffen nach Lust und Laune auf ihren Produkten platzieren darf. Hier brauchen wir eine Verpflichtung“, betonte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Weitere Forderungen der Experten sind ein Werbeverbot für zuckerlastige Kinderlebensmittel und verpflichtende politische Vorgaben zur Zuckerreduktion in Fertiglebensmitteln.

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