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Ethisch essen – Ethikrat mit Vorschlägen zur Ernährung

Unter der Überschrift „Wohl bekomm’s! Dimensionen der Ernährungsverantwortung“ diskutierte der von der Bundesregierung bestellte Ethikrat im Juni über das Thema Ernährungsverantwortung zwischen Selbstregulation und Steuerung. Das interdisziplinäre Expert:innengremium - unter anderem aus Neurowissenschaftler:innen, Gesundheitsökonom:innen, Ethiker:innn und Ernährungsepidemiolog:innen - war sich in seiner Einschätzung überraschend einig: Um die Welle an Adipositas und Diabetes-Erkrankungen in Deutschland zu brechen, werden mehr Steuerungsmaßnahmen benötigt. Die Wissenschaftler:innen wünschen sich mehr verbindliche Regeln und befürworten entschlosseneres Handeln der Politik.

Gesundes günstiger Besteuern


Übergewicht und Diabetes sowie die damit verbundenen Folgeerkrankungen stellen ein zunehmend großes Problem der öffentlichen Gesundheit dar, dessen Kosten sich mit Hilfe entsprechender Modelle berechnen lassen. Professor Reinhard Busse von der TU Berlin stellte eine Hochrechnung vor, nach der mehr als 10 Prozent der Gesundheitsausgaben in Deutschland auf Adipositas, also krankhaftes Übergewicht, zurück zu führen sind. Professor Anette Byken von der Universität Paderborn verweist darauf, dass man in der Vergangenheit enorm unterschätzt habe, wie stark die Umgebung Einfluss auf unsere Ernährungsentscheidungen nimmt, also beispielsweise das Angebot in der Kantine oder am Bahnhof. Gleichzeitig sei überschätzt worden, was der Einzelne selbst in der Hand habe. Daher stoße man mit bloßen Informationskampagnen an Grenzen. Aus Sicht der Forschung gebe es viele Hinweise, dass die Anreize für gesündere Ernährung verbindlich geregelt werden müssten – also nicht durch freiwillige Selbstverpflichtung. Sie führte beispielsweise die Einführung einer Zuckersteuer und die Abschaffung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für tierische Produkte auf und regte gleichzeitig an, in Kitas und Schulen gesundes Essen kostenfrei für alle anzubieten.

 

Werbung eindämmen und Nährwerte kennzeichnen


Prof. Busse plädierte für eine Regulierung der Bewerbung ungesunder Snacks an Kinder, da diese Maßnahme aus gesundheitsökonomischer Sicht ein besonders gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis habe, ebenso wie die verbindliche Kennzeichnung von Menüs in der Gastronomie nach Gesundheitsaspekten, etwa mit dem NutriScore-System (umgangssprachlich auch „Lebensmittel-Ampel“ genannt). Professor Annette Horstmann lobte diese Art der Kennzeichnung aus Sicht der Neurowissenschaften ebenfalls als sinnvolle Maßnahme und wünscht sich eine verpflichtende Kennzeichnung: „Der Nutri Score leistet etwas ganz hervorragendes, nämlich Informationsreduktion. Das heißt, Menschen sind eher in der Lage … eine Entscheidung zu fällen und müssen nicht sehr viele eventuell unbekannte Größen miteinander vergleichen.“ Professor Thomas Mohrs von der pädagogischen Hochschule Oberösterreich stellte fest: „Mit jedem Ess-Akt entscheiden wir mit über die den Zustand der Welt, in der wir leben (wollen). Essen ist daher keine reine Privatsache, sondern jedes Ma(h)l ein politischer Akt.“ Das Gremium war sich weitgehend einig, dass Verbraucher:innen mit ihrer Verantwortung für eine gesündere und nachhaltigere Ernährung nicht allein bleiben, sondern von entsprechenden Marktregulierungen unterstützt werden sollen.