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Pollen einer Grünpflanze fliegen durch die Luft

Gemeinsam stärker: Pollen und Viren

Laufende Nasen und Niesanfälle führen in der Öffentlichkeit in Pandemiezeiten zu misstrauischen Blicken – auch wenn es sich “nur” um Heuschnupfen handelt. Einer neuen Studie zufolge könnten hohe Pollenkonzentrationen in der Luft das Infektionsrisiko steigern – auch für Menschen ohne Allergie.

Es ist Pollen-Hochsaison! Derzeit schweben vor allem Gräser und Getreidepollen durch die Luft. Viele Pflanzen vertrauen bei der Verbreitung ihres Blütenstaubes auf den Wind. Weil der nicht besonders zuverlässig arbeitet, muss von Windbestäubern besonders viel Pollen produziert und auf die Reise geschickt werden – eine einzige Roggenähre setzt zum Beispiel mehr als 4 Millionen Pollenkörner frei!

Pollen als Infektionshelfer

Wissenschaftler der TU München haben analysiert, ob die Pollenkonzentration einen Einfluss auf das Infektionsrisiko mit Sars-Cov-2 hat – und fanden einen linearen Zusammenhang. Das bedeutet: Je mehr Pollen in der Luft waren, desto größer war das Infektionsrisiko, wenn keine anderen Maßnahmen das Infektionsgeschehen bremsten. Schon vorher war bekannt, dass eine hohe Pollenbelastung verschiedenen Rhinoviren quasi Schützenhilfe leistet. Mit einer umfassenden Analyse auf der Basis von Daten aus 31 Ländern konnten die Wissenschaftler auch für das Coronavirus zeigen, dass hohe Pollenkonzentrationen das Infektionsgeschehen fördern. Bei 500 Pollen pro Kubikmeter (ein Wert, der in deutschen Städten regelmäßig erreicht wird), stiegen die Infektionsraten um stolze 20 Prozent.

Auch Nicht-Allergiker betroffen

Pollen sind Antigene, sie lösen eine Reaktion des Immunsystems aus. Das ist zunächst eine Art “erkennungsdienstliche Behandlung”. Manche Menschen entwickeln bei wiederholtem Kontakt eine Allergie, dann missdeutet die Abwehr die Pollen-Antigene als gefährliche Keime und löst eine übertriebene Abwehrreaktion aus – Heuschnupfen ist die Folge. Aber auch das Immunsystem von Menschen ohne Allergie reagiert auf hohe Antigen-Konzentrationen: Die frühe Immunantwort wird heruntergeregelt. Auch antivirale Botenstoffe wie die Interferone fallen dieser Anpassung zum Opfer. Dadurch wird Viren wie Sars-Cov-2 der Einstieg in die Körperzellen erleichtert.

Die gute Nachricht: FFP2-Masken schützen vor Viren – und erst recht vor Pollen. Pollenkörner sind etwa 10-mal größer als die Viruspartikel von Sars-Cov-2. Vor diesem Hintergrund kann die Atemschutzmaske beim Spaziergang durch die Felder auch dann sinnvoll sein, wenn alle Abstandsgebote eingehalten werden. Bewegung an der “frischen” Luft ist trotz allem unverzichtbar für ein starkes Immunsystem. Belaubte Wälder sind effiziente Pollenfilter, und auch im Nadelwald ist die Pollenbelastung meist geringer.