Homeschooling am Herd

Selbst wenn die Schulen wieder öffnen - für Kinder fallen geliebte Alltagsaktivitäten schon seit langer Zeit flach. Eltern können meistens weder den Fußballverein noch das Musikschulorchester ersetzen. Nutzen wir die Zeit, um Alltagskompetenzen zu stärken - das geht sogar, während Eltern ihre häuslichen Aufgaben erledigen. Wer mit seinen Kindern kocht, kann viele Fähigkeiten gleichzeitig vermitteln, darauf weist das Baden-Württembergische Landeszentrum für Ernährung hin.

Kochen mit Kindern: Was bringt das wirklich?

Lernen mit allen Sinnen

Nach einem Vormittag am Bildschirm oder über Büchern ist der Umgang mit Lebensmitteln ein haptisches Erlebnis mit Geruchs- und Geschmackseindrücken. Was ist essbar, was muss weg? Wie putzt man Gemüse? Wer beim Kochen mitmacht, erwirbt ganz praktische Alltagskompetenzen. Schon Vorschulkinder trainieren beim Schälen (mit dem Sparschäler) oder Kleinschneiden von Früchten unter Aufsicht ihre Feinmotorik – und werden mit Erfolgserlebnissen belohnt.

Mathe und Deutsch in der Anwendung

Für Grundschüler sind das Lesen von Kochrezepten oder die Anwendung und Umrechnung von Maßeinheiten eine Vertiefung des Vormittagsstoffs. Ältere können auch ein Rezept auf eine andere Personenzahl umrechnen oder alternative Lösungen finden, beispielsweise wenn eine Zutat fehlt oder nicht gemocht wird.

Hygiene und Sicherheit

Je nach Altersstufe werden Techniken zum sicheren Umgang mit heißen Geräten und Speisen gelernt – und gefestigt. Gleiches gilt für die Küchenhygiene: Warum darf man das Brettchen vom Hähnchenschneiden nicht zum Salatzerkleinern benutzen? Ein Gefühl für die richtige Behandlung etwa von rohem Fleisch, Fisch oder Eiern entwickelt sich nicht beim ersten oder zweiten Kochen – die entsprechenden Arbeitsschritte müssen geübt werden. Wer sich die Mühe macht, Hintergründe zu erklären, legt den Grundstein für die sichere Zubereitung von Lebensmitteln.

Kooperation und Teamwork

Gerade die fehlende Gemeinschaft in Vereinen und Gruppen hat die Entwicklung von Kindern im vergangenen Jahr verzögert. Einige der dort trainierten Fähigkeiten werden auch beim Kochen gebraucht: Team- und Kommunikationsfähigkeit etwa – denn wer zusammen kocht, muss sich organisieren, sich helfen und helfen lassen.

Besseresser ausbilden

Wer Butter und Zucker für seine Kekse selbst abgewogen hat, weiß, wieviel 10 g Zucker in einem kleinen Glas Limonade sind. Und wer sein Gemüse mühevoll selbst geputzt hat, probiert vielleicht eher davon. In jedem Fall fördert Kochen die Wertschätzung für Lebensmittel und im Idealfall die Neugier. Anfangs müssen Eltern für das gemeinsame Kochen etwas mehr Zeit einplanen – aber das zahlt sich schnell aus: Während die Kinder mit jeder Stunde “Unterricht am Herd” schneller und sicherer werden, sparen Eltern mittelfristig Zeit und Nerven. Spätestens ab dem Wechsel zur weiterführenden Schule schaffen die meisten Kids einfache Mahlzeiten schon ganz allein.

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