Unser Immunsystem – Ein perfekt abgestimmtes Netzwerk

Die Erkältungszeit steht vor der Tür und die Corona Pandemie beschäftigt uns auch nach einem halben Jahr immer noch regelmäßig. Da ist ein starkes Immunsystem wichtiger denn je. Doch das komplexe, hochsensible Netzwerk der körpereigenen Abwehr ist nicht nur in Zeiten hoher Viruslast aktiv. Es schützt uns rund um die Uhr vor Krankheitserregern, Umweltfremdstoffen, und schädlichen körpereigenen Veränderungen. Allerdings nicht immer fehlerfrei. Erkrankungen und Allergien sind dann die Folge.

Tag für Tag sind wir Millionen von Viren, Bakterien und Fremdpartikeln wie Staub oder Pollen ausgesetzt. Fast alle bekämpft unser Körper, ohne dass wir es bemerken. Dass wir uns trotz dieser „feindlichen Attacken“ meist gesund fühlen, verdanken wir einem hochsensiblen Schutzmechanismus: dem Immunsystem. Wie der Begriff „System“ bereits verrät, handelt es sich dabei nicht im ein einzelnes Abwehrorgan, sondern ein perfektes Zusammenspiel verschiedener Gewebe und Organe, darunter Knochenmark und Thymus, sowie Milz, Mandeln, Lymphknoten, Darm, und Zellen. Funktionell wird das Immunsystem in zwei eng miteinander verbundene Komponenten gegliedert: die angeborene (unspezifische) und die erworbene (spezifische) Abwehr.

Das menschliche Immunsystem

Unsere angeborene, unspezifische Immunantwort

Bevor Erreger und Fremdstoffe in unseren Körper eindringen können, müssen sie zunächst unseren äußeren Schutzwall, die Haut und Schleimhäute, überwinden. Diese bilden dank ihrer dicht gepackten Zellen und Härchen sowie der Ausscheidung von Flüssigkeiten (Speichel, Talg, Magensäure, Säureschutzmantel etc.) eine wirkungsvolle Barriere, die die gröbsten Angriffe von außen abhält. Gelingt es einem Krankheitserreger dennoch die erste Abwehrlinie zu überwinden, werden durch Alarmsignale Mechanismen der unspezifischen Abwehr in Gang gesetzt. Binnen weniger Minuten beginnen sogenannte „Fresszellen“ (Phagozyten), natürliche Killerzellen und verschiedene Botenstoffe, die Eindringlinge zu markieren und unschädlich zu machen.

Auf diese Weise werden schnell und effektiv Krankheitserreger und andere Fremdstoffe angegriffen. Auch abgestorbene körpereigene Zellen werden mit Hilfe der Fresszellen (z.B. Makrophagen, Monozyten), beseitigt. So kann beispielsweise die Entstehung von Infektionsherden rasch eingedämmt werden. Stößt die angeborene Abwehr an ihre Grenzen, leiten antigenpräsentierende Zellen wie Makrophagen und dendritische Zellen die spezifische Abwehr ein, indem sie den Immunzellen der spezifischen Abwehr Teile der Erreger (Antigene) auf der Oberfläche präsentieren.

Erworbenes, spezifisches Immunsystem: maßgeschneiderte Abwehr von Erregern

Im Gegensatz zum unspezifischen Immunsystem, das im Ansatz bereits bei der Geburt vorliegt, wird die spezifische Immunantwort erst im Laufe des Lebens erworben. Im Zentrum der erworbenen Abwehr stehen spezialisierte weiße Blutkörperchen, die T- und B-Lymphozyten. Diese bilden während ihrer Entwicklung Rezeptoren auf der Zelloberfläche aus, die ein ganz bestimmtes Antigen erkennen und binden können. Wird den Lymphozyten später das entsprechende Antigen präsentiert, werden sie aktiv und setzen verschiedene Mechanismen der spezifischen Abwehr in Gang. T-Lymphozyten (T-Zellen) gelten dabei als „Organisatoren“ der Immunreaktion, da sie über Botenstoffe B-Lymphozyten, Fresszellen und andere Immunzellen anregen. Darüber hinaus können T-Zellen Erreger auch direkt abtöten. Je nach Funktion unterscheidet man daher zwischen T-Helfer-, T-Killer oder regulatorischen T-Zellen.

Aktivierte B-Lymphozyten (B-Zellen) reifen nach Kontakt mit einem Antigen und durch Wechselwirkung mit T-Lymphozyten weiter zu Plasmazellen heran. Diese produzieren Antigen-spezifische Antikörper, die sich nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an die Oberfläche des Eindringlings anheften und ihn so wie kleine Fahnen für die Zerstörung durch Fress- und Killerzellen markieren. Ein Teil der T- und B-Lymphozyten wird nach einer überstandenen Infektion zu sogenannten Gedächtniszellen. Diese speichern Informationen über feindliche Strukturen, so dass der Körper bei wiederkehrenden Bedrohungen schnell reagieren kann.

Auf diese Weise bleiben wir vor vielen Erregern oft jahrelang geschützt, oder müssen sie nur einmal erleiden. Wir sind dann gegen bestimmte Eindringlinge immun geworden, ein Lernprozess, den sich auch das Impfen zu nutze macht. Insgesamt sind rund eine Milliarde Lymphozyten ständig im Körper unterwegs, um „fremde Strukturen“ aufzuspüren. Auch Viren und Bakterien, die sich im Laufe der Zeit etwas verändern, kann unser Körper häufig erkennen, da sich die spezifische Abwehr immer wieder anpasst und dazulernt.

Freund oder Feind? Nicht immer gelingt die Unterscheidung

Genau wie schädliche Krankheitserreger besitzen auch unsere eigenen Körperzellen charakteristische Oberflächenstrukturen (Antigene). Daher ist es für ein funktionierendes Abwehrsystem wichtig, dass die Immunzellen unterscheiden können, wer Freund oder Feind ist. Bereits während der Reifung im Knochenmark bzw. Thymus erlernen die B- und T-Zellen diese Fähigkeit und werden ständig „getestet“ bevor sie in die Lymphe und das Blut entlassen werden. Zudem kontrollieren regulatorische T-Zellen ihre zytotoxischen Artgenossen, damit sie kein körpereigenes Gewebe angreifen.

Manchmal kommt es jedoch trotzdem vor, dass die Immunzellen körpereigene Markierungen nicht als solche erkennen und die Zellen zerstören. Autoimmunerkrankungen können dann die Folge sein. Auch bei Allergien, Heuschnupfen, Asthma und Ekzemen reagiert das Immunsystem zu heftig und startet Angriffe in eigentlich harmlosen Situationen. Die genauen Ursachen sind noch nicht abschließend geklärt. 

Leichte Infekte trainieren das Immunsystem

Um uns gut gegen Krankheitserreger schützen zu können, ist es wichtig, dass unsere Immunsystem regelmäßig trainiert. Leichte Erkältungen zum Beispiel sind zwar sehr lästig, bereiten die körpereigene Abwehr aber gut auf stärkere Infektionen vor. Der Kontakt mit unterschiedlichen Viren und Bakterien hält das Abwehrsystem ferner davon ab, auf harmlose Substanzen wie Blütenpollen überschießend zu reagieren. Experten gehen davon aus, dass die „Auseinandersetzung“ mit Schmutz und Keimen vor allem in jungen Jahren eine wichtige Voraussetzung für eine normale Entwicklung des Immunsystems ist. Übertriebene Hygiene hingegen führt nach dieser Theorie dazu, dass das Immunsystem nur eingeschränkt aktiv und „unterbeschäftigt“ ist. Folglich tobt es sich dann zum Beispiel mit der Ausbildung allergischer Erkrankungen aus.

5 starke Tipps für eine schlagkräftige Abwehr

Unser Immunsystem wird zwar in der Kindheit entscheidend geprägt, doch auch im Erwachsenenalter können wir die Schlagkräftigkeit der Abwehrkräfte beeinflussen. Der Lebensstil spielt dabei eine besondere Rolle. Mit folgenden einfachen Maßnahmen kannst Du Dein Immunsystem stärken und entspannter in die Herbstsaison starten. Bleib also gesund!

  • Ernähre Dich ausgewogen und mikronährstoffreich, denn ein wirkungsvolles Immunsystem braucht viele Vitamine und Mineralstoffe
  • Schlafe ausreichend und sorge für Entspannung! Dauerstress ist Gift für das Immunsystem, da Cortisol und andere Stresshormone das Immunsystem vorübergehend herunterfahren. Deshalb sind wir während starker Belastung im Beruf oder der Familie auch häufig anfälliger für Infekte.
  • Bleibe aktiv! Regelmäßige Bewegung stärkt nicht nur die Muskeln, sondern auch die körpereigene Abwehr. 
  • Reduziere Alkohol und Zigarettenkonsum! Rauchen reizt die Schleimhäute und kann die Konzentration der Abwehrstoffe im Blut reduzieren. Auch Alkohol schwächt das Immunsystem, da er sich negativ auf die Fresszellen und die Produktion von Botenstoffen auswirkt.  
  • Härte Dich ab und tanke Sonne solange es noch geht. Wechselduschen oder Saunagänge setzen Reize für das Immunsystem und halten es so auf Trab. Ausgedehnte Spaziergänge in der Septembersonne helfen darüber hinaus, Deinen Vitamin D Speicher vor dem Winter noch einmal aufzutanken. Vitamin D ist essentiell für eine intakte Abwehr.

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