Journaling – wie Deine eigenen Worte Dein Leben verändern können

Viele Menschen haben in ihrer Kindheit oder als Teenager einmal ein Tagebuch geführt. Darin wurden dann bestimmte Ereignisse, Gefühle und Gedanken ungeordnet aufgeschrieben. Mittlerweile hat sich ein neuer Trend namens Journaling durchgesetzt, der vielen Erwachsenen auf ähnliche Weise auf ihrer Suche nach sich selbst hilft.

Das Mittel zu mehr Selbstliebe

An sich beschreibt Journaling einen sich täglich wiederholenden Vorgang, der ansatzweise mit dem Führen eines Tagebuchs erklärt werden kann. Auch beim Journaling schreibt man seine Gedanken, Gefühle und Eindrücke des Tages auf. Allerdings besitzt diese Methode mehr Struktur und der Hauptfokus liegt in dem Erlangen von Selbstliebe, indem man sich selbst besser kennenlernt. Sie soll einen positiven Einfluss auf die Seele haben.

Viele Menschen berichten, dass Journaling ihnen auf ihrem Weg zur Selbstliebe sehr weitergeholfen hat. Außerdem sprechen viele von der Optimierung ihres Lebensstils. Erstaunlicherweise berichten gerade erfolgreiche Menschen, die einen vollgepackten Alltag haben, davon, dass sie Journaling als Methode nutzen. Doch was hat es damit auf sich?

Wie genau funktioniert das?

Im Großen und Ganzen schreibst Du wirklich „nur“ Deine Gedanken und Gefühle des jeweiligen Tages auf. Dabei ist Ordnung nicht von Wichtigkeit, denn es sollte niemals der Eindruck entstehen, dass Du unbedingt “gute” oder “schlaue” Gedanken aufschreiben musst. Dein Journal soll ein wertfreier Raum sein, in dem Du so sein kannst, wie Du bist. Auch solche Dinge wie Rechtschreibung oder Grammatik darfst Du dabei über den Haufen werfen – sie sind beim Journaling nicht oberste Priorität.

Du sollst Dich einfach nur auf das Schreiben konzentrieren. Sonst fällst Du schnell in die Gewohnheit, Dich selbst als jemanden zu präsentieren, von dem Du denkst, dass andere Menschen ihn mögen würden. Das ist nicht der Sinn der Sache.

Oft wird empfohlen, auch tatsächlich Papier und Stift zu nutzen. Das analoge Aufschreiben dauert meist länger, sodass kein Gefühl von Stress aufkommt. So musst Du Dir wirklich Zeit für Dich nehmen. Außerdem hält es Dich davon ab, Deine Worte immer wieder umzuordnen oder auszutauschen. Hast Du einmal etwas aufgeschrieben, wird es wortwörtlich auf dem Papier “festgehalten”.

Viele Menschen setzen sich außerdem ein tägliches Ziel. Die zwei Hauptformen sind hier entweder ein Seiten- oder ein Zeitlimit. Manche entscheiden sich dafür, jeden Tag z.B. drei volle Seiten aufzuschreiben, während andere sich lieber das Ziel setzen, jeden Tag 15 Minuten zu schreiben. Letzteres ist gerade für Menschen hilfreich, die einen sehr vollen Alltag haben.

Die Struktur im Journaling rührt von den sogenannten “journaling prompts” her. Das sind Fragen oder Anregungen, die man sich selbst stellen kann und deren Antworten man vielleicht täglich, vielleicht aber auch nur wöchentlich aufschreibt, um eine Entwicklung zu erkennen. Sie können aber auch einfach als Erinnerung an die positiven Dinge im Leben dienen. Beispielsweise könntest Du fragen: Was sind drei Dinge, die ich heute getan habe, auf die ich stolz bin?

Viele halten auch täglich eindeutige Informationen, wie die Uhrzeit, das Wetter oder - für Frauen - den Tag im Zyklus fest, um nach ein paar Wochen oder Monaten zu erkennen, inwiefern diese Faktoren die Stimmung, Motivation oder sogar Aktionen beeinflussen.

Was ebenfalls oft genutzt wird, sind Affirmationen. Das sind Phrasen oder Sprüche, die man jeden Tag aufschreibt, um sich an eine bestimmte Sache zu erinnern oder sich zu motivieren. Das könnte z.B. sein: Heute entscheide ich mich dafür, glücklich zu sein.

Die einzige wirkliche Regel, die es letztendlich beim Journaling gibt, ist das kontinuierliche Aufschreiben. Nur so kann es funktionieren. Am Anfang mag es vielleicht schwerfallen, sich jeden Tag dazu zu motivieren, seine Gedanken zu formulieren. Viele berichten jedoch, dass es für sie mit der Zeit zu einem Teil des Tages wird, auf den sie sich freuen.

Was bringt mir Journaling?

Durch Journaling lernst Du Dich selbst besser kennen. Und zwar dadurch, dass Du Dich so intensiv mit Deinen Gedanken und Emotionen beschäftigst. So kannst Du Dein Selbstwertgefühl steigern und ein tieferes Verständnis für die eigene Person entwickeln.

Außerdem erkennt man kleine Dinge mehr an und ist schneller dankbar. Durch das tägliche Aufführen schöner Dinge im Alltag wird offensichtlicher, dass sie überhaupt existieren und sie werden Dir schneller auffallen. Nach einer gewissen Zeit, in der man Journaling betreibt, bekommt man ein Gefühl dafür, was man am Tag hätte besser machen können. In der Evaluation des Tages sollte es dabei nicht darum gehen, etwas schlecht zu reden, sondern herauszufinden, was man hätte besser lösen können. Das führt zu der anfänglich erwähnten Optimierung des Lebensstils.

Dein Journal ist ein “Ort”, der nur Dir gehört. Du musst Dein Journal mit niemandem teilen und kannst hier ehrlich aufschreiben, was Du denkst, ohne Angst davor haben zu müssen, verurteilt zu werden. Natürlich ist Journaling auch eine gute Form, um Erinnerungen festzuhalten. Und zwar nicht nur innerhalb einer Momentaufnahme, wie bei einem Foto. Viel mehr erhält man eine detaillierte Beschreibung vergangene Ereignisse und emotionaler Zustände.

Letztlich wird so auch auf eine gewisse Art und Weise Selbstdisziplin erlernt. Denn sich jeden Tag hinzusetzen und zu schreiben ist nicht ganz so einfach, wie es sich vielleicht anhören mag.

Ein paar Journaling Prompts für Einsteiger

  • Die wohl bekannteste Methode ist die Dankbarkeitsübung. Hier wird am besten abends aufgeschrieben, wofür man an diesem Tag dankbar ist. Dabei ist es egal, ob es sich um kleine oder große Dinge handelt. Am besten ist es jedoch, sehr spezifische Dinge zu nennen, und nicht nur zu schreiben: meine Gesundheit.
  • Ähnlich wie die Dankbarkeitsübung kann man auch aufschreiben, was einem Gutes an dem jeweiligen Tag passiert ist. Beispielsweise schreibst Du: Ich habe das letzte Schwarzbrot im Supermarkt ergattert. Dabei ist es sinnvoll, die Situation kurz zu beschreiben und gleichzeitig seine zugehörigen Emotionen aufzuschreiben.
  • Eine weitere Methode ist das Automatische Schreiben. Diese wird ausschließlich morgens eingesetzt. Das nennt sich dann auch Morgenseiten. Ob man nun einen guten oder schlechten Gedanken hat, beim automatischen Schreiben schreibt man wirklich alles auf, was einem in den Kopf kommt. Richtige Morgenseiten schreibt man direkt nach dem Aufwachen, weil man zu dieser Zeit meistens am wenigsten abgelenkt wird.

Hier sind noch ein paar weitere Fragen, die Du Dir stellen könntest

  • Worauf freue ich mich heute? Was habe ich heute schönes geplant?
  • Was habe ich heute gelernt?
  • Wie habe ich mich diese Woche weiterentwickelt?
  • Was ist eine Herausforderung, die ich bestanden habe und was habe ich daraus gelernt?

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