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Frau im Supermarkt

Mehr Ernährungspolitik gefordert

Ein Expertengremium hat der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft ein äußerst kritisches Gutachten zur Ernährungspolitik übergeben. Ihr Fazit: Die politischen Rahmenbedingungen sind wenig nachhaltigkeitsfördernd und die Politik verschiebt die Verantwortung zu stark auf den einzelnen Verbraucher – dem im Zweifel die Informationen und Mittel zur Entscheidungsfindung fehlen.

Ein vom Ministerium selbst berufener wissenschaftlicher Beirat mit Experten für Agrarpolitik, Ernährung und Verbraucherschutz hat überprüft, welchen Beitrag die bisherige Politik zu einer nachhaltigeren Ernährung leistet und zeigt Handlungsoptionen, um die wichtigsten vier Ziele der Ernährungspolitik aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Umwelt und Tierwohl zu erreichen. Die Wissenschaftler stellen fest, dass Deutschland (gemessen an seinem wirtschaftlichen Wohlstand) in allen vier Bereichen tiefgreifende Reformen benötigt. 

Bessere Entscheidungen erleichtern

Für den Bereich Gesundheit führen die Wissenschaftler den hohen Anteil übergewichtiger Menschen und die daraus resultierenden Erkrankungen als Beleg für eine verbesserungsfähige Ernährungspolitik an. Ebenso sei der Zusammenhang zwischen Armut und einer ungesunden Ernährung mit ihren Folgeerkrankungen ein Zeichen für falsche Anreize. 

Die Vorschläge der Wissenschaftler sind sehr konkret. Eine Kernforderung: Dem Verbraucher nicht die Verantwortung für alle Aspekte einer nachhaltigeren und gesünderen Ernährung zuschieben, während er – oder sie -  sich die Informationen für bessere Entscheidungen mühsam zusammen suchen muss. 

Transparenz und Preisanreize

Zu den Empfehlungen der Wissenschaftler gehören die Einführung eines verpflichtenden Klimalabels und die Abschaffung von Steuervorteilen für tierische Produkte bei gleichzeitiger Steuersenkung auf Obst und Gemüse. Darüber hinaus solle eine hochwertige Schul- und Kitaverpflegung nach den Kriterien der DGE sichergestellt und kostenlos für alle Kinder und Jugendlichen verfügbar sein. 

Neues Ernährungssystem gestalten

Der Beirat schreibt, es gäbe Belege für ein „partielles Marktversagen in der Ernährungswirtschaft, das zu erheblichen Nachhaltigkeitsdefiziten und auch zu hohen volkswirtschaftlichen Belastungen durch die zunehmende Zahl ernährungs(mit)bedingter Krankheiten führt.“ Fehlende gesetzliche Rahmenbedingungen überforderten die Konsumenten bei ihren täglichen Entscheidungen. Diese Aussage passt zu einer kürzlich vorgelegten Untersuchung, nachdem die Mehrzahl der Erwachsenen Schwierigkeiten hatten, die Nährwertinformationen von einer Lebensmittelpackung korrekt zu lesen. 

Auch in den Bereichen Tierwohl, Umwelt und Soziales fordern die Experten steuernde Maßnahmen und werfen dabei auch einen Blick auf die Kosten. Der Beirat kommt zu dem Ergebnis: „Eine umfassende Transformation des Ernährungssystems ist sinnvoll, sie ist möglich und sie sollte umgehend begonnen werden.“