Das erste Jahr mit Baby: Neu-Mama Katharina erzählt

Katharina, 34, aus einem Dorf in Schleswig-Holstein, erzählt uns ihre ganz persönliche Geschichte

Die meisten Eltern erzählen Dir, wie toll das erste Jahr mit Kind ist – und das stimmt auch. Es ist wirklich wundervoll Mama zu werden und damit eine eigene Familie zu gründen. Es stimmt aber auch, dass das erste Jahr mit Kind eine sehr intensive Zeit ist, in der man manchmal an seine Grenzen stößt. Bei mir war das zumindest so. Ich bin in diesem ersten Jahr nicht nur in meine Mutterrolle hineingewachsen, ich habe auch sehr viel über mich selbst gelernt.

In den Alltag finden

Ich kam nach fünf Tagen aus dem Krankenhaus. Ich erinnere mich noch, wie groß mein Respekt davor war, nach Hause zu gehen und mich ganz allein um unser Baby zu kümmern. Denn der Papa musste schon ganz bald nach der Geburt wieder zur Arbeit. Da war also auf einmal dieses so unglaublich kleine Wesen, das so zerbrechlich wirkte, und für das ich die Verantwortung trug. Ich machte mir Sorgen, ob ich unsere Tochter richtig verstehen würde. Ob ich die Anzeichen für Hunger oder Bauchschmerzen lesen könnte.  

Ein „Anfängerbaby“

Unsere Tochter war zum Glück ein richtiges „Anfängerbaby“. Irgendwie hat sie uns mit ihrer scheinbar angeborenen Gelassenheit gezeigt, wie der Umgang mit ihr funktioniert. Body aus, wickeln, Body an, stillen, schlafen. Zum Glück hat das Stillen vom ersten Moment an funktioniert. Bis dahin hatten wir also richtig Glück! 
Als die Milchproduktion dann irgendwann in vollem Gang war, hatte ich mit ganz schön viel Milch zu kämpfen. Für viele ein Luxusproblem, für mich manchmal ganz schön unangenehm.

Es kam immer mal wieder zu einem Milchstau, was wirklich schmerzhaft sein kann. Quarkwickel haben mir in dieser Situation sehr geholfen! Auch das Stillen in der Öffentlichkeit (mit viel Milch) will erprobt sein. Denn wenn das Kind – und das tut es zwischendurch mal – das Geschehen am Nachbartisch beobachtet, kommt die Milch fleißig weiter aus der Brust gesprudelt. Ich fühlte mich wie ein Springbrunnen, denn die Milch spritze in alle Richtungen. Ich hätte nie gedacht, dass Milch so eine „Reichweite“ hat! Aber alles halb so schlimm, wenn Du es mit Humor nimmst. Ich bin seitdem auf jeden Fall ein großer Fan von Stilleinlagen. Sie sind für mich zu einem unerlässlichen Accessoire geworden.   

Kleinigkeiten, die zu „Großigkeiten“ werden

Kleinigkeiten, oder besser Selbstverständlichkeiten, können plötzlich zu einer großen Herausforderung werden. Meine Tochter hat in den ersten drei Monaten fast ausschließlich auf meinem Bauch geschlafen. Und Babys schlafen wirklich sehr viel in der Anfangszeit. Ich erinnere mich an verzweifelte Momente, in denen ich so dringend zur Toilette musste, dass ich kurz davor war in eine Schüssel zu machen. Hauptsache unsere Tochter wacht nicht auf! Im Nachhinein kann ich darüber sehr lachen.

Kochen ist auch so eine Sache. Nicht, dass ich nicht kochen könnte. Aber in den ersten Wochen nach der Geburt habe ich häufig noch nicht mal die Zeit gefunden, mir die Zähne zu putzen oder zu duschen. Wie sollte da erst Einkaufen und Kochen funktionieren? Ich fragte mich, wie ich all diese Aufgaben unter einen Hut bringen sollte. Aber wie bei so vielen Dingen im Leben musste sich alles einfach erstmal eingrooven und ich habe das Vorkochen für mich entdeckt – und schätze es bis heute sehr. Ein paar fertige Mahlzeiten im Tiefkühler zu haben finde ich einfach super, wenn es mal stressig wird.

Die Zeit rinnt mir durch die Finger

Auch Zeitmanagement ist so eine Sache, zumal das noch nie zu meinen Stärken zählte. Babys haben ihren ganz eigenen Rhythmus. Das Doofe: Der ändert sich, gerade im ersten Jahr, immer mal wieder. Das Gute: Wenn man den Rhythmus des Babys beachtet, läuft es in den meisten Fällen ganz gut. Da gibt es den Schlafrhythmus, die Fütterungszeiten – und wenn dann noch das Thema Beikost hinzukommt, wird es ganz verrückt.

Ständig musste ich irgendeine Zeit beachten. Vormittagsschläfchen um 10 Uhr, dann schnell einkaufen, Mittagsbrei kochen (denn ich habe frisch gekocht) und zwischen 11-12 Uhr den Brei anbieten – den unsere Tochter fast nie gegessen hat. Ich habe mich da am Anfang ganz schön unter Druck gesetzt. Erst frisch gekocht, dann verschiedene Gläschen ausprobiert und dann irgendwann (aber viel zu spät) habe ich mich entspannt und unsere Tochter einfach selber entscheiden lassen, das hat für uns tatsächlich am besten funktioniert.

Herausforderungen

Meine persönliche Herausforderung bestand tatsächlich darin, mich auf meine Elternzeit einzulassen. Ich fühlte mich irgendwie mehr wie jemand, der arbeitslos ist und hatte ständig das Gefühl mich dafür rechtfertigen zu müssen. Aber das war wohl hauptsächlich meiner beruflichen Situation geschuldet. Als Doktorandin in einem Graduiertenkolleg war ich nicht fest an der Uni angestellt, sondern hatte ein Stipendium, das über drei Jahren finanziert wurde. Leider gab es keine klaren Regelungen bezüglich meiner „Sonderstellung“ als Stipendiatin, Promovendin und frischgebackener Mama.

2,5 Jahre später…

Ein halbes Jahr nach der Geburt hat man als Mutter mit vielen kleinen und größeren Herausforderungen zu kämpfen. Ich war durch den Schlafentzug zusätzlich häufig auch noch völlig übernächtigt. Nicht unbedingt der optimale Zeitpunkt, um im Job zu performen und sich mit fieser Bürokratie herumzuschlagen. Ich hätte mir diese Erfahrung im Nachhinein wirklich gerne geschenkt.

Wir hatten das Glück, ein sehr entspanntes Baby zu haben. Das ist aber keinesfalls die Regel und wäre es bei uns anders gewesen, wäre unser Stresslevel sicher schnell enorm gestiegen. Aus meiner heutigen Sicht würde ich sagen, dass das erste Jahr mit Kind ein sehr heiliges Jahr ist. Das solltest Du Dir durch nichts und von niemanden kaputt machen lassen! Ich würde allen Frauen raten, die mit was auch immer für Problemen zu kämpfen haben, sich schnell Hilfe zu holen. Denn unser Job als frisch gebackene Mama ist es, unsere kleinen Babys groß zu ziehen – und das ist ein Fulltime-Job.

Wir erwarten gerade unser zweites Kind. Ich freue mich schon riesig auf die neuen Herausforderungen. Diese große Liebe, die zwischen Dir und Deinem Kind entsteht, ist unvergleichlich. Das erste Lachen meiner Tochter zu hören, das erste Mal als sie „Mama“ zu mir gesagt hat – das sind Momente, in denen mir vor Glück fast das Herz zersprungen ist.

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