Neue Schlaftypen: Von Löwen und Wölfen

Springst Du morgens elanvoll aus dem Bett und kannst direkt anspruchsvolle Aufgaben meistern? Oder läufst du erst am späten Nachmittag zur Höchstform auf? Unser Biorhythmus ist teils angeboren, teils antrainiert. Der US-amerikanische Psychologe Dr. Michael Breus hat jahrelang Patienten mit Schlafstörungen behandelt. Er erforschte so das „innere Uhrwerk“ seiner Patienten - und hat ganz neue Schlaftypen beschrieben.

Der frühe Vogel – hat ausgedient

Die körpereigenen Rhythmen sind ein Schrittmacher für die Körpertemperatur, den Blutdruck, kognitives Denken, aber auch Verdauung und den Schlaf. Nach Ansicht von Beus greift die Einteilung in späte „Eulen“ und frühe „Lerchen“ zu kurz. Er untersuchte den genetischen Schlaftrieb und leitete daraus vier Chronotypen mit unterschiedlichen Verhaltens-, Schlaf- und Wachmustern ab:

  • Der Bär ist ein guter Schläfer mit eher hohem Schlafbedürfnis und folgt dem natürlichen Rhythmus von Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Jeder zweite Mensch ist ein Bär – mit relativ stabilen Energielevels über den Tagesverlauf, einem Leistungshoch am Vormittag und einem Leistungstief am Nachmittag.
  • Der Löwe ist ein Frühaufsteher und direkt nach dem Aufwachen einsatzbereit. Der Morgen und Vormittag gelingen ihm innerhalb des Energiehochs mit Leichtigkeit, ab dem frühen Nachmittag verliert er kontinuierlich an Energie. Knapp 15 – 20 % gehören in diese Kategorie.
  • Der Wolf startet deutlich später in den Tag. Sein Leistungshoch gehört dem späten Vormittag und Abend. Wenn andere Schlaftypen müde werden, ist er noch energiereich und konzentriert. 15 – 20 % der Menschen lassen sich in diese Kategorie einordnen.
  • Der Delfin hat einen leichten und häufig zu wenig Schlaf. Ein Leistungshoch liegt direkt am Morgen nach dem Aufstehen, der Abend bringt ein zweites Leistungshoch. Nur 10 % folgen diesem Rhythmus.

Effizienter durch gutes Timing

Breus gilt als einer der weltweit führenden Köpfe auf dem Gebiet der Schlafmedizin. Gesundheit, Fitness und Produktivität sind seiner Auffassung nach eine Frage der erfolgreichen Synchronisierung von sozialem und biologischem Tagesablauf.

Seine populärwissenschaftliche Veröffentlichung „Gutes Timing ist alles“ gibt konkrete Tagesabläufe für verschiedene Chronotypen vor, um die eigene Produktivität und Gesundheit zu steigern. Diese Routinen fordern allerdings große Umstellungen im Tagesablauf, etwa ausgedehnte Sporteinheiten nach dem Aufstehen oder die Verschiebung des Mittagessens in den frühen Nachmittag. Viele seiner Empfehlungen dürften daher im normalen Familien- und Arbeitsleben schwer umzusetzen sein. Der Ansatz ist aber trotzdem interessant: Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Chronotyp und die Akzeptanz des eigenen Biorhythmus kann dabei helfen, zumindest kleine Anpassungen im Tagesablauf vorzunehmen.

Auch wenn die Arbeitszeit selbst sich nicht ohne weiteres verschieben lässt, ermuntert Breus seine Leser, Arbeitsschichten, Pausen und nach Möglichkeit auch die unterschiedlichen Aufgaben an den eigenen Biorhythmus anzupassen. Wer nicht gegen, sondern mit seiner inneren Uhr arbeitet, kann seine Energie sicherlich gezielter einsetzen.

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