Elternzeit - Plan B für die Zeit danach?

Ich weiß noch, dass ich einen Strauß Blumen, eine Schokolade und eine Karte kaufte, auf die ich ein paar beschwichtigende Worte kritzelte. Meine Chefin schwafelte irgendwas darüber, wie unglücklich „das Alles“ gelaufen wäre, nahm mir den Schlüssel ab und schloss die Tür hinter mir. Ich habe mich noch niemals in meinem Leben so unfassbar gut und gleichzeitig so furchtbar schlecht gefühlt. An diesem letzten Arbeitstag vor Beginn des Mutterschutzes dachte ich noch nicht konkret über einen Plan B nach – aber ich wusste, dass es niemals wieder so sein würde, wie vor meiner Schwangerschaft.

Riesengroße Erwartungen

Bevor ich schwanger wurde, arbeitete ich in einer kleinen Agentur. Keine der fünf Mitarbeiterinnen hatte Kinder – obwohl meine Chefin mir einmal anvertraute, dass sie gerne welche gehabt hätte. Da ihr Mann jedoch nicht so der „Vater-Typ“ war und sie die Bude voller Hunde hatten, passierte sie die 40, ohne ihrem eigenen Wunsch nachgegangen zu sein. 

Ich war in der elften Woche, da ließ ich endlich die „Schwangerschafts-Bombe“ platzen. Die Reaktion meiner Chefin war viel weniger schlimm als ich befürchtet hatte. Ich erinnere mich noch genau, wie sie auf meine ehrlich geäußerte Angst vor dieser Situation antwortete: „Was hast du denn von mir erwartet? Ich bin doch kein Monster!“. Mir fiel ein Findling vom Herzen! Bis zum nächsten Morgen.

Während ich in der folgenden Nacht ziemlich gut schlief, hatte sich meine Chefin anscheinend die Nacht um die Ohren geschlagen. Denn sie rief mich in ihr Büro mit dem Eröffnungssatz: „Ich habe da noch mal eine Nacht drüber schlafen müssen.“ Obwohl ich die Phase meiner Morgenübelkeit bereits hinter mir gelassen hatte, wurde mir direkt schlecht. 

Bei einer Schwangerschaft wird’s persönlich

Zunächst sammelte sie die „Anklagepunkte“: Warum hast du mir erst jetzt (in der elften Woche) davon erzählt? Warum ausgerechnet jetzt, wo Du doch weißt, dass ich da noch ein anderes Projekt am Laufen habe? Und warum hast Du mir eigentlich nicht erzählt, dass Ihr nicht mehr verhütet? …. Whhaaat??

In mir tickte es. Ich zählte innerlich bis zehn runter und dann kam mein Paroli. Was ich genau gesagt hatte, weiß ich nicht mehr. Aber ich habe ihr anscheinend deutlich gemacht, dass wir doch bitte auf einer weniger persönlichen und mehr professionellen Ebene miteinander sprechen sollten. Das nahm sie mehr als genau und von da an herrschte die Eiskönigin über die Agentur. 

Von der Eis- in die Elternzeit

Nach der Geburt meines Sohnes reichte ich vorsorglich zwei Jahre Elternzeit ein. Die ersten Monate meiner Elternzeit genoss ich sehr. Aber nach acht Monaten wurde ich unruhig. Wollte ich wirklich dorthin zurückgehen? Zumal ich aufgrund der Unternehmensgröße (< 5 Mitarbeiter) kein Recht auf eine Teilzeitstelle gehabt hätte und mir meine Chefin unmissverständlich klar gemacht hatte, dass sie nicht die Absicht hatte, mir in irgendeiner Form das Leben leichter zu machen. 

Was war der Plan B? Die Elternzeit über das bezahlte Jahr hinaus zu verlängern? Das kam aus finanzieller Sicht nicht in Frage. Aber wo konnte ich mich bewerben, um sowohl zum Familieneinkommen beizutragen als auch der Familienzeit gerecht zu werden? Also einen Versuch war es wert. In den folgenden Monaten kassierte ich einige Absagen. Zu gut ausgebildet, zu schlecht ausgebildet, zu wenig Erfahrung, zu wenig Stunden. Für Teilzeitstellen gab es kaum Angebote.

Plan B für den Kita-Platz

Parallel erteilte uns noch unsere Wunsch-Kita (bei der wir uns bereits zwei Monate vor der Geburt beworben hatten!) eine Absage, weil wir nicht genug Stunden zusammen bekämen. Wie auch? Ohne Job bekamen wir ja auch keinen 8-Stunden-Platz! Schon wieder musste ein Plan B her.

Endlich ein Lichtblick: Über einen sehr guten Freund bekamen wir die Zusage für einen Platz in einer tollen Kita um die Ecke. Ein Bekannter bot mir einen Job bei einem Start-up an. Die Bescheinigung für den Kita-Antrag füllten sie mir direkt aus und noch nicht mal den Vertrag unterschrieben, stieg ich schon voll in ein Podcast-Projekt mit ein. Gott sei Dank waren die Großeltern und die Patentante bereit, für je einen festen Tag pro Woche einzuspringen, bis wir einen Kita-Platz hatten. Und weil alles so rund lief, redete ich mir schon ein, dass Alles aus einem bestimmten Grund passiert war. 

Doch der Vertrag kam nie zustande, denn das Podcast-Projekt wurde eingefroren. Immerhin durfte ich eine Rechnung über meine bereits geleisteten Stunden schreiben. Und zumindest hatten wir den Kita-Platz in dieser tollen Kita mit riesigem Garten sicher und die Eingewöhnung lief problemlos. Mein Sohn war schon immer gern mit Kindern zusammen und hat ein sehr offenes Naturell. Von daher war die Entscheidung, den Kleinen schon mit etwas über einem Jahr in einer Kita anzumelden, genau richtig gewesen.

Neuanfang 2.0 und wie wir den ersten Kita-Winter überstanden

Also machte ich mich auf in die zweite Bewerbungsrunde. Nach weiteren Enttäuschungen und kleineren ehrenamtlichen Projekten war es mein Netzwerk, das mich erneut auffing. Ein alter Schulfreund hatte gerade mit einem Entwickler ein Software-Start-Up gegründet und suchte noch Hilfe, um das Marketing voranzutreiben. Er stellte mich, ohne groß zu zögern, unbefristet und in Teilzeit ein. 

Die ersten Monate in dieser Doppelrolle waren sehr aufregend, aber auch kräftezehrend. Auch uns erwischte der erste Winter in der Kita in vernichtendem Ausmaß. Wir versuchten die „Kindkrank-Tage“ so gut es ging gleichberechtigt aufzuteilen und für den Rest die Familie einzubeziehen. Darüber hinaus war unser Sohn kein guter Schläfer. So musste ich mich teilweise nach nur zwei bis drei Stunden Schlaf auf den Weg zur Arbeit machen. Später einigte ich mich mit den Gründern darauf, dass ich im Notfall im Home-Office arbeiten würde.

Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke

Alles in allem lief es dann ziemlich gut. Ich hatte einen Job gefunden, bei dem ich mich fachlich weiterentwickeln konnte, eingebunden in ein sehr nettes Team und darüber hinaus auch noch flexibel arbeiten konnte, sodass ich auch Zeit mit meinem Sohn verbringen konnte.

Wenn ich mit etwas Abstand auf diese Zeit blicke, dann liegt mir auf der Zunge, dass „alles aus einem bestimmten Grund passiert“ war. Besser gefällt mir jedoch der Songtext von Flo Mega, der mir beim Schreiben immer wieder im Kopf herumträllerte: „Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke“. Mittlerweile bin ich selbstständig und habe zwei Kinder. Aber das ist eine andere Geschichte. 😉

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