Schwangerschaftsbeschwerden - Mehr als nur Übelkeit

In der Schwangerschaft verändert sich der Körper. Er stellt sich auf die neue Situation ein, dass ein Kind in ihm heranwächst. Um nur einige Beispiele zu nennen: Das Blutvolumen steigt, die Sehnen und Bänder werden weicher und der Hormonspiegel schwankt. Schwangere werden mit vielen Veränderungen und Herausforderungen konfrontiert und oft treten die typischen Schwangerschaftsbeschwerden auf. Jede Frau reagiert auf ihre Schwangerschaft allerdings anders. Die eine muss sich in den ersten Wochen unentwegt übergeben, die andere spürt nur wenig Übelkeit, hat aber z. B. mit Wassereinlagerungen zu kämpfen. Wir haben die häufigsten Schwangerschaftsbeschwerden zusammengestellt, zu denen Euch Hebamme Jasmin Kraftzig wertvolle Tipps und Hilfestellungen gibt.

Übelkeit und Erbrechen

Sicherlich kennt jede Frau die Frage „Bist Du schwanger?“, wenn sie über Übelkeit klagt. Der schnell und salopp daher gesagte Satz ist zwar meistens nicht zutreffend, aber beinhaltet eine Menge Wahres. Denn es gibt Frauen, die erst stutzig werden und einen Schwangerschaftstest machen, wenn ihnen vor allem morgens ungewöhnlich flau im Magen ist oder sie sich übergeben müssen. Mit Übelkeit haben die meisten Schwangeren zu kämpfen. Diese kann allerdings sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Von einer leichten Morgenübelkeit bis hin zu dem eher seltenen Fall des extremen Erbrechens. Dann kann sogar ein Krankenhausaufenthalt nötig sein, weil der Körper zu viel Flüssigkeit und Nährstoffe verliert. Auslöser der generellen Übelkeit, so vermuten Experten, ist der hohe Spiegel des Hormons HCG, das zu Beginn der Schwangerschaft stark ansteigt.

Die Tipps von Jasmin Kraftzig:

- Sinnvoll ist ein moderater Anstieg und Abfall des Blutzuckers. Zu rasante Schwankungen können die Übelkeit noch verstärken. Daher rate ich zum Umstieg auf Vollkornprodukte und den maßvollen Umgang mit Industriezucker sowie verarbeiteten Lebensmitteln.
- Über den Tag verteilt kleine Mahlzeiten verzehren und ggf. schon vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit essen.
- Frisch zubereitetes Ingwer- oder Zitronenwasser können gegen die Übelkeit helfen, oft auch Minztee.
- Beim Arzt oder der Hebamme die Blutwerte der Vitamine D, B6 und B12 sowie den Eisenspeicherwert Ferritin überprüfen lassen.
- Akupressur oder Akupunktur können helfen. Hier ist es sinnvoll, früh zu beginnen und nicht erst wochenlang abzuwarten.
- Es ist ohnehin ratsam, gleich zu Beginn der Schwangerschaft Kontakt zu einer Hebamme aufzunehmen, die dann ggf. mit der Akupunkturbehandlung starten kann.
- Falls keine Besserung eintritt, kann die Hebamme den Einsatz von Medikamenten veranlassen.
- Es gibt noch eine gute Nachricht: Die Übelkeit verschwindet meistens nach dem dritten Monat von ganz allein.
 

Müdigkeit

Viele Schwangere überfällt vor allem in den ersten drei Monaten eine bleierne Müdigkeit. Völlig energielos schleppen sie sich durch den Arbeitsalltag. Eine herausfordernde Situation, da viele Frauen in den ersten Monaten ihre Schwangerschaft noch verschweigen möchten und Schwierigkeiten haben, die Müdigkeit zu überspielen. Es wird angenommen, dass die Erschöpfung u. a. aus der Hormonumstellung, der erhöhten Herztätigkeit und dem vergrößerten Blutvolumen resultiert. Aber auch ein Eisenmangel kann Müdigkeit zur Folge haben.

Die Tipps von Jasmin Kraftzig:

- Auch bei Müdigkeit ist zu einer abwechslungsreichen Ernährung mit viel Gemüse und Obst sowie ausreichend Vollkornprodukten zu raten. Das Obst nicht zu häufig über Fertig-Smoothies aus dem Supermarkt zu sich nehmen, da der Zuckergehalt dann stark erhöht ist. Dies hat einen Blutzuckeranstieg zur Folge, der schnell wieder abfällt und somit eine noch stärkere Müdigkeit nach sich ziehen kann.
- Eine Überprüfung des Blutbildes ist ratsam, u. a. Vitamine D, B6 und B12, Hämoglobin und Ferritin -> wichtig ist hier der Eisenspeicherwert
- Spaziergänge an der frischen Luft können die Müdigkeit mildern und Schwangerschaftsyoga mit Meditation kann helfen, die Schlafqualität zu verbessern.

 

Wassereinlagerungen

„Wassereinlagerungen sind zwar recht unangenehm, aber meistens geben sie keinen Grund zur Sorge“, so Hebamme Jasmin Kraftzig. Sie können in den Beinen, aber auch an den Armen oder im Gesicht auftreten. Außerdem können sie zu jeder Zeit der Schwangerschaft entstehen – je früher sie auftreten, desto stärker sollten sie überwacht werden.

Die Tipps von Jasmin Kraftzig:

- Weiter ausreichend trinken.
- Öfters die Beine hochlegen und nicht zu viel stehen und sitzen.
- Wichtig ist ein „guter“ Eiweißanteil in der Nahrung. Meine klassische Empfehlung hier: Pellkartoffeln mit Quark, in den viel Schnittlauch und Petersilie gerührt wird.
- Stützstrümpfe ärztlich verschreiben lassen.
- Schwimmen kann Linderung verschaffen.
- Die Hebamme kann bei Ödemen oft sehr erfolgreich Akupunktur anwenden. Die besten Erfolge können erzielt werden, wenn schon bei leichten Schwellungen begonnen wird.

 

Rückenschmerzen

Mit Rückenschmerzen haben ebenfalls viele Schwangere zu kämpfen, v.a. in der letzten Phase der Schwangerschaft. Bedingt durch das zunehmende Gewicht des Kindes werden Muskeln und Bänder stark beansprucht, viele Schwangere entwickeln einen „Watschelgang“. Dadurch entsteht häufig ein Hohlkreuz, was schmerzhafte Verspannungen verursachen kann. Gab es bereits vor der Schwangerschaft Beschwerden, können sich diese noch verstärken.

Die Tipps von Jasmin Kraftzig:

- Um Rückenschmerzen präventiv anzugehen, würde ich ab Beginn der Schwangerschaft eine geeignete Sportvariante wie z. B. Wassergymnastik oder Yoga für Schwangere empfehlen. Auch ein leichtes Muskelaufbautraining kann weiter betrieben werden (hier empfehle ich ggf. eine Rücksprache mit Hebamme und Arzt).
- Mit größer werdendem Bauch kann auch ein Stützgurt sehr angenehm sein. Dazu am besten die betreuende Hebamme befragen.
- Auch Akupunktur und/oder Taping helfen vielen Schwangeren bei akuten Beschwerden gut.
- Bei akuten Rückenschmerzen können Physiotherapie, speziell die manuelle Therapie und eine Faszienbehandlung helfen. Ggf. ist Osteopathie sinnvoll.

 

Sodbrennen

Das Wachsen des Kindes in der Gebärmutter bewirkt einen zunehmenden Druck auch auf den Magen der werdenden Mutter. Die Folge: Magensäure kann in die Speiseröhre gelangen, was sehr unangenehm ist und ein Brennen hervorrufen kann. Auch ein Vornüberbeugen kann Sodbrennen verursachen.

Die Tipps von Jasmin Kraftzig:

- Sodbrennen lässt sich gut durch Akupunktur behandeln.
- Einige Hebammen haben auch gute Erfahrungen mit der Anwendung von Heilerde gemacht.
- Ansonsten hilft es oft schon, Zucker und Fett zu vermeiden.
- bei akutem Sodbrennen Milch trinken.

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