Wunschbaby: So schön habe ich es mir nicht vorgestellt

Während ich dieses Interview führe, sitze ich hier mit meiner viermonatigen Tochter auf dem Sofa und schaue sie immer wieder ganz verzückt an. Wenn es einen Beweis dafür bräuchte, dass sich durchhalten lohnt, dann schlummert dieser gerade ganz friedlich auf meinem Arm. Warum ich Euch meine Geschichte erzählen möchte? Weil ich glaube, dass gerade kleine Dinge entscheidend sein können auf dem Weg zum Wunschbaby. Und vielleicht hilft meine Geschichte dem einen oder anderen Paar auf seinem Weg, das wäre schön!

Wie alles begann


Mein Mann – der für mich der tollste Mann der Welt ist und mich daher unsere Liebe, Zweisamkeit und Freundschaft auch ohne Kinder erfüllt hätte – und ich haben erst ein gutes Jahr auf natürlichem Weg und so nebenbei das schwanger werden „geübt“. Meine Gynäkologin beobachtete den Zyklus und attestierte mir eine Gelbkörperhormonschwäche. Wir unterstützen daher mit Clomifen. Zum Glück schaute das Spermiogramm meines Mannes gut aus. Wir waren also guter Dinge. Doch obwohl „wir“ mehrmals schwanger wurden, konnte ich die Kinder immer nicht austragen aufgrund verschiedener Gen-Defekte der Embryonen. In dieser Phase habe ich viel über die Bedeutung von Demut gelernt. In der heutigen Zeit ist alles so planbar und umsetzbar, man strengt sich zur Not einfach noch mehr an. Aber genau das hilft leider gar nicht, wenn man sich in der Kinderwunsch-Phase befindet. 

Was aber hilft, und dafür möchte ich so gerne „werben“, schreibt Euch alle Details, die Euren Zyklus bzw. die Schwangerschaft betreffen, auf, die Euch an Euch selber auffallen. Ihr kennt Euch am besten. Ihr bekommt am meisten mit. Und wenn Euch was nicht normal vorkommt, kann auch hier eine Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch liegen. Und scheut Euch bitte nicht, einen zweiten Arzt zu konsultieren bzw. eine Zweitmeinung einzuholen. Wenn Euer Bauch Euch sagt, „Ich brauch´ noch eine Zweitmeinung“, dann folgt dem. Die eigenen Instinkte sind oft die besten. JIch habe auf meinen Bauch gehört und bin zu einem zweiten Gynäkologen gegangen. Für uns war dieser Schritt ein Segen, denn im Rahmen dieser weiteren Untersuchung wurde bei mir eine Hashimoto Thyreoiditis festgestellt. 

Hashimoto Thyreoiditis


Als ich das erste Mal diesen Begriff hörte, starrte ich meine Ärztin nur an und dachte, und was genau ist denn das? Das Gute vorweg, diese „Krankheit“ ist kein Ausschlusskriterium für eine Schwangerschaft. Damit war ich erst einmal ein Stück weit beruhigt. Aber für alle, die mit der Diagnose auch nichts anfangen können: 

Hierbei handelt es sich um eine Entzündung der Schilddrüse, meistens wird sie durch eine Unterfunktion selbiger erkannt. Diese erfordert oft eine lebenslange Behandlung mit Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin allein oder im Ausnahmefall in Kombination mit Trijodthyronin). Das von Körper nicht ausreichend hergestellte Hormon Thyroxin wird dabei durch Tabletten ersetzt.

Auf dem Weg zum Wunschkind


Mit dem Wissen um meine Schilddrüsenerkrankung, aber auch um die richtigen Behandlungsmethoden (tägliche Einnahme der Hormone) nahmen mein Mann und ich uns fest vor, dass wir es noch ein weiteres Jahr versuchen würden. Auf Empfehlung von Freunden begaben wir uns in eine Kinderwunschklinik, um uns noch einmal gründlich durchchecken zu lassen. Und auch das war die richtige „Bauchentscheidung“. Denn im Rahmen dieser Tests wurde bei mir eine bis dahin unbekannte Gerinnungsstörung diagnostiziert, das sogenannte Antiphospholipidsyndrom (APS). 

Wie ich gelernt habe, gehört das APS zum Kreis der Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigenes Gewebe richtet – was  beim APS das Zustandekommen einer Schwangerschaft erschwert. Hier kann ich mich gar nicht genug bei meinem Kinderwunschzentrum bedanken. Bevor sich überhaupt Panik bei mir ausbreiten konnte, wurde ich beruhigt. Ich muss mir ab jetzt täglich ein Mittel gegen eben diese Gerinnungsstörung spritzen, aber ich bin froh, dass diese Diagnose gestellt werden konnte, denn…

… Ein halbes Jahr später 


waren wir tatsächlich schwanger. Einfach so! All diese kleinen Stellschrauben haben dazu geführt, dass mein Körper in der Lage war, schwanger zu werden und ein Kind auszutragen. Und was sich hier fast technisch liest, ist eigentlich kaum im Worte zu fassen, ein kleines „großes“ Wunder, welches mein Lebensglück vollkommen macht und mich freudig in die Zukunft schauen lässt, was wohl noch so alles kommt. 

1. Wie habt Ihr Euch gegenseitig als Partner in der KIWU-Phase unterstützt?


Das Projekt Kinderwunsch, die damit verbundenen Termine und die Organisation lagen zu 90% bei mir. Wir haben nicht ständig darüber geredet, wir konnten meist recht pragmatisch mit dem Thema umgehen und sogar über Rückschläge ein bisschen lachen. Das hat uns in vielen Situationen gerettet. 

Wir haben uns immer die aktuelle Situation angeschaut und besprochen, was wir als nächstes versuchen würden – und dass wir nach einer bestimmten Zeit das Projekt aufgeben werden, um uns selbst nicht zu verlieren. Und wir haben uns oft gesagt, dass es das Wichtigste ist, dass wir uns als Paar haben – ewig. 

2. Nach Euren Erfahrungen: Habt Ihr einen Rat für KIWU-Paare in ähnlicher Situation?


Bleibt das Paar, das sich liebt und unterstützt – das sollte schließlich die Basis sein für jede Familie. Geht früh zu den Profis. Holt Euch gerne eine Zweitmeinung ein und achtet auf Euch und was sich an Eurem Körper nicht normal erscheint. Jede Information kann helfen, eine mögliche Ursache für Hindernisse auf dem Weg zum Wunschkind zu finden – es lässt sich so vieles so gut behandeln heute. 

3. Was war das Absurdeste, das Euch geraten wurde?


Absurde Dinge wurden uns gar nicht geraten. Jedenfalls nicht von Seiten der Ärzte. Manchmal kamen von Freunden die klassischen Sprüche „Entspannt Euch, dann klappt es auch mit der Familienplanung“. Da hätten wir uns manchmal mehr Sensibilität gewünscht. 

4. Was war der beste Tipp, den Ihr bekommen habt?

Die Empfehlung für die Kinderwunschärztin, bei der wir am Ende in Behandlung waren und die die Gerinnungsstörung bei mir festgestellt hat. 

5. Wünscht Ihr Euch noch weitere Kinder?


Wir sind so dankbar für das kleine Wesen, dass da gerade kein Platz im Herzen für Nummer 2 ist. Und ich habe es schon oben im Text erwähnt, Dankbarkeit und Demut vor der Natur und dem Thema Schwangerschaft sind in mir gereift. Wenn Nummer 2 irgendwann auf die Welt kommen möchte, dann freuen wir uns, aber im Moment genießen wir unser perfektes Familienglück zu dritt!

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