Stress fährt uns in die Knochen

Knochen sind kein totes „Stützgerüst“, wie man meinen könnte, das ist schon lange bekannt.

Jetzt konnten Forscher zeigen: die Knochen sind direkt an der Reaktion des Körpers auf Stress beteiligt. Anders ausgedrückt: Stress wirkt bis in den Knochenstoffwechsel!

In Gefahrensituationen reagiert unser Körper blitzschnell: Die Nebennieren schütten Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus. In der Folge werden Atmung und Herzschlag beschleunigt, die Muskeln spannen sich an, Temperatur und Blutzuckerspiegel steigen – wir bereiten uns auf Kampf oder Flucht vor.  Die Stressreaktion hängt dabei von der gefühlten Bedrohung ab und wird auch dann ausgelöst, wenn wir in Wirklichkeit nicht in Gefahr sind.

Stresshormon aus den Knochen

Forscher aus den USA haben jetzt zeigen können: die Stressreaktion wird auch von einem Hormon aus den Knochen vermittelt. Der Botenstoff Osteocalcin wird von den Knochen gebildet und beeinflusst verschiedene Körperfunktionen, etwa das Erinnerungsvermögen und die Muskelfunktion. Die Wissenschaftler setzten Versuchstiere unter Stress und stellten fest: Ihre Osteocalcin-Werte im Blut schnellten in die Höhe und erreichten bereits nach zwei Minuten ein Spitzenniveau, das für Stunden bestehen blieb. Diesen Effekt konnte man auch an Menschen hervorrufen, etwa wenn die Testpersonen eine Rede halten oder ein Kreuzverhör überstehen sollten.

Welche Bedeutung hat das Osteocalcin für die stressbedingten Veränderungen des Stoffwechsels? Dazu untersuchten die Forscher Mäuse, deren Nebennieren nicht richtig funktionierten – und daher die bekannten Stresshormone wie Adrenalin nicht bilden konnten. Sie zeigten trotzdem die typischen Stressreaktionen wie einen beschleunigten Herzschlag. Andersherum reagierten Mäuse, die kein Osteocalcin bilden konnten im Stresstest überraschend gleichgültig. Diese Zusammenhänge sind so neu, dass die Autoren selbst eine sorgfältige Überprüfung ihrer Erkenntnisse und Schlussfolgerungen fordern. Sicher scheint aber: Der Knochenstoffwechsel ist an der Regulation der Alarmreaktion unseres Körpers beteiligt. Dazu passt, dass chronischer Stress die Knochenstruktur negativ beeinflussen kann. Anders ausgedrückt: Stress geht uns durch Mark und Bein.


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