Stress macht die Haare grau!

“Lass Dir keine grauen Haare wachsen”, sagen wir, wenn sich jemand leicht ärgern lässt.

Tatsächlich könnte Gelassenheit dem altersbedingten Farbverlust der Haare entgegenwirken. Stress kann das Ergrauen dagegen beschleunigen, wie Wissenschaftler im Tierversuch eindeutig zeigen konnten.

Dass Sorgen und Ängste uns auch optisch schneller altern lassen, ist Erfahrungswissen. Damit gibt sich die Forschung aber nicht zufrieden. Der negative Einfluss von Dauerstress auf die körperliche Gesundheit wird schon lange untersucht und ist inzwischen unbestritten. Aber ist es wirklich wahr, dass psychische Belastungen das Ergrauen der Haare fördern?

Wenn der Farbstoff ausgeht

Mit fortschreitendem Alter ändert sich die "Farbstoffproduktion” des Körpers. In der Haarwurzel befinden sich Melanozyten, spezialisierte Zellen, die den Farbstoff Melanin produzieren. Die Menge an Melanin ist dabei individuell verschieden und beschert uns die charakteristische Farbe unserer Haarpracht. Auch der Zeitpunkt, an dem die Zellen ihre Produktion einstellen und ihren Träger ergrauen lassen, ist sehr variabel. Einen großen Anteil daran, in welchem Alter die Haare grau werden, hat die individuelle genetische Ausstattung.
Forscher aus Harvard haben in Versuchen an Mäusen geklärt, wie sich zusätzlich die individuelle Stressbelastung auf den Verlust der Haarfarbe auswirken könnte. Sie stellten fest: Bei körperlichen oder seelischen Belastungen werden Stresshormone ausgeschüttet, die (auch) auf die Melanozyten wirken. Dauerstress lässt die pigmentbildenden Zellen schneller altern, bis sie ihre Arbeit ganz einstellen. Dieser Prozess ist nicht “reparierbar”: Wenn die Zellen einmal ihre Funktion verloren haben, regenerieren sie sich auch unter weniger stressigen Bedingungen nicht wieder. „Der Schaden ist permanent“, sagt Mitautorin Ya-Chieh Hsu von der Harvard University.

Entspannen statt ärgern

Das Ergebnis der Forscher zeigt eindrucksvoll, dass Stress uns körperlich beeinflusst und Alterungsprozesse beschleunigen kann. „Wir gehen davon aus, dass andere Systeme im Organismus vergleichbare Reaktionen auf intensiven Stress zeigen,” berichten Cunha und seine Kollegen. Vorzeitig ergrauten Haaren könnte man demnach mit Entspannungstechniken vorbeugen – soweit es die Genetik zulässt. Am Ende ist die neue Haarfarbe auch eine Auszeichnung - für ein langes Leben, das man seinen Mitmenschen gegenüber nicht gleichgültig verbracht hat. Schließlich sind Sorgen und Ärger nur die Kehrseite von Liebe und Freude.


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