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Gynäkologin Prof. Dr. Annika Ludwig

Ein Leben entsteht – Ultraschalluntersuchungen, sinnvoll oder verzichtbar?

Die Hamburger Gynäkologin Prof. Dr.  Annika Ludwig im Interview

Ultraschall ist eine gängige Untersuchungsmethode, um festzustellen, ob Dein Baby in Deinem Bauch gesund ist und wächst und gedeiht. Allerdings gerät das Verfahren immer mal wieder in Verruf. Wir haben die Hamburger Gynäkologin Prof. Dr. Annika Ludwig gefragt, was es damit auf sich hat.

Frau Prof. Dr. Ludwig, oft heißt es, Ultraschall schade dem ungeborenen Kind? Stimmt das?

Es ist gut untersucht, dass Ultraschall für das ungeborene Kind nicht schädlich ist. Die einzige Beobachtung ist, dass es theoretisch zu einer Temperaturerhöhung des Gewebes kommen kann, in einem Ausmaß, das unter der Temperaturerhöhung durch Fieber oder Sport liegt. Nur bei einer speziellen Untersuchung, dem sogenannten „gepulsten Doppler“, kann sich nach längerer (über mehrere Minuten) kontinuierlicher Anwendung das Gewebe um mehrere Grad erwärmen.

Die Untersuchung wird aber nur in speziellen Fällen zur Messung der Strömung in Gefäßen angewandt. Meist werden hierbei nur die Nabelschnur und die Gebärmutterarterien der Mutter untersucht und gar kein fetales Gewebe. Aber auch wenn Gefäße des Kindes untersucht werden, dauert diese Untersuchung nur einige Sekunden. Die Ultraschallgeräte zeigen ständig an, ob eine Gefährdung besteht, indem sie einen „thermischen Index“ angeben, der nicht überschritten werden soll.

Bei der normalen Untersuchung liegt dieser Index auch bei einer Untersuchung mit dem „gepulsten Doppler“ weit unter dem Grenzwert. Also brauchen sich Schwangere keine Sorgen zu machen: Diese Untersuchung würde kein Arzt durchführen, wenn Gefahr für das Neugeborene bestünde. 

Seit Anfang des Jahres gilt eine neue Strahlenschutzverordnung, die auch den Ultraschall betrifft. Was hat es damit auf sich?

Ja, inzwischen unterliegt der Ultraschall der Strahlenschutzverordnung, die neu geregelt wurde. Die neue Verordnung untersagt den Ultraschall zu nicht-medizinischen Zwecken. Ärztinnen und Ärzte sind unglücklich mit der Einordnung des Ultraschalls in der Strahlenschutzverordnung, da dies vermuten lässt, dass Ultraschall eine gefährliche Strahlung ist.

Dabei ist Ultraschall keine Strahlung, sondern es sind Schallwellen, die von unterschiedlich dichtem Gewebe unterschiedlich reflektiert werden. Das Signal wird dann wieder aufgefangen und in ein Bild „übersetzt“. Wenn Gewebe Schallwellen stark zurückwirft, ist es auf dem Bild weiß, wie z. B. Knochen. Durch Flüssigkeiten wiederum dringen die Schallwellen, ohne reflektiert zu werden, diese sind auf dem Bild dann schwarz, wie man es z. B. beim Fruchtwasser sieht.

In den letzten Jahren ist Ultraschall immer mehr im nicht-medizinischen Bereich verbreitet worden, bei Schwangeren, aber auch in ganz anderen Bereichen. So gibt es Babyfernsehen oder Gender-reveal-Partys in Kinosälen für die ganze Familie, bei denen das Kind von Leuten geschallt wird, die zwar darin geschult worden sind, das Gesicht schön darzustellen, schöne 3D-Bilder zu machen oder das Geschlecht zu erkennen, sich mit der Entwicklung der Feten und möglichen Fehlbildungen aber nicht auskennen. Hier sieht der Gesetzgeber eine Gefahr für den Fetus, da diese Untersuchungen nicht notwendig sind.

Das Ungeborene hat keinen Vorteil hiervon und soll geschützt werden. Zum anderen kann es sogar gefährlich sein, wenn werdende Eltern sich in der Sicherheit wiegen, das Kind wäre ausführlich geschallt worden. Dabei kann keine Aussage dazu gemacht werden, ob das Kind gesund ist. Hinzu kommt, dass Ultraschallgeräte, die von Ärztinnen und Ärzten eingesetzt werden, einer ganz anderen Qualitätskontrolle und Wartung unterliegen als Geräte, die zu nicht-medizinischen Zwecken verwendet werden können.


Ist der Ultraschall laut für das Kind?

Es wird immer wieder erzählt, dass Ultraschall sehr laut für das Kind ist, sogar so laut wie eine einfahrende U-Bahn. Man kann natürlich nicht direkt untersuchen, was das Kind hört. Allerdings ist es angesichts der Frequenzen nahezu ausgeschlossen, dass das Kind diese hören kann. Die Frequenzspanne des menschlichen Gehörs liegt viel niedriger als die durch Ultraschall erzeugten Schwingungen. Daher können wir den Ultraschall auch nicht hören.

Wenn man Feten beim Ultraschall beobachtet, so sind manche Feten während des Ultraschalls wach und bewegen sich, manche kräftig, manche zaghaft. Aber viele Feten „verschlafen“ den Ultraschall auch. Meistens wechseln Wach- und Schlafphasen während eines längeren Ultraschalls genauso, wie sie es bei ungeborenen Kindern den ganzen Tag über tun.


Wie wird die Größe des Fetus ermittelt?

Das Gewicht des Fetus ermittelt man anhand des Kopfumfanges, des Bauchumfanges und der Länge des Oberschenkelknochens. Die Maße werden beim Ultraschall gemessen. Anhand einer großen Datenbasis wird daraus dann das Gewicht berechnet. Die Ungenauigkeit beträgt +/- 10%, am Ende der Schwangerschaft und bei dickeren Bauchdecken und dadurch erschwertem Ultraschall kann der Messfehler auch größer sein.

Die Länge des Fetus lässt sich im ersten Schwangerschaftsdrittel anhand der Scheitel-Steiß-Länge gut messen. Danach lässt sich die Gesamtlänge nicht mehr messen. Das Kind ist lang und liegt in verschiedenen Positionen, mal gebeugt, mal gestreckter. Daher kann die Länge dann nur noch über die Länge des Oberschenkelknochens geschätzt werden. Ein Fetus misst ungefähr 7x die Länge des Oberschenkelknochens.