Urban Gardening - Stadtbewohner begrünen ihr Viertel

Während Urban Gardening in Metropolen wie New York, Paris oder London bereits seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wird, nehmen in letzter Zeit auch in deutschen Städten vermehrt Anwohner Schaufel und Harke in die Hand, um ihren Kiez grüner zu machen. Ob auf verlassenen Brachen, in Hinterhöfen, auf Dächern oder privaten Balkonen – wo zuvor meist Beton und Asphalt das Stadtbild dominierten, tragen Urban Gardener mit prächtigen Blumenbeeten oder eigens angebautem Obst und Gemüse zur Erhöhung der Lebensqualität in ihrer Nachbarschaft bei.

New Yorker protestieren gegen den Verfall ihrer Nachbarschaften

Ihre Wurzeln hat das Urban Gardening im New York der 1970er Jahre. Dort haben Anwohner vernachlässigter Stadtviertel mit ihren politischen Initiativen „Guerilla Gardens“ und „Community Gardens“ gegen den Verfall der Städte und die Verschlechterung der Lebensbedingungen protestiert. Ihren Protest brachten die Aktivisten zum Ausdruck, indem sie in ihren Nachbarschaften leerstehende Flächen in grüne Oasen verwandelten. Auf innerstädtischen Brachen wurden prächtige Blumenbeete angelegt und Obst und Gemüse zur Selbstversorgung angebaut.

Schnell verbreitete sich die Idee in ganz Nordamerika. In Detroit beispielsweise, wo bis in die 90er Jahre die amerikanische Autoindustrie das Stadtbild prägte, finden sich auf den mittlerweile leerstehenden Fabrikgeländen zahlreiche Gewächshäuser, in denen Gemüse in Bioqualität angebaut wird. Dort, wo früher Autos vom Band liefen, versorgen heute Urban Gardener ihre Community mit frischen, saisonalen Lebensmitteln und machen ganz nebenbei die Natur für ihre Nachbarschaft wieder erlebbar.

In Deutschland entstehen „Interkulturelle Gärten“

Seit Mitte der 90er Jahre erfreut sich Urban Gardening auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit. In „Interkulturellen Gärten“ treffen sich Einwanderer und Deutsche aus unterschiedlichen sozialen Schichten und bewirtschaften Gemeinschaftsgärten in den Ballungsgebieten. Im Mittelpunkt stehen hier aber nicht der Obst- oder Gemüseanbau, sondern die Verschönerung und Bereicherung des Lebens in der Stadt und das Pflegen der lokalen Gemeinschaften.

Neue Orte der Begegnung und des Austauschs werden geschaffen, Nachbarn lernen sich beim gemeinsamen Buddeln kennen und Menschen verschiedener Kulturkreise tauschen gärtnerisches Wissen und Erfahrungen aus. Die zuvor vernachlässigten Stadtviertel profitieren von dem zivilgesellschaftlichen Engagement ihrer Bewohner ungemein. Durch das Urban Gardening treten die Anwohner wieder vermehrt in Verbindung, verschönern bei der gemeinsamen Gartenarbeit ihr Quartier und erhöhen ganz nebenbei die Lebensqualität innerhalb ihres Kiezes.

Urban Gardening verbessert das Mikroklima in der Stadt

Doch nicht nur die Anwohner, auch die Umwelt profitiert vom Urban-Gardening-Hype. So verbessern die grünen Biotope das Mikroklima innerhalb einer Stadt und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Artenvielfalt. Bienen und weiter Insekten beispielsweise freuen sich über ein reiches Nahrungsangebot. Viele gute Gründe also, als Stadtbewohner mal selbst die Schaufel in die Hand zu nehmen.

Doch um in seiner Stadt Urban Gardening zu betreiben, benötigt man ein gewisses Maß an Flexibilität und Improvisation. Da in dicht bebauten Innenstädten potenzielle Gartenflächen oft Mangelware sind, müssen kreative Lösungen her. So werden von Urban-Gardening-Anhängern neben den bewährten Blumenkübeln gerne Säcke oder alte Badewannen für den Anbau von Möhren zweckentfremdet. Denn neben der Kreativität wird Nachhaltigkeit beim Urban Gardening besonders großgeschrieben.

Achtung vor vorschnellem Gärtnern

Wen nun die Lust am urbanen Gärtnern gepackt hat, sollte neben den zuvor erwähnten Aspekten in jedem Fall im Hinterkopf behalten, dass das Bepflanzen öffentlicher Flächen illegal ist. Denn anders als beim Guerilla Gardening, bei dem Aktivisten brachliegende Flächen eigenmächtig und aus Protest gegen bestimmte Umstände begrünen, benötigen Urban Gardener, die eine Fläche längerfristig bewirtschaften möchten, eine Erlaubnis des zuständigen Grünflächenamts.

Und um grünes Licht für die Bepflanzung einer innerstädtischen Fläche zu bekommen, muss bei der Stadt ein überzeugendes Konzept vorgelegt und eine sichergestellte Betreuung der Gärten über einen längeren Zeitraum gewährleistet werden. Ansonsten sind aber auch der eigene Balkon oder der heimische Garten prima Spielwiesen, um sein Zuhause in eine grüne Oase zu verwandeln.

Betreibt Ihr auch Urban Gardening? An welcher Stelle seid Ihr mit Schaufel und Harke unterwegs?

 

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