Ein Leben entsteht – Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft

Gynäkologin Prof. Annika Ludwig zur Schwangerschaft

Die Regel bleibt aus, der Schwangerschaftstest ist positiv. Es geht los mit vielen aufregenden Wochen und die ersten Vorsorgeuntersuchungen stehen an. Wir haben mit der Hamburger Gynäkologin und Pränatalmedizinerin Prof. Dr. Annika Ludwig darüber gesprochen, welche Untersuchungen Du unbedingt wahrnehmen solltest, wann Du erkennst, ob es ein Junge oder Mädchen wird und wann Du Deinen kleinen Wurm endlich im Bauch zappeln fühlen kannst.

Frau Prof. Dr. Ludwig, ab wann ist eine Schwangerschaft feststellbar?

Schwangerschaftstests weisen das Schwangerschaftshormon hCG im Urin nach. Es gibt unterschiedlich empfindliche Test, d.h. wie viel hCG im Urin vorhanden sein muss, um eine Schwangerschaft nachweisen zu können. Hiervon hängt ab, wann der Test ein verlässliches Ergebnis anzeigt.

Meist ist dies 14 Tage nach der Befruchtung, manchmal auch schon 12 Tage nach der Befruchtung der Fall. Im Blut kann das hCG noch früher nachgewiesen werden. Wenn die Regelblutung 14 Tage nach der Befruchtung ausbleibt, verschafft ein Urin-Test meist verlässlich Klarheit.

Wie wird eigentlich der Entbindungstermin berechnet?

Vom Zeitpunkt der Befruchtung an dauert eine Schwangerschaft 38 Wochen (267 Tage). Da der genaue Zeitpunkt der Befruchtung meist nicht bekannt ist, hat es sich durchgesetzt, vom ersten Tag der letzten Regel zu rechnen. Von diesem Tag an sind es 40 Wochen. Eine Faustregel zur Berechnung des Entbindungstermins ist: 1. Tag der letzten Regel + ein Jahr – 3 Monate + 1 Woche. Diese Regel geht von einem 28-tägigem Zyklus aus.

Und wenn ich einen unregelmäßigen Zyklus habe?

Dann berechnet die Frauenärztin oder der Frauenarzt den Entbindungstermin anhand der letzten Regel und der Zykluslänge. Anhand der Größe des Embryos im ersten Schwangerschaftsdrittel wird er dann überprüft und eventuell angepasst. Bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels wachsen die Embryonen sehr ähnlich, so dass anhand der Länge von Kopf bis Po (Scheitel-Steiß-Länge, SSL) das Schwangerschaftsalter bestimmt werden kann.

Welche Regeluntersuchungen sind in welcher Schwangerschaftswoche sinnvoll?

Glaubt eine Frau schwanger zu sein, sucht sie meist zur Bestätigung und für die weitere Kontrolle eine Ärztin oder Arzt auf. Da wird der werdenden Mutter eine ganze Menge Blut abgenommen und – sollte der Herzschlag des Babys schon zu hören sein, der Mutterpass erstellt. Bei jeder Vorsorgeuntersuchung werden der Blutdruck, das Gewicht und der Urin kontrolliert und nach Beschwerden gefragt.

Bis zum Ende des zweiten Drittels der Schwangerschaft (bis zur 28.- 30. Schwangerschaftswoche) erfolgen die Vorsorgeuntersuchungen alle vier Wochen, danach alle zwei Wochen. Wenn der errechnete Geburtstermin erreicht ist, wird alle zwei Tage kontrolliert, ob die Versorgung des Kindes noch ausreichend ist.

Was genau wird denn dann jeweils untersucht?

Zum Beginn der Schwangerschaft wird kontrolliert, ob sich die Frucht in der Gebärmutterhöhle eingenistet hat, ob ein Herzschlag zu sehen ist und ob es sich um eine Einlings- oder eine Mehrlingsschwangerschaft handelt. In der 8.- 11. Schwangerschaftswoche wird der errechnete Termin anhand der Größe des Embryos (Scheitel-Steiß-Länge, SSL) kontrolliert und ggf. korrigiert.

Um die 20. Schwangerschaftswoche erfolgt das zweite Ultraschallscreening, um die Entwicklung des Fetus zu prüfen und Fehlbildungen auszuschließen. In der 24.- 28. Schwangerschaftswoche wird mit Hilfe eines Zuckerbelastungstests geprüft, ob die Schwangere einen Schwangerschaftszucker (Gestationsdiabetes) entwickelt hat. Im dritten Ultraschallscreening in der 28.- 30. Schwangerschaftswoche kontrolliert der Arzt oder die Ärztin das Wachstum des Fetus. Zu diesem Zeitpunkt wird empfohlen, die Schwangere gegen Keuchhusten zu impfen, unabhängig davon, wann sie selbst zuletzt gegen Keuchhusten geimpft wurde, damit sie ihrem Kind so über die Plazenta Antikörper für die ersten Lebenswochen mitgibt. Wir sprechen von einem sogenannten Nestschutz.

In den folgenden Wochen werden die Herztöne im CTG überprüft, der Blutdruck, das Gewicht und der Urin der werdenden Mutter kontrolliert, auch wird meist der Gebärmutterhals getastet oder per Ultraschall überprüft.

Ab wann kann man das Geschlecht des Babys bestimmen lassen und wie?

Viele Paare sind neugierig, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Das Geschlecht lässt sich im Ultraschall zur Zeit des Ersttrimesterscreenings (in der 11+0- 13+6 Schwangerschaftswoche) zwar meist schon recht sicher, abrt nicht immer bestimmen. Zu diesem frühen Zeitpunkt kommt es auch vor, dass sich der Arzt oder die Ärztin irrt, da man die Ausrichtung des kleinen Genitalfortsatzes beurteilen muss. Dies ist nicht immer ganz eindeutig. Allerdings darf der Arzt oder die Ärztin den werdenden Eltern das Geschlecht erst mit Beginn der 15. Schwangerschaftswoche (ab 14+0 Schwangerschaftswoche) mitteilen.

Dies ist durch das Gendiagnostikgesetz geregelt. Sehr sicher kann man das Geschlecht dann meist ab der 16. Schwangerschaftswoche im Ultraschall sehen. Es gibt aber Situationen, in denen das Kind ungünstig liegt oder die Darstellung aufgrund kräftigerer mütterlicher Bauchdecken erschwert wird. Dann muss man manchmal auch noch etwas länger warten. Wenn Eltern sich für eine nicht invasive pränatale Testung (Suchtest auf eine fetale Trisomie 13, 18 und 21) entscheiden, kann das Geschlecht mitbestimmt werden. Auch bei diesem Test wird das Geschlecht aber erst ab 14+0 Schwangerschaftswoche mitgeteilt.

Wann kann ich die Kindsbewegungen spüren und wann kann mein Partner es spüren?

Die meisten Frauen merken in der ersten Schwangerschaft die Kindsbewegungen um die 20.- 22. Schwangerschaftswoche. Wenn sie schon Kinder geboren haben, kennen sie die sanften ersten Bewegungen schon und werden sie früher spüren. Der Zeitpunkt wird aber auch durch die Lage der Plazenta beeinflusst Liegt die Plazenta an der Vorderwand, so tritt das Kind in die Plazenta, die die Intensität abpuffert, so dass die Bauchdecke die Bewegung erst später wahrnimmt.

Bei kräftigeren Bauchdecken kann es ebenfalls sein, dass erst kräftigere Bewegungen etwas später gespürt werden. Um die Bewegungen von außen zu spüren, müssen die Bewegungen noch kräftiger sein, so dass der Partner erst später als die Schwangere selbst die Bewegungen merken wird. Wann genau er die Bewegungen ertasten kann, hängt auch von der Lage der Plazenta und der Dicke der Bauchdecke ab.

 

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