Knieschmerzen können die Lebensqualität sehr stark einschränken und sind ein häufiger Grund für Operationen: Allein in Deutschland erhalten jedes Jahr etwa 150.000 Patient:innen ein künstliches Kniegelenk, etwa wegen fortgeschrittenem Gelenkverschleißes (Arthrose) oder Verletzungen. Nicht immer löst die OP aber das Problem. Manchmal bleibt die erhoffte Schmerzlinderung aus. Für die Patient:innen bedeutet das weitere Eingriffe und starke Schmerzmittel – mit entsprechenden Nebenwirkungen. Solchen Betroffenen kann eine neue Behandlung offenbar helfen, schreibt die Uniklinik Dresden in einer Pressemeldung.
Nervenstimulation blockiert Schmerzreiz
Neurochirurg:innen der Klinik setzen eine hauchdünne Elektrode direkt an den betroffenen Nerv und stimulieren ihn mit schwachen elektrischen Impulsen. Durch dieses „Störfeuer“ wird die Reizweiterleitung unterbrochen, der Nerv meldet dem Gehirn also keine Schmerzreize mehr. Die so behandelten Patient:innen berichten von einer Schmerzminderung um mehr als die Hälfte, einzelne sind sogar weitgehend schmerzfrei – ein enormer Gewinn an Lebensqualität und Beweglichkeit. Die Mediziner:innen halten die Methode für entsprechend vielversprechend: „Die periphere Nervenstimulation hat sich als effektive Therapie bei Schmerzpatientinnen und -patienten etabliert und sorgt für wesentlich mehr Lebensqualität bei den Betroffenen“, sagt Ilker Eyüpoglu, Direktor der Dresdner Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie.
Erfolgsaussichten vorher testen
Da die Elektrode operativ ins Knie eingesetzt werden muss, prüfen die Mediziner:innen vorab gründlich, ob der Eingriff erfolgversprechend ist. Dafür wird der angepeilte Nerv eine Zeitlang betäubt. Lindert das die Schmerzen effektiv, wird auch die Elektrostimulation erfolgreich sein. Bei der Therapie handelt es sich um ein operatives Verfahren, das nicht mit der „Transkutanen Elektro-Nerven-Stimulation“ (TENS) verwechselt werden sollte. Bei letzterer werden mehrere Elektroden auf die Haut geklebt und durch den Strom sollen ebenfalls die Schmerzen gelindert werden. Wissenschaftliche Belege für dieses Verfahren fehlen allerdings bisher weitgehend.