Hochsensibilität ist ein Thema, das in unserer Gesellschaft immer präsenter wird. Viele erkennen erst im Erwachsenenalter, dass sie hochsensibel sind. Doch die Persönlichkeitseigenschaft zeigt sich oft bereits im Babyalter. In diesem Artikel erfährst Du, wie sich Hochsensibilität bei Babys ausdrücken kann und wie Du Deinem Kind in einer Welt, die für sie oft zu laut, hektisch und überwältigend ist, eine bestmögliche Unterstützung sein kannst.
Was ist Hochsensibilität?
Der Begriff Hochsensibilität wurde von der Psychologin Dr. Elaine Aron geprägt. Sie forschte erstmals in den 1990er Jahren zu diesem Thema. Laut Aron besitzen hochsensible Menschen ein empfindlicheres Nervensystem, das dazu führt, dass sie auf Reize wie Geräusche, Licht oder Berührungen stärker reagieren als andere.
Wie stark die Wahrnehmungen sind, ist sehr individuell. Einige reagieren nur auf bestimmte Reize sehr stark, andere besitzen eine sehr komplexe Wahrnehmungsfähigkeit im Alltag. Zudem verarbeiten hochsensible Menschen Informationen auf einer sehr tiefen Ebene und haben eine intensive Gefühlswelt. Warum einige Menschen viel sensibler auf Reize reagieren als andere, ist wissenschaftlich bisher noch nicht ausreichend erforscht.
Hochsensibilität: Für viele Betroffene Fluch und Segen zugleich
Fast alle hochsensiblen Menschen haben eines gemeinsam: Die schnelllebige Welt verlangt viel von ihnen ab, sie ecken oft an, werden teilweise auch stigmatisiert und als zu feinfühlig bezeichnet. Dadurch empfinden viele Betroffene das Persönlichkeitsmerkmal oft eher als Fluch, denn als Segen.
Doch das intensive Wahrnehmen von Dingen hat auch Vorzüge. Gerüche, Geschmäcker, Klänge, das Leben an sich – vieles berührt hochsensible Menschen viel stärker, was sie offener für das „kleine Glück“ im Leben macht. Hochsensible gelten zudem als sehr einfühlsam, kreativ und fantasievoll.
Ist mein Baby hochsensibel? Das sind mögliche Anzeichen
Bevor wir Dir zeigen, wie sich Hochsensibilität beim Baby zeigen kann, möchten wir Folgendes betonen: Zu Beginn ihres Lebens müssen Babys viele neue Eindrücke verarbeiten und lernen, Informationen zu verarbeiten. Es ist ganz normal, dass Babys auch mal schnell überfordert sind und sehr empfindlich auf bestimmte Reize reagieren. Das bedeutet noch nicht, dass Dein Kind hochsensibel ist.
Siehe die folgenden Anzeichen daher als wertvolle Leitpfeiler, um eine gewisse Achtsamkeit gegenüber dem Thema zu entwickeln. Häufig festigt sich erst im Kindergartenalter der Verdacht, dass ein Kind hochsensibel ist.
Hochsensible Babys suchen oft innigen Körperkontakt
Viele hochsensible Babys benötigen sehr nahen Körperkontakt zu den Eltern. Häufig haben sie das Gefühl, ihr Baby rund um die Uhr an sich tragen zu müssen, damit es überhaupt zur Ruhe kommt. Viele stillende Mamas berichten zudem, dass sie in sehr kurzen Abständen stillen müssen, weil das Baby ständig an der Brust „andocken“ möchte.
Laute Geräusche stressen viele hochsensible Babys
Mit dem Kinderwagen im Restaurant – und das Baby schläft? Für Eltern von hochsensiblen Babys endet der Restaurantbesuch oft in purem Stress. Denn statt zu schlafen, weint und schreit der Schützling am laufenden Band. Hochsensible Babys reagieren oft sehr feinfühlig auf die Geräusche und/oder sind schreckhafter, wodurch sie schwer zur Ruhe kommen.
Bestimmte Materialien lösen Unwohlsein beim Baby aus
Nicht nur Geräusche, auch die Haut von hochsensiblen Babys ist oft sehr empfindlich. Bestimmte Textilien und Materialien können Unwohlsein auslösen. Vielleicht bemerkst Du auch, dass Dein Baby sich eigentlich am wohlsten fühlt, wenn es gar nichts anhat.
Hochsensible Babys beobachten viel und intensiv
Viele hochsensible Babys haben eine ausgeprägte Neugier und nehmen Feinheiten in der Umgebung sehr genau wahr. Dies ist daran erkennbar, dass sie häufiger und schneller müde werden, aber in der wachen Phase sehr konzentriert und fokussiert wirken. Auch nehmen sie Gefühlslagen in ihrer Umgebung oft intensiver wahr. Deine Stimmung überträgt sich leicht auf Dein Baby. Bist Du gestresst, ist es Dein Kind auch.
Emotionen fallen bei hochsensiblen Babys oft stärker aus
Freude, Angst, Ärger – viele hochsensible Babys fühlen intensiver und zeigen ihre Gefühle stärker. Sie können davon auch leicht überwältigt sein.
So schaffst Du eine Wohlfühl-Umgebung für Dein Baby
Der Alltag mit einem hochsensiblen Kind kann ganz schön herausfordernd sein – je nachdem, wie ausgeprägt die Feinfühligkeit ist. Doch schaffst Du Deinem Kind eine wertschätzende Wohlfühlumgebung und gibst ihm oder ihr die Zeit, um Reize zu verarbeiten und die Bedürfnisse voll und ganz auszuleben, schaffst Du die besten Voraussetzungen dafür, dass Dein Kind sich zukünftig in der schnelllebigen Welt gut zurechtfindet. Wir haben ein paar Tipps für Dich gesammelt.
- Sorge für reizarme Auszeiten: Achte darauf, dass Dein Baby immer wieder Pausen hat, in dem es Reize und Stress abbauen kann. Hierfür eignet sich ein ruhiger Rückzugsort am besten. Gib Deinem Kind vor allem nach aufregenden Ereignissen diese Zeit, etwa nach dem Babykrabbeln. Das ist nicht nur als Baby wichtig, sondern über das gesamte Kindesalter hinweg.
- Weniger ist mehr: Da hochsensible Babys intensiver Reize wahrnehmen, kann ein vollgepackter Alltag schnell überfordernd sein. Auch laute Spielzeuge und grelle Lichter können unangenehm sein. Findet für Euch als Familie ein gutes Maß an Aktivität und Förderung sowie Ruhe.
- Baue Routinen auf: Feste Strukturen und Routinen geben Deinem Kind Sicherheit und Geborgenheit.
- Sei einfühlsam und verständnisvoll: Bei Deinem Baby sind die Emotionen, die es zeigt, vielleicht ausgeprägter als bei anderen Gleichaltrigen – und für Außenstehende manchmal auch nicht nachvollziehbar. Sei einfühlsam zu Deinem Baby und vermeide es, Emotionen negativ zu behaften.
- Pflege eine enge Eltern-Kind-Beziehung: Du bist eine wichtige Bezugsperson für Dein hochsensibles Baby – als sicherer Hafen wirst Du nicht nur die Eltern-Baby-Beziehung und das Urvertrauen des Babys stärken, sondern gibst Deinem Kind auch die besten Voraussetzungen für die Entwicklung von Selbstwert und Selbstliebe.