Ob gute Neujahrsvorsätze oder Verschleiß: Wer neue Laufschuhe braucht, wird mit einer Vielzahl von Ratgebern und Beratungsangeboten konfrontiert. Wie wichtig ist der “richtige” Laufschuh, um Verletzungen zu vermeiden? Wissenschaftler:innen aus Großbritannien haben sich die Datenlage einmal genau angesehen – und kommen zu einem ernüchternden Ergebnis.
Professionelle Laufschuhe werben unter anderem damit, besonders gelenkschonend zu sein und den Fuß vor Verletzungen zu schützen. Manche sind stark gedämpft, manche bewusst minimalistisch. Es gibt dabei verschiedene Ansätze:
-
Neutral/gedämpft: Der Schuh soll die Belastung beim Auftreffen auf den Boden reduzieren.
-
Bewegungskontrolle: Der Schuh soll das Ausmaß und/oder die Geschwindigkeit der Rückfuß- oder Mittelfußbewegung während des Bodenkontakts reduzieren und so die Effizienz der Standphase erhöhen.
-
Stabilität: Der Schuh soll beim Laufen eine gewisse Bewegungskontrolle und Dämpfung bieten.
-
Minimalismus: Der Schuh soll quasi das Barfußlaufen nachahmen, also sehr flexibel sein, ohne besonders stabilisierend zu wirken.
-
Spezial-Laufschuhe: Nach Analyse spezieller Fußhaltungen (Neutralstellung vs. übermäßige Pronation/übermäßige Supination) sollen sie eine optimierte Haltungskontrolle gewährleisten.
-
Maßgeschneiderte Laufschuhe: Sie gehen mit einer entweder harten oder weichen Zwischensohle auf individuelle anatomische Gegebenheiten ein.
Mit den unterschiedlichen Konzepten soll eine Überlastung von Muskeln, Knochen und Gelenken auf der Basis von Erkenntnissen zur Fußphysiologie vermieden werden. Die wissenschaftliche Auswertung mit Daten von mehr als 11.200 Studienteilnehmer:innen ergab im Hinblick auf die Verletzungshäufigkeit kaum Unterschiede zwischen den Schuhtypen. Offenbar führt eine stärkere Dämpfung zu einem erzwungenen Fersenlauf und einer Versteifung der Beingelenke. Dadurch wurden gelenkschonende Effekte der Polsterung wieder zunichte gemacht. Selbst bei Spezialschuhen sahen die Studienautor:innen kaum Unterschiede zu handelsüblichen Laufschuhen, sehen allerdings insgesamt noch Forschungsbedarf.
Fazit: "Ich habe keine guten Laufschuhe” ist keine statthafte Entschuldigung, um die Joggingrunde aufzuschieben. Zur Not tun es auch ein paar Turnschuhe aus dem Fundus.