Yeos Studien zeigen passend zu vielen anderen Befunden, dass die Neigung zu Übergewicht in hohem Maße (40-70%) durch die genetische Ausstattung festgelegt ist. Ein sehr plakatives Beispiel sei der Leptin-Stoffwechselweg, an dem mehrere genetische Schaltstellen beteiligt sind. Einzelne Mutationen an beteiligten Genen können zu übermäßigem Übergewicht führen und können teilweise behandelt werden, indem die fehlenden Botenstoffe/Zwischenprodukte verabreicht werden, vergleichbar mit einer Insulininjektion bei Typ-1-Diabetiker:innen. Diese seltene Genveränderung ist allerdings nur für einen sehr kleinen Teil der Fälle mit krankhaftem Übergewicht verantwortlich (0,3%). Es gibt allerdings viele weitere genetische Schaltstellen, die in unterschiedlich starkem Ausmaß das Körpergewicht mitbestimmen.
Die Karten sind ungleich verteilt!
Weit verbreitet sind etwa Mutationen im Bereich des Gens MC4R. Auch Mastschweine und einige Labrador-Arten tragen diese Mutation, weil sie (unwissentlich, über die Auswahl ihrer Eigenschaften) gezüchtet wurden. Ein Hund, der sehr stark auf Nahrungsaufnahme fixiert ist, lässt sich beispielsweise über entsprechende Belohnungen leichter trainieren, ein Schwein in der Fleischproduktion mit solchen Genmustern nimmt schneller zu. Viele Menschen tragen ebenfalls Genkonstellationen, die ihre Neigung zur Nahrungsaufnahme beeinflussen. Bewirkt unsere individuelle Genkonstellation, dass wir uns zu nur fünf Prozent häufiger als der Durchschnitt FÜR einen zusätzlichen Snack oder eine zweite Portion entscheiden, summiert sich die zusätzliche Kalorienaufnahme wahrscheinlich – aber nicht zwingend - zu deutlichem Übergewicht. Der renommierte Forscher verglich die genetische Ausstattung mit einem Satz Spielkarten, den wir mitbekommen haben: Du kannst auch mit einem schlechten Blatt gewinnen – es ist aber viel schwieriger und gelingt seltener.
Sein Fazit
Übergewicht ist keine Wahl! Adipositas resultiert aus einer genetischen Fehlregulation, gegen die kaum jemand nur mit “Disziplin” ankommt. Starkes Übergewicht ist eine behandlungsbedürftige Krankheit. Menschen mit moderatem Übergewicht rät er, die eigenen Schwächen zu analysieren: Wer beispielsweise dazu neigt, zur Entspannung Süßes zu essen, solle einfach keine entsprechenden Produkte im Haus haben!
Neben der Genetik spielt auch das individuelle Mikrobiom, also die Bakterien-WG im Darm, eine Rolle bei der Regulation des Körpergewichtes. Hier kannst Du mehr darüber nachlesen.
Der “Nachtischmagen” existiert tatsächlich: Wenn der Magen mechanisch voll ist, will das Gehirn aus evolutionären Gründen gerne noch etwas zusätzliche Energie einlagern – und schaltet daher auf die Anforderung besonders energiedichter Energieträger (sprich Zucker) um.