Bald sind wir zu viert. Wow! Ja, wir haben es uns genau so gewünscht und vorgestellt. Aber wenn man es schwarz auf weiß sieht, fragt man sich kurz, ob man wirklich zwei kleinen Würmern gerecht werden kann. Ich bin Kim, Zweifach-Mama und Fotografin. Ich teile in diesem Artikel meine Gedanken und Erlebnisse mit Dir rund um das Thema zweites Kind und was uns geholfen hat, als Familie schnell zusammenzuwachsen.
Großer Bruder: Schon vor der Geburt
Zugegeben, wir haben einen recht sportlichen Abstand von exakt 24 Monaten zwischen den Kindern, sodass unser großer Sohn in der ersten Zeit der Schwangerschaft noch gar nicht wirklich realisieren konnte, welche Veränderung bald bevorsteht. Je sichtbarer der Bauch allerdings wurde, desto mehr konnte er sich vorstellen und spüren, dass irgendwas anders ist. Wir haben ihm die Ultraschallbilder gezeigt, Bücher zum Thema Geschwister vorgelesen und ihm zum Ende der Schwangerschaft eine Puppe geschenkt, die er von sich aus mehrfach am Tag wickeln wollte. Es gibt auch tolle Bücher mit Tipps zur Vorbereitung auf das neue Familienmitglied.
Der Große durfte zudem ein Kuscheltier für den kleinen Bruder aussuchen und es war schön zu sehen, wie ernst er diese Aufgabe genommen hat. Es wurde ein kuscheliger Wal.
Die Geburt geht los!
Wir hatten großes Glück und die Wehen begannen abends, als ich den Großen ins Bett gebracht habe. Ich habe ihn ganz in Ruhe bis zum Einschlafen begleitet und parallel meinem Mann geschrieben, dass er Oma kontaktieren soll und die Taschen ins Auto bringen kann. Ich nahm mir ganz bewusst Zeit meinen Sohn ganz lange anzuschauen, denn wie meine Zweifach-Mama-Freundinnen schon vorhergesagt haben: so klein wird das große Kind nie wieder sein.
Bewusste Entscheidung: Kein Kennenlernen in der Klinik
Ich habe mir unzählige Gedanken gemacht, wo ich die beiden Boys einander vorstellen möchte und relativ schnell war klar, dass dies nicht in einem unpersönlichen Krankenhauszimmer sein sollte.
Aus diesen Gründen habe ich mich gegen ein erstes Date im Krankenhaus entschieden:
- Ich wollte den Großen nicht nochmal verabschieden müssen.
- Ich wünschte mir Zeit zum Ankommen, ohne Besuch für den Kleinsten.
- Ich wollte eine kurze Verschnaufpause, ohne zusätzliches Gefühls-Chaos nach der Geburt.
- Ich hatte den Wunsch, dass der erste Moment, beide zusammen zu sehen, etwas ganz Besonderes wird und ich selbst sah diesen Moment nicht in einer Klinik.
Das erste Aufeinandertreffen
Wir hatten Glück und unser großer Sohn war am Tag der Entlassung am Vormittag noch bei Oma und hat dort auch seinen Mittagsschlaf gemacht. Wir wurden früh morgens, nach der Visite, entlassen und konnten zu Hause erst einmal ankommen. Wir haben geduscht, die Klinik-Tasche ausgepackt und konnten auch nochmal ein Stündchen mit Baby im Bett schlafen.
Zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin haben wir das Babybett schon ins Wohnzimmer gestellt und unserem Sohn erzählt, dass da das Baby schlafen kann, wenn es auf der Welt ist.
An der Tür haben wir Oma und unseren Großen empfangen und ihm erzählt, dass sein Bruder nun nicht mehr in Mamas Bauch ist, sondern im Wohnzimmer in seinem Bettchen liegt. Wir haben ihn gefragt, ob er ihn kennenlernen möchte. Er machte große Augen und war voller Vorfreude. Uns war wichtig, dass wir beide die Hände freihaben und keiner mit Baby auf dem Arm zu „beschäftigt“ wirkt.
Als Familie zusammenwachsen: Tipps für den Alltag
Es gibt viele Kleinigkeiten, die in unseren Augen Großes bewirkt haben, um als Familie zusammenzuwachsen.
- So gut es geht auf das Wort „Nein“ verzichten: Keine Sorge, „Nein“ fällt häufig mit einem 2,5-Jährigen, aber wir versuchen zum Beispiel nicht „nein“ zu sagen, wenn er mit seinem kleinen Bruder interagiert. Dafür verwenden wir lieber: „Ich glaube, an den Beinchen gestreichelt zu werden, gefällt ihm besser als am Kopf.“ Oder: „Versuche es doch mal so“. Wir haben das Gefühl, dass Sätze wie „Nein, nicht am Kopf anfassen.“ ihn noch mehr dazu verleitet, den Kopf anzufassen.
- Rituale zwischen den Kindern schaffen: Zum Beispiel abends gemeinsam den Schlafanzug anziehen oder morgens nach dem Aufstehen ein Buch zusammen lesen.
- Exklusivzeit für jedes Kind einplanen, sofern das möglich ist.
- Dem Großen „Aufgaben“ geben, um mithelfen zu können. Das stärkt sein Gefühl, gebraucht zu werden und ist für ihn total wichtig. Beispiel: Windeln des Kleinen so lagern, dass der große Bruder diese selbstständig zum Wickel-Ort bringen kann.
- Eigenes Spielzeug an das Geschwisterchen nur in Absprache weitergeben, sodass die Entscheidung des Teilens beim Großen liegt.
- Gemeinsame Rituale schaffen: Wenn ich das Baby stille, lese ich mit dem Großen oft parallel ein Buch, um so Ruhe-Zeit für alle sicherzustellen.
- Beschäftigungs-Kiste bereitstellen: Die steht für den Großen neben dem hauptsächlichen Stillplatz in der Wohnung. Bei uns beinhaltet die Kiste: Kopfhörer für den Großen, um ein Hörspiel zu hören, Stickerbuch, Knabberzeug, Bücher und Schleichtiere.