Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine Phase, die jede Frau durchläuft. Einige Symptome können belastend sein – und auch die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Im Job könnte offene Kommunikation mit dem Arbeitgeber helfen – stattdessen blasen zu viele Frauen zum Rückzug.
Die meisten Frauen zwischen 40 und 60 Jahren sind berufstätig, die Mehrheit arbeitet Vollzeit. In dieser Lebensphase durchlaufen die Frauen außerdem eine Phase großer hormoneller Umstellungen: die Wechseljahre. Die Symptome dieser Neuausrichtung können belastend sein – am Arbeitsplatz werden sie aber fast nie thematisiert, wie eine Untersuchung der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft zeigt.
„Nur vier Prozent der befragten Frauen geben an, dass sich ihre Führungskraft auch nur ansatzweise mit dem Thema Wechseljahre auskennt, und fühlen sich unterstützt durch ihren Arbeitgeber“, erläutert Prof. Dr. Andrea Rummler, die das Projekt geleitet hat. Das findet sie kurzsichtig: In Zeiten des Fachkräftemangels sollten Unternehmen ihrer Meinung nach bemüht sein, die betroffenen Frauen am Arbeitsplatz zu halten, schließlich seien sie oft berufserfahren und gut ausgebildet. Studien aus England hatten bereits vor einigen Jahren gezeigt, dass Wechseljahressymptome Einfluss auf die Karriere von Frauen nehmen. Zu viele Frauen fühlten sich zeitweise weniger leistungsfähig und würden daher Stunden reduzieren oder den Arbeitsplatz sogar verlassen.
Die britische Regierung hat im Rahmen ihrer Women’s Health Strategy das Thema Menopause auf die politische Agenda gesetzt. Das Ziel: Nicht nur Ärzt:innen und Gesundheitspersonal sollen besser über die Wechseljahre, die Behandlung ihrer Symptome und Unterstützungsangebote für betroffene Frauen informiert werden, auch Arbeitgebende, Führungskräfte und Unternehmen können sich an dem Programm beteiligen und die Situation für ihre Mitarbeiterinnen verbessern.
Im Rahmen der Berliner Befragung mit über 2000 Frauen berichteten über die Hälfte, die Wechseljahre seien an ihrem Arbeitsplatz ein Tabuthema. Über 60 Prozent fühlten sich von ihrem Arbeitgeber im Prozess der Wechseljahre gar nicht oder nicht unterstützt.
Du bist mit Beschwerden nicht allein!
Ebenfalls über 60 Prozent würden sich eine offenere Kommunikation wünschen, auch weil erlebte Symptome die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können: Am häufigsten wurden körperliche und geistige Erschöpfung (95 %), Schlafstörungen (94 %) und Reizbarkeit (92 %) genannt. Hitzewallungen, das vielleicht allgemein bekannteste Symptom, landete erst auf Platz 5, nur wenig vor Ängstlichkeit (70 %) und Gelenk- und Muskelbeschwerden (79 %). Die Frauen berichten unter anderem von Konzentrationsproblemen, einem erhöhten Stressempfinden und weniger Geduld gegenüber anderen, aber auch einem geringeren Selbstbewusstsein. „Die Wechseljahre haben meine Arbeit nicht beeinflusst“, sagen dagegen nur knapp 6 Prozent der Frauen.
Teure Untätigkeit
Viele Frauen hatten laut der Studie bereits Konsequenzen gezogen: Ein Viertel hatte Stunden reduziert, 18 Prozent die Stelle gewechselt und 16 Prozent haben eine Auszeit von der Arbeit genommen, 10 Prozent sind gar vorzeitig in den Ruhestand gegangen oder haben eine Beförderung ausgeschlagen (5,4 %). Die ökonomischen Kosten schlecht behandelter Menopausen-Symptome sind also hoch. Für Kanada wurden sie auf 3,4 Mrd. Dollar jährlich berechnet.
Vielen Frauen würde eine Sensibilisierung der Führungskräfte, Kolleg:innen und eine offenere Kommunikation zum Thema nach eigener Aussage helfen, ebenso wie flexible Arbeitszeitmodelle, spezielle Sportangebote, Kurse zu Entspannungstechniken oder eine betriebsärztliche Betreuung. Konkret könnten auch Ruheräume oder passende Angebote in der Kantine hilfreich sein. Die Untersuchung hat jede Menge Ansatzpunkte für ein Arbeitgeber-Konzept ergeben. Daran arbeiten die beteiligten Hochschulen für Technik und Wirtschaft sowie für Wirtschaft und Recht zusammen weiter. Der britischen Menopausenstrategie haben sich bereits mehrere tausend Unternehmen verpflichtet, in anderen Staaten wie Kanada und Australien werden Programme aufgelegt, um mehr Frauen während der Wechseljahre an ihren Arbeitsplätzen zu halten. Bis Deutschland aufgeholt hat, bleibt Betroffenen nur, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen.