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Schlafstörungen – Das solltest Du über Schlafprobleme wissen

Die eine oder andere unruhige, schlaflose Nacht hat wohl jeder von uns schon einmal durchlebt. Probleme beim Ein- oder Durchschlafen gehören zu den häufigen Schlafstörungen und können zu einem Schlafmangel führen. Bei akuten Schlafstörungen über wenige Tage besteht in der Regel kein Grund zur Sorge. Halten die Beschwerden jedoch länger an, könnten sich möglicherweise körperliche oder psychische Ursachen dahinter verbergen. Zudem wirkt sich ein chronischer Schlafmangel negativ auf unsere Gesundheit aus.

Ab wann sprechen Schlafmediziner:innen von einer Schlafstörung? Welche Formen gibt es und wie zeigen sie sich? Welche Möglichkeiten stehen Dir zur Verfügung, um endlich wieder einen erholsamen Schlaf genießen zu können? Hier erfährst Du alles, was Du über Schlafstörungen wissen solltest.

 

Was sind Schlafstörungen?

Schlafstörungen können viele Gesichter haben. Im Bereich der Schlafmedizin sind mehr als 90 unterschiedliche Störungen definiert, die mit Ein- oder Durchschlafstörungen und folglich oft mit einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit einhergehen. Beide Varianten können auch parallel auftreten, sodass man zuerst nicht in den Schlaf findet und dann nachts zwischendurch (mehrfach) wieder aufwacht.

Mediziner:innen gehen von einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung aus, wenn das Ein- und/oder Durchschlafen mindestens dreimal in der Woche über drei Monate lang gestört ist. Das trifft auch zu, wenn Du in einem Zeitraum von ein bis drei Monaten unter frühmorgendlichem Erwachen leidest oder Du Dich tagsüber ständig müde, kraft- und energielos fühlst.

Schlafstörungen können sich auf Dauer negativ auf unsere körperliche und psychische Gesundheit auswirken. Früher oder später reduziert ein schlechter Schlaf und die damit einhergehende Tagesmüdigkeit unsere Lebensqualität und Leistungsfähigkeit. Betroffene lassen sich dadurch häufiger krankschreiben und es besteht ein erhöhtes Risiko für Unfälle.

Schlafstörungen: Häufigkeit

In Deutschland leiden etwa 25 Prozent der erwachsenen Menschen an Schlafstörungen und mehr als zehn Prozent empfinden ihre Schlafqualität häufig oder dauerhaft als nicht erholsam. Frauen sind im Vergleich zu Männern doppelt so oft von Schlafproblemen betroffen. Darüber hinaus besteht insbesondere bei Frauen mit einem niedrigen Sozialstatus sowie bei Männern mit Wohnsitz im Westen Deutschlands ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Schlafstörung, laut der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland des RKI.

 

Schlafstörungen: Formen

Es gibt viele verschiedene Formen von Schlafstörungen. Für eine bessere Übersicht hat das internationale Klassifikationssystem für Schlafstörungen, das ICSD (International Classification of Sleep Disorders), die verschiedenen Arten in sechs Gruppen zusammengefasst:

  1. Insomnien
  2. Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS)
  3. Hypersomnien
  4. Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen
  5. Parasomnien
  6. Schlafbezogene Bewegungsstörungen

 

1. Insomnien

Dir graut es schon vor dem Zubettgehen, weil Du im Bett zu viel grübelst und deshalb einfach nicht einschlafen kannst? Oder Du schläfst zunächst gut ein, wachst aber mitten in der Nacht wieder auf und kannst dann nicht wieder einschlafen? Dann könntest Du unter einer akuten oder chronischen Ein- und Durchschlafstörung leiden, die in die Gruppe der sogenannten Insomnien gehört.

Ein- und Durchschlafstörungen sind die am weitesten verbreiteten Schlafstörungen. Laut der Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) sind in Deutschland etwa sechs bis zehn Prozent der Menschen von einer Insomnie betroffen. Je nachdem, wie lange die Ein- und Durchschlafstörungen anhalten, werden drei Kategorien unterschieden:

  1. Transitorische Insomnie: Bei dieser Form halten die Ein- und Durchschlafstörungen nur vorübergehend an. Betroffene Personen erleben meistens akute Stresssituationen im Beruf oder Alltag, die sie für wenige Tage nicht gut ein- oder durchschlafen lassen.
  2. Kurzfristige Insomnie: Hier halten die oftmals stressbedingten Ein- und Durchschlafstörungen über wenige Wochen an. Ist die stressige Phase vorbei oder lernen Betroffene besser mit dem Stress umzugehen, normalisiert sich auch der Schlaf wieder.
  3. Chronische Insomnie: Leiden Menschen unter der chronischen Verlaufsform, halten die Ein- und Durchschlafstörungen meistens über mehrere Monate oder Jahre an. Der Leidensdruck ist bei dieser Form hoch, weil die Insomnie fast jede Nacht auftritt. Meistens verbergen sich psychische und/oder körperliche Beschwerden hinter einer chronischen Schlafstörung.

 

2. Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS)

Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS) sind gekennzeichnet durch eine krankhafte Wechselwirkung von Schlaf, Atmung und Herz-Kreislauf-System. Sie äußern sich z. B. in abnormalen Atemmustern oder Atempausen. Schnarchen ist wohl das auffälligste Symptom, wenn eine gestörte Atmung unseren Schlaf beeinträchtigt.

Zu den häufigsten Formen schlafbezogener Atmungsstörungen gehören das sogenannte obstruktive Schnarchen und die obstruktive Schlafapnoe.

 

Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)

In der Medizin fasst man das obstruktive Schnarchen und die obstruktive Schlafapnoe unter der Bezeichnung obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) zusammen. Wenn wir schlafen, entspannt sich unsere Muskulatur im Rachen, die Atemwege verengen sich und der Luftstrom beim Atmen kann das Gaumensegel, den Gaumenbogen und das Zäpfchen zum Flattern bringen. Die typischen Schnarchgeräusche entstehen.

Bei einem OSAS fallen die oberen Atemwege an einigen Stellen ganz in sich zusammen und es kommt zu einem Verschluss (Obstruktion), bei dem die betroffene Person für kurze Zeit keine Luft mehr bekommt. Hält der Atemstillstand (Apnoe) so lange an, dass der Sauerstoffgehalt im Gewebe abfällt, treibt unser Körper unsere Atemmuskulatur und unser Herz an, der Blutdruck steigt. Für einen kurzen Moment wachen wir auf. Wir atmen laut ein, schnarchend, schnaubend, röchelnd oder hustend. Zu diesen kurzen Atemaussetzern kann es bis zu 100-mal in einer Nacht kommen. Meistens erinnern wir uns nicht an sie. Allerdings merken wir, dass der Schlaf nicht erholsam war.
 

Zentrale Schlafapnoe (ZSA)

Treten nächtliche Atemaussetzer auf, obwohl unsere Atemwege offen sind, liegt die Ursache in unserem Gehirn. Das zentrale Nervensystem leitet im Schlaf keine Signale an die Atemmuskulatur weiter. Erst wenn die Luftzufuhr zur Lunge für mehr als zehn Sekunden unterbrochen ist, sendet das Gehirn ein Aufwecksignal, damit wir nicht ersticken. Schlafmediziner:innen sprechen bei dieser Form der Schlafstörung von einer zentralen Schlafapnoe (ZSA).

Eine besondere Form der ZSA ist die Cheyne-Stokes-Atmung (CSA). Dabei handelt es sich um eine krankhafte Form der Atmung, bei der Betroffene periodisch zwischen flachen und tiefen Atemzügen hin- und herwechseln. Wenn die Atemzüge flacher werden, setzt der Atem mitunter für mehr als zehn Sekunden ganz aus, bevor die Atmung wieder beginnt und tiefer wird. Typisch für eine CSA ist auch, dass die Abstände zwischen den Atemzügen variieren. Grund für die unregelmäßige Atmung ist eine verminderte CO2-Sensibilität des Atemzentrums in unserem Gehirn. Wir atmen Sauerstoff (O2) ein und Kohlenstoffdioxid (CO2) wieder aus. Als Signal, wann wir wieder atmen müssen, misst das Atemzentrum den CO2-Partialdruck in unserem Blut. Bei einer CSA reagiert das Atemzentrum erst auf einen höheren CO2-Partialdruck.
 

Schlafbezogene Hypoventilations- und Hypoxämie-Syndrome

Charakteristisch für schlafbezogene Hypoventilations- und Hypoxämie-Syndrome sind eine länger andauernde, reduzierte Atmungsaktivität ohne nachweisbare Atemaussetzer. Ursachen können eine gestörte Atemregulation aufgrund einer geschwächten Atemmuskulatur (Ateminsuffizienz), Medikamente oder Erkrankungen der Atemwege und/oder Lunge sein.

Bei der schlafbezogenen Hypoxämie kommt es in der Folge zu einem Sauerstoffmangel im Blut. Dieses Syndrom wird dann diagnostiziert, wenn die Sauerstoffsättigung im Blut unter 88 Prozent fällt, diese über fünf Minuten anhält und keine schlafbezogene Hypoventilation (krankhafte Verminderung der normalen Lungenbelüftung) besteht.

 

Katathrenie

Bei einer Katathrenie dauert die Ausatmung länger an und wird typischerweise von einem anhaltenden stöhnenden Geräusch begleitet. Die Katathrenie wird von Betroffenen in der Regel nicht bemerkt und wirkt sich auch nicht negativ auf die Schlafqualität aus. Durch die lauten Geräusche während der Ausatmung kann allerdings ein:e Bett- bzw. Zimmerpartner:in beim Schlafen gestört werden.

 

3. Hypersomnien

Wenn Du tagsüber unter einer qualvollen, bleiernen Müdigkeit leidest und Dich ständig ausgebrannt, gerädert und lädiert fühlst, könnte sich dahinter eine Hypersomnie oder Schlafsucht verbergen. Charakteristisch für diese Schlafstörung ist eine exzessive Tagesschläfrigkeit mit verlängerten Nachtschlafepisoden, ein ausgeprägter Einschlafdrang und plötzliche ungewollte Schlafattacken.

Bei einer organisch bedingten Hypersomnie gehen Mediziner:innen von einer körperlichen Grunderkrankung als Ursache aus. Die Schlafsucht tritt dann als Begleitsymptom verschiedener Erkrankungen auf – z. B. bei Depressionen, Schizophrenie, aber auch bei Infekten, Diabetes mellitus, Multipler Sklerose oder Schilddrüsenstörungen. Dagegen werden bei einer nichtorganischen Hypersomnie psychische oder genetische Faktoren vermutet.

Zu den Hypersomnien, bei denen die Ursachen im zentralen Nervensystem liegen, zählen u. a. die Narkolepsie und die periodische Hypersomnie (Kleine-Levin-Syndrom). Die Narkolepsie ist eine seltene neurologische Erkrankung, die mit einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus, ausgeprägter Tagesschläfrigkeit und plötzlichen Schlafattacken einhergeht. Zudem können schlagartig alle Muskeln erschlaffen, was in der Medizin als Kataplexie bezeichnet wird.

Bei dem seltenen Kleine-Levin-Syndrom fallen Betroffene in einen rätselhaften „Dornröschenschlaf“. Sie schlafen durchgehend mehrere Tage, Wochen oder Monate und stehen nur auf, wenn sie etwas essen oder zur Toilette gehen müssen.

 

4. Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen

Der zirkadiane Rhythmus sorgt normalerweise dafür, dass sich die physiologischen Vorgänge in unserem Organismus mit dem 24-stündigen Tag-Nacht-Rhythmus synchronisieren. Jetlag, Schichtarbeit oder die Zeitumstellung beim Jahreszeitenwechsel können aber dazu führen, dass unsere innere Uhr aus dem Gleichgewicht gerät. Bei zirkadianen Schlafstörungen ist die Synchronisation und damit unser Schlaf-Wach-Rhythmus gestört. In der Nacht, wenn wir eigentlich schlafen sollten, leiden wir unter Schlaflosigkeit und während der Wachperiode am Tag unter Schläfrigkeit.

Auf Dauer kann ein gestörter Schlafrhythmus die Schlaf- und Lebensqualität in Mitleidenschaft ziehen. Menschen, die regelmäßig in Früh-, Spät- und Nachtschichten arbeiten müssen, sind besonders gefährdet, eine zirkadiane Schlafstörung zu entwickeln. In wissenschaftlichen Studien wurde belegt, dass bei Schichtarbeiter:innen vermehrt Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen sowie Unfälle am Arbeitsplatz oder im Straßenverkehr auftreten.

Zu den zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen gehören:

  • Organische Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus: die Schlafstörungen werden durch Grunderkrankungen hervorgerufen, z. B. durch Demenz, Erblindung oder Schädigungen des Gehirns.
  • Nichtorganische Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus: Jetlag, Schichtarbeit oder Zeitumstellungen verursachen die zirkadianen Schlafstörungen.

 

5. Parasomnien

Schlafstörungen der besonderen Art stellen die sogenannten Parasomnien dar. Charakteristisch für diese Phänomene sind verschiedene unerwünschte Verhaltensweisen, die wir im Schlaf ausführen. Menschen mit Parasomnien können z. B. mit den Zähnen knirschen (Bruxismus), Schlafwandeln (Somnambulismus), im Schlaf sprechen oder schreien (Somniloquie), um sich schlagen, unter Albträumen leiden oder sich in der Nacht einnässen.

Bei Parasomnien liegt oftmals eine Aufwachstörung vor. Während des Übergangs von der Schlafphase zur Aufwachphase erwachen Betroffene nicht vollständig und üben unbewusst Handlungen aus, an die sie sich im Nachhinein nicht mehr erinnern können. Stress, Medikamente und Erkrankungen können die auffälligen Verhaltensmuster verstärken.

 

6. Schlafbezogene Bewegungsstörungen

Sobald Du abends zur Ruhe kommst und einschlafen möchtest, werden Deine Beine unruhig und kribbelig? Womöglich verbirgt sich das sogenannte Restless-Legs-Syndrom (RLS) hinter den Symptomen. In Deutschland leiden drei bis zehn Prozent der Menschen unter dieser schlafbezogenen Bewegungsstörung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Das RLS sorgt insbesondere abends und nachts für eine quälende Unruhe und Spannung in den Beinen. Typische Zeichen können auch ein Ziehen, Stechen oder Schmerzen in den Beinen sein und ein damit verbundener Drang, sich zu bewegen. Bewegung scheint zunächst die Beschwerden etwas zu lindern, allerdings hält sie auch davon ab, zu schlafen.

Eine weitere schlafbezogene Bewegungsstörung ist die sogenannte Periodic Limb Movement Disorder, kurz PLMD. Dabei ist der Schlaf alle 20 bis 40 Sekunden gestört, weil die oberen und unteren Extremitäten zucken und strampeln.

 

Schlafstörungen: Ursachen

Die Ursachen für Schlafstörungen sind vielfältig. Sie können im Lebensstil und in den persönlichen Lebensumständen liegen oder durch körperliche, neurologische und psychische Erkrankungen hervorgerufen werden. Insomnien können auch als Begleitsymptom anderer Schlafstörungen auftreten. Dazu gehören z. B. das Schlafapnoe- oder Restless-Legs-Syndrom und Parasomnien.

Hier ein kleiner Überblick, welche Ursachen für Schlafstörungen infrage kommen können:

 

Lebensweise und Lebensumstände

  • Genussmittel (z. B. Alkohol, Nikotin, Kaffee, Drogen)
  • Unzureichende Schlafhygiene (z. B. Helligkeit, Lärm, unpassende Matratze, Raumtemperatur zu kalt oder zu warm)
  • Stress im Alltag und Beruf
  • Kummer, Sorgen, seelische Belastungen
  • Schichtarbeit
  • Jetlag
  • Bewegungsmangel

 

Psychiatrische Erkrankungen

  • Depressionen, depressive Verstimmungen
  • Angsterkrankungen
  • Burnout-Syndrom
  • Süchte (z. B. Alkohol, Medikamente, Drogen)
  • Psychosen (z. B. Schizophrenie)

 

Körperliche, organische Erkrankungen

  • Chronische Schmerzen (z. B. Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Fibromyalgie)
  • Erkrankungen im Bewegungsapparat (z. B. Arthrose, Rheuma, Sehnenscheidenentzündungen)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck)
  • Lungen- und Atemwegserkrankungen (z. B. Erkältungen oder Bronchitis mit Schnupfen)
  • Magen-Darm-Erkrankungen (z. B. Sodbrennen, Magengeschwüre, Colitis ulzerosa, Morbus Crohn)
  • Hormonelle Störungen (z. B. Diabetes, Wechseljahre, Schilddrüsenstörung)
  • Neurologische Erkrankungen (Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit, Polyneuropathie, Epilepsie, Schlaganfall, Demenz, Alzheimer)
  • Nierenerkrankungen (Harndrang)
  • Krebserkrankungen

 

Medikamente

  • Antibiotika
  • Blutdrucksenker
  • Antidepressiva
  • Asthma-Medikamente
  • Kortison
  • Schilddrüsenhormone
  • Medikamente gegen Demenz, Parkinson

Du möchtest mehr über die verschiedenen Auslöser und Gründe eines gestörten Schlafes erfahren? Ausführliche Informationen darüber erhältst Du in unserem Ratgeber: Schlafstörungen Ursachen
 

Schlafstörungen: Symptome und Auswirkungen

Eine Schlafstörung kann ein Symptom von verschiedenen Krankheiten sein. Unabhängig von der Ursache der Schlafstörungen können die Beschwerden bzw. Symptome entweder den Schlaf selbst betreffen oder sich auf die Tagesform beziehen.

Beziehen sich die Symptome auf unseren Schlaf, zeigen sich Beschwerden in Form von Ein- und Durchschlafstörungen, einem nicht erholsamen Schlaf, nächtlicher Unruhe oder Albträumen. Einschlafstörungen liegen vor, wenn wir mehr als 30 Minuten benötigen, um einzuschlafen oder Durchschlafstörungen wenn wir mehrmals in der Nacht aufwachen und dann nicht wieder einschlafen können. Unsere Schlafqualität kann aber auch beeinträchtigt sein, wenn wir immer viel zu früh aufwachen.

Andere Beschwerden der Schlafstörung zeigen sich am Tag. Schlafen wir in einer Nacht zu wenig, kann sich der Schlafmangel bereits am nächsten Tag bemerkbar machen. Unsere Augen brennen, wir sind müde, unkonzentriert, ungeschickt, gereizt und nervös. Wer zu wenig schläft, reagiert laut Studien nicht nur langsamer, sondern trifft u. a. auch eher falsche Entscheidungen.

Eine dauerhaft schlechte Schlafqualität führt dazu, dass wir unter einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit leiden. Gefährlich kann es werden, wenn wir dann z. B. in einem Auto sitzen, auf einer Leiter stehen oder Maschinen bei der Arbeit bedienen sollen und plötzlich in einen Sekundenschlaf fallen. 

Gesundheitliche Folgen von Schlafstörungen

Schlafstörungen können die Lebensqualität von Betroffenen deutlich einschränken. Während wir schlafen, finden im Hintergrund unbewusst wichtige körperliche und geistige Arbeiten statt. Im Schlaf formt sich unser Gedächtnis, wichtige Erinnerungen werden abgespeichert und Gelerntes neu verknüpft.

Unser Immunsystem arbeitet in der Nacht auf Hochtouren, wobei sich die Anzahl verschiedener Abwehrzellen (z. B. T-Zellen) erhöht. Dadurch können bakterielle oder virale Infekte erfolgreicher bekämpft werden. In einem eindrucksvollen Experiment an Freiwilligen konnten Forschende aus den USA zeigen, dass sich die Anfälligkeit für eine Erkältung schon nach wenigen Nächten deutlich erhöhte, wenn die Proband:innen weniger als 5 Stunden schliefen. Wurden die Teilnehmer:innen (harmlosen) Erkältungsviren ausgesetzt, infizierten sich von den Kurzschläfern etwa 45 Prozent, aber nur etwas mehr als 15 Prozent derjenigen, die mindestens sieben Stunden schlafen durften. Zudem belegen erste Studien, dass wir – wie man gewöhnlich vermutet – tatsächlich nachts unsere "Energiespeicher" auffüllen. Harvard-Forscher fanden im Tierversuch Belege dafür, dass in tagaktiven Hirnregionen im Schlaf Energiereserven (in Form der molekularen “Energiewährung” ATP) aufgefüllt wurden.

Auf all diese Prozesse können sich Schlafstörungen negativ auswirken. Mit weniger Schlaf sinkt nicht nur unsere Gedächtnisleistung, auch das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen steigt. Ein durch Schlafmangel geschwächtes Immunsystem erhöht das Risiko für Infektionen, und wenn unser Herz nachts weniger zur Ruhe kommt, beeinträchtigt dies auf Dauer unser gesamtes Herz-Kreislauf-System.

Studien der Universität Göteborg und des Spanischen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung kommen zu dem Ergebnis, dass Menschen, die jede Nacht weniger als sechs Stunden schlafen, ein um 27 Prozent höheres Risiko haben, an Arteriosklerose zu erkranken. Bei einer solchen Arterienverkalkung verstopfen unsere Arterien, was zu Herzversagen oder Schlaganfällen führen kann.

 

Schlafstörungen: Diagnose

Sofern Du über einen längeren Zeitraum schlecht schläfst und dadurch Deine Schlaf- und Lebensqualität eingeschränkt ist, ist ein Arztbesuch empfehlenswert. Eine Arztpraxis ist die beste Anlaufstelle, damit Du bald wieder besser schlafen kannst. Hinter chronischen Schlafstörungen können viele verschiedene Ursachen stecken, die abgeklärt und möglicherweise behandelt werden sollten – auch oder gerade wenn Du psychische Probleme hast.

Ein ausführliches Gespräch (Anamnese) mit einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte, das Führen eines Schlaftagebuchs und verschiedene körperliche Untersuchungen geben wichtige Hinweise, um der Ursache für die Schlafstörung auf die Spur zu kommen. In seltenen Fällen wird zur Abklärung auch ein Aufenthalt in einem Schlaflabor nötig.

 

Anamnese

Beim Erstgespräch möchte dein Arzt sich zunächst einen Überblick über deine Schlafprobleme schaffen. Dafür stellt er:sie Dir viele Fragen zur Krankengeschichte und zum Schlafverhalten. Auch Deine Lebensumstände und Deine Lebensweise spielen eine wichtige Rolle.

Folgende Punkte können im ersten Gespräch abgefragt werden:

  • Abendrituale, Einschlafrituale
  • Schlafenszeiten, Schlafgewohnheiten
  • Dauer der Einschlafzeit, Häufigkeit der Aufwachphasen, Aufwachzeiten
  • Allgemeines Befinden, Konzentrations- und Leistungsfähigkeit
  • Seelische Belastungen, Ängste, Albträume
  • Medikamenteneinnahme, Genussmittel
  • Körperliche und psychische Erkrankungen

Es kann sein, dass Dein Arzt oder Deine Ärztin Dich darum bittet, über eine gewisse Zeit ein Schlaftagebuch zu führen. Darin dokumentierst Du z. B. was Du am Abend gegessen oder getrunken oder wie Du den Abend gestaltet hast, wann Du ins Bett gegangen und wann Du wieder aufgestanden bist. Hilfreich für die Diagnose können alle Informationen rund um den Schlaf und Deine Lebensweise sein.

 

Körperliche Untersuchungen

Um die Ursache für eine Schlafstörung zu diagnostizieren, können je nach Verdacht verschiedene körperliche Untersuchungsverfahren eingesetzt werden. Abhängig vom Ergebnis der Untersuchungen könnte es sein, dass Dir für eine spezifischere Diagnostik eine Überweisung in eine Facharztpraxis ausgestellt wird.

Wichtige Aufgaben für die Diagnose und Behandlung von Schlafstörungen übernehmen dann speziell ausgebildete Schlafmediziner:innen.

 

Apnoe-Screening und Aktometer

 Besteht der Verdacht auf eine Schlafapnoe oder Bewegungsstörungen, setzen Ärzt:innen auf spezielle körperliche Untersuchungen, die man zu Hause durchführt.

Um eine Schlafapnoe festzustellen führt der:die Ärzt:in ein sogenanntes Schlafapnoe-Screening (Polygrafie) durch. Der:die Patient:in erhält ein tragbares Gerät, das er:sie bei sich zu Hause vor dem Zubettgehen anlegt. Bei dieser ambulanten Untersuchung werden Parameter wie Sauerstoffsättigung, Atemanstrengung der Brust und Bauchmuskulatur, Atemfluss, Atemaussetzer und krankhaftes Schnarchen aufgezeichnet.

Mit einem sogenannten Aktometer bzw. Aktigraph können Deine motorischen Aktivitäten tagsüber und nachts gemessen und aufgezeichnet werden. Das Gerät wird über zwei Wochen jeden Tag 24 Stunden wie eine Uhr am Handgelenk getragen. Der Schlaf-Wach-Rhythmus, die Schlafepisoden am Tag, die Dauer und Regelmäßigkeit des Schlafens werden dabei überwacht und anschließend ausgewertet.

 

Untersuchungen im Schlaflabor

Bei manchen Schlafstörungen wie Atemaussetzern im Schlaf, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus oder bei einer schlafbezogenen Bewegungsstörung wie dem Restless-Legs-Syndrom ist unter Umständen eine Untersuchung im Schlaflabor angezeigt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) ist die Diagnostik im Schlaflabor bei etwa einem Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung notwendig.

Die Untersuchungen im Schlaflabor sind sehr aufwendig und finden in einer Klinik oder in einem schlafmedizinischen Zentrum statt. Patienten übernachten dort für ein oder zwei Nächte. Der Schlaf, die Schlafstadien, nächtliche Bewegungen und die Atmung werden mit Monitoren überwacht und die Daten von Geräten aufgezeichnet. Mithilfe der Messungen können sehr genaue Diagnosen gestellt werden.

 

Schlafstörungen: Therapie

Konnte eine Ursache für Deine Schlafstörung festgestellt werden, richtet sich die Behandlung nach den auslösenden Grunderkrankungen oder Faktoren. Des Weiteren gibt es verschiedene nicht-medikamentöse und medikamentöse Therapiemöglichkeiten, um Deine Schlafqualität zu verbessern.

 

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Aufklärung
  • Umstellung der Schlaf- und Lebensgewohnheiten
  • Verbesserung der Schlafhygiene
  • Psychotherapeutische Unterstützung (kognitive Verhaltenstherapie)
  • Entspannungsmethoden (autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga)

 

Medikamentöse Behandlung

  • Benzodiazepine
  • Z-Substanzen
  • Barbiturate
  • Antidepressiva

Die medikamentöse Therapie mit verschreibungspflichtigen Schlafmitteln ist höchstens für eine kurze Zeit bei Schlafstörungen sinnvoll. Chemische Schlafmittel wie Benzodiazepine, Z-Substanzen und Barbiturate sollten aber nicht länger als vier Wochen eingenommen werden, weil sie starke Nebenwirkungen haben und darüber hinaus körperlich und psychisch abhängig machen können. Häufig kehren die Schlafstörungen wieder zurück, wenn die Schlaftabletten abgesetzt werden.

Genauere Informationen zur Therapie von Schlafstörungen erhältst Du hier: Schlafstörungen Behandlung.

 

5 Tipps bei Schlafstörungen

Bei Schlafstörungen ist es hilfreich, auf eine gute Schlafhygiene und Schlafqualität zu achten. Die folgenden fünf Tipps können Dich dabei unterstützen, morgens ausgeruhter aufwachen und konzentrierter und gut gelaunt in den Tag zu starten:

  1. Schlafzimmer gestalten: Empfehlenswert ist ein gut durchlüftetes, dunkles und ruhiges Schlafzimmer mit einer Raumtemperatur von etwa 18° Celsius.
  2. Regelmäßige Zeiten einhalten: Für einen geregelten Schlaf-Wach-Rhythmus ist es förderlich, möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und auch zur gleichen Zeit aufzustehen. Im Idealfall auch am Wochenende und im Urlaub.
  3. Kraft der Natur nutzen: Du kannst ein abendliches Entspannungsbad oder einen Tee mit schlaffördernden und beruhigenden Heilpflanzen genießen, z. B. mit Melisse, Baldrian, Hopfen oder Passionsblume.
  4. Keine üppigen Mahlzeiten am Abend verzehren: Schwere, fettreiche Mahlzeiten vor dem Schlafengehen sind bei Schlafproblemen keine gute Idee, weil sie unsere Verdauung auf Trab halten und zu Sodbrennen führen können.
  5. Möglichst auf Alkohol verzichten: Ein Glas Rotwein am Abend kann trügerisch sein. Zunächst macht es uns müde und hilft beim Einschlafen. Alkohol kann aber dafür sorgen, dass wir die Nacht nicht gut durchschlafen und sich Schlafstörungen verstärken können.
Schlecht schlafen? Fällt mir im Traum nicht ein.