Bakterielle Vaginosen rezidivieren trotz etablierter Antibiotikatherapie häufig und verursachen Beschwerden. Entsprechend groß ist das Interesse an Zusatzmaßnahmen wie Probiotika, um die Wiederbesiedlung mit Laktobazillen zu unterstützen. Doch welche Applikationsform ist sinnvoller – oral oder vaginal? Eine randomisierte, doppelblinde Studie aus dem Jahr 2024 liefert eine bemerkenswert nüchterne, aber klinisch relevante Antwort: Beide Wege scheinen wirksam, und keiner war dem anderen überlegen [1].
Zwei Wege, ein Ziel
An der Untersuchung nahmen 66 Frauen mit symptomatischer bakterieller Vaginose teil. Davon schlossen 55 Patientinnen die Nachbeobachtung ab. Alle erhielten zunächst eine einwöchige Standardtherapie mit oralem Metronidazol. Anschließend wurden sie randomisiert in eine Gruppe, die über vier Wochen orale Probiotika einnahm, und in eine weitere Gruppe, die über zwei Wochen täglich vaginale Probiotika anwendete.
Rezidivrate im Visier
Der primäre Endpunkt war die Rezidivrate nach einem Monat, gemessen über den Nugent‑Score.1 Es ergab sich eine deutliche Verbesserung – unabhängig vom Applikationsweg. Beide Gruppen zeigten eine signifikante Abnahme des Nugent‑Scores: Bei der oralen Einnahme sank der Score von median 8,5 auf 3, während er bei der vaginalen Applikation von 9 auf 3 sank. Beide Strategien halfen – und keine war klar überlegen. Auch in Bezug auf die Sicherheit gab es positive Ergebnisse: Es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen festgestellt.
Bedeutung für die Praxis
Rezidive bei bakterieller Vaginose sind für Patientinnen belastend und therapeutisch frustrierend. Die Studie bietet in diesem angespannten Kontext eine individualisierte Therapieoption: Sie verschiebt den Fokus weg von der Frage „Was wirkt besser?“ hin zu „Was ist für die Patientin akzeptabler?“. Wenn die Wirksamkeit und Sicherheit vergleichbar sind, können Komfort, Präferenz und Alltagstauglichkeit stärker in die Entscheidung einfließen.
Limitationen im Blick
Es ist richtig, dass die Studie mit einer kleinen Fallzahl durchgeführt wurde und der Beobachtungszeitraum mit einem Monat kurz war. Die Studie gibt damit noch keine Antwort auf Langzeit-Rezidive. Dennoch bietet sie einen wichtigen Impuls. Der Blick fällt nun auf die Mechanismen, die hinter der Probiotika-Gabe stecken.
Die „Schleimhautautobahn“
Parallel zu den o.g. klinischen Daten wächst das Verständnis dafür, wie oral verabreichte Laktobazillen überhaupt in der Vagina ankommen können (Abb. 1). So konnte gezeigt werden, dass spezifische Lactobacillus-Stämme nach zweiwöchiger oraler Einnahme signifikant häufiger in der Vaginalflora nachgewiesen werden können [2]. Dieses Phänomen wird als enterovaginale Transmission beschrieben – anschaulich auch „Schleimhautautobahn“ genannt. Wichtig sind folgende Fakten:
- Die Bakterien überleben die Darmpassage.
- Sie besiedeln den unteren Gastrointestinaltrakt.
- Sie gelangen über die perianale Region in die Vagina.
Damit wird klar: Orale Probiotika nutzen einen etablierten physiologischen Weg, um die Vaginalflora zu beeinflussen.
Tipps für die Praxis
Für Patientinnen mit bakterieller Vaginose gilt auf Basis der aktuellen Evidenz:
- Beide Applikationswege – oral und vaginal – können die Regeneration der Vaginalflora unterstützen.
- Die Patientinnenpräferenz kann leitend sein.
- Orale Probiotika bieten eine einfache, alltagstaugliche Option.
- Vaginale Probiotika können sinnvoll sein, wenn eine direkte lokale Anwendung gewünscht wird.
In einem Feld, in dem Rezidive häufig und belastend sind, ist diese Flexibilität ein praktischer Fortschritt.
[1] Rezazadeh MB, et al. Comparative efficacy of oral and vaginal probiotics in reducing the recurrence of bacterial vaginosis: a double-blind clinical trial. BMC Women’s Health 2024; 24: 575. Doi: 10.1186/s12905-024-03418-z
[2] Steyer GE. Das vaginale Mikrobiom: Schützen und Regenerieren mit Probiotika. Abrufbar unter: https://natuerlich.thieme.de/therapieverfahren/naehrstofftherapie/detail/das-vaginale-mikrobiom-schuetzen-und-regenerieren-mit-probiotika-536. Zuletzt abgerufen am 18.06.2026