Gefährlicher Schlafmangel: Neue Erkenntnisse zu Parodontitis
Chronischer Schlafmangel erhöht das Risiko für zahlreiche Krankheiten: Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Krebs oder Demenz. Wenige wissen: Auch die Mundgesundheit leidet.
Eine Studie von Forschenden der Tongji-Universität in Shanghai liefert neue Hinweise, warum Menschen mit Schlafmangel häufiger unter Parodontitis leiden. Diese Erkrankung entsteht durch bakterielle Beläge am Zahnfleischrand, die eine chronische Entzündung auslösen. Im schlimmsten Fall kann sie den Zahnhalteapparat angreifen – die Zähne lockern sich und fallen aus.
Was im Körper passiert
Das Team um Junhui Li analysierte zunächst Daten von rund 7.000 Menschen. Dabei zeigte sich: Unter jenen, die weniger als vier Stunden pro Nacht schliefen, hatte jede:r Fünfte eine schwere Parodontitis. Unter den Ausgeschlafenen war der Anteil deutlich geringer.
Um den Mechanismus dahinter zu verstehen, führten die Forschenden Versuche mit Mäusen durch. Sie fanden heraus, dass bei Schlafmangel bestimmte Nervenzellen im Gesicht (TRPV1-Neuronen des Trigeminusnervs) überaktiv werden. Diese Nervenzellen reagieren normalerweise auf Schmerz oder Hitze – bei Schlafmangel jedoch schütten sie vermehrt einen Botenstoff aus, der die Blutgefäße erweitert und durchlässiger macht.
Dadurch können mehr Immunzellen in das Zahnfleisch eindringen. Das klingt zunächst hilfreich, führt aber paradoxerweise zu stärkeren Entzündungsreaktionen und verschlimmert so die Parodontitis.
Praktische Konsequenzen
Die Erkenntnisse verdeutlichen, wie sensibel das Zusammenspiel zwischen Nerven, Immunsystem und Schlaf ist. Wer zu wenig schläft, bringt sein Entzündungsgleichgewicht aus dem Takt – auch im Mund.
Praktisch bedeutet das: Regelmäßiger, ausreichender Schlaf gehört ebenso zur Zahngesundheit wie gründliches Zähneputzen. Eine gute Schlafhygiene kann helfen, das Risiko für entzündliche Prozesse zu senken.
Li J. et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, 2025; doi: 10.1073/pnas.2424169122