Molybdän: Wirkung, Mangel & Lebensmittel im Überblick
In diesem Artikel erfährst Du, welche Bedeutung Molybdän für Deine Gesundheit hat und welche Wirkung es hat. Außerdem zeigen wir Dir, wie hoch der Tagesbedarf ist, welche Mengen Du über Deine tägliche Ernährung aufnimmst, was bei einem Mangel oder einer Überdosierung passieren kann und wie Du Molybdän-Präparate richtig einnimmst.
- Molybdän ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das der Körper nicht selbst bilden kann und daher über die Nahrung aufnehmen muss.
- Als Bestandteil des Molybdän-Cofaktors ist Molybdän an vier Enzymreaktionen beteiligt, unter anderem am Abbau schwefelhaltiger Aminosäuren durch die Sulfitoxidase.
- Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt für Jugendliche ab 10 Jahren und Erwachsene einen Schätzwert von 50 bis 100 Mikrogramm Molybdän pro Tag.
- Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Innereien wie Leber und Milchprodukte zählen zu den molybdänreichsten Lebensmitteln.
- Die Europäische Union (EU) hat für Molybdän genau einen zugelassenen Health Claim bestätigt: den Beitrag zu einer normalen Verstoffwechslung schwefelhaltiger Aminosäuren.
- Ein Molybdänmangel ist bei ausgewogener Ernährung extrem selten; die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen sicheren Tageshöchstwert (Tolerate Upper Intake Level, UL) von rund 10 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt.
Was ist Molybdän?
Molybdän (Mo) ist ein chemisches Element. Das silbrig-weiße Metall gehört wegen seiner hohen Dichte zu den Schwermetallen. Es zeichnet sich durch eine hohe Festigkeit sowie einen sehr hohen Schmelzpunkt aus.1
In der Erdkruste ist Molybdän vergleichsweise selten, kommt jedoch weltweit vor. Es gelangt durch natürliche Verwitterungsprozesse in den Boden und ins Wasser, wo überwiegend Oxid- oder Sulfid-Verbindungen des Molybdäns zu finden sind. Dabei hängt seine Konzentration von den geologischen Gegebenheiten ab.1,2
Pflanzen nehmen das Molybdat-Ion (MoO₄²⁻), die wichtigste Form des Molybdäns, über ihre Wurzeln aus dem Boden auf. Insbesondere Hülsenfrüchte können das Metall in nennenswerten Mengen anreichern. Über pflanzliche und tierische Lebensmittel gelangt es schließlich in die Nahrungskette des Menschen.3
Für beinahe alle lebenden Organismen ist Molybdän lebensnotwendig. Denn es ist bei Pflanzen, Tieren und Menschen, aber auch vielen Bakterien, ein Bestandteil wichtiger Enzyme. Deswegen vermuten Forschende, dass molybdänhaltige Enzyme bereits sehr früh in der Evolution entstanden sind.3
Obwohl der Körper nur sehr geringe Mengen benötigt, ist Molybdän – so wie alle Spurenelemente – für verschiedene Redoxreaktionen im Stoffwechsel unverzichtbar.
- Wichtig für Stahl
Das Element Molybdän ist dank seiner Eigenschaften wie Hitzebeständigkeit und Festigkeit gut geeignet für Legierungen. Es wird seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Stahl beigemischt, um ihn zu härten und den Korrosionsschutz zu verbessern. Verwendet wird das Metall beispielsweise im Flugzeug- und Raketenbau. Zudem wird es in elektronischen Bauteilen genutzt – oder auch für die Imprägnierung von Stoffen, da es schwer entflammbar ist.1 - Biologische Bedeutung
Der Biochemiker Hermann Bortels wies 1930 Molybdän als essenzielles Spurenelement für Bakterien nach, die Stickstoff aus der Luft binden. Im Jahr 1953 identifizierte eine amerikanische Arbeitsgruppe das Metall als zentralen Faktor eines Enzyms bei Ratten. Kurz darauf wurden weitere molybdänhaltige Enzyme beschrieben. 1971 erfolgte der Nachweis, dass Molybdän auch für den Menschen lebensnotwendig ist, da es für Enzyme des Schwefel- und Purinstoffwechsels benötigt wird.3,4,5 - Versorgung ist pH-abhängig
Die Verfügbarkeit von Molybdän für Pflanzen hängt von verschiedenen Umweltfaktoren ab, insbesondere vom pH-Wert des Bodens: So liegt das Element in sauren Böden nicht als Molybdat-Ion vor, sondern in einer für Pflanzen nicht verfügbaren Form.6,7
Hülsenfrüchtler (Leguminosen) und bestimmte Bakterien gehen eine Symbiose ein – mit Vorteilen für beide Seiten. Dabei wandeln die Mikroorganismen Stickstoff (N2) aus der Luft in eine für die Pflanzen verfügbare Form um. Dafür ist ein molybdänhaltiges Enzym notwendig, weshalb Hülsenfrüchte viel Molybdän enthalten.8,9
Molybdän-Wirkung: Für was ist Molybdän gut?
Molybdän ist bei Menschen und Tieren ein unverzichtbarer Bestandteil von vier Enzymen. Molybdän liegt hier an ein Molekül namens Pterin gebunden vor. Diese biologisch aktive Form des Elements heißt Molybdän-Cofaktor.10
Die Enzyme mit Molybdän-Cofaktor setzen sogenannte Redoxreaktionen in Gang, dienen also der Übertragung von Elektronen im Stoffwechsel. Sie spielen beispielsweise bei der Umsetzung von Stickstoff und Schwefel im Körper eine wichtige Rolle:3,11,12,13,14
- Beim Abbau schwefelhaltiger Aminosäuren entsteht giftiges Sulfit. Dieses wandelt die Sulfitoxidase in ungiftiges Sulfat um. Sulfite werden auch verschiedenen Lebensmitteln wie Wein oder Trockenfrüchten zugesetzt. Das kann Menschen mit einer Sulfitempfindlichkeit Probleme bereiten. Ausreichend Molybdän könnte die Verträglichkeit verbessern.15
- Purine aus der Erbsubstanz werden von der Xanthinoxidase zu Harnsäure abgebaut. Bei einem Mangel dieses Enzyms können in den Harnwegen Steine aus Xanthin auftreten.16
- Zwei weitere molybdänhaltige Enzyme (wie die Aldehydoxidase) können verschiedene Aldehyde (wie Formaldehyd) und andere Substanzen abbauen. Sie sind auch für die Entgiftung von Medikamenten in der Leber wichtig.
Neben ihren eigentlichen Funktionen können alle vier molybdänhaltigen Enzyme bei Sauerstoffmangel die Reduktion von Nitrit zu Stickstoffmonoxid (NO) bewirken. NO dient als Signalmolekül bei verschiedenen Vorgängen im Körper, unter anderem bei der Gefäßerweiterung, die zur Blutdrucksenkung beiträgt.17,18,19
In den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts beschrieben Forschende, dass Kinder aus Gegenden, in denen der Molybdängehalt hoch ist, weniger Karies aufwiesen als Kinder aus anderen Regionen.20 In einer Laborstudie erhöhte Molybdän die Härte des Zahnschmelzes deutlich.21 An Ratten wurde gezeigt, dass der karieshemmende Effekt auf einer verbesserten Verfügbarkeit von Fluorid beruht: In Anwesenheit von Molybdän wurde mehr Fluorid in Zähne und Knochen eingebaut.22
Health Claim: Die wissenschaftlich bestätigte Funktion von Molybdän
Die Funktionen von Molybdän wurden von der EFSA wissenschaftlich bewertet. Auf dieser Grundlage hat die EU genau eine gesundheitsbezogene Angabe, einen sogenannten Health Claim, festgelegt. Diesen findest Du hier, wobei wir uns die aufgeführte Funktion einmal genauer anschauen:
Molybdän ist als Cofaktor ein zentraler Baustein des Enzyms Sulfitoxidase, das für die Entgiftung von Sulfit wichtig ist. Sulfit fällt im Stoffwechsel beim Abbau von Aminosäuren an, die Schwefel enthalten. Zudem findet es sich zugesetzt in verschiedenen Lebensmitteln.
- Molybdänhaltige Enzyme
Pflanzen besitzen fünf Enzyme mit Molybdän-Cofaktor.7 Das fünfte spielt im Stickstoff-Kreislauf eine zentrale Rolle: Es wandelt anorganischen Stickstoff (Nitrat), den die Pflanzen aus dem Boden aufnehmen, in organischen um.23 Damit Pflanzen keinen Stickstoffmangel erleiden, muss der Boden also auch Molybdän enthalten.24 In Bakterien wurden sogar mehr als 50 molybdänhaltige Enzyme identifiziert.3 - Vorsicht bei Nutztieren
Molybdän ist für Wiederkäuer wie Rinder und Schafe zwar notwendig, ein hoher Molybdängehalt im Futter kann jedoch die Aufnahme von Kupfer im Pansen (einem der drei Vormägen) beeinträchtigen. Denn die beiden Spurenelemente können sich verbinden. Dadurch kann selbst bei ausreichender Versorgung mit Kupfer ein Mangel entstehen. Allerdings besteht die Gefahr einer Kupfervergiftung, wenn das Futter zu hoch angereichert wird.25 - Gefahr für Gicht?
In einer Gegend in Armenien mit hohem Molybdängehalt im Boden und in der Nahrung wurde die Zufuhr auf 10-15 Milligramm Molybdän pro Tag geschätzt. Gleichzeitig war die Kupferaufnahme (5–10 mg/Tag) niedriger als bei Menschen außerhalb des Gebiets. Ein großer Teil der dort lebenden Personen wies erhöhte Harnsäurewerte und Gichtsymptome auf. Allerdings wurden in Gegenden mit hohem Mo-lybdängehalt bei gleichzeitiger höherer Kupferzufuhr keine gichtähnlichen Symptome beobachtet. Die Studie aus dem Jahr 1961 wurde für ihre methodischen Mängel kritisiert.26
Molybdän-Tagesbedarf: Wie viel Molybdän am Tag?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt keinen Tagesbedarf, sondern sogenannte Schätzwerte für eine angemessene Molybdänzufuhr an. Sie liegen für Jugendliche ab 10 Jahren und Erwachsene bei 50–100 Mikrogramm (µg) pro Tag. Zudem hält die DGE eine tägliche Zufuhr von sieben (bis vier Monate) beziehungsweise von 20–40 Mikrogramm (vier bis 12 Monate) für Säuglinge und zwischen 25 und 80 Mikrogramm für Kinder (je nach Alter) für angemessen.27
Laut EFSA variiert die durchschnittliche Zufuhr von Molybdän bei Erwachsenen in einem weiten Bereich: Sie liegt in verschiedenen europäischen Ländern zwischen 58 und 157 Mikrogramm pro Tag.28
Ohne Mo kein höheres Leben!14
Molybdän-Tagesbedarf nach Alter (Tabelle)27
| Alter | Molybdän µg/Tag |
|---|---|
| Säuglinge | |
| 0 bis unter 4 Monate | 7 |
| 4 bis unter 12 Monate | 20–40 |
| Kinder | |
| 1 bis unter 4 Jahre | 25–50 |
| 4 bis unter 7 Jahre | 30–75 |
| 7 bis unter 10 Jahre | 40–80 |
| 10 bis unter 15 Jahre | 50–100 |
| Jugendliche und Erwachsene | 50–100 |
Molybdän-Lebensmittel: In welchen Lebensmitteln ist Molybdän enthalten?
Molybdän ist sowohl in pflanzlichen als auch tierischen Lebensmitteln enthalten. Dabei kann der Gehalt schwanken: Er ist abhängig vom Boden und dessen pH-Wert beziehungsweise der Fütterung.
Welche Lebensmittel sind reich an Molybdän? Gute Molybdän-Lieferanten sind vor allem29,30
- Hülsenfrüchte wie Sojabohnen, Bohnen, Erbsen und Linsen
- Getreide(-produkte), vor allem Buchweizen und Vollkorn
- Fleisch und Innereien, insbesondere Leber
- Milch(-produkte)
- Nüsse
Aus Soja kann der menschliche Körper das Molybdän schlechter aufnehmen als beispielsweise aus Grünkohl.31
Molybdän kann Dein Körper nicht selbst herstellen, sondern muss es mit der Nahrung aufnehmen. Der Bedarf lässt sich dabei in der Regel gut über eine ausgewogene Ernährung decken: So liefern beispielsweise zwei Hühnereier, etwa 100 Gramm Reis beziehungsweise 150-200 Gramm Kartoffeln oder Nudeln, 100 Gramm Leber, 250 Gramm Fleisch oder 40 bis 50 Gramm Hülsenfrüchte jeweils rund 75 Mikrogramm Molybdän.32 Da der Körper das Spurenelement nicht selbst herstellen kann, ist diese regelmäßige Zufuhr wichtig – insgesamt finden sich weniger als zehn Milligramm Molybdän im Körper eines erwachsenen Menschen.14
Molybdän-Mangel
In der normalen Bevölkerung ist ein Molybdänmangel nicht beschrieben. Durch eine längere Zufuhr von nur 22 Mikrogramm Molybdän pro Tag traten keine klinisch feststellbaren Symptome auf.32
Molybdän-Mangel-Symptome: Was sind die Anzeichen eines Molybdänmangels?
Im Falle eines Patienten, der monatelang ausschließlich per Infusion ernährt wurde, führte der Mangel des Spurenelements zu verschiedenen Beschwerden: Übelkeit, beschleunigte Atmung und Herzfrequenz, Sehstörungen und schließlich zum Koma. Durch die Gabe von Molybdän erholte sich der Patient rasch.10
Dem Molybdän-Cofaktor-Mangel liegt kein Molybdänmangel, sondern ein genetischer Defekt zugrunde.
Wenn durch einen Gendefekt kein Molybdän-Cofaktor gebildet werden kann, fällt die Entgiftung durch das Enzym Sulfitoxidase aus. Diese seltene Erkrankung ist durch schwere neurologische Schäden aufgrund von Sulfit-Ablagerungen im Gehirn gekennzeichnet. Da die Cofaktor-Herstellung im Körper in mehreren Schritten erfolgt, können verschiedene Gene defekt sein. Für einen Typ gibt es eine zugelassene Behandlung in Form eines Vorläufermoleküls des Cofaktors. Die anderen Typen werden durch eine eiweißarme Diät und Medikamente gegen Krampfanfälle und Muskelspastiken sowie weitere Maßnahmen behandelt.14,33
Molybdän-Überdosierung
Molybdän-Höchstmengen: Wie hoch ist die Tageshöchstdosis von Molybdän?
Die maximale tägliche Zufuhr eines Nährstoffs wird Tolerable Upper Intake Level (UL) genannt. Dieser Wert soll auch bei langfristiger Einnahme keine gesundheitlichen Störungen auslösen. Die EFSA hat für Molybdän einen UL von etwa 10 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag ermittelt. Bei einer 60 Kilogramm schweren Person wären das maximal 600 Mikrogramm (= 0,6 Milligramm) täglich. Dieser Wert für Erwachsene gilt auch für schwangere und stillende Frauen.34
Für Jugendliche und Kinder wurden aufgrund ihres geringeren Körpergewichts niedrigere UL-Werte abgeleitet.34
Molybdän-Nebenwirkungen: Was ist bei einer Überdosierung von Molybdän zu beachten?
Eine übermäßige Aufnahme kann zu erhöhten Harnsäurewerten führen. Diese hohen Werte wiederum können Gichtsymptome, also Gelenkschmerzen auslösen. Mit der normalen Ernährung werden giftige Effekte jedoch selten erreicht.
Molybdän-Wechselwirkungen: Beeinflusst Molybdän die Kupferaufnahme?
Ist die Einnahme von Molybdän (in Verbindung mit Schwefel) sehr hoch, könnte dies die Aufnahme und Verwertung von Kupfer im Darm hemmen. Zur Behandlung bestimmter Erkrankungen wird dies sogar gezielt eingesetzt.35
Molybdän als Nahrungsergänzungsmittel: Kapseln, Tabletten & Co
Molybdän gibt es als Nahrungsergänzungsmittel (NEM)
- einzeln,
- in Kombination mit anderen Mineralstoffen,
- in Multivitamin- und Mineralstoffpräparaten.
In den Produkten steckt meist Natriummolybdat, es können aber auch andere Molybdate und weitere Verbindungen des Spurenelements sein. Die Mengen variieren zwischen etwa 50 und 500 Mikrogramm, in Multipräparaten auch weniger.30
Mögliche Darreichungsformen sind
- Kapseln,
- Tabletten,
- Granulat,
- flüssige Formen wie Tropfen,
- Multiprodukte auch als Trinkfläschchen.
Molybdän-Einnahme: Wann sollte man am besten Molybdän einnehmen?
Molybdän-Präparate können Sie zu oder nach einer Mahlzeit mit einem Glas Wasser einnehmen, damit sie besser vertragen werden. Am besten beachten Sie die Dosierungs- und Anwendungshinweise des jeweiligen Herstellers.
Molybdän: Fazit
Molybdän ist ein essenzielles Spurenelement, das der Körper nicht selbst bilden kann und daher regelmäßig über die Nahrung aufnehmen muss. Als Bestandteil mehrerer Enzyme ist es am Stoffwechsel schwefelhaltiger Aminosäuren beteiligt. Mit einer ausgewogenen Ernährung aus Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide, Innereien und Milchprodukten lässt sich der tägliche Bedarf von 50 bis 100 Mikrogramm in der Regel gut abdecken; ein ausgeprägter Mangel ist entsprechend selten. Wer zusätzlich auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgreift, sollte sich an die Dosierungsempfehlungen des Herstellers sowie an den von der EFSA festgelegten Tageshöchstwert halten.