Haarausfall kann für Betroffene eine große Belastung sein – ganz gleich, ob er plötzlich oder schleichend auftritt. Die gute Nachricht: In den vielen Fällen lässt sich Haarausfall stoppen oder zumindest deutlich reduzieren. Doch was hilft bei Haarausfall? Wir erklären Dir, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen und wie sich Haarverlust durch Maßnahmen im Bereich Ernährung, Pflege und Lebensstil reduzieren lässt.
Haarausfall stoppen: Wie viel Haarverlust ist normal?
Auch wenn sie auf den ersten Blick simpel wirken, sind unsere Haare erstaunlich komplex. Sie bestehen aus mehreren Schichten von Hornzellen, Keratinfasern und anderen Strukturen, die ihnen Festigkeit und Elastizität verleihen. Der sichtbare Teil des Haares wird als Haarschaft bezeichnet, während die Haarwurzel, aus der das Haar wächst, tief in der Kopfhaut verankert ist.
Jedes Haar durchläuft einen eigenen Wachstumszyklus, an dessen Ende es schließlich ausfällt und Platz für ein neues macht. Deshalb verlieren wir täglich bis zu 100 Haare – ein völlig natürlicher Prozess. Erst wenn übermäßig viele Haare ausfallen und nicht nachwachsen, spricht man von Haarausfall.
Kann man Haarausfall wirklich stoppen?
Ob sich Haarausfall stoppen lässt, hängt von dessen Form bzw. Ursache ab. Bei manchen werden die Haare am gesamten Kopf dünner, während andere über einzelne lichte Stellen klagen, die mit der Zeit größer werden. Zu den drei Hauptformen des Haarausfalls gehören:
- Diffuser Haarausfall (Alopecia diffusa)
- Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
- Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)
Diffuser, über den ganzen Kopf verteilter Haarausfall ist meist eine Reaktion auf einen Nährstoffmangel, seelische Belastungen, Stoffwechselstörungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente. Wird die Ursache erkannt und behoben, lässt der reaktive Haarausfall in der Regel nach und neue Haare wachsen.
Auch entzündungsbedingte Formen des Haarausfalls wie der kreisrunde Haarausfall können reversibel sein, sofern die Haarwurzel durch die Entzündungen nicht zerstört worden ist. Ähnliches gilt auch bei mechanischem Haarausfall, der z. B. durch starkes Ziehen an den Haaren oder ein Überstrapazieren durch chemische Haarbehandlungen auftreten kann.
Erblich bedingter Haarausfall lässt sich ebenfalls in vielen Fällen behandeln. Ein Wiederwachstum der Haare an bereits kahlen Stellen kann allerdings meist nur teilweise erreicht werden. Daher ist es bei übermäßigem Haarausfall wichtig, frühzeitig Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt zu halten und Ursachen abzuklären. Nur so können passende Maßnahmen eingeleitet werden, um den Haarausfall zu stoppen oder zumindest zu reduzieren.
Haarausfall – was hilft?
Ist die Ursache des Haarausfalls gefunden, lässt sich gezielt dagegen vorgehen. Bei einigen Formen des Haarausfalls können schon Änderungen des Lebensstils helfen, einem weiteren Verlust der Haare vorzubeugen. Einer gesunden Ernährung kommt hier eine besondere Bedeutung zu, da Haare eine Vielfalt an Nährstoffen benötigen, um wachsen zu können.
Darüber hinaus können Stressmanagement, ausreichend Schlaf, die Reduktion von Genussgiften und eine sanfte Pflegeroutine die Gesundheit der Kopfhaut und das Haarwachstum unterstützen. In manchen Fällen ist jedoch eine medikamentöse Therapie unverzichtbar, um dem Haarausfall ein Ende zu bereiten. Gemeinsam mit Mediziner:innen und Apotheker:innen lässt sich in jedem Fall klären, welche Maßnahmen individuell am vielversprechendsten sind.
Erblich bedingten Haarausfall stoppen
Erblich bedingter Haarausfall (medizinisch: androgenetische Alopezie) ist die häufigste Form des Haarverlustes und betrifft sowohl Männer als auch Frauen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Männer entwickeln oft eine zurückweichende Haarlinie und kahle Stellen am Oberkopf, während sich der Haarausfall bei Frauen meist durch eine schrittweise Ausdünnung im Scheitelbereich zeigt.
Ursache ist eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Dihydrotestosteron (DHT), einem Abbauprodukt von Testosteron, die zu einer allmählichen Schrumpfung der Follikel führt. Dadurch werden die Haare feiner und kürzer, bis das Wachstum schließlich ganz eingestellt wird und die Haare ausfallen.
Obwohl anlagebedingter Haarausfall nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um das Fortschreiten zu verlangsamen und das Haarwachstum wieder zu stimulieren.
Eine bewährte topische Lösung ist Minoxidil, das als Schaum oder Lösung direkt auf die Kopfhaut aufgetragen wird. Der Wirkstoff verbessert die Durchblutung der Kopfhaut und verlängert die Wachstumsphase der Haare. Erste Ergebnisse zeigen sich meist nach drei bis sechs Monaten regelmäßiger Anwendung. Allerdings lässt die Wirkung nach, sobald die Behandlung beendet wird.
Ein weiterer Wirkstoff gegen erblich bedingten Haarausfall ist Finasterid, welcher direkt an der Ursache ansetzt und die Umwandlung von Testosteron in DHT hemmt. Dadurch kann der Haarausfall gestoppt und das Haarwachstum teilweise sogar wieder angeregt werden. Da das Medikament in den Hormonhaushals eingreift und im Falle einer Schwangerschaft zu schweren Nebenwirkungen führen könnte, ist es ausschließlich für Männer zugelassen. Finasterid wird in der Regel als Tablette eingenommen und benötigt eine konsequente Anwendung, da der Effekt nach dem Absetzen wieder nachlässt. Seit 2023 ist der Wirkstoff auch als Spray verfügbar. Durch das direkte Auftragen auf die Kopfhaut kann das Risiko möglicher Nebenwirkungen wie reduzierte Libido oder erektile Dysfunktion reduziert werden.
Zusätzlich gewinnen Haartransplantationen zunehmend an Bedeutung. Dabei werden gesunde Haarfollikel aus dicht behaarten Bereichen entnommen und in kahle Stellen implantiert. Diese Methode bietet dauerhafte Ergebnisse, ist jedoch mit höheren Kosten verbunden.
Neben medikamentösen Behandlungen können unterstützende Maßnahmen wie eine ausgewogene Ernährung, sanfte Haarpflege und Kopfhautmassagen zur Haargesundheit beitragen.
Kreisrunden Haarausfall stoppen
Kreisrunder Haarausfall (medizinisch: Alopecia areata) ist eine entzündliche Erkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Haarfollikel angreift, was zu plötzlichem, oft kreisförmigem Haarausfall führt. Da die Haarwurzeln aber nicht dauerhaft geschädigt werden, besteht die Möglichkeit, dass die Haare wieder nachwachsen.
Frauen und Männer können gleichermaßen betroffen sein und auch bei Kindern kann die Erkrankung auftreten. Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, aber genetische Faktoren sowie Stress könnten eine Rolle spielen.
Die Behandlung des kreisrunden Haarausfalls richtet sich nach dem Ausmaß des Haarverlusts. Kortisonpräparate – in Form von Cremes, Salben oder Injektionen – können die Entzündung hemmen und den Haarverlust stoppen. Die Wirksamkeit lokal verwendeter Kortikosteroide ist allerdings nicht eindeutig etabliert und im Einzelfall kann eine systemische Therapie hilfreich sein.
Eine weitere Möglichkeit ist die topische Immuntherapie mit Diphenylcyclopropenon (DCP). DCP löst eine kontrollierte allergische Reaktion aus, um das Immunsystem von den Haarfollikeln abzulenken. Diese Methode zeigt je nach Patient:in eine Erfolgsquote von 30 bis 80 Prozent. Für schwere Fälle wurde 2022 Baricitinib zugelassen. Dieses Medikament wirkt entzündungshemmend und moduliert das Immunsystem. Studien zeigen ermutigende Ergebnisse, allerdings sind Nebenwirkungen wie erhöhte Cholesterinwerte, Infektionen oder Kopfschmerzen möglich.
Diffusen Haarausfall stoppen
Beim diffusen Haarausfall (medizinisch: Alopecia diffusa) verteilt sich der Haarverlust gleichmäßig über die gesamte Kopfhaut. Im Gegensatz zu kreisrundem oder erblich bedingtem Haarausfall entstehen keine kahlen Stellen, sondern das Haar wirkt insgesamt dünner und lichtet sich sichtbar.
Je nach betroffener Phase im Haarzyklus unterscheidet man zwischen telogenem Effluvium und anagenem Effluvium. Beim telogenen Effluvium wechseln die Haare vorzeitig von der Wachstums- in die Ruhephase und fallen etwa drei Monate später aus. Typische Auslöser sind körperlicher oder emotionaler Stress, Hormonveränderungen (z. B. nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren), akute oder chronische Infektionen, Schilddrüsenerkrankungen sowie Nährstoffmängel, insbesondere Eisenmangel, Zinkmangel, Biotinmangel oder Eiweißmangel.
Das anagene Effluvium betrifft Haare, die direkt während der Wachstumsphase ausfallen. Dies geschieht meist infolge einer Chemotherapie, Strahlenbehandlung oder durch Vergiftungen, etwa mit Schwermetallen.
Da die Haarwurzeln beim diffusen Haarausfall in der Regel nicht dauerhaft geschädigt sind, ist oft eine vollständige Regeneration möglich. Die wichtigste Maßnahme besteht darin, die zugrunde liegende Ursache zu erkennen und gezielt zu behandeln.
- Nährstoffmängel: Wird ein Mangel festgestellt, lässt sich dieser meist durch eine ausgewogene Ernährung oder gezielte Supplementierung (z. B. Eisen, Zink, Biotin, Vitamin D) ausgleichen.
- Hormonelle Ursachen: Bei hormonellen Veränderungen, etwa nach der Geburt, reguliert sich das Haarwachstum häufig von selbst innerhalb weniger Monate. In anderen Fällen, wie bei Schilddrüsenerkrankungen, hilft eine entsprechende medikamentöse Therapie.
- Stressmanagement: Psychischer und körperlicher Stress kann durch Entspannungsverfahren, Bewegung und gesunden Schlaf reduziert werden und das Haarwachstum wieder stabilisieren.
- Allgemeine Pflege: Sanfte Pflegeprodukte, eine schonende Kopfhautmassage sowie der Verzicht auf aggressive chemische oder mechanische Belastungen (z. B. Färben, Hitzestyling) unterstützen die Erholung der Haarstruktur.
Ergänzend können auch spezielle Tonics, Haarseren oder dermatologisch begleitete Therapien zum Einsatz kommen, um das Haarwachstum zu fördern. Lies dazu auch unseren Beitrag über Haarwuchsmittel.
Haarausfall stoppen: Wichtige Vitamine und Mineralstoffe
Vitamine und Mineralstoffe spielen für die Gesundheit der Haare eine zentrale Rolle, da sie an zahlreichen Prozessen des Haarwachstums und der Haarerneuerung beteiligt sind.
Fehlen dem Körper wichtige Mikronährstoffe, kann der Haarzyklus gestört werden – die Folge: die Haare wachsen langsamer, werden brüchig oder fallen vermehrt aus. Auch Haarqualität und der Glanz können bei einer unzureichenden Nährstoffversorgung leiden.
Zu den wichtigsten Haarvitaminen und -mineralstoffen gehören die folgenden Mikronährstoffe:
- Vitamin A unterstützt die Regulation der Talgproduktion und schützt so die Haare vor dem Austrocknen. Gleichzeitig wird es für die Zellteilung benötigt, die für die Bildung neuer Haare entscheidend ist.
- Biotin wird oft als „Haarvitamin“ bezeichnet, da es direkt an der Bildung von Keratin, dem Hauptbestandteil der Haare, beteiligt ist. Darüber hinaus unterstützt Biotin Stoffwechselprozesse der Haarwurzelzellen, die das Haarwachstum fördern. Weitere B-Vitamine wie B5, B6, B12 und Folsäure leisten hier ebenfalls einen wichtigen Beitrag.
- Eisen ist für die Sauerstoffversorgung der Haarwurzeln unverzichtbar.
- Zink hilft den Haarwachstumszyklus zu regulieren und schützt dank seiner antioxidativen Eigenschaften die Haarwurzeln vor freien Radikalen, die das Haarwachstum stören können.
- Selen unterstützt die Reparaturprozesse geschädigter Zellen und ist für die Produktion der Schilddrüsenhormone notwendig, welche indirekt den Haarstoffwechsel beeinflussen.
- Kupfer unterstützt die Haarpigmentierung und die Stabilität der Haarproteine.
Haarausfall stoppen: Tipps zur Haarpflege
Bei Haarausfall ist eine sanfte Pflege besonders wichtig, um Kopfhaut und Haarwurzeln nicht unnötig zu reizen. Lauwarmes Wasser und milde, sulfat- sowie silikonfreie Shampoos eignen sich besonders gut für die Reinigung der Haare. Werden sie behutsam einmassiert, lässt sich zudem die Durchblutung der Kopfhaut fördern. Auch pflegende Kopfhautseren oder Tonics bieten sich für die Kopfhautmassage an und können je nach Zusammensetzung, das Haarwachstum unterstützen.
Nach dem Waschen empfiehlt es sich, die Haare mit einem weichen Handtuch trocken zu tupfen, um die mechanische Belastung der Haare möglichst gering zu halten.
Auch Hitzestylings (Fönen, Glätten, Lockenstab) setzen den Haaren und der Kopfhaut zu und sollten soweit wie möglich reduziert werden. Ähnliches gilt für chemische Behandlungen wie Färben oder Tönen.
Vorsicht ist auch beim Bürsten und Frisurenstyling geboten. Verwende zum „Entwirren“ am besten einen grobzinkigen Kamm oder eine Naturhaarbürste und vermeide häufiges, straffes Binden der Haare. Das freut Kopfhaut und Haarpracht gleichermaßen.
Haarausfall vorbeugen
Haarausfall lässt sich häufig wirksam vorbeugen oder zumindest deutlich reduzieren, indem man auf eine gesunde Lebensweise achtet. Eine ausgewogene Ernährung liefert wichtige Nährstoffe wie Eisen, Zink, Biotin und Selen, die für kräftige Haare und ein gesundes Haarwachstum unerlässlich sind.
Ebenso wichtig ist der Stressabbau, da anhaltender Stress den Haarzyklus stören und Haarausfall begünstigen kann. Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation oder regelmäßige Spaziergänge helfen, Stress abzubauen, um das Haarwachstum zu stabilisieren.
Eine schonende Haarpflege und der Verzicht auf aggressive Produkte unterstützen die Haargesundheit zusätzlich.