Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die z. B. in Tee und Kaffee, Beeren, Äpfeln, Zitrusfrüchten, Trauben und Kakao vorkommen. Die Forschenden fanden heraus, dass Teilnehmende mit der höchsten Vielfalt im Speiseplan ein bis zu 20 % niedrigeres Erkrankungsrisiko hatten. Dabei wirkt die Vielfalt unabhängig von der Gesamtmenge der aufgenommenen Flavonoide.
Große Aussagekraft
In einer Analyse von knapp 125.000 Datensätzen der UK-Biobank-Daten (2006–2022) untersuchten Wissenschaftler:innen den Zusammenhang zwischen der Vielfalt der aufgenommenen Flavonoide und dem Risiko für verschiedene chronische Erkrankungen sowie die Gesamtsterblichkeit. Nach der Erhebung der Eingangsdaten wurde die Krankengeschichte der Teilnehmenden noch mindestens 10 Jahre weiterverfolgt, um Aussagen über die Entstehung chronischer Krankheiten machen zu können.
Die Teilnehmenden (56 % Frauen, mittleres Alter 60 Jahre) füllten mindestens zwei 24-Stunden-Ernährungsprotokolle aus. Aus den Angaben berechneten die Forschenden sowohl die Gesamtmenge an aufgenommenen Flavonoiden als auch die „Diversität“, also wie viele unterschiedliche Flavonoidtypen in relevanten Mengen verzehrt wurden. Hauptquellen waren Schwarz- und Grüntee (67 % der Gesamtaufnahme, es ist ja eine britische Studie), Äpfel, Rotwein, Trauben, Beeren, Orangen und dunkle Schokolade.
Bunt ist gesund
Ergebnis: Eine hohe Vielfalt wirkte sich unabhängig von der aufgenommenen Gesamtmenge positiv aus. Teilnehmende mit dem höchsten Anteil verschiedener Flavonoide hatten ein um 14 % geringeres Risiko, während der Nachbeobachtung zu sterben. Das Risiko für Typ-2-Diabetes sank um 20 %, für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 10 %, für Krebs und Atemwegserkrankungen um jeweils 8 %. Für fortschreitende Nervenerkrankungen wie Demenz zeigte sich in dieser Studie kein signifikanter Zusammenhang.
In der Studie zeigten sich bestimmte Gewohnheiten: Wer sehr viele Flavonoide aufnahm, tat dies oft aus wenigen Quellen (z. B. überwiegend Tee, in anderen Ländern wäre das vermutlich Kaffee), während bei mittleren Mengen die Auswahl an Quellen größer war. Praktisch bedeutet das: nicht nur viel, sondern möglichst bunt essen – und nicht alles aus der gleichen Quelle.
Die Grenzen der Studie:
Es handelt sich hier um Beobachtungsdaten, da man die Ernährung so vieler Menschen schlecht über viele Jahre steuern kann. Daher bleibt eine Restunsicherheit, ob nicht noch andere Faktoren als nur die Flavonoidaufnahme zu den beobachteten Effekten führen. Möglicherweise spiegeln hohe Vielfalt und Menge von Flavonoiden in der Ernährung auch generell gesündere Ernährungs- und Lebensgewohnheiten wider. Die groß angelegte Studie hat aber solche Verzerrungen in der statistischen Berechnung berücksichtigt und mit standardisierten Methoden auszugleichen versucht.
Praktische Tipps:
- Möglichst viele verschiedene flavonoidreiche Lebensmittel in den Speiseplan einbauen: z. B. morgens Beerenmüsli mit Orangensaft, mittags Salat mit Paprika und Zwiebeln, nachmittags Zartbitterschokolade mit Kaffee.
- Nicht auf ein einziges „Superfood“ setzen, sondern verschiedene Quellen kombinieren.
- Auch Getränke wie Tee, Kaffee und Säfte tragen erheblich zur Aufnahme bei.
- Äpfel sind handlich verpackte Flavonoidbomben.
Fazit
Ausnahmsweise gilt bei Flavonoiden: Viel hilft viel. Entscheidend ist aber die Vielfalt – auch wenn Kaffee und Schokolade Flavonoide enthalten, sollte Dein Essen bunt und ausgewogen sein!