In einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 1700 Erwachsenen in Deutschland antworteten fast alle, dass ihnen gesunde Ernährung wichtig sei. Die meisten Menschen wissen inzwischen, dass eine pflanzenbasierte Ernährung die individuelle Gesundheit ebenso fördert wie die des ganzen Planeten, denn die Produktion tierischer Lebensmittel verbraucht viel mehr Ressourcen. Trotzdem ernährt sich nur ein Prozent der Befragten vegan, also ohne tierische Produkte. Der Anteil derjenigen, die sich überwiegend pflanzlich ernähren, ist in sechs Jahren nur um vier Prozentpunkte auf 17 Prozent gestiegen, und die große Mehrheit (78 Prozent) isst weiterhin Fleisch.
Wir brauchen einen Wandel
Professorin Ulrike Arens-Azevêdo, Mitglied des wissenschaftlichen Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), erklärte dazu in einer Pressekonferenz: "Angesichts der immer knapper werdenden Ressourcen unserer Erde geht es beim Thema Ernährung nicht mehr nur um die Gesundheit des Menschen, sondern auch um die Gesundheit unseres Planeten. Eine überwiegend pflanzliche Ernährung ist gesünder und belastet das Klima weniger als eine fleischbasierte Ernährung. Das berücksichtigen wir auch bei unseren Empfehlungen.“
Versuchung schlägt Vernunft
Auch mit Blick auf die individuelle Gesundheit sieht Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), die die Befragung durchführte, bei vielen Befragten eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit: "Gesunde und nachhaltige Ernährung ist den meisten Menschen aus guten Gründen sehr wichtig. Allerdings steht das im Gegensatz zur Wirklichkeit. Lebensstilbedingte Erkrankungen nehmen seit Jahren zu. So leidet zum Beispiel mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland an Übergewicht bzw. Adipositas. Herzkreislaufmedikamente, wie Blutdrucksenker, sind die mit Abstand am meisten verordneten Arzneimittel."
Tool für bessere Entscheidungen
Nach Einschätzung der Befragten mangelt es nicht an Wissen über gesunde Nahrungsalternativen – sondern vor allem an Zeit und Gelegenheit. 43 Prozent nennen Zeit als Hauptgrund, der ihre Ernährungsvorsätze behindert, 27 Prozent sagen, ihr Beruf erschwere gesundes Essverhalten. Der Verzehr frischer und unverarbeiteter Lebensmittel setzt eben oft etwas mehr Planung und Zeit voraus als ein fertiger Snack unterwegs. Bei der Auswahl von Fertiglebensmitteln könnte der Nutri-Score helfen, die gesündeste Alternative zu wählen. Die Mehrheit nutzt die sogenannte „Lebensmittel-Ampel“ allerdings nicht, obwohl sie Studien zufolge dabei helfen kann, bessere Ernährungsentscheidungen zu treffen. Immerhin knapp 40 Prozent der Teilnehmenden an der Umfrage ließen sich bereits 2023 von dem einfachen Farbcode unterstützen.