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Stresshormone: Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol

Stress ist eine physiologische, positive Reaktion unseres Körpers zur Bewältigung von belastenden Situationen. Es gibt bestimmte Hormone, die für Stressreaktionen im Organismus von wichtiger Bedeutung sind und über eine sogenannte Stressachse mit dem Gehirn kommunizieren. Die wichtigsten Stresshormone sind Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol, die bei akutem und chronischem Stress freigesetzt werden. Sie sorgen dafür, dass wir Höchstleistungen hervorbringen und sich unser Körper mit all seinen Funktionen auf „Flucht“ oder „Angriff“ einstellt.

Was genau sind Stresshormone, wo werden die gebildet und wie werden Stressreaktionen von unserem Gehirn und den Hormonen gesteuert? Wie wirken sie und was passiert, wenn das hormonelle Gleichgewicht durcheinandergerät? Hier bekommst Du die wichtigsten Informationen über unsere Stresshormone.

 

Was genau sind Stresshormone?

Generell handelt es sich bei Hormonen um Botenstoffe, die unsere biologischen Abläufe im Körper, unser Verhalten und unsere Empfindungen entscheidend beeinflussen. Ob Entwicklungsprozesse (Wachstum, Pubertät), Sexualität und Schwangerschaft, Ess-, Trink- und Schlafverhalten, die Psyche, Reaktionen auf Krankheiten oder andere äußere und innere Reize.

Geraten wir in Stress, schüttet unser Körper vermehrt spezielle Stresshormone aus, um auf die besondere Belastung zu reagieren und sie zu bewältigen. Sie stellen in einer Stresssituation Energie zur Verfügung, um unser Überleben zu sichern. Das war in früheren Zeiten von elementarer Bedeutung, denn in grauer Vorzeit waren zwei Überlebensstrategien relevant: Flucht oder Kampf. Heutzutage müssen wir in der Regel nicht mehr kämpfen oder fliehen, trotzdem laufen nach wie vor die gleichen Prozesse zur Stressbewältigung in unserem Körper ab.

 

Welche Stresshormone gibt es?

Stresshormone werden von Endokrinolog:innen (Hormonspezialisten) in zwei Gruppen geteilt: in Glukokortikoide und Katecholamine. Die wichtigsten Vertreter der Katecholamine sind die Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Das Hormon Cortisol hingegen gehört in die Gruppe der Glukokortikoide. Zusammen sorgen die Hormone und das sympathische Nervensystem dafür, dass unser Körper mit mehr Sauerstoff und Energie versorgt wird, um in stressigen Situationen schneller zu handeln. Auch Botenstoffe (Neurotransmitter) und körpereigene Eiweiße, sogenannte Zytokine, sind an der Stressreaktion beteiligt.

 

Adrenalin und Noradrenalin

Aminosäureabkömmlinge wie Adrenalin und Noradrenalin werden zusammen mit Dopamin und Serotonin als Katecholamine bezeichnet und sind Neurotransmitter (Botenstoffe) des Nervensystems. Die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin werden im Nebennierenmark gebildet. Dort befinden sich hoch spezialisierte Nervenzellen (Neurone) des Sympathikus, die Adrenalin und Noradrenalin ausschütten, nachdem sie von vegetativen Zellen des zentralen Nervensystems (ZNS) stimuliert wurden.

 

Corstisol

Cortisol, auch Hydrocortison genannt, gehört zu den Steroidhormonen, die sich vom Cholesterin ableiten und sehr gut fettlöslich sind. Cortisol wird in der mittleren Schicht (Zona fasciculata) der Nebennierenrinde gebildet. Die Ausschüttung der Glukokortikoide (Steroide) wie Cortisol wird durch CRH (Corticotropin-Releasing-Hormon) aus dem Hypothalamus und ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) aus der Hypophyse gesteuert.

Der Hypothalamus und die Hypophyse liegen in unserem Zwischenhirn und sind die Schaltzentralen unserer Hormone. Der Hypothalamus ist der oberste Regler unseres Hormonsystems und das Steuerzentrum des unwillkürlichen, vegetativen Nervensystems (VNS). Hier werden die Vorstufen der Stresshormone gebildet. Er beeinflusst die Ausschüttung der Hormone im Hypophysenvorderlappen, z. B. ACTH, indem der Hypothalamus die Produktion der Hormone fördert (Releasing-Hormone) oder hemmt (Inhibiting-Hormone). ACTH wiederum stimuliert die Ausschüttung von Cortisol in der Nebennierenrinde.

 

So steuern Gehirn und Stresshormone eine Stressreaktion

Die sogenannte Stressachse reicht vom Hypothalamus über die Hirnanhangsdrüse bis zu den Nebennieren. Sie stimuliert die Bildung unserer Stresshormone und bewirkt die Freisetzung von Adrenalin, Noradrenalin aus dem Nebennierenmark und Cortisol aus der Nebennierenrinde ins Blut. Wie sieht das Zusammenspiel zwischen Gehirn und Stresshormonen während einer Stressreaktion im Einzelnen aus?

Stressauslösende Reize (Stressoren) können viele verschiedene physische Stresssituationen sein wie z. B. Infektionen, OPs oder Verletzungen oder auch psychische Belastungen wie Ängste, Sorgen, Ärger, Leistungsdruck, zu hohe Ansprüche. Auch freudige Ereignisse setzen im zentralen Nervensystem zwei Reaktionsketten in Gang, die als Stressreaktion bezeichnet werden: Im ersten Schritt wird der Hypothalamus aktiviert, in der zweiten Reaktionskette wird das Nebennierenmark über den Sympathikus aktiviert. Innerhalb von Sekunden werden Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet.

 

Amygdala (Mandelkern)

Die Amygdala ist ein kleiner mandelförmiger Kern und Teil des Limbischen Systems unseres Gehirns. Die Hirnstruktur hat für unsere Wahrnehmung und das Erleben von Stress und Angst sowie für die Verarbeitung von Emotionen eine wichtige Bedeutung. Sie steuert u. a. die körperlichen und psychischen Reaktionen auf Stresssituationen. Beim Überschreiten einer gewissen Schwelle der Nervenaktivität startet die Amygdala die Stressreaktion.

 

Sympathisches Nervensystem (Sympathikus)

Die Amygdala sorgt dafür, dass eine schnelle Reaktion über das sympathische Nervensystem ausgelöst wird. Die Nerven in unserem Rückenmark senden die Botschaft „Stress bzw. Gefahr“ zum Mark der Nebennieren. Dort findet dann die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin statt. Die Stresshormone versetzen uns in Alarmbereitschaft, lassen unseren Herzschlag, den Blutdruck und Blutzuckerspiegel sowie die Muskelspannung ansteigen.

 

Hypothalamus

Der langsamere Weg der Stressreaktion verläuft über den Hypothalamus. Die Amygdala informiert parallel zum Sympathikus den Hypothalamus, um CRH auszuschütten. Dann wird die Hypophyse angeregt, mehr ACTH freizusetzen, das über den Blutweg zur Rinde der Nebennieren gelangt und dort die Ausschüttung von Cortisol stimuliert. Im Zusammenspiel setzen die Stresshormone Sauerstoff und Energie frei, um die Belastungssituation zu bewältigen.

 

Regenerationsphase

Während der Belastungsphase ist der Cortisolspiegel im Blut erhöht. Ist ausreichend Cortisol vorhanden, bemerken bestimmte Rezeptoren im Gehirn den Zustand und stoppen in der Nebennierenrinde die weitere Bildung und Ausschüttung des Stresshormons. Nun tritt unser parasympathisches Nervensystem in Aktion und sorgt dafür, dass unser Organismus entspannt und wieder zur Ruhe kommt. So folgt auf die Stressreaktion die Regenerationsphase.

 

Stresshormone: Wirkung von Adrenalin und Cortisol

In stressigen Situationen überwiegt kurzfristig die Wirkung der Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin. Adrenalin wirkt sich auf unser Nervensystem, das Herz-Kreislauf-System, die Muskulatur und den Magen-Darm-Trakt aus. Alle Organfunktionen, die wie zum Überleben benötigen, werden aktiviert: Die Herzfrequenz nimmt zu und der Blutdruck steigt.

Die Durchblutung der Haut und Verdauungsorgane hingegen nimmt ab, damit die Organe im Körper besser durchblutet werden können, die hauptsächlich zur Bewältigung der Stresssituation benötigt werden. Dazu gehören unsere Skelettmuskeln, der Herzmuskel und die Lunge. Die Bronchien weiten sich, damit mehr Sauerstoff für die Muskeln zur Verfügung gestellt wird und die Leber setzt vermehrt Glukose (Zucker) ins Blut frei, was den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Zudem stellt Adrenalin durch Fettabbau schnell Energie bereit. Unsere Denkvorgänge weichen vorprogrammierten Reflexhandlungen (Flucht und Angriff).

Die kurzfristige Stresswirkung empfinden wir möglicherweise als unangenehm, aber sie macht uns nicht krank. Anders sieht es bei chronischem Dauerstress ohne Erholung aus. In diesem Fall überwiegen die Effekte von Cortisol. Die Ausschüttung von Cortisol verläuft langsamer als die von Adrenalin und zeigt bei plötzlichen Stresssituationen daher auch eine verspätete Wirkung.

Ein permanent erhöhter Cortisolspiegel (und auch Adrenalinspiegel) wirkt sich früher oder später negativ auf unsere körperliche und psychische Gesundheit aus.

 

Gesundheitliche Folgen von Dauerstress

Wenn unser Organismus aufgrund von chronischem Stress permanent in Alarmbereitschaft steht, können hohe Adrenalin- und Cortisolspiegel im Blut zu einer Überlastung unseres Körpers führen. Frühe Anzeichen können möglicherweise Schlafstörungen oder Depressionen sein.

Es besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (koronare Herzerkrankung, Bluthochdruck, Herzinfarkt) und unser Immunsystem kann früher oder später geschwächt werden und mit wiederkehrenden Erkältungen und Infekten einhergehen. Ein dauerhaft hoher Cortisolspiegel kann zu Spannungskopfschmerzen führen, ungesundes Bauchfett einlagern und die Gefahr für Diabetes, Gedächtnisverlust, Lern- und Konzentrationsstörungen erhöhen. Außerdem wirkt sich ein hoher Cortisolspiegel oft negativ auf unsere Psyche aus und zeigt Symptome wie Erschöpfung, depressive Verstimmungen und Depressionen.

Eine dauerhaft aktivierte Stressachse beeinträchtigt zudem andere hormonelle Regelkreise im Körper. So hemmt ein hoher Stresshormonspiegel die Produktion der männlichen und weiblichen Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen. Bei Frauen kann der Monatszyklus durcheinandergeraten und Zyklusstörungen entstehen, bei Männern entsteht möglicherweise eine erektile Dysfunktion oder Impotenz. Sowohl bei Mann als auch bei der Frau kann infolgedessen die sexuelle Lust schwinden.

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