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Verstopfung (Obstipation): Ursachen, Symptome, Behandlung und Hausmittel

Zu wenig Wasser getrunken und zu viel Fast-Food gegessen? Es gibt viele verschiedene Ursachen, die eine unangenehme Verstopfung begünstigen und jeden Toilettengang zur Qual machen. Oft ist es unsere stressige, bewegungsarme Lebensweise, die für einen trägen Darm verantwortlich ist. Aber es gibt auch viele Erkrankungen oder Medikamente, die sich negativ auf unseren Stuhlgang auswirken können.

Ab wann sprechen Mediziner:innen von einer Verstopfung? Welche Ursachen gibt es und wann solltest Du besser einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen? Welche Möglichkeiten stehen Dir bei der Behandlung zur Verfügung? Hier erhältst Du alle wichtigen Informationen zum Thema Verstopfung, wie Du Deinen Darm bei der Verdauung unterstützen kannst und welche Maßnahmen gegen Verstopfungen helfen.

 

Was ist eine Verstopfung?

Wie häufig wir die Toilette für die Stuhlentleerung aufsuchen, ist individuell verschieden. Im Idealfall verspüren wir immer zur gleichen Zeit am Tag einen Stuhldrang. Die Stuhlentleerung findet dann ohne große Anstrengung und starkem Pressen statt, die Konsistenz des Stuhls ist weich, aber geformt und die Farbe ist mittelbraun.

Von einer Verstopfung (Obstipation) sprechen Ärzt:innen, wenn der Stuhlgang seltener als gewohnt stattfindet, die Stuhlentleerung erschwert ist und die Beschwerden seit mindestens drei Monaten bestehen.

Im Normalfall liegt die Frequenz zwischen dreimal pro Tag bis dreimal pro Woche. Bleibt der Stuhlgang also vier Tage aus, ist die Entleerung unter starkem Pressen schwierig und schmerzhaft, ist der Stuhl zu hart oder wird zu wenig Stuhl abgegeben, liegt eine Obstipation vor.

Ein permanentes Gefühl einer unvollständigen Entleerung oder einer Blockierung am Darmausgang sind ebenfalls typische Zeichen für eine Verstopfung. Mithilfe der sogenannten Rom-IV-Kriterien können acht Kriterien berücksichtigt werden, um eine funktionelle Obstipation zu definieren. Die Rome Foundation veröffentlicht Diagnosekriterien für funktionelle gastrointestinale Störungen (FGID).

Auch die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) und die Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie & Motilität (DGNM) haben eine aktualiesierte S2k-Leitlinie zur chronischen Obstipation herausgebracht. Eine chronische Verstopfung liegt dann vor, wenn folgende drei Kriterien seit mindestens drei Monaten bestehen. Der Beginn der Symptome sollte wenigstens ein halbes Jahr vor der Diagnose liegen:

  1. Zwei oder mehr Symptome aus dieser Liste sollten vorhanden sein:
    • Klumpiger oder harter Stuhl bei > 25 Prozent der Stuhlentleerungen.
    • Starkes Pressen bei > 25 Prozent der Stuhlentleerungen.
    • Subjektiv unvollständige Entleerung bei > 25 Prozent der Stuhlentleerungen.
    • Subjektive Obstruktion bei > 25 Prozent der Stuhlentleerungen.
    • Manuelle Manöver zur Erleichterung der Defäkation (Stuhlentleerung) bei > 25 Prozent der Stuhlentleerungen (digitale Manipulation, Beckenbodenunterstützung).
    • < drei spontane Stuhlgänge pro Woche.
  2. Weiche Stühle kommen ohne Einnahme von Abführmitteln (Laxantien) nur selten vor.
  3. Kriterien eines Reizdarmsyndroms sind nicht erfüllt.

 

Häufigkeit von Verstopfung

In westlichen Industrienationen leiden viele Menschen phasenweise oder chronisch unter einer Obstipation. In den meisten Fällen dauert eine Verstopfung nur wenige Tage an, z. B. wenn wir auf Reisen sind. Manchmal kann dieser Zustand auch dauerhaft bestehen bleiben, dann liegt eine chronische Verstopfung vor.

In Deutschland sind ca. 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen betroffen. Frauen trifft es im Vergleich doppelt so häufig wie Männer - mit zunehmenden Alter gibt es jedoch kaum geschlechtsspezifische Unterschiede.

Obstipation kann in jedem Lebensalter auftreten. Ältere Menschen leiden jedoch häufiger unter einem trägen Darm als jüngere Generationen. In Deutschland sind etwa drei Prozent der jüngeren Menschen, acht Prozent der mittelalten Menschen und 20 Prozent ältere Menschen von einer Verstopfung betroffen.

Auch wenn die Lebenserwartung durch die Darmbeschwerde nicht reduziert ist, kann eine chronische Obstipation sehr belastend für Betroffene sein und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Daher sollte eine Verstopfung auch abgeklärt und behandelt werden.

 

Formen der Verstopfung

Mediziner:innen unterscheiden verschiedene Formen der Verstopfung. Wenn es um die Dauer der Darmträgheit geht, gibt es die akute und chronische Obstipation. Bei einer akuten Verstopfung fällt die Entleerung des Stuhls plötzlich über mehrere Tage aus, obwohl zuvor der Stuhlgang regelmäßig stattfand. Sie tritt meist infolge akuter Ereignisse in Erscheinung (Reise-Obstipation, Bettlägerigkeit) und ist in der Regel vorübergehend. Eine akute Verstopfung kann aber auch ein medizinischer Notfall sein, wenn es plötzlich zu einem mechanischen Darmverschluss oder zu einer funktionellen Lähmung des Darms kommt.

Mediziner:innen unterscheiden noch weitere Formen: „Slow-transit-Obstipation“ und die „Outlet-Obstruction“:

  • „Slow-transit-Obstipation“: Bei dieser langjährigen Form der Verstopfung liegt eine Transportstörung des Dickdarms und manchmal auch des Dünndarms vor. Es wird vermutet, dass medikamentöse und psychische Faktoren oder Nervenstörungen in der Darmwand die Ursachen sein könnten.
  • „Outlet-Obstruction“: Bei dem obstruktiven Defäkationssyndrom (Stuhlentleerungsstörung) des Enddarms können Betroffene den Stuhl nur unvollständig (in kleineren Portionen) abgeben. Häufig muss mit der Hand mechanisch nachgeholfen werden oder die Darmentleerung ist nur mit Abführmitteln möglich. Stechende Schmerzen und ein Brennen im Enddarm können Symptome der “Outlet-Obstruction” sein.

 

Verstopfung: Ursachen und Risikofaktoren

Für eine akute oder chronische Obstipation kommen viele verschiedene Ursachen infrage. Eine vorübergehende Verstopfung entsteht oft durch plötzlich veränderte Lebensgewohnheiten. Wenn wir z. B. in ferne Länder reisen oder uns entgegen der Gewohnheit plötzlich nicht mehr ausreichend bewegen. Vorübergehend kann eine Darmträgheit auch nach einer Ernährungsumstellung, Diät oder nach dem Fasten auftreten. In der Regel benötigt der Darm dann wenige Tage, bis er wieder gefüllt ist und einen Stuhldrang hervorruft.

Zu einer chronischen Darmträgheit tragen unsere Lebensgewohnheiten erheblich bei. Dazu gehören Faktoren wie Bewegungsmangel im Alltag, eine ungesunde (ballaststoffarme) Ernährungsweise, psychische Belastungen, Stress und Anspannung, Sorgen und Ängste. Auch Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten oder viele organische Erkrankungen können Verstopfungen hervorrufen.

 

Organische Ursachen für eine Obstipation

  • Beckenbodensenkung, Funktionsstörung der Beckenboden-Muskulatur (ungeregelte Kontraktion des Schließmuskels)
  • Rektozele (Aussackung des Mastdarms und Hervortreten der vorderen Mastdarmwand)
  • Reizdarm (Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall)
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn)
  • Darmausstülpungen (Divertikel), entzündete Divertikel (Divertikulitis)
  • Erkrankungen des Nervensystems (Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Lähmungen)
  • Elektrolytstörungen (Kaliummangel, Kalziumüberschuss)
  • Hormonelle Störungen (Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion, Überfunktion der Nebenschilddrüse)
  • Tumoren (Darmkrebs, Analkarzinom)
  • Darmverschluss
  • Schmerzhafte Analfissuren, Analfisteln, Hämorrhoiden, Darmpolypen
  • Entzündungen in der Bauchregion (Bauchspeicheldrüse, Eierstöcke, Eileiter, Blinddarm)

 

Weitere Ursachen und Risikofaktoren für eine Obstipation

  • Bettlägerigkeit (Alter, Operationen)
  • Schwangerschaft
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (Opioide, Antidepressiva, Anti-Parkinson-Medikamente, entwässernde Diuretika, Blutdrucksenker)
  • Missbrauch von Abführmitteln (Laxantienabusus)
  • Geringe Flüssigkeitszufuhr
  • Unausgewogene Ernährung (ballaststoffarme Ernährung, fettreiche Ernährungsweise, ungewohnte und unregelmäßige Essenszeiten)
  • Psychische Belastungen, Stress
  • Bewegungsmangel
  • Klimawechsel auf Reisen (Reise-Obstipation)

 

Verstopfung: Symptome und Komplikationen

Eine Obstipation kann von weiteren individuellen Symptomen begleitet werden. Bei einer zu langsamen Darmpassage klagen Betroffene meistens über ein allgemeines Völlegefühl, einen aufgeblähten Bauch und seltene Stuhlgänge. Auch Blähungen, starke Bauchschmerzen und eine ausgeprägte Druckschmerzhaftigkeit können im Rahmen einer Obstipation auftreten.

Der harte Stuhlgang ist schmerzhaft und erfolgt oft nur durch starkes Pressen. Die meist klumpige und harte Stuhlkonsistenz wird in kleinen Portionen unzureichend ausgeschieden. Es bleibt ein subjektives Gefühl einer unvollständigen Entleerung oder einer Blockade des Darms zurück.

 

Gesundheitliche Folgen und Komplikationen einer chronischen Obstipation

Die häufigsten Beschwerden, die durch eine dauerhafte Obstipation entstehen können, sind Hämorrhoiden (erweiterte, verdrehte Blutgefäße im unteren Mastdarm und After), Analfissuren (Riss in der Analschleimhaut), eine Divertikulitis (entzündete Ausstülpungen (Divertikel) der Dickdarmschleimhaut) und Stuhlinkontinenz.

Auch ein Kotstau (Koprostase) und ein sogenannter Megakolon können infolge einer chronischen Verstopfung entstehen. Bei einem Megakolon kommt es zu einer Erweiterung ("Dilatation") des Dickdarms (Colon).

Weitere Folgen können zudem Herzrhythmusstörungen sein, weil der Elektrolythaushalt (Kaliumhaushalt) durch Verstopfung durcheinandergerät sowie ein Rektumprolaps (Vorfall des Mastdarms) durch das starke Pressen bei der Darmentleerung.

Eine unbehandelte chronische Darmträgheit kann zudem unsere Lebensqualität deutlich beeinträchtigen und zu seelischen Belastungen führen. Besorgtheit, physisches und psychosoziales Unwohlsein sowie eine Unzufriedenheit können den Alltag überschatten.

 

Verstopfung: Wann zum Arzt?

Wichtig für die Einordnung der Stuhlfrequenz und Stuhlveränderungen ist der Vergleich zu vorherigen Jahren. Bemerkst Du Veränderungen Deiner Stuhlgewohnheiten oder ungewohnte Verstopfungen, die sich nicht innerhalb einer kurzen Zeit wieder legen, wäre ein Besuch bei einem Hausarzt oder einer Hausärztin zur Abklärung Deiner Beschwerden empfehlenswert.

Gleiches gilt, wenn Du begleitend zur Darmträgheit auch Blut im Stuhl entdeckst, Du ohne diätetische Maßnahmen deutlich an Gewicht verlierst und unter starker Müdigkeit, Fieber und Nachtschweiß leidest.

Nimmst Du darüber hinaus einen faulig-eitrigen Stuhlgeruch wahr und wechseln sich Verstopfung und Durchfall ständig ab, könnten sich auch organische Erkrankungen dahinter verbergen. Fachärzt:innen wie ein Gastroenterologe oder eine Gastroenterologin können die Krankheitszeichen abklären und eine Diagnose stellen.

 

Verstopfung bei Kindern: Wann zum Kinderarzt?

Kann Dein Kind nur selten Stuhl absetzen, leidet es zusätzlich unter Bauchschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und sind Kotspuren in der Unterhose sichtbar, sollten die Symptome laut des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) in einer Kinderarztpraxis abgeklärt werden.

Bei Kindern liegt eine chronische Verstopfung vor, wenn sie mindestens einen Monat lang weniger als einmal pro Woche den Darm entleert haben, der Stuhl hart ist und nur unter Schmerzen abgesondert werden kann.

Laut GPGE entwickeln etwa fünf Prozent der ein- bis fünfjährigen Kinder eine chronische Obstipation. Auslöser können Stress in der Schule oder auch Ängste sein, wenn sich z. B. die Eltern trennen.

 

Verstopfung: Diagnose

Für die medizinische Diagnose Obstipation wird der Arzt oder die Ärztin in einem Gespräch eine ausführliche Stuhlanamnese durchführen, um möglichst viele Informationen über Deine Darmbeschwerden zu erhalten. Wichtige Hinweise sind Angaben zur Beschwerdedauer, Stuhlfrequenz, Stuhlkonsistenz und ob sich Schleim- oder Blutauflagerungen auf dem Stuhl befinden.

Auch wie der Stuhlgang abläuft, ob Du Medikamente einnimmst, wie Deine Ernährungsgewohnheiten und Lebensweise im Detail aussehen oder ob andere Erkrankungen bestehen, helfen bei der Suche nach der richtigen Diagnose.

Bei der körperlichen Untersuchung wird Dein Bauch abgetastet und abgehört, die Analregion inspiziert und der Enddarm ausgetastet. Mithilfe einer Blutanalyse können Schilddrüsenhormone und Mineralstoffe und Elektrolyte (z. B. der Kaliumwert) bestimmt werden.

Bei einer neu aufgetretenen Darmträgheit kommen oft bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauchs (Abdomen-Sonografie) oder in eher seltenen Fällen eine Röntgenaufnahme, Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz und können eine Darmentzündung oder Tumore anzeigen. Eine Stuhluntersuchung gibt zudem Auskunft über Blutspuren (okkultes Blut) im Stuhl.

In seltenen Fällen kann auch eine Darmspiegelung (Koloskopie) für die Diagnose durchgeführt werden. Durch eine Koloskopie werden Tumore oder Divertikel sichtbar. Eine Darmspiegelung wird besonders in der zweiten Lebenshälfte (Männer ab dem 50. und Frauen ab dem 55. Lebensjahr) zur Krebsvorsorge empfohlen.

 

Verstopfung: Behandlung

Bei der Behandlung einer akuten oder chronischen Obstipation stehen Dir verschiedene therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung. Ist die Darmträgheit durch andere organische Grunderkrankungen bedingt, steht die Therapie der zugrunde liegenden Ursache primär im Vordergrund.

Können Krankheiten und bestimmte Medikamente als Auslöser ausgeschlossen werden, sind wichtige Eckpfeiler einer Behandlung allgemeine Maßnahmen hinsichtlich der Lebensweise, eine Ernährungsumstellung und im nächsten Schritt eine medikamentöse Therapie mit Abführmitteln, die aber nur über einen kurzen Zeitraum erfolgen sollte. Des Weiteren könntest Du Deine Darmtätigkeit auch mit Hausmitteln unterstützen und auf Trab bringen. Die Basis für eine Behandlung ist zunächst eine ausführliche Aufklärung über das Thema Obstipation sowie über die normalen Stuhlgewohnheiten mit einer Stuhlfrequenz zwischen dreimal pro Woche bis dreimal täglich.

 

Allgemeine Maßnahmen

Es gibt einige Maßnahmen, die Du leicht im Alltag umsetzen kannst, um für eine gesunde Verdauung zu sorgen und die Darmtätigkeit anzuregen. Dazu gehören:

  • Plane Deinen Tagesrhythmus und halte möglichst einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus mit Ruhepausen zu gleichen Tageszeiten ein.
  • Nimm Deine Mahlzeiten möglichst zum gleichen Zeitpunkt ein. Frühstücke ganz in Ruhe, um die Darmtätigkeit anzuregen.
  • Versuche zur Einübung fester Stuhlgewohnheiten (Toilettentraining) immer zur gleichen Zeit (z. B. nach dem Frühstück) zur Toilette zu gehen und Stuhl zu entleeren. Der Versuch sollte aber nicht länger als fünf Minuten andauern.
  • Unterdrücke keinen Stuhldrang, wenn Du einen verspürst.
  • Achte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1,5 bis 2 Liter) über den Tag, um eine Dehydrierung zu vermeiden.
  • Sorge für regelmäßige körperliche Bewegung im Alltag.
  • Achte auf eine ballaststoffreiche Ernährung.

 

Ballaststoffreiche Ernährung bei Verstopfung

Eine der wichtigsten Maßnahmen bei einer chronischen Verstopfung ist eine Ernährungsumstellung. Eine ballaststoffreiche Ernährung hilft Dir, die Darmtätigkeit anzuregen.

Bei Ballaststoffen handelt es sich um pflanzliche Faser- und Quellstoffe, die unverdaulich sind, so gut wie keine Kalorien enthalten und die Darmtätigkeit stimulieren. Sie sorgen für einen weichen, voluminöseren Stuhl und damit für eine schnellere Entleerung des Darms. Es wird zwischen löslichen und unlöslichen Ballaststoffen unterschieden:

  • Lösliche Ballaststoffe (Pektin, Inulin, Oligofruktose und andere Präbiotika) tun unserer Darmflora gut, weil sie die guten Bakterien im Darm ernähren. Die Mikroorganismen im Darm, z. B. Bifidobakterien, unterstützen u. a. die Nahrungsverwertung. Obst und Gemüse sind hervorragende Lieferanten für lösliche Ballaststoffe.
  • Unlösliche Ballaststoffe quellen mit ausreichend Flüssigkeit im Darm auf und sorgen damit für Masse. Dadurch regen sie den Stuhldrang an und beschleunigen die Darmpassage. Sie stecken in erster Linie in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Pilzen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag einzunehmen, um eine träge Verdauung wieder in Schwung zu bringen. Lebensmittel, die über fünf Gramm Ballaststoffanteil pro 100 Gramm enthalten, gelten als ballaststoffreich. Folgende Nahrungsmittel gehören u. a. dazu:

  • Vollkornprodukte: Vollkornmehl, Vollkornbrot, Vollkornpasta, Getreideschrot, Getreideflocken. Weizen- und Haferkleie, Hafer- und Dinkelflocken, Kleie, Amarant, Pumpernickel, Roggenbrot und ungesüßtes Popcorn
  • Obst und Gemüse: Topinambur, Kohlsorten, Artischocken, Schwarzwurzeln, Himbeeren, Kiwi
  • Trockenfrüchte: Aprikosen, Backpflaumen
  • Hülsenfrüchte: Bohnen, Linsen, Erbsen
  • Nüsse: Macadamia, Pekannüsse, Haselnüsse, Walnüsse
  • Samen: Chia-Samen, Flohsamen

Achtung: Ballaststoffe sind Quellstoffe und sollten immer begleitend mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden. Bei der Zersetzung von unverdaulichen Bestandteilen durch Darmbakterien können zudem Gase entstehen, die wiederum Blähungen hervorrufen können. Hilfreich bei anfänglichen Verdauungsproblemen sind gründliches Kauen der Nahrung, viel Trinken und ausreichend Bewegung.

 

Bewegungstherapie bei Verstopfung

Zu wenig Bewegung im Alltag trägt häufig zur Entstehung von Verstopfungen bei. Damit der träge Darm wieder in Schwung kommt, werden regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und sportliche Aktivitäten empfohlen. Körperliche Bewegung aktiviert unseren Stoffwechsel und regt zudem die Darmperistaltik an. Mit speziellen Gymnastikübungen für die Bauchmuskeln kannst Du eine verdauungsfördernde Wirkung unterstützen. Ähnlich wie bei der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen spannst Du die Bauchmuskeln mehrmals an und entspannst sie anschließend wieder. Dadurch entkrampft wiederum der Darmbereich.

 

Medikamentöse Behandlung mit Abführmitteln (Laxantien)

Haben die bisher genannten Maßnahmen zu keiner Verbesserung der Beschwerden im Darm geführt, besteht im nächsten Schritt die Möglichkeit, Arzneimittel gegen Verstopfung einzusetzen.

Die Einnahme von Medikamenten gegen Verstopfung sollte immer erst nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzt:innen erfolgen. In der Regel kommen Abführmittel (Laxantien) in Form von Tabletten, Dragees, Tropfen, Pulver oder Zäpfchen zum Einsatz. Es wird zwischen verschiedenen Therapien unterschieden:

  • Osmotische Laxantien: Wasserziehende (osmotische) Abführmittel sorgen für ausreichend Wasser im Darm, erweichen dadurch den Stuhl und erleichtern die Stuhlentleerung. Zu den natürlichen osmotischen Abführmitteln gehören Ballaststoffe wie Flohsamen, Milchzucker oder Lactulose. In Form eines abführenden Pulvers bindet der Wirkstoff Polyethylenglykol (PEG, Makrogol) ebenfalls Wasser im Darm.
  • Salinische Laxantien: Zu den salzartigen (salinischen) Abführmitteln gehören Magnesiumsulfat (Bittersalz) und Natriumsulfat (Glaubersalz). Wer schon einmal eine Fasten-Kur durchgeführt hat, kennt in den meisten Fällen Bittersalz und Glaubersalz und deren stark abführende Wirkung. Menschen mit einer Nierenschwäche oder Herzschwäche, mit Bluthochdruck oder Ödemen sollten jedoch keine salinischen Laxanzien zum Abführen anwenden.
  • Stimulierende Laxantien: Bisacodyl, Natriumpicosulfat, Sennoside (Sennesblätter und Sennesfrüchte) sind die Wirkstoffe aus der Gruppe der stimulierenden Abführmittel. Sie sind in Form von Dragees, Tröpfchen und Zäpfchen erhältlich, fördern die Darmperistaltik, transportieren den Darminhalt schneller zum Enddarm und leiten den Stuhlgang ein. Bei diesen Abführmitteln können Krämpfe hervorgerufen werden und es besteht zudem die Gefahr eines hohen Kaliumverlustes, wodurch sich die Verstopfung wiederum verschlimmern kann.
  • Prucaloprid: Der verschreibungspflichtige selektive Serotonin-(5HT4)-Rezeptor-Agonist regt die Darmperistaltik an und unterstützt damit die Stuhlentleerung. Das Arzneimittel imitiert die Wirkung des Botenstoffs Serotonin im Darm, der u. a. die Darmbewegung fördert. Ein Klistier (Klysma, Einlauf, Darmspülung, Analdusche) erleichtert die Darmentleerung. Damit werden abführende Wirkstoffe per Kanüle oder aus einem Behälter direkt über den Anus in den letzten Abschnitt unseres Darms eingeführt. Abhängig von der Menge der Flüssigkeit gibt es ein Mikroklistier und ein Makroklistier.
  • Laut der aktuellen Leitlinie wird auch die Einnahme von Probiotika, Präbiotika und Synbiotika bei funktioneller chronischer Verstopfung empfohlen.

 

Stressabbau bei Verstopfung

Stress im Alltag ruft bei vielen Menschen Störungen im Magen-Darm-Trakt hervor. Eine der typischen Magen-Darm-Beschwerde ist auch eine Verstopfung. Möglicherweise hatten oder haben wir keine Zeit für regelmäßige Essenszeiten, für ausreichend Bewegung oder wir ignorieren unseren Stuhldrang und schieben den Gang zu Toilette auf. Um Stress abzubauen, können verschiedene Entspannungsmethoden hilfreich sein und sich positiv auf unsere Darmtätigkeit auswirken.

Bewährte Entspannungsmethoden sind Yoga, das Autogene Training, die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und achtsamkeitsbasierte Methoden wie die sogenannte „Mindfulness-Based Stress Reduction“ (MBSR).

 

Verstopfung: Hausmittel und Tipps für den Alltag

Viele Menschen leiden unter gelegentlicher Verstopfung. Es gibt zahlreiche Hausmittel, natürliche Abführmittel und Tipps bei Obstipation. Maßnahmen wie eine ballaststoffreiche Ernährung, mehr Bewegung im Alltag, Entspannungsmethoden, ein geregelter Tag-Nacht-Rhythmus sowie ein Toilettentraining sind bereits beschrieben.

Folgende Hausmittel und Tipps können außerdem hilfreich bei Verstopfung sein:

  • Morgendlicher Pflaumensaft vor dem Frühstück auf nüchternem Magen und am Abend jeweils 100 ml Saft.
  • Täglich ein bis vier Esslöffel Milchzucker in Wasser oder Joghurt auflösen und einnehmen.
  • Zweimal täglich fünf bis zehn Gramm Agar-Agar (Geliermittel aus Algen) mit Flüssigkeit einnehmen.
  • Täglich vor jeder Mahlzeit 50 bis 100 ml abführenden Sauerkrautsaft trinken.
  • Zweimal täglich einen Esslöffel Leinsamen in ein Glas Wasser mischen und trinken.
  • Wärmeanwendung für den Bauch zur Entspannung, Entkrampfung und für eine bessere Durchblutung, z. B. mit einer Wärmflasche oder einem Kirschkernkissen.
  • Morgens vor dem Aufstehen eine Bauchmassage durchführen und den unteren Bauch mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn für fünf Minuten stimulieren.

 

Heilpflanzen mit stark abführender Wirkung bei Verstopfung

Im Bereich der Phytotherapie gibt es Heilpflanzen, die mit einer abführenden Wirkung bei Verstopfung angewendet werden können. Die enthaltenen Wirkstoffe regen die Darmbewegung an und verkürzen damit die Verweildauer des Stuhls im Darm. Dazu gehören z. B. der Faulbaum (Rhamnus frangula) und Senna (Cassia angustifolia). Geeignet sind Tee-Zubereitungen, die entweder in Eigenregie aus den getrockneten Kräutern oder als fertiger Arzneitee zubereitet werden.

Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (engl. Committee on Herbal Medicinal Products, kurz HMPC) befürwortet die innerliche Anwendung von Faulbaumrinde und von Sennes (Sennesfiederblättchen, Sennesfrüchte) zur kurzfristigen Behandlung gelegentlich auftretender Obstipation (Verstopfung) und akzeptiert sie als „medi­zinisch anerkannt“ („well-established use“). Die Gesellschaft für Phytotherapie, die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) und auch die Kommission E sprechen sich ebenfalls dafür aus.