Parkinson ist eine chronische Erkrankung, bei der Nervenzellen fortschreitend zerstört werden und ihre Funktion nicht mehr richtig ausführen können. Ein Großteil der Erkrankungsfälle lässt sich nicht auf genetische Faktoren zurückführen. Nun haben Forschende einen Risikofaktor für die Entstehung von Parkinson identifiziert: Das Bakterium Streptomyces venezuelae produziert Stoffwechselprodukte, die im Tierversuch Parkinson-Symptome auslösen können. Nun kommt S. venezuelae nicht üblicherweise im menschlichen Darm vor, sondern ist ein Bodenbakterium. Die Wissenschafter:innen haben es nur als Modell benutzt, um den Einfluss der bakteriellen Stoffwechselprodukte auf die Nervenschädigungen zu untersuchen. Sie gehen davon aus, dass eine Fehlbesiedlung des menschlichen Darms mit bestimmten Bakterien zur Parkinsonentstehung beitragen kann. Dafür gibt es schon länger Indizien: So ist das Mikrobiom von Parkinson-Patient:innen gegenüber dem Gesunden verändert.
„Obwohl unsere Studie erst einen Anfang darstellt, ist sie ein vielversprechender Schritt zur Entschlüsselung der molekularen Ursachen von Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen“, sagt Co-Seniorautor Thomas Böttcher von der Universität Wien.
Ein Stück Darm-Hirn-Achse
Die nervenschädigenden Substanzen, welche die Bakterien produzieren, greifen besonders Nervenzellen an, die den Botenstoff Dopamin freisetzen. Sie können diese zum Absterben bringen. Mit bestimmten Antioxidanzien und Eiseninhibitoren konnte die zerstörerische Wirkung der Bakteriengifte im Laborversuch jedoch aufgehalten werden. Diese Versuche bieten eine neue Perspektive für die Vorbeugung und Behandlung von Parkinson, auch wenn sie zunächst noch Grundlagenforschung darstellen. Bis zur Entwicklung neuer Medikamente bleiben noch viele Fragen offen. Die neuen Erkenntnisse sind quasi ein weiteres Puzzleteil, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Nervenzellen und Mikrobiom zu verstehen.