Akazienfaser: Wofür? Wie viel? Welche Funktion? Was beachten?
Hier erfährst Du, was genau Akazienfaser ist, wie sie im Körper verarbeitet wird, wofür sie eingesetzt wird und worauf Du bei der Einnahme achten solltest.
Was ist Akazienfasern?
Akazienfaser ist ein natürlicher Ballaststoff, der aus dem getrockneten Pflanzensaft verschiedener afrikanischer Akazienarten (zum Beispiel Acacia senegal) gewonnen wird. Chemisch gehört Akazienfaser zu den löslichen Ballaststoffen. Das bedeutet: Sie bindet Wasser gut. Dabei bildet sie aber keine stark quellende, gelartige Masse wie etwa Flohsamenschalen. Stattdessen entsteht eher eine Lösung.
Akazienfaser besteht überwiegend aus komplexen Zuckerbausteinen, die in langen Ketten miteinander verbunden sind. Verdauungsenzyme können diese Verbindungen nicht aufspalten. Deshalb wird Akazienfaser im Dünndarm nicht in einzelne Zucker zerlegt und nicht als Energiequelle genutzt.
Im Gegensatz zu klassischen Kohlenhydraten liefert sie also keine schnell verfügbare Energie. Sie passiert den oberen Verdauungstrakt weitgehend unverändert und erreicht den Dickdarm. Dort kommt sie mit den Darmbakterien in Kontakt.
Sobald die Akazienfaser den Dickdarm erreicht, beginnen bestimmte Bakterienstämme mit der Verwertung der Ballaststoffe. Durch diesen Prozess werden die komplexen Fasermoleküle in nützliche Stoffwechselprodukte umgewandelt, die das Ökosystem des Darmmikrobioms unterstützen.
Interessante Fakten zu Akazienfaser
- Nicht nur Lebensmittel
Akazienfaser wird in Form eines in der Luft hart gewordenen Sekrets (Gummi arabicum) auch in der Industrie genutzt. In der Farben-, Tinten- und Papierherstellung dient der natürliche Pflanzensaft unter anderem als Bindemittel und Stabilisator, weil er Pigmente gleichmäßig verteilt und für eine stabile Konsistenz sorgt. - Offizieller Zusatzstoff
In ihrer Ursprungsform Gummi arabicum ist Akazienfaser auch ein offiziell zugelassener Lebensmittelzusatzstoff. Du findest ihn in der Zutatenliste von Produkten unter der Bezeichnung E414. - Zusatz in Süßwaren
Akazienfaser ist auch häufiger Bestandteil von weichen Süßwaren wie Marshmallows oder Kaugummi. In der Eisherstellung wird es ebenfalls als Stabilisator verwendet und in der Vorweihnachtszeit in der Glasur von Lebkuchen.
Akazienfaser wird aus dem Harz bestimmter afrikanischer Akazienbäume gewonnen. Dafür wird die Rinde angeritzt, sodass ein milchiger Pflanzensaft austritt, der an der Luft zu festen Harzstücken (Gummi arabicum) aushärtet und anschließend geerntet wird. Häufig wird der Baum in regelmäßigen Abständen erneut angeritzt, meist alle ein bis zwei Tage etwas unterhalb des vorherigen Schnitts, damit weiterer Saft austreten kann. Die Harzstücke werden mechanisch zerkleinert und zu feinem Pulver gemahlen.
Aufgaben und Funktionen: Wofür braucht der Körper Akazienfaser?
Auch wenn Akazienfaser nicht lebensnotwendig ist, hat sie im Körper eine Wirkung auf bestimmte Prozesse – vor allem auf die Verdauung.
Eine zentrale Rolle spielt Akazienfaser im Dickdarm. Dort wird sie von Darmbakterien fermentiert. Dabei entstehen unter anderem spezielle kurzkettige Fettsäuren. Diese Substanzen dienen den Zellen der Darmschleimhaut als Energiequelle. Gleichzeitig verändern sie das Milieu im Darm, weshalb Akazienfaser immer wieder als Mittel zur Darmsanierung diskutiert wird. Welche Effekte das im Einzelfall hat, hängt stark von der individuellen Darmflora ab.
Akazienfaser wird zudem häufig als „präbiotischer Ballaststoff“ bezeichnet. Präbiotisch bedeutet, dass sie bestimmten Bakterien als Nahrung dient. So kann Akazienfaser etwa das Wachstum bestimmter Darmbakterien – zum Beispiel Bifidobakterien und Lactobazillen – fördern. Der Mikronährstoff kann einerseits das Darmmilieu beeinflussen, also vereinfacht gesagt die Lebensumstände im Darm. Andererseits verändert er die Zusammensetzung des Mikrobioms. Gemeint ist damit die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die sich im Darm befinden.
Darüber hinaus trägt Akazienfaser zur Ballaststoffzufuhr bei. Ballaststoffe können das Stuhlvolumen beeinflussen und die Darmtätigkeit unterstützen. Im Vergleich zu stark quellenden Ballaststoffen wirkt Akazienfaser jedoch eher mild.
Manche Studien haben sich zudem mit möglichen Effekten von Akazienfaser auf Blutzucker- oder Fettstoffwechsel befasst. Diesbezüglich gilt: Es gibt einzelne Hinweise, aber klinisch gesichert ist die Wirkung noch nicht. Eine gezielte therapeutische Anwendung solltest Du daher immer mit einem Arzt oder einer Ärztin abstimmen.
Hättest Du das über Akazienfasern gewusst?
- Akazienfaser: Export-Rekord
Der Sudan gilt als wichtigster Produzent von Gummi arabicum weltweit. Rund 80 Prozent der globalen Produktion stammen aus dem afrikanischen Land. - Farbenvielfalt
Je nach Verarbeitungsform kann Akazienfaser verschiedene Farben haben. Als Pulver ist sie weiß und glasartig, in Form von Gries ist Akazienfaser gelb, orange, rot oder weiß gefärbt. Die Farbe der Harz-Kugeln schwankt zwischen ganz blass-braun, gelb und rotbraun. - Antike Zutat
Akazienfaser, beziehungsweise Gummi arabicum, wurde bereits vor mehr als 4000 Jahren gehandelt und gilt als eines der ältesten bekannten Bindemittel. Nach Europa kam es über verschiedene arabische Häfen und erhielt so auch seinen Namen.
Tagesbedarf: Wie viel Akazienfaser pro Tag?
Für Akazienfaser gibt es keine offiziellen Referenzwerte wie bei Vitaminen oder Mineralstoffen. Orientieren kannst Du Dich bei der Einnahme stattdessen an den allgemeinen Empfehlungen zur Ballaststoffzufuhr. Für Erwachsene werden häufig rund 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag empfohlen – aus verschiedenen Quellen wie Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen.
Die Einnahme von Akazienfaser kann über mehrere Wochen hinweg schrittweise auf eine wirksame Dosierung erhöht werden, die in Studien häufig mit 10 Gramm pro Tag angegeben wird.
Wichtig: Starte mit einer kleinen Menge und steigere sie langsam. So gibst Du Deinem Darm Zeit, sich anzupassen. Alle Ballaststoffpräparate erfordern außerdem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um optimal zu wirken und Verstopfung vorzubeugen. Daher solltest Du über die Zeit der Einnahme auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
Akazienfaser enthält 80 bis 90 Prozent lösliche Ballaststoffe.
Die wichtigsten Akazienarten für Gummi arabicum wachsen in trockenen Savannen- und Sahelregionen Afrikas und sind an lange Trockenperioden angepasst. Umweltfaktoren wie Trockenheit und Bodenfeuchte können sogar beeinflussen, wie viel Harz ein Baum bildet.
Darreichungsformen: In welcher Form ist Akazienfaser erhältlich?
Akazienfaser als Nahrungsergänzungsmittel ist überwiegend als Pulver erhältlich. Das Pulver lässt sich gut in Wasser, Saft oder Smoothies einrühren. Aufgrund seiner guten Löslichkeit verändert Akazienpulver Geschmack und Konsistenz kaum.
Seltener findet sich Akazienfaser in Kapseln oder als Bestandteil von Kombinationspräparaten, etwa zusammen mit Probiotika oder Weizengras.
Akazienfaser: Wo enthalten?
In der Natur kommt Akazienfaser vor allem im Harz bestimmter Akazienbäume vor. In unserer üblichen Ernährung spielt das keine Rolle.
In verarbeiteter Form wird Akazienfaser als Gummi arabicum als Stabilisator oder Verdickungsmittel in Süßwaren, Getränken, Backwaren oder Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt.
Relevante Mengen im Sinne einer gezielten Ballaststoffzufuhr werden über solche Produkte allerdings nicht erreicht. Wenn Du Akazienfaser bewusst zuführen möchtest, solltest Du entsprechende Präparate einnehmen.
Zu viel Akazienfasern: Überdosierung
Eine klassische „Überdosierung“ im toxikologischen Sinn ist bei Akazienfaser nicht bekannt. Sehr hohe Mengen können jedoch Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Typische Symptome bei zu schneller oder zu hoher Aufnahme von Akazienfaser können Blähungen, Durchfall oder weicher Stuhl sowie Völlegefühl sein. Diese Effekte entstehen durch die bakterielle Fermentation im Dickdarm. Wenn Du bei der Einnahme zu wenig trinkst, kann Akazienfaser zu Verstopfung führen.
Immer wieder wird Akazienfaser im Zusammenhang mit Gewichtsreduktion genannt. Ballaststoffe können das Sättigungsgefühl beeinflussen und die Kalorienaufnahme indirekt steuern. Einige Studien zeigen dazu positive Ergebnisse, allerdings bei sehr hohen Dosierungen von Akazienfaser. Insgesamt ist die Studienlage noch begrenzt, und Akazienfaser gilt nicht als eigenständige Therapie zur Gewichtsreduktion.