Astaxanthin: Wofür? Wie viel? Welche Funktion? Was beachten?
Damit unterstützt Astaxanthin das Immunsystem und wirkt hemmend bei Entzündungen. Dein Körper produziert den Naturstoff nicht selbst, sondern kann ihn von außen über entsprechende Lebensmittel oder Nahrungsergänzung aufnehmen.
Was ist Astaxanthin?
Astaxanthin ist ein fettlöslicher Farbstoff und gehört zur Gruppe der Carotinoide. Diese Gruppe mit gelben und rötlichen Pigmenten ist in der Pflanzen- und Tierwelt weit verbreitet. Sie unterteilt sich in Carotine, deren bekanntester Vertreter Beta-Carotin ist, und Xantophylle, zu denen Astaxanthin zählt. Im Gegensatz zu Beta-Carotin handelt es sich bei Astaxanthin nicht um eine Vitamin-Vorstufe.
Der rot-orangefarbene Farbstoff Astaxanthin wird von zahlreichen Mikroalgen, Bakterien und Hefepilzen auf natürliche Weise hergestellt. Tiere, die sich von Astaxanthin-produzierenden Organismen wie Algen ernähren, weisen rötliches Fleisch auf. Dazu gehören Lachse, Krebstiere oder Vögel wie Flamingos.
Astaxanthin in Nahrungsergänzungsmitteln stammt meist aus Algen, kann aber auch biotechnologisch hergestellt werden. Zudem kommt es als Zusatzstoff in Futtermitteln und als Lebensmittelfarbstoff zum Einsatz.
Interessante Fakten zu Astaxanthin
- Astaxanthin – in seltenen Fällen in roten Blüten
Es ist nur von wenigen Landpflanzen bekannt, dass sie Astaxanthin produzieren. Dazu gehören einige Arten der Gattung Adonis wie zum Beispiel das Sommer-Adonisröschen – das aufgrund seiner knallroten Blüten auch Blutauge genannt wird. Der pflanzliche Stoffwechselweg zur Bildung von Astaxanthin unterscheidet sich dabei deutlich von dem Prozess, den Bakterien, Algen und Pilze nutzen. - Krustentiere – und ihr Farbwechsel nach dem Kochen
Die Schalen vieler Krebse oder Hummer sind im lebenden Zustand grau mit blau-grünem Schimmer. Das in ihnen vorkommende Astaxanthin ist mit bestimmten Proteinen, den Chromoproteinen, verbunden. Durch diese Wechselwirkung entstehen die Farbmuster der Schalen. Durch Kochen der Tiere löst sich diese Verbindung. In der Folge wird das rote Astaxanthin freigesetzt und die Tiere erscheinen plötzlich rötlich. - Astaxanthin in der Industrie: Protein-Bindung von der Natur abgeschaut
Für die industrielle Anwendung als Futtermittel oder Kosmetikprodukt kann die geringe Stabilität und Wasserlöslichkeit von Astaxanthin ein Problem darstellen. Um diese Eigenschaften zu verbessern, versuchen Forschende die in der Natur vorkommende Bindung an Proteine zu kopieren. Ziel ist es, Astaxanthin vor Licht und Wärme zu schützen und den Abbau zu verringern.
Der deutsch-österreichische Wissenschaftler Richard Kuhn erhielt 1938 den Nobelpreis für Chemie für seine Arbeiten an den Farbstoffen Carotinoiden und an Vitaminen. Er und seine Kollegen entschlüsselten ihre chemische Zusammensetzung. Kuhn war besonders von langen Ketten aus Kohlenstoffatomen und ihren Doppelbindungen untereinander fasziniert. Dabei stieß er auf den Farbstoff Astaxanthin in Krebstieren und entdeckte auch seine wichtige Verbindung zu den Chromoproteinen.
Aufgaben und Funktionen: Wofür braucht der Körper Astaxanthin?
Wofür ist der Farbstoff Astaxanthin aus der Familie der Carotinoide gut? Astaxanthin ist ein sogenanntes Antioxidans. Das sind Stoffe, die reaktionsfreudige Stoffwechselprodukte (freie Radikale) abfangen und den Körper so vor möglichen Zellschäden schützen. Auf diese Weise unterstützt Astaxanthin unter anderem das Immunsystem.
Die starke antioxidative Wirkung von Astaxanthin wird im Zusammenhang mit Licht-bedingten Schäden an der Haut, wie der Sonnenallergie, untersucht. Einzelne Studien lassen vermuten, dass Astaxanthin den durch UV-Licht bedingten Abbau von Kollagen verringert. Kollagen ist der Hauptbestandteil von Haut, Knochen, Knorpel und Sehnen.
Zusätzlich besitzt Astaxanthin eine besondere Molekülstruktur, mit der es sich präzise in die Zellmembran einfügt und dessen gesamte Breite überspannt. In dieser Position kann die Substanz sowohl im Inneren der Membran als auch außen schädliche Moleküle abfangen und sich positiv auf die Gesundheit auswirken.
Daneben besitzt Astaxanthin eine weitere wichtige Wirkung. Aufgrund seiner chemischen Struktur überwindet es die Blut-Hirn-Schranke sowie die Blut-Netzhaut-Schranke und hilft auf diese Weise dabei, auch die Zellen des Gehirns und der Netzhaut vor Schäden durch antioxidativen Stress zu schützen.
Vermutet wird zudem ein positiver Effekt auf die Psyche. Zum einen haben Forschende einen positiven Effekt auf Schlafstörungen als Symptom bei Depressionen beobachtet. Zum anderen haben weitere Untersuchungen Hinweise darauf ergeben, dass der Mikronährstoff die kognitive Leistungsfähigkeit sowie die Stimmung verbessert. Auch in dieser Hinsicht sind weitere Forschungen notwendig.
Neuere Studien befassen sich damit, ob Astaxanthin bei Erkrankungen am Auge helfen könnte. Für Vitamin A und seine Vorstufen, wie Beta-Carotin, ist belegt, dass sie zur Erhaltung normaler Sehkraft beitragen. Bei Astaxanthin fehlen bislang solche Nachweise einer positiven Wirkung auf die Augen.
Ein weiteres Forschungsgebiet ist der Einsatz von Astaxanthin bei Gelenkbeschwerden, wie bei der rheumatoiden Arthritis (Rheuma). In klinischen Studien verringerten sich Entzündungsfaktoren bei Menschen mit chronisch entzündeten Gelenken. In Tierstudien konnte Astaxanthin zudem dazu beitragen, Knorpelabbau zu verringern, also Arthrose vorzubeugen. Direkt auf den Menschen übertragen, lassen sich diese Ergebnisse aber nicht. Groß angelegte Studien sind notwendig, um diese ersten Tendenzen zu untermauern.
Dies gilt ebenfalls für Studien mit Astaxanthin im Zusammenhang mit dem Herz-Kreislauf-System. Erste Ergebnisse aus Studien an Tieren und Menschen legen einen positiven Einfluss von Astaxanthin auf den Blutdruck und die Gesundheit der Gefäße nahe.
Wissenschaftler:innen interessieren sich auch für die entzündungshemmenden Eigenschaften von Astaxanthin bei Erkrankungen der Leber. In Tierstudien verbesserte sich der Fettstoffwechsel durch den Farbstoff. Untersuchungen an Menschen sind erforderlich, um den Einsatz von Astaxanthin zum Beispiel bei nicht-alkoholischer Fettleber zu prüfen.
Hättest Du das über Astaxanthin gewusst?
- Ungewöhnliche Kreuzallergie Krustentiere – Hausstaubmilben
Allergische Reaktionen gegen Krebstiere wie Garnelen und Hummer treten meist das erste Mal im Erwachsenenalter auf. Rund die Hälfte der Menschen mit einer solchen Allergie reagieren außerdem empfindlich auf Hausstaubmilben. Fachleute sprechen von einer Kreuzreaktion, bei der das Immunsystem auf ähnliche Strukturen wie das ursprüngliche Allergen reagiert. - Wofür brauchen Krebstiere Astaxanthin?
Untersuchungen an Krustentieren zeigen die vielfältigen Aufgaben von Astaxanthin als Futter in der Aquakultur für diese Tiere. Bei Schwimmkrabben fördert das Pigment das Wachstum sowie die Pigmentierung. Außerdem überleben mehr Tiere. Bei jungen Weißfußgarnelen verringert die Zugabe von Astaxanthin im Futter unter anderem Verletzungen des Verdauungstraktes. - Gestresste Algen produzieren mehr Astaxanthin
Für die grüne Mikroalge Haematococcus pluvialis bedeuten ein hoher Salzgehalt, ein Mangel an Stickstoff, viel Licht und hohe Temperaturen (oxidativen) Stress. Unter diesen Bedingungen reichert die Alge besonders viel Astaxanthin als Schutz an.
Wenn Du allergisch auf Krustentiere reagierst, solltest Du vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln auf die Quelle des zugesetzten Astaxanthins achten. Sind Krebstiere der Lieferant, können Spuren davon im Produkt zu einer Überempfindlichkeitsreaktion führen.
Astaxanthin: Wo enthalten?
In welchen Lebensmitteln ist Astaxanthin natürlicherweise enthalten? Der Farbstoff wird von bestimmten Hefen und Algen produziert – und kommt vor in Tiere wie Lachsen oder Krebstieren, die sich von solchen Algen ernähren. Auch in Regenbogenforellen ist der Farbstoff zu finden, allerdings gelangt er über das Fischfutter in Zuchtbetrieben in die ursprünglich weißfleischigen Fische. Durch die Rotfärbung ihres Fleisches lassen sie sich dann als Lachsforelle vermarkten.
Es ist nicht bekannt, dass herkömmliche pflanzliche Lebensmittel Astaxanthin aus der Farbstofffamilie der Carotinoide enthalten – im Gegensatz zu den Beta-Carotinen, die in orange-gelbem Obst und Gemüse enthalten sind.
Hier eine kleine Liste mit konkreten Zahlen: In gezüchtetem Atlantischem Lachs wurden bis zu 0,8 Milligramm Astaxanthin pro 100 Gramm Fisch gefunden. In wildlebendem Pazifischem Lachs ist ein deutlich höherer Gehalt von 2,6 bis 3,8 Milligramm Astaxanthin pro 100 Gramm Fisch nachgewiesen. Hummer enthält mit maximal 0,3 Milligramm Astaxanthin pro 100 Gramm Tier am wenigsten von dem Farbstoff in dieser Aufzählung.
Astaxanthin-Mangel
Astaxanthin wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nicht in einer Liste von Nährstoffen geführt, die Du regelmäßig für eine vollwertige Ernährung brauchst – wie zum Beispiel Vitamine. Daher gibt es für diese Substanz keinen medizinisch belegten Mangel.
Zu viel Astaxanthin: Überdosierung
Kann man zu viel Astaxanthin nehmen? Die Empfehlung lautet, wie bei allen Nahrungsergänzungsmitteln, sich an Grenzwerte wie die der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu halten, um eine mögliche Überdosierung zu vermeiden.
Die Europäische Lebensmittelbehörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legt diesen Wert auf 8 Milligramm Astaxanthin pro Tag für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene fest. Für Kinder unter 3 Jahren sowie für Frauen in der Schwangerschaft oder Stillzeit ist eine Einnahme nicht vorgesehen.
Als Nebenwirkungen bei der Aufnahme von Astaxanthin können Unverträglichkeiten auftreten, insbesondere bei einer Überdosis. Besonders vorsichtig sollten Menschen mit einer Allergie gegen Krustentiere sein, wenn das Astaxanthin aus solchen Quellen stammt. Allergische Reaktionen sind möglich. Mitunter werden auch leichte Magen-Darm-Beschwerden nach Einnahme von Astaxanthin beobachtet.
Manche Menschen fragen sich, ob die Einnahme von Astaxanthin gesundheitsschädlich ist oder gar das Krebsrisiko erhöhen könnte – dafür gibt es keine Hinweise. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) sowie andere Institutionen, die Krebsrisiken beurteilen, bestätigen Astaxanthin als nicht krebserregend.
Darüber hinaus gibt es keine Hinweise, dass Astaxanthin bedenklich für die Nieren ist. In einer Studie nahmen Menschen mit einer transplantierten Niere täglich Astaxanthin ein. Bei dieser vorbelasteten Teilnehmergruppe zeigten sich keine negativen Folgen für die Nierengesundheit.
Astaxanthin: Darreichungsformen
Wenn Du Deinen Körper mit Astaxanthin in Nahrungsergänzungsmitteln unterstützen möchtest, stehen Dir für die orale Einnahme unterschiedliche Darreichungsformen zur Verfügung. Dazu zählen Tabletten, Kapseln (auch als Weichgelkapseln), Sirup sowie granulierte Pulver mit Astaxanthin.
Mitunter findet sich Astaxanthin als Nahrungsergänzung kombiniert mit Omega-3-Fettsäuren aus Mikroalgen- oder Krillöl im Handel. Zur äußerlichen Anwendung gibt es Cremes mit zugesetztem Astaxanthin.
Wenn Du Dich fragst, was bei Astaxanthin als hochdosiert gilt, kannst Du Dich am täglichen Grenzwert von 8 Milligramm Astaxanthin orientieren. Von höheren Dosierungen ist nach jetzigem Kenntnisstand abzuraten.