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Billings-Methode: Die Zervixschleimmethode zur natürlichen Familienplanung

Du möchtest so bald wie möglich schwanger werden oder natürlich verhüten? Die sogenannte Billings-Methode kann Dir dabei helfen. Bei diesem Verfahren beobachtest Du täglich Deinen Zervixschleim, d. h. das von Drüsen des Gebärmutterhalses (Zervix) gebildete Sekret. Dieses kannst Du relativ einfach, wie wir weiter unten erläutern, aus der Scheide entnehmen. Es verrät Dir einiges über Deine Fruchtbarkeit und Deinen Eisprung. Denn die Beschaffenheit des Gebärmutterhalssekrets verändert sich innerhalb Deines Zyklus.

Wie die Anwendung der Billings-Methode funktioniert und wie genau der Zervixschleim an Deinen fruchtbaren Tagen aussieht, verraten wir Dir im folgenden Beitrag. Außerdem erfährst Du, welche Vor- und Nachteile die Methode hat und wie gut sie sich zur Schwangerschaftsplanung und Verhütung eignet.

 

Was ist die Billings-Methode?

Die Billings- oder Zervixschleimmethode ist eine Form der natürlichen Familienplanung. Das Ziel ist es, durch regelmäßiges Überprüfen des auch Gebärmutterhalsschleims bezeichneten Sekrets die fruchtbaren Tage zu ermitteln. Die Methode kann ebenfalls im Rahmen der hormonfreien Verhütung eingesetzt werden, wobei Paare an diesen Tagen auf Geschlechtsverkehr verzichten. Die meisten Frauen nutzen sie allerdings bei Kinderwunsch, um an diesen Tagen Geschlechtsverkehr zu haben und somit die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

Die Billings-Methode wurde von dem australischen Ärzteehepaar John und Evelyn Billings entwickelt. In den 1950er-Jahren widmeten sich die Ärzt:innen der Beobachtung und Dokumentation des Zervixschleims im Verlauf des weiblichen Zyklus. Dabei entdeckten sie, dass sich der Schleim innerhalb des Zyklusverlaufs deutlich verändert.

Billings-Methode: Anwendung

Die Billings-Methode funktioniert folgendermaßen: Du entnimmst jeden Tag etwas Zervixschleim aus Deiner Scheide und begutachtest ihn. Dann notierst Du Dir die Farbe, Konsistenz und ungefähre Menge auf einem Zyklusblatt oder einer speziellen Zyklus-App.

Zu Beginn geht es mehrere Zyklen lang erst einmal darum, Erfahrungen zu sammeln, wie Dein Zervixschleim in den verschiedenen Phasen Deines Zyklus aussieht. Mit etwas Übung kannst Du dann bald relativ zuverlässige Aussagen darüber zu treffen, wann Deine fruchtbaren und wann Deine unfruchtbaren Tage sind.

Um Zeit zu sparen, kannst Du auf dem Zyklusblatt mit Abkürzungen arbeiten. Für eine einfache Anwendung der Billings-Methode haben sich folgende Abkürzungen etabliert:

Abkürzung

Beobachtung

t

  • trockenes, raues Gefühl in der Scheide
  • kein sichtbarer Schleim am Scheideneingang

ø

  • weder trockenes noch raues Gefühl in der Scheide
  • kein sichtbarer Schleim am Scheideneingang

f

  • feuchtes Gefühl in der Scheide
  • kein oder sehr wenig sichtbarer Schleim am Scheideneingang

s

  • kein oder feuchtes Gefühl in der Scheide
  • weißlicher oder gelblicher Schleim
  • Konsistenz: cremig, dicklich, klumpig, klebrig, ggf. zäh-elastisch

S+

  • kein oder feuchtes bis nasses, glitschiges Gefühl in der Scheide
  • glasiger (durchscheinender) Schleim
  • Konsistenz: flüssig, dehnbar oder spinnbar, Fäden ziehend

S+H

  • Zervixschleim-Höhepunkt
  • Beobachtung wie S+
  • höchste Chance auf eine Schwangerschaft
  • kann erst festgestellt werden, wenn die Schleimqualität wieder abnimmt!

 

Zyklusblatt

Für die Erfassung Deiner Beobachtungen kannst Du ein sogenanntes Zyklusblatt verwenden. Dabei handelt es sich um einen Vordruck in Form einer Tabelle, in der Du Deine Beobachtungen für jeden Zyklustag eintragen und somit anschließend Deine fruchtbaren Tage ermitteln kannst. Je nach Gestaltung kannst Du darin auch Deine Basaltemperatur und/oder Deine Beobachtungen des Gebärmutterhalses notieren. Im Laufe des Zyklus verändern sich Lage, Festigkeit und Öffnungsgrad des Muttermunds. Diese Veränderungen können mit etwas Übung ertastet werden und zusätzliche Informationen zum Fruchtbarkeitsstatus liefern. Hier geht es zum Download: Zyklusblatt

 

Zyklus-App

Alternativ zum Zyklusblatt ist es auch möglich, sich eine Zyklus- oder NFP-App (App zur Natürlichen Familienplanung) auf Dein Smartphone herunterzuladen. Hier kannst Du Deine Beobachtungen bezüglich Zervixschleim und Temperatur sowie weitere Parameter auf einem digitalen Zyklusblatt festhalten. Vorteil: Du hast es immer mit dabei und kannst es jederzeit abrufen.

 

Billings-Methode: Zervixschleim richtig entnehmen

Für die Entnahme des Schleims aus der Scheide genügt es, wenn Du mit einem Finger über den Scheideneingang wischst. Du kannst den Schleim aber auch direkt vom Muttermund abnehmen. Dazu führst Du im Liegen oder hockend mit geöffneten Beinen zwei Finger in die Scheide bis zum oberen Ende ein. Dort spürst Du eine kleine Vorwölbung – dies ist der Muttermund. Entnimm von hier etwas Zervixschleim.

 

Billings-Methode: Zervixschleim auswerten und fruchtbare Tage bestimmen

Hinsichtlich der Veränderung der Menge und Konsistenz des Schleimes lassen sich verschiedene Phasen im Zyklus unterscheiden.

 

Phase 1: Wenig Sekret nach der Periode

Der neue Zyklus beginnt mit dem 1. Tag Deiner Periode. Ist die Blutung vorüber, folgen zunächst einige Tage mit einer geringen oder ausbleibenden Schleimproduktion. Die Scheide fühlt sich daher in dieser Zeit entweder trocken oder nur leicht feucht an.

 

Phase 2: Zäher Schleim an den unfruchtbaren Tagen

Dann folgt eine Phase, in der der Körper der Frau festen, milchig-weißen oder gelblichen Zervixschleim bildet. Er erinnert von der Konsistenz her nun an feste Creme und ist auch so klebrig. Ist der Schleim so beschaffen, bedeutet dies: schlechte Chancen für eine Schwangerschaft, denn in dieser Zeit bist Du unfruchtbar.

In diesem zähen Schleim können sich die Spermien nicht so gut fortbewegen, geschweige denn die natürliche Barriere durchbrechen, die der Schleim am Muttermund bildet. Auch überleben die Spermien in zähem Schleim nicht so lange, weil der pH-Wert des zähen Schleims eher sauer ist. Also: trübe Aussichten für Euer Baby-Projekt.

 

Phase 3: Dünner, spinnbarer Zervixschleim an den fruchtbaren Tagen

Unter dem Einfluss des zunehmenden Östrogenspiegels zum Eisprung hin wird der Zervixschleim dünnflüssiger und durchsichtiger. Deine fruchtbaren Tage sind da.

Der Zervixschleim erinnert in den Tagen vor dem Eisprung von seiner Konsistenz her an Eiklar. Weil der Schleim jetzt dünner ist, können die Spermien problemlos durch ihn hindurch in die Gebärmutter gelangen.

In dieser Phase hast Du gute Chancen, schwanger zu werden. Auch der pH-Wert des Schleims hat sich geändert und liegt nun im basischen Bereich, wodurch die Spermien länger überleben können. 

Ab etwa 3 Tagen vor dem Eisprung bis ungefähr einen Tag danach ist der Zervixschleim "spinnbar". Das bedeutet, dass das Sekret einen Faden zieht, wenn Du es zwischen zwei Fingern auseinanderziehst. Er erinnert an die Spinnenfäden eines Spinnennetzes.

Die Scheide der Frau ist nun feuchter, was das Eindringen des Penis beim Geschlechtsverkehr erleichtert. Auch wird in dieser Zeit mehr Zervixschleim produziert als in den anderen Phasen. Das kann zu einem unangenehm nassen Gefühl im Intimbereich führen.

Wenn Du das Phänomen des Faden ziehenden Schleims beobachtest und einen Kinderwunsch hast, ist der Zeitpunkt gut, sich vermehrt der körperlichen Liebe zu widmen.

 

Phase 4: Fester Schleim nach dem Eisprung

Schon kurz nach dem Eisprung wird der Zervixschleim der Frau wieder fester, klebrig und bekommt sein cremefarbenes bis gelbliches Aussehen zurück. Die Menge des Schleims nimmt ab.

Da sich der Schleim im Gebärmutterhals verdickt, wird dieser unpassierbar für die Spermien. Schlechte Karten also für die Zeugung Deines Wunschkindes in diesem Zeitfenster.

Übrigens können auch Krankheitskeime den zähen Schleim nicht so leicht durchdringen. Auf diese Weise schützt sich die Gebärmutter meist erfolgreich vor aufsteigenden Infektionen aus der Scheide.

 

Billings-Methode: Mögliche Fehler bei der Auswertung des Zervixschleims

Es gibt verschiedene Faktoren, die den Zervixschleim möglicherweise verändern können, sodass die Auswertung schwierig oder fehlerhaft wird. Dazu gehören:

  • bestimmte Medikamente (z. B. Hormonpräparate oder auch Hustensäfte)
  • Erkrankungen (z. B. Entzündungen, Scheideninfektion)
  • der Einsatz von Intimsprays
  • vaginale Spülungen
  • die Verwendung von spermienabtötenden Cremes und Gelen

Außerdem kann der Zervixschleim möglicherweise verwechselt werden mit:

  • Ejakulat eines Samenergusses
  • Erregungssekret (Vaginalsekret, das bei sexueller Lust vermehrt ausgeschüttet wird)

Solche potenziellen Störfaktoren solltest Du Dir auf Deinem Zyklusblatt vermerken, um die Beobachtungen nach einigen Zyklen noch besser beurteilen zu können.

 

Billings-Methode: Sicherheit

Die Billings-Methode gilt als sehr unsichere Verhütungsmethode. Der sogenannte Pearl-Index für diese Methode liegt bei 5 bis 35. Andere Quellen gehen von einem Pearl-Index von 3 bis 5 aus.

Der Pearl-Index gibt an, wie viele von 100 Frauen, die diese Verhütungsmethode ein Jahr lang einsetzen, im Schnitt schwanger werden. Für die Billings-Methode bedeutet das: 5 bis 35 Frauen von 100 oder eben 3 bis 5 von 100. Egal, welcher Quelle man Glauben schenkt, der Pearl-Index ist bei dieser Verhütungsmethode deutlich zu hoch. Wer nicht schwanger werden möchte, sollte die Billings-Methode daher nicht anwenden.

Der Grund für den hohen Pearl-Index liegt vor allem bei Fehlern in der Anwendung, beispielsweise in der Beurteilung des Schleims. Denn dieser kann z. B. leicht mit dem Erregungssekret oder einem Samenerguss verwechselt werden. Auch bei einer Scheideninfektion kann der Schleim fehlerhaft interpretiert werden, da sich dabei der Zervixschleim verändert. Außerdem können leicht Irrtümer an den Übergängen von fruchtbaren Tagen und unfruchtbaren Tagen passieren, weil diese fließend und nicht unbedingt immer eindeutig am Schleim zu erkennen sind.

Es braucht hier einiges an Erfahrung, um bei der Auswertung des Schleims keine Fehler zu machen. Daher ist es ratsam, die Zervixschleimmethode zunächst einige Zyklen lang "einzuüben".

Billings-Methode und Temperaturmethode zusammen deutlich sicherer

Kombinierst Du die Zervixschleimmethode mit der Temperaturmethode, ist der Empfängnisschutz schon bedeutend effektiver. Mit dieser sogenannten symptothermalen Methode lassen sich die fruchtbaren Tage deutlich besser identifizieren.

Wenn Du also zusätzlich zur Beobachtung des Zervixschleims täglich noch Deine Aufwach- oder Basaltemperatur misst, kannst Du den Pearl-Index auf 0,4 bis 1,8 absenken.

Im Laufe Deines Zyklus verändert sich die Temperatur. Einen Tag vor dem Eisprung fällt sie, nach dem Eisprung steigt sie um 0,2 bis 0,5 Grad Celsius an. Rückblickend lassen sich auf diese Weise die fruchtbaren Tage bestimmen. Das sind ungefähr vier Tage vor dem Eisprung und der Tag danach. Mit dieser zusätzlichen Information lernt man mit der Zeit, den Zervixschleim besser zu deuten.

Die Temperaturmethode ist denkbar einfach: Jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen misst Du die Basaltemperatur im Körper. Das ist die Temperatur, die Dein Körper nach einer längeren Ruhephase von mindestens einer Stunde Schlaf hat. Was Du dabei beachten solltest, erfährst Du hier: Basaltemperatur richtig messen

 

Billings-Methode: Vorteile

Die Billings-Methode hat folgende Vorteile:

  • Sie ist eine hormonfreie Verhütungsmethode, bei der es keine Nebenwirkungen durch Hormone gibt.
  • Sie ist kostenlos.
  • Sie ist relativ leicht zu erlernen.
  • Sie ist gut geeignet, um die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

 

Billings-Methode: Nachteile

Doch die Billings-Methode hat auch Nachteile:

  • Sie ist nicht wirklich sicher und wird von Frauenärzt:innen daher nicht alleinig empfohlen.
  • Der Schleim kann sich durch bestimmte Faktoren verändern, wodurch das Ergebnis verfälscht werden kann.
  • Billings-Methode zur Empfängnisverhütung: Ungeschützter Sex ist nur an etwa 14 Tagen im Zyklus möglich (an den fruchtbaren Tagen muss zusätzlich mit Kondom verhütet werden).
  • Es sind Zeit und Übung erforderlich, um die Methode sachgerecht anwenden zu können.
Endlich Mama werden. Mein größter Wunsch.