Uridinmonophosphat
Neuere Studien weisen zudem auf einen Einfluss von Uridinmonophosphat auf den Glucose- und Fettstoffwechsel hin, der bei Menschen mit Diabetes beziehungsweise Fettleibigkeit gestört ist. Dieser wichtige Baustein der Erbstränge findet sich in pflanzlichen Lebensmitteln, wie Brokkoli und Getreide, aber auch in tierischen Produkten wie Innereien. Hier erfährst Du weitere Details über Uridinmonophosphat.
Was ist Uridinmonophosphat?
Uridinmonophophat ist ein Bestandteil Deiner Erbsubstanz, ein Nukleotid. Mitunter wird auch die Bezeichnung Uridylat oder die Abkürzung UMP verwendet. Bei Uridinmonophosphat handelt es sich um eine besondere Form (Monophosphat) des Uridin, und das findet sich auch in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln. Dein Körper nimmt es entweder über die Nahrung auf oder stellt es selbst her.
Die Bauteile der Erbsubstanz (Nukleotide) verbinden sich und bilden lange Erbstränge. Dazu zählen die doppelsträngige Desoxynukleinsäure (DNA) und die meist als Einzelstrang vorliegende Ribonukleinsäure (RNA). Die Nukleotide bestehen immer aus einer Base, einem Zucker und einem bis drei Phosphorsäureresten.
Hier findest Du Details zu den Bausteinen der Erbstränge – am Beispiel Uridinnmonophosphat:
- Uracil = Base des Uridinmonophospats
- Uridin = besteht aus der Base Uracil und einem Zucker (D-Ribose), diese Einheit aus Base und Zucker nennt sich Nukleosid
- Uridinmonophosphat = setzt sich zusammen aus Uridin und einem Phosphorsäurerest - diese Einheit des Bausteins heißt Nukleotid
Wissenschaftliche Untersuchungen befassen sich sowohl mit Uridin als auch Uridinmonophosphat. Da Uridinmonophosphat durch eine Umwandlung aus Uridin entsteht, werden die Ergebnisse auf den „Baustein“ Uridin sowie das gesamte Nukleotid Uridinmonophosphat bezogen.
Interessante Fakten zu Uridinmonophosphat
- Der Ort der Erbstränge zeigt sich im Namen Deiner Erbsubstanz
Bezeichnungen wie Nukleinsäure oder Nukleotide haben ihren Ursprung in dem lateinischen Wort Nucleus = Kern. Da sich die Erbstränge vornehmlich im Zellkern befinden, wurde dieser Name zur Verdeutlichung gewählt. - Sind Schäden an Nervenfasern reparabel?
Es wurde lange vermutet, dass sich Nerven schlecht oder gar nicht regenerieren. Das gilt nicht für periphere Nerven. Uridinmonophosphat hilft bei der Regeneration geschädigter Nerven. Unterschieden wird zwischen dem Zentralnervensystem (ZNS), den Nerven des Gehirns und Rückenmarks, und allen anderen Nervenbahnen, den peripheren Nerven. Durch eine bestimmte Untersuchungstechnik, der Elektromyografie (EMG), lässt sich das Wachstum der Fortsätze (Axone) von peripheren Nervenzellen detailliert nachweisen. Unter bestimmten Voraussetzungen wachsen neue Axone mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Millimeter pro Tag. - DNA und RNA – ihre unterschiedlichen Aufgaben
Die doppelsträngige DNA ist in allen Zellen der Speicher für das Erbgut. Das gesamte menschliche Erbgut enthält etwa drei Milliarden Basenpaare. Die RNA ist meist einzelsträngig und hat verschiedene Aufgaben. Sie übertragen die genetische Information der DNA zu den Orten, an denen Proteine hergestellt werden, und unterstützen das Ablesen dieser Information. Während manche Bausteine (Basen) in beiden Erbstrangformen vorkommen, findet sich die Base Uracil, ein Baustein des Nukleotids Uridinmonophosphat, nur in der RNA, nicht in der DNA.
Der Name der Base von Uridinmonophosphat, Uracil, leitet sich von Harnsäure (englischer Name: uric acid) ab. Der deutsche Chemiker Robert Behrend arbeitete 1885 mit Abkömmlingen dieser Substanz und gab der neu gefundenen Substanz den Namen Uracil, ohne deren genaue Funktion zu kennen.
Zur gleichen Zeit interessierte sich der deutsche Wissenschaftler Albrecht Kossel für die Bausteine der Erbsubstanz. Die Nukleinsäuren waren seit 1869 bekannt – und Kossel wollte den chemischen Aufbau entschlüsseln. Zwischen 1885 und 1901 entdeckte er nacheinander die fünf verschiedenen Basen der Erbstränge: Adenin, Cytosin, Guanin, Thymin und Uracil. Für seine Gesamtleistungen zur Zellchemie von Proteinen, einschließlich der Nukleinsubstanzen, erhielt er 1910 den Nobelpreis in Physiologie oder Medizin.
Uridinmonophosphat: Aufgaben und Funktionen
Wenn periphere Nerven im Körper geschädigt sind, ist oftmals ihre Myelinschicht – die Isolationsschicht – beeinträchtigt. Uridinmonophosphat kann bei der Regeneration dieser Schicht helfen. Dazu geht Uridinmonophosphat mit anderen Phosphaten energiereiche Verbindungen ein und aktiviert dadurch bestimmte Stoffwechselreaktionen. Es bilden sich unter anderem spezielle Fette (Phospho- und Glykolipide), die für den Wiederaufbau der Myelinschicht wichtig sind. Uridinmonophosphat unterstützt damit die Regeneration geschädigter Nerven.
Die positive Wirkung von Uridin zeigt sich auch bei Personen mit durch Diabetes verursachten Nervenschäden. Studien zeigten, dass sich bei Diabetiker:innen durch orale Einnahme von Uridin die Leitgeschwindigkeit von Nervenimpulsen erhöht, die Nervenfasern regenerieren sowie an Dicke zunehmen und sich die Oberfläche der Isolationsschicht der Nerven vergrößert.
Untersuchungen befassen sich auch mit den Wirkungen von Uridinmonophosphat beziehungsweise Uridin auf den Glucose- und Fettstoffwechsel. So hat man Uridin-Werte im Blut bei Menschen mit Diabetes und Fettleibigkeit gefunden, die von denen gesunder Personen abwichen. Jüngere Forschungsergebnisse deuten zudem auf einen Einfluss von Uridin auf das Immunsystem hin, da Immunzellen Uridin als Energiequelle nutzen können.
Die Zusammenhänge dieser Wirkungen sind noch nicht ausreichend geklärt, sodass weitere Untersuchungen erforderlich sind.
Hättest Du das über Uridinmonophosphat gewusst?
- Eingeschränkte Gedächtnisleistung und Uridin
Nicht nur bei der Hirnerkrankung Alzheimer, sondern auch bei leicht eingeschränkter Gedächtnisleistung geben Studien Hinweise auf einen Mangel an Uridin, dem Vorläufer von Uridinmonophosphat, und anderen Nährstoffen. Die verminderte Gedächtnisfähigkeit gilt unter Umständen als Vorstufe von Demenz. Durch einen gestörten Stoffwechsel kann Uridin für das Gehirn schlechter verfügbar sein, sodass das Gedächtnis leidet. Die Ergebnisse untermauern die wichtige Rolle des Bausteins von Uridinmonophosphat für Deine Gedächtnisfunktion. - Uridinmonophosphat in der Muttermilch
Muttermilch ist ein guter Lieferant von Nukleotiden, darunter auch Uridinmonophosphat. Interessanterweise ist der Gehalt dieser Substanzen in Muttermilch nicht immer konstant. Forschende fanden höhere Konzentrationen von Uridinmonophosphat in Proben, die in der Nacht gewonnen wurden. Auch bei anderen Nukleotiden wurden unterschiedliche Konzentrationen bei Tag oder Nacht festgestellt. Weitere Untersuchungen könnten zeigen, ob Uridinmonophosphat möglicherweise eine „schlafinduzierende“ oder zumindest beruhigende Wirkung auf den Säugling hat. - Uridin in den Synapsen einer Nervenzelle
Synapsen sind die Umschaltstellen der Nervenzellen, an denen der Reiz auf eine andere Nervenzelle oder Muskelzelle übertragen wird. Die an diesem wichtigen Verbindungsbereich beteiligten Zellhüllen (Membranen) benötigen bestimmte Phospholipide. Diese Moleküle werden im Gehirn selbständig aus drei Stoffen hergestellt: Omega-3-Fettsäuren, Cholin (einer Vorstufe des Nervenbotenstoffs Acetylcholin) und Uridin.
Tagesbedarf: Wie viel Uridinmonophosphat am Tag?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat bislang für Uridinmonophosphat keine Empfehlungen zum Tagesbedarf herausgegeben. Es liegt keine entsprechend große Anzahl an Studien mit Uridinmonophosphat zu den gesundheitlichen Auswirkungen vor, um eine tägliche Dosierung zu berechnen.
Das in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzte Uridinmonophosphat wird nicht aus Pflanzen gewonnen, sondern künstlich hergestellt. Dazu werden unter anderem Orotsäure (ein Zwischenprodukt der Pyrimidinsynthese) und ganze Zellen der Backhefe Saccharomyces cerevisiae (ein Sprosspilz) benötigt. Uridinmonophosphat lässt sich aber auch mithilfe bestimmter Bakterien produzieren, ebenfalls unter Zuhilfenahme von Orotsäure.
Die Substanz Uridin gelangt in den Blutkreislauf und kann die Blut-Hirnschranke passieren. Die Kontrollschranke ist nicht für alle Substanzen passierbar. Dieser selektive Stoffaustausch ist unerlässlich zum Schutz des empfindlichen Nervengewebes des Gehirns, damit keine schädlichen Substanzen oder Erreger die Hirnsubstanz angreifen können. Uridin ist jedoch wichtig für Nervenzellen und kann daher die Schranke problemlos überwinden.
Welche Lebensmittel haben am meisten Uridinmonophosphat?
Der Bestandteil Uridin des Nukleotids Uridinmonophosphat findet sich zum Beispiel in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs wie Zuckerrüben, Tomaten und Brokkoli sowie Obst und Getreide. Aber auch tierische Nahrungsmittel wie Innereien liefern Dir Uridin. Die zu den Sprosspilzen gehörende Hefe (und daraus hergestellte Getränke wie Bier) und andere Pilzarten zählen ebenfalls zu den Lebensmitteln, die Uridin als Baustein von Uridinmonophosphat enthalten.
Studien zeigen, dass der Speisepilz Pleurotus giganteus, ein Austernseitling, das Wachstum von Nervenfasern unter künstlichen Laborbedingungen fördert. Es wurden unterschiedliche chemische Substanzen des Pilzes getestet, wie Benzoesäure, Linolsäure und Uridin. Das größte Wachstum der Nervenzellen zeigte sich unter dem Einfluss von Uridin.
Uridinmonophosphat-Mangel: Ursachen & Symptome
Untersuchungen mit an Alzheimer erkrankten Personen weisen darauf hin, wie sich eine Unterversorgung mit Uridinmonophosphat beziehungsweise Uridin auswirkt. Bei ihnen zeigt sich ein Mangel an Uridin im Blut und Gehirn. Da Uridin unter anderem eine Rolle bei der Gedächtnisleistung spielt, überrascht es die Wissenschafter:innen nicht, dass ein Mangel an Uridin zu neurologischen Symptomen wie Gedächtnisverlust führen kann.
Bei der Stoffwechselerkrankung Orotazidurie ist die Bildung bestimmter Nukleotide, darunter auch Uridinmonophosphat gestört. Die Ursache liegt in einem angeborenen Enzymdefekt. Unbehandelt führt dies bei Kindern unter anderem zu einem verzögerten Wachstum und geistiger Behinderung. Zur Behandlung gehört die Einnahme des Uridinmonophosphat-Vorläufers Uridin.
Zu viel Uridinmonophosphat: Überdosierung
Es gibt zurzeit keine offiziellen Empfehlungen zur täglichen Dosierung von Uridinmonophosphat. Klinische Studien an gesunden Menschen zeigen, dass eine Dosierung von zum Beispiel einem Gramm Uridinmonophosphat pro Tag keine nachteiligen Nebenwirkungen auf die Gesundheit hat.
Diese Ergebnisse berücksichtigen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) bei den Einnahmeempfehlungen. Wenn Du Dich an diese Vorgaben hältst, ist keine Überdosierung zu erwarten.
Uridinmonophosphat: Darreichungsformen
Wenn Du zusätzlich Uridinmonophosphat in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen möchtest, stehen Dir verschiedene Darreichungsformen zur Verfügung. Häufig erfolgt eine Kombination mit anderen Mikronährstoffen in einem Präparat.
Nachfolgend einige Beispiele möglicher Darreichungsformen:
- Kapseln mit Uridinmonophosphat
- Tabletten mit Uridinmonophosphat
- Pulver mit Uridinmonophosphat
Darüber hinaus findet die Vorläuferform von Uridinmonophosphat, das Uridin, als hochdosiertes Medikament Einsatz in der Medizin. In Kombination mit bestimmten Präparaten, die das Zellwachstum hemmen (Zytostatika), kann es die Nebenwirkungen zum Beispiel bei einer Krebstherapie abschwächen.