Angstfrei in den Kreißsaal oder ins Geburtshaus: Bestimmte Therapien während der Schwangerschaft können Frauen dabei helfen, sich zwischen den Wehen zu entspannen und währenddessen den Schmerz zu lindern. So kannst Du Geburtsängste überwinden – ohne medizinischen Einfluss.
Ursachen für die Angst
Eine Schwangerschaft ist wohl die unsicherste Zeit in Deinem Leben: Was passiert da in meinem Körper? Geht es dem Baby gut? Schaffe ich die Geburt? Kommt es zu Komplikationen? Diese und mehr Unsicherheiten führen bei vielen Frauen dazu, dass sie sich verkrampfen, sobald die ersten Übungswehen einsetzen. Aus Angst vor der Welle des Schmerzes können sie sich unter der Geburt nicht entspannen, was allerdings wichtig ist, damit der Muttermund sich öffnen kann. Aber nicht nur der Schmerz jagt Schwangeren einen Heidenrespekt ein, sondern beispielsweise auch
- eine Diagnose während der Schwangerschaft, die auf eine Erkrankung oder Einschränkung des Kindes hinweisen könnte
- das Gefühl als Gebärende in den eigenen Bedürfnissen ignoriert zu werden
- eine Saugglocken- oder Zangengeburt
- Geburtsverletzungen
- ein zu schneller oder sehr langsamer Geburtsverlauf
- ein (Not-)Kaiserschnitt
- Komplikationen nach der Geburt (z.B. starke Blutungen, operative Entfernung der Plazenta, Trennung vom Baby, Erkrankung des Babys)
„Die Geburt ist ein natürlicher Vorgang, der tief in uns verankert ist. Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Hilfsmethoden können Frauen das Vertrauen in ihren Körper stärken und die Geburt selbstbestimmt begleiten – ganz im Einklang mit der eigenen Intuition und ohne den Einsatz starker medizinischer Eingriffe“, hat es sich Therapeutin Susanne Trübenecker zur Aufgabe gemacht, die Ängste vor der Entbindung zu lösen. Mentale und körperliche Vorbereitung können dabei hilfreich sein. „Die Geburtstechniken, die eine Frau in bestimmten Kursen erlernt, können zu einer selbstbestimmten, sanften Geburt führen. Es geht dabei darum, die zwei Feinde der Geburt – Angst und Unwissenheit – zu überwinden.“
Welche Schmerztherapien gibt es?
Therapien wie die Aromatherapie, die Reflexzonenmassage, Hypnose, Akupunktur, oder die Transkutane elektrische Nervenstimulation sowie Homöopathie können Dich auf natürlichem Weg dabei unterstützen, Dein Baby auf die Welt zu bringen. Aber was bewirken die einzelnen Methoden und wie können sie den Wehenschmerz lindern?
Hypnose: In Trance gebären
Hypnose kann werdenden Müttern dabei helfen, die Geburt entspannter und weniger schmerzhaft zu erleben. Durch gezielte Suggestionen werden Ängste reduziert und das Vertrauen in den eigenen Körper gestärkt. „In der Hypnose gelangt die Mutter in einen tiefen Entspannungszustand, der die Ausschüttung von Stresshormonen hemmt und gleichzeitig die Produktion von Endorphinen – den natürlichen Schmerzmitteln – fördert“, erläutert Susanne Trübenecker, die in ihrer Praxis in München Kurse wie Hypnobirthing anbietet. Zudem kann unter Hypnose die Wahrnehmung von Schmerz verändert und positive Gedanken gefördert werden. Das Ergebnis: weniger Anspannung, weniger Schmerzen und eine ruhigere Geburt. Autogenes Training hat einen ähnlichen Effekt und kann als Selbsthypnose unter der Geburt (der wiederkehrenden Übung während der Schwangerschaft vorausgesetzt) abgerufen werden.
Aromatherapie: Bestimmte Düfte erleichtern die Geburt
Während der Geburt erreicht unser Geruchssinn eine besonders hohe Aufnahmebereitschaft und beeinflusst direkt unsere Gefühle. „Düfte wie Lavendel, Bergamotte, Melisse und Jasmin wirken entspannend und lindern Beschwerden. Muskatellersalbei stärkt und hilft, sich auf den Geburtsprozess einzulassen“, teilt die Expertin ihr Fachwissen zum Thema sanfte Unterstützung ohne medizinische Intervention. Über die Nasenmembranen gelangen die Aromen in den Blutkreislauf und wirken direkt auf das Nervensystem – ein natürliches Hilfsmittel für eine entspannte Geburt.
Homöopathie: Mit Kügelchen durch die Kugelzeit
Viele Hebammen setzen auf Homöopathie, um die Geburt zu unterstützen – eine Methode, die bereits in der traditionellen Geburtskultur angewendet wurde. Das Urteil unserer Expertin dazu: „Heilpflanzen helfen, Verspannungen zu lösen, die Muskulatur zu entspannen und Kontraktionen zu regulieren. Diese natürliche Unterstützung kann den Geburtsprozess erleichtern.“
Reflexzonenmassage und Akupunktur: Geburtsvorbereitung und Me-Time
Beide Verfahren sind bewährte Methoden, die werdenden Müttern helfen können, sich optimal auf die Geburt vorzubereiten. Bei der Reflexzonenmassage wird gezielt Druck auf bestimmte Zonen an Füßen, Händen oder anderen Körperbereichen ausgeübt, die mit den inneren Organen und dem Geburtsprozess verbunden sind. „Diese Massage fördert die Durchblutung, löst Verspannungen und sorgt für eine bessere Flexibilität der Muskulatur. Sie trägt zur Entspannung bei und kann das allgemeine Wohlbefinden steigern, was sich positiv auf den Geburtsverlauf auswirken kann“, so die Therapeutin und professionelle Schwangerschaftsbetreuung.
Du hast Angst vor Spritzen? Keine Angst, die Akupunktur nutzt sehr feine Nadeln, die keine Schmerzen verursachen, wenn sie gesetzt werden. „Sie werden an bestimmten Punkten des Körpers platziert, um den Energiefluss (Qi) zu stimulieren. Diese gezielte Stimulation kann den Körper auf die Geburt vorbereiten, Ängste abbauen und das Schmerzempfinden verringern. Akupunktur unterstützt nicht nur die körperliche, sondern auch die emotionale Balance und fördert eine entspannte Geburt“, so die ausgebildete Doula (eine nichtmedizinische Geburtshelferin) über die Methode der traditionellen chinesischen Medizin.
Transkutane elektrische Nervenstimulation: Schmerzfrei durch TENS?
Die Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) ist eine nichtinvasive Methode zur Schmerzlinderung auch während der Geburt. „Dabei werden kleine Elektroden auf der Haut platziert, meist im unteren Rückenbereich. Diese Elektroden senden leichte elektrische Impulse an die Nerven, die die Schmerzwahrnehmung blockieren und die Produktion von Endorphinen, den körpereigenen Schmerzmitteln, anregen“, informiert Trübenecker. TENS soll entspannend wirken und kann helfen, die Intensität der Wehen zu verringern, ohne die Mutter in ihrer Bewegungsfreiheit einzuschränken, wie durch eine Periduralanästhesie (PDA). Es ist eine individuell anpassbare Methode, da die Intensität der Impulse je nach Bedarf variiert werden kann. Es sind keine Medikamente erforderlich, die Nebenwirkungen für Mama oder Kind haben können. TENS soll besonders effektiv in der frühen Wehenphase sein, kann aber auch während der aktiven Geburtsphase eingesetzt werden, um den Schmerz zu lindern.