Eine neue Sprache zu lernen ist Fleißarbeit – besonders, wenn es sich um die Sprache von Bakterien handelt: Forschende um Ipsita Mohanty von der University of California in San Diego haben die Bedeutung bestimmter Gallensäuren als Signalmoleküle bei der Verdauung untersucht. Ihr Einsatz zeigt erneut: Die lebenswichtige Wohngemeinschaft in unserem Darm hält noch viele Überraschungen bereit.
Fun Fact: Gallensäuren werden gar nicht in der Galle, sondern in der Leber produziert. Im Dünndarm helfen sie bei der Verwertung von Mikronährstoffen und Fettsäuren. Das funktioniert viel besser, wenn die ursprünglichen Gallensäure-Formen von den Darmbakterien verändert wurden. Dabei entstehen Tausende verschiedene Verbindungen, wie die Forschenden bei der Erstellung ihrer umfangreichen Bibliothek massenspektroskopischer Daten zeigen konnten. Die modifizierten Verbindungen nennt man „sekundäre Gallensäuren“.
Der Wortschatz des Mikrobioms
Diese sekundären Gallensäuren sind offenbar deutlich vielfältiger, als bislang bekannt war. „Als ich anfing, im Labor zu arbeiten, gab es etwa ein paar hundert bekannte Gallensäuren“, sagt Mohanty. „Jetzt haben wir Tausende weitere entdeckt und erkennen immer mehr, dass diese Gallensäuren weit mehr bewirken, als nur die Verdauung zu unterstützen.“ Die Forschenden versuchen, die biochemische Sprache zu entschlüsseln, mit der Mikroben Einfluss auf die Verdauung und viele weitere Körperfunktionen nehmen – auch solche, die weit vom Darm entfernt sein können. „Gallensäuren sind ein wichtiger Bestandteil der Sprache des Darmmikrobioms, und die Entdeckung dieser vielen neuen Molekülarten erweitert unser Vokabular radikal, um zu verstehen, was unsere Darmmikroben tun und wie sie es tun“ sagt Seniorautor Pieter Dorrestein von der University of California in San Diego.
Die Fleißarbeit der Kalifornier:innen eröffnet Wissenschaftler:innen weltweit neue Möglichkeiten, die komplexen Wechselwirkungen zwischen Ernährung, Mikrobiota und Gesundheit zu verstehen. Vielleicht können wir unseren mikrobiologischen Mitbewohnern demnächst viel genauer zuhören und sie bei ihrer wichtigen Arbeit unterstützen.
Sag „Danke“ in Mikrobensprache
Bis dahin gilt, was wir schon wissen: Deine Mikroben-WG braucht ausreichend Ballaststoffe. Du findest sie in Vollkornprodukten sowie in Obst und Gemüse. Faustregel: Je härter Du kauen musst, desto mehr Ballaststoffe sind enthalten, also in Möhre mehr als in Gurke, in Birnen mehr als in Himbeeren. Tierische Lebensmittel enthalten keine Ballaststoffe.