Eine Schwangerschaft verändert Frauen – äußerlich und innerlich. Und auch nach der Geburt tut sich noch viel im weiblichen Körper. Viele Veränderungen sind vergänglich, andere prägen Mamas tiefgreifend. Denn die Schwangerschaft und Geburt stößt Umbauprozesse im Gehirn an, die die Persönlichkeit von Frauen nachhaltig verändern, wie Studien zeigen. Das wirkt sich auf alle Ebenen des Lebens aus – auch auf die Paarbeziehung.
Entwicklungsphase: Das „neue“ Mama-Ich
Mama werden ist eine der größten Veränderungen im Leben einer Frau. Diese besondere Entwicklungsphase trägt sogar einen Namen: Matrenscence. Es gibt keine offizielle deutsche Bezeichnung dafür. Weit verbreitet ist jedoch der Begriff Muttertät.
Das Besondere an dieser Phase: Während des Mamawerdens verändert sich die Persönlichkeit und Identität von Mamas ein Stück weit. Denn durch die Hormone finden viele Umbauprozesse im Gehirn von Schwangeren und frisch gebackenen Mamas statt, ähnlich wie in der Pubertät. Diesen Identitätswandel durchläuft jede Mutter. Der Weg ist sehr individuell und jede Frau nimmt den Identitätswandel anders wahr. Doch eines ist immer gleich: Mamas kehren nie zu ihrem „alten Ich“ zurück.
Mama werden: ein Prozess mit vielen Veränderungen
Schwanger sein und Mama werden bedeutet Veränderungen auf vielen Ebenen: körperlich, psychisch, sozial, beruflich sowie auf der Gefühls- und Beziehungsebene.
Der Körper verändert sich
Die wohl eindeutigste Veränderungen während der Schwangerschaft ist der wachsende Babybauch. Aber auch die Körperproportionen insgesamt verändern sich. Der Busen wird größer, die Hüften breiter. Nach der Geburt verändert sich der Körper erneut. Viele Frauen lernen ihren Körper noch einmal ganz neu kennen und schätzen ihn oft mehr als zuvor.
Es kommt zu Umbauprozessen im Gehirn
Auch das Gehirn verändert sich während der Schwangerschaft und nach der Geburt. Das wirkt sich maßgeblich auf die Psyche von (werdenden) Mamas aus. Die wohl größten Veränderungen finden auf sozial-kognitiver Ebene statt. Das ist mittlerweile wissenschaftlich recht gut belegt. Spanische Forschende scannten die Gehirne von Frauen vor und nach der ersten Schwangerschaft und verglichen sie mit Bildern von Scans von Nicht-Schwangeren.
Das Ergebnis: Das Volumen der grauen Substanz nahm bei Schwangeren in bestimmten Hirnregionen ab. Auch zwei Jahre nach der Geburt waren die Veränderungen noch deutlich sichtbar. Auf die Denkfähigkeit und Intelligenz habe das laut der Forschenden keinen Einfluss. Die Veränderungen zeigten sich eher auf sozial-kognitiver Ebene. Die Autoren gehen davon aus, dass durch die veränderten Gehirnstrukturen die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, zunimmt. Dies könnte es der Mama erleichtern, die Bedürfnisse ihres Kindes besser zu verstehen.
Die Gefühlswelt steht Kopf
Liebe, Stolz, Freude und Begeisterung sind Gefühle, die in der Öffentlichkeit im Fokus vom Mamasein stehen. Doch es gibt auch eine andere Seite. Frustration, Angst, Verunsicherung – auch das sind Gefühle, die aufkommen können. Viele Mamas merken zudem, dass sie sensibler, näher am Wasser gebaut, einfühlsamer und Nähe suchender sind.
Der Beruf bekommt eine andere Bedeutung
Bekommt eine Frau ein Kind, steigt sie für eine gewisse Zeit aus dem Beruf aus. Der Mutterschutz ist gesetzlich vorgeschrieben. Viele Mamas nehmen darüber hinaus Elternzeit – oft auch den Großteil des Anspruches. Der Identitätswandel, den Schwangere und Mamas nach der Geburt durchleben, wirkt sich oft auch auf die zukünftige Berufsplanung aus. Sie bewerten ihren Job neu, treten zugunsten der Familie kürzer oder orientieren sich sogar beruflich ganz neu.
Die Beziehungen verändern sich
Durch ein Kind verändert sich das soziale Umfeld. Mamas setzen andere Prioritäten, das Familienleben rückt mehr in den Fokus. Freundschaften und Bekanntschaften verändern sich. Auch auf Eure Partnerschaft wirkt sich der Familienzuwachs aus. Es entsteht eine neue Dynamik und ihr müsst Euch erst einmal in die neuen Rollen als Mama und Papa einfinden. Eltern werden zu Großeltern, Geschwister zu Onkeln und Tanten.
Wie das Mamasein die Partnerschaft verändert
Wenn aus einer Frau eine Mama wird, geht das auch an der Partnerschaft nicht spurlos vorbei. Schwangere und werdende Mamas bewerten sämtliche Beziehungen neu. Die Persönlichkeit, aber auch Vorlieben und Interessen verändern sich, was auch der Partner spürt.
Hinzu kommt, dass ein Kind den Alltag von Paaren vollkommen auf den Kopf stellt. Die Care-Arbeit nimmt einen großen Teil des Alltags ein. Schlafmangel und Zukunftsängste können das eh schon recht dünne Nervenkostüm von frisch gebackenen Eltern weiter strapazieren. Einige Frauen entwickeln zudem eine postnatale Depression. Diese überschatten zusätzlich die Partnerschaft.
Muttertät als Chance, als Paar gemeinsam wachsen
Wenn sich die Partnerin persönlich verändert, kann das für den Partner sehr irritierend sein. Zu wissen, welche körperlichen und psychischen Veränderungen das Mama werden und Mama sein mit sich bringt, kann helfen, besser damit umzugehen und die Partnerin zu unterstützen.
Was viele Mamas zudem nicht vergessen dürfen: Auch der Partner verändert sich, wenn er Papa wird. Durch das Elternwerden entstehen neue Identitäten und Rollen. Wenn (werdende) Eltern sich darauf einlassen, diese herausfordernde Zeit gemeinsam zu meistern, haben sie die Chance, sich als Paar noch einmal ganz neu kennenzulernen. Das gelingt vor allem durch Toleranz, Offenheit und dem Willen, als Team zu wachsen.