Niacinamid
Doch was genau ist Niacinamid, wie wirkt es – und worauf solltest Du bei der Anwendung achten? Hier erfährst Du, was hinter dem Wirkstoff steckt, welche Funktionen er im Körper erfüllt und warum er in der Kosmetik eine so große Rolle spielt.
Was ist Niacinamid?
Niacinamid wird häufig als Vitamin bezeichnet – genauer gesagt handelt es sich um eine spezifische Form des Vitamin B3, das auch unter dem Namen Niacin bekannt ist. Niacinamid wiederum wird auch Nicotinamid oder Nicotinsäureamid genannt. Das liegt daran, dass Niacin im Körper in zwei unterschiedlichen chemischen Varianten vorkommt: Niacinamid und Nicotinsäure. Die Begriffe Niacin, Niacinamid, Nicotinamid und Nicotinsäure werden oft synonym verwendet, bezeichnen jedoch unterschiedliche chemische Strukturen mit teilweise unterschiedlicher physiologischer Wirkung.
Kurz gefasst: Niacin ist der Oberbegriff für verschiedene biologisch aktive Formen von Vitamin B3 – insbesondere Nicotinsäure und Niacinamid. Während in der Kosmetik meist von Niacinamid die Rede ist, wird in der Wissenschaft der Begriff Nicotinamid häufiger verwendet. Beide Begriffe bezeichnen jedoch denselben Stoff. Niacinamid ist wasserlöslich, kann gut vom Körper aufgenommen werden und gehört als Abkömmling von Niacin zur Gruppe der B-Vitamine.
Die Verbindungen unterscheiden sich in ihrer chemischen Struktur und in ihrer Wirkung auf den Körper. Während Nicotinsäure in höheren Dosen sogenannte „Flush-Reaktionen” (Hautrötungen und Gefäßerweiterungen) hervorrufen kann, verursacht Niacinamid diesen Effekt nicht und wird daher bevorzugt in Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt.
Interessante Fakten zu Niacinamid
- Niacinamid: Ganz schön helle
Niacinamid kann dabei helfen, Pigmentflecken und ungleichmäßige Hauttöne zu reduzieren. Es hemmt den Transport von Melanin (dem Farbstoff der Haut) von den Pigmentzellen zu den oberen Hautzellen – ohne diese Zellen zu schädigen. Dadurch entsteht ein aufhellender Effekt, der aber umkehrbar ist, sobald Du das Produkt absetzt. - Schützt Niacinamid vor Typ-1-Diabetes?
Studien deuten darauf hin, dass Niacinamid möglicherweise dazu beitragen kann, die Entstehung von Typ-1-Diabetes zu verzögern oder sogar zu verhindern. Es scheint die Bauchspeicheldrüse zu schützen, genauer gesagt die Insulin-produzierenden Zellen (Beta-Zellen), die bei Typ-1-Diabetes durch eine Autoimmunreaktion angegriffen und zerstört werden. - Namensähnlichkeit
Auch wenn sie ziemlich ähnlich klingen: Nikotin und Niacinamid (oder eben: Nicotinamid) haben nichts miteinander zu tun. Niacinamid ist ein Vitamer (also eine chemisch verwandte Form eines Vitamins). Nikotin hingegen ist ein Alkaloid, ein Pflanzen-Nervengift, das in der Tabakpflanze vorkommt.
Niacinamid gilt als beliebter Wirkstoff gegen Hautalterung. In einer Studie haben Forschende untersucht, wie sich die Substanz auf typische Altersanzeichen der Haut auswirkt. Fünfzig Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren nahmen an einer zwölfwöchigen Untersuchung teil. Dabei wurde die eine Gesichtshälfte mit einer normalen Feuchtigkeitscreme gepflegt, die andere mit der gleichen Creme – jedoch zusätzlich mit fünf Prozent Niacinamid angereichert. Das Ergebnis: Die Niacinamid-Creme wurde gut vertragen und zeigte sichtbare Verbesserungen bei feinen Linien und Falten. Weitere Forschungen sind jedoch nötig.
Niacinamid: Aufgaben und Funktionen
Die Bioverfügbarkeit von Niacinamid ist hoch – es wird sowohl aus Lebensmitteln als auch aus Nahrungsergänzungsmitteln im Dünndarm gut aufgenommen. Danach gelangt es über das Blut in alle Gewebe. Dort erfüllt Niacinamid dann eine Vielzahl lebenswichtiger Aufgaben.
Es wird im Körper in die Coenzyme NAD⁺ (Nicotinamidadenindinukleotid) und NADP⁺ (Nicotinamidadenindinukleotidphosphat) umgewandelt. Diese Coenzyme sind an mehr als 400 wichtigen Prozessen beteiligt, darunter beispielsweise:
- Energiegewinnung aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen
- Synthese lebenswichtiger Stoffe (z. B. Steroide)
- Zellatmung in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen
- Cholesterinstoffwechsel
Niacinamid unterstützt außerdem die Reparatur beschädigter DNA und spielt eine Rolle beim Zellschutz vor oxidativem Stress. Oxidativer Stress ist ein Ungleichgewicht zwischen freien Radikalen und Antioxidantien im Körper. Freie Radikale entstehen natürlicherweise beim Stoffwechsel. Durch schädliche Einflüsse wie Umweltgifte oder UV-Strahlen kann ihre Zahl jedoch zu hoch werden. Schutz vor solchen freien Radikalen ist wichtig, um Alterungsprozessen der Haut vorzubeugen. Insbesondere wegen seiner entzündungshemmenden, beruhigenden und barrierefördernden Eigenschaften wird Niacinamid oft in Produkten zur Pflege der Haut eingesetzt. So gilt Niacinamid bei der Hautkrankheit Rosacea als gut verträglicher Wirkstoff.
Niacinamid soll zudem porenverfeinernd wirken und wird von Dermatolog:innen für fettige Haut empfohlen. Studien zeigen, dass zwei- bis fünfprozentiges Niacinamid die Sebumproduktion reduziert. Die Poren verstopfen weniger und es entsteht ein ebenmäßigeres Hautbild. Dadurch wirken die Poren kleiner und weniger sichtbar.
Niacinamid hat sich darüber hinaus sowohl in der äußeren Anwendung (topisch) als auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln (oral) als hilfreich bei der Behandlung von Akne erwiesen. Es wirkt entzündungshemmend, was dazu beiträgt, Rötungen und entzündliche Pickel zu reduzieren. Zudem reguliert Niacinamid die Talgproduktion, wodurch weniger Hautfett produziert wird.
Hättest Du das über Niacinamid gewusst?
- Niacinamid bietet UV-Schutz
Studien zeigen, dass Niacinamid die natürlichen Abwehrkräfte der Haut stärkt, wenn sie der Sonne ausgesetzt ist. Normalerweise kann UV-Strahlung das Immunsystem der Haut schwächen – das heißt, die Haut kann sich nicht mehr so gut selbst schützen. Dieser Effekt steht mit der Entstehung von Hautkrebs in Verbindung. Niacinamid soll helfen, genau das zu verhindern. - Niacinamid bei fahler Haut
Du bist oft blass und hast eine fahle, gelbliche Gesichtshaut? Wenn das rein kosmetischer Natur ist, könnte Niacinamid helfen. Eine Studie hat gezeigt, dass der Wirkstoff einem gelblichen Teint entgegenwirkt. - Niacinamid als Medikament bei seltenen Erkrankungen
Die Hartnup-Krankheit ist eine seltene genetische Störung, bei der Aminosäuren nicht richtig aufgenommen werden – unter anderem wird dadurch auch weniger Niacin hergestellt. Niacinamid wird hier therapeutisch verabreicht, um neurologische und dermatologische Symptome zu lindern.
Tagesbedarf: Wie viel Niacinamid am Tag?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt keinen eigenständigen Tagesbedarf für Niacinamid an, sondern nur für Niacin insgesamt, da der Körper sowohl Niacinamid als auch Nicotinsäure verwerten kann – er kann sowohl Nicotinsäure in Niacinamid umwandeln als auch in geringerem Umfang Niacinamid in Nicotinsäure.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat eine Höchstmengenempfehlung für Niacinamid ausgesprochen – getrennt von Nicotinsäure, da letztere bei hohen Dosen Hautrötungen verursachen kann. 160 Milligramm Niacinamid gelten als sichere tägliche Dosierung für gesunde Erwachsene, zusätzlich zur Ernährung.
Ist Niacinamid Kosmetika zugesetzt, ist nicht mehr von Milligramm die Rede. Stattdessen wird die Konzentration des Wirkstoffs in Prozent angegeben. Normalerweise ist Niacinamid in Hautpflegeprodukten in einer Konzentration von 1 bis 5 Prozent enthalten. Übliche Formulierungen sind:
- Haarpflegemittel: 0,05 bis 0,5 %
- Hautpflege allgemein: 1 bis 5 %
- Anti-Aging-Creme: bis 5 %
- Anti-Cellulite-Cremes: 0,05 bis 0,5 %
- Produkte gegen unreine Haut: 4 %
- Hautaufhellende Mittel: 2–5 %
Es gibt auch Creme mit bis zu 10 Prozent Niacinamid für eine stärkere Wirkung, etwa in Bleichcremes. Grundsätzlich gilt: Bis 5 Prozent des Wirkstoffs gelten als sehr gut verträglich für fast alle Hauttypen. Ab 10 Prozent kann es bei sensibler Haut zu Irritationen kommen.
Darreichungsformen von Niacinamid
Möchtest Du Deine tägliche Niacinamid-Aufnahme durch Nahrungsergänzungsmittel unterstützen oder Deine Haut mit Niacinamid pflegen, stehen Dir verschiedene Darreichungsformen zur Verfügung. Wenn Du unsicher bist, welches Präparat das richtige ist, kannst Du Dich von Deinem Apotheker:in oder Deinen Ärzt:innen beraten lassen.
Niacinamid gibt es beispielsweise in folgenden Darreichungen – zum Teil als Kombipräparat mit anderen Vitaminen und Mikronährstoffen:
- Niacinamid-Tabletten
- Niacinamid-Kapseln
- Niacinamid-Creme
- Gesichtscreme mit Niacinamid
- Haarpflege mit Niacinamid
- Niacinamid-Lotionen
- Puder mit Niacinamid
Das BfR empfiehlt, bei Produkten mit einer Tagesdosis ab 16 Milligramm Niacinamid den Hinweis anzugeben, dass Schwangere auf die Einnahme solcher Produkte verzichten sollten.
Die Inhaltsstoffe von Kosmetika finden sich immer in englischer Sprache auf der Verpackung. Laut EU-Kosmetik-Verordnung müssen Kosmetikprodukte mit den internationalen INCI-Bezeichnungen gekennzeichnet sein. Eine deutsche Deklaration ist freiwillig. Wenn Du auf Deiner Creme den Hinweis auf „Niacinamide” findest, ist das nicht die Mehrzahl von Niacinamid, sondern die englische Bezeichnung des Stoffes.
Welche Lebensmittel haben am meisten Niacin?
In Lebensmitteln ist Niacin in zwei Formen enthalten: Nicotinsäure und Niacinamid. In tierischen Produkten ist eher Niacinamid vorhanden, in pflanzlichen eher Nicotinsäure. In Nährwerttabellen wird in der Regel nur „Niacin” angegeben, das beide Formen zusammenfasst. Niacinamid wird nicht extra aufgeführt. Wenn Du wissen möchtest, in welchen Nahrungsmitteln viel Niacin steckt, findest Du hier eine Übersicht.
In angereicherten Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln wird entweder Nicotinsäure oder Niacinamid zugesetzt, wobei letzteres häufiger Verwendung findet, da es besser verträglich ist.
Niacinamid spielt eine wichtige Rolle für die Hautbarriere – unter anderem, weil es die Ceramidproduktion in der Haut anregen kann. Ceramide sind hauteigene Lipide (Fette), die wie Kitt zwischen den Hautzellen liegen und dafür sorgen, dass die Haut Feuchtigkeit speichern kann und vor Umwelteinflüssen geschützt ist.
Niacinamid-Mangel: Ursachen & Symptome
Ein isolierter Niacinamid-Mangel ist praktisch nicht bekannt. Etwas anderes ist ein vollständiger Niacin-Mangel, der beide Nährstoffe umfasst.
Zu viel Niacinamid: Überdosierung
Generell gilt Niacinamid als sehr gut verträglich – auch bei sensibler Haut. Es kann bei topischer Anwendung in seltenen Fällen zu Nebenwirkungen kommen. Gleiches gilt, wenn Du beispielsweise die empfohlene Dosis von Niacinamid-Tabletten überschreitest. Mögliche Nebenwirkungen von Niacinamid sind:
- Rötungen, Kribbeln, Brennen (bei Anwendung auf der Haut)
- Magen-Darm-Beschwerden, reversible Leberschäden (bei langfristiger, oraler Überdosierung)
Das Risiko für Nebenwirkungen ist besonders hoch, wenn Du reines, hochdosiertes Vitamin C (L-Ascorbinsäure) zusammen mit Niacinamid verwendest. Du solltest daher entweder eine milde Form von Vitamin C (ein sogenanntes Derivat) verwenden, oder Du lässt etwas Zeit zwischen den Anwendungen vergehen.