Niacin: Wofür? Wie viel? Welche Funktion? Was beachten?
Niacin (Vitamin B3) ist zum Beispiel beteiligt an Deinem Energiestoffwechsel und am Nervensystem. Auch für die Psyche ist es von Bedeutung, da es zum Erhalt normaler psychischer Funktionen beiträgt. Eine ausreichende Niacin-Zufuhr trägt auch dazu bei, dass Deine Haut und Schleimhäute gesund bleiben. Das verdeutlicht bereits, wofür es gut ist, auf eine ausreichende Versorgung zu achten. Für den menschlichen Organismus gibt es zwei Wege der Niacin-Versorgung: Der Körper nimmt einerseits Niacin über tierische und pflanzliche Nahrungsmittel auf. Zusätzlich kann der Körper es selbst bilden. Dazu benötigt er die Aminosäure Tryptophan, die in eiweißreichen Lebensmitteln steckt. Zu den niacinreichen Lebensmitteln gehören beispielsweise Fisch, Fleisch, Innereien, Pilze, Kartoffeln und Brot. Hier kannst Du Dich ausführlich informieren, wofür Niacin (oder Vitamin B3) wichtig ist, wie viel Niacin am Tag empfohlen werden und welche Folgen ein Niacinmangel haben kann.
Was ist Niacin?
Niacin oder Vitamin B3 – was ist das genau: Niacin ist ein wasserlösliches Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine. Der Name Niacin umfasst mehrere chemisch eng verwandte Verbindungen und hat die früher gebräuchlichen Namen Vitamin B3 abgelöst. Die Bezeichnung Vitamin B3 gilt als veraltet und überholt.
Ist von Niacin die Rede, sind die Substanzen Nicotinsäure und Nicotinamid sowie daraus abgeleitete Verbindungen gemeint. Nicotinamid wird auch als Nicotinsäureamid oder Niacinamid bezeichnet. Der menschliche Stoffwechsel kann die beiden Vitaminformen Nicotinsäure und Nicotinamid ineinander umwandeln – je nachdem, in welcher Form er sie benötigt.
Niacin aus Lebensmitteln gelangt über den Verdauungstrakt, in erster Linie über den Dünndarm, in den Körper. Befindet sich das Vitamin B3 im Blut, wird es von allen Organen aufgenommen – insbesondere aber von der Leber. Sie speichert Niacin, bis es an anderer Stelle gebraucht wird. Nicht benötigte Endprodukte des Niacin-Stoffwechsels werden über den Harn ausgeschieden.
In tierischen Nahrungsmitteln liegt Niacin ungebunden und vornehmlich als Nicotinamid vor. Es ist zu fast 100 Prozent bioverfügbar für unseren Körper, kann also nahezu vollständig aufgenommen und verwertet werden. Bei pflanzlicher Nahrung sieht das anders aus: Hier ist Niacin – meist in Form von Nicotinsäure – überwiegend an andere große Moleküle gebunden und damit inaktiviert. Dadurch weist es nur eine Bioverfügbarkeit von etwa 30 Prozent auf.
Was sind Niacin-Äquivalente?
Neben dem Niacin in Lebensmitteln gibt es einen weiteren Stoff, der einen Beitrag zu unserer Niacin-Versorgung leistet: die Aminosäure Tryptophan. Leber und Nieren können Tryptophan in Niacin umwandeln. Tryptophan ist besonders in eiweißhaltigen Lebensmitteln wie magerem Fleisch, Innereien, Fisch, Milch und Eiern vorhanden. Schau dazu gern in unsere Tryptophan Lebensmittel Tabelle.
Um alle Niacin-Formen zu erfassen und die Mengen vergleichbar zu machen, die Deinem Körper zur Verfügung stehen, haben Fachleute den Begriff Niacin-Äquivalent eingeführt. Er bezieht sich auf Niacin aus der Nahrung und solches, das aus der Umwandlung von Tryptophan entsteht. Dabei entsteht aus etwa 60 Milligramm (mg) Tryptophan 1 mg Niacin.
Das bedeutet:
1 mg Niacin-Äquivalente = 1 mg Niacin = 60 mg Tryptophan
Forschende gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte des in Deinem Körper vorhandenen Niacins aus Tryptophan hergestellt wird.
Interessante Fakten zu Niacin
- Je stärker ausgemahlen, desto geringer der Niacin-Gehalt:
Niacin befindet sich im Getreide zum größten Teil (etwa 80 Prozent) in einer bestimmten Schicht der Körner, die sich zwischen Mehlkern und Schale befindet. Um Weißmehl herzustellen, wird jedoch die Schale entfernt und der Rest gemahlen. Deswegen ist der Niacin-Gehalt bei Weißbrot geringer als bei Vollkornbrot. - Niacinamid gegen Sommersprossen:
Studien haben gezeigt, dass Niacinamid bei mehrwöchiger Anwendung auf der Haut überpigmentierte Hautstellen, wie Altersflecken oder Sommersprossen, aufhellen kann. Der Effekt ist reversibel, also nicht dauerhaft – nach Einstellen der Anwendung kommen die dunkleren Flecken wieder. Das liegt daran, dass die durch Niacinamid beeinflussten Hautzellen, beispielsweise Pigmentzellen, durch die Behandlung nicht dauerhaft verändert werden. - Schlafsteuerer Tryptophan:
Dein Körper kann die essenzielle Aminosäure Tryptophan in Niacin umwandeln – das passiert allerdings nur, wenn die Menge der Aminosäure dafür ausreicht. Tryptophan braucht Dein Körper nämlich auch, um die Hormone Melatonin und Serotonin zu bilden, die unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus steuern.
Wozu ein Niacinmangel unter anderem führen kann, hat 1937 der Biochemiker Conrad Elvehjem zusammen mit einigen Kollegen gezeigt. Dabei interessierten sich die Wissenschaftler gar nicht für Menschen, sondern für Hunde. Sie wollten wissen, wie es kam, dass einige der Tiere eine schwarze Zunge bekamen. Schließlich gelang es den Biochemikern, Nikotinsäure und Nikotinamid zu isolieren. Sie gaben den Hunden das Niacin – und die schwarzen Zungen bildeten sich zurück. Damit legten die Forscher auch den Grundstein, um einen Niacinmangel bei Menschen, Pellagra genannt, zu behandeln.
Aufgaben und Funktionen: Wofür braucht der Körper Niacin?
Wofür braucht der Körper Niacin (Vtamin B3)? In Deinem Körper ist Niacin ein wichtiges Co-Enzym und als dieses ein Bestandteil von circa 200 Dehydrogenasen. Das sind Enzyme, die bei der Übertragung von Wasserstoff auf andere Moleküle mitwirken. Sie sind an verschiedenen Stoffwechselprozessen, aber auch an der Bildung lebensnotwendiger Substanzen für den Stoffwechsel beteiligt. Ohne Niacin wäre diese Vielzahl an Enzymen nicht richtig funktionsfähig.
Unter anderem unterstützt Niacin folgende Prozesse:
- Zellulärer Energiestoffwechsel
- Energiegewinnung, beispielsweise durch Glykolyse
- Funktionierendes Nervensystem
- Aminosäurestoffwechsel
- Kohlenhydratstoffwechsel
- Bildung von Steroiden (Grundgerüst von Hormonen oder Vitamine), Fettsäuren, Cholesterin
Die genannten Funktionen und Aufgaben sind wissenschaftlich gut untersucht. Einige Studien befassen sich damit, dass Niacin als Co-Enzym auch ein spezielles Enzym unterstützt, das an der Bildung von Grundbausteinen unserer Erbsubstanz, den Nukleotiden, beteiligt ist. Es müssen sich allerdings weitere Untersuchungen anschließen, um zu klären, ob ein möglicher Zusammenhang zwischen der Stabilität unseres Erbguts und der Niacin-Zufuhr besteht.
Gesundheitsbezogene Angaben: Health Claims von Niacin
Die Funktionen von Niacin wurden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wissenschaftlich bewertet. Auf dieser Grundlage hat die Europäische Union gesundheitsbezogene Angaben, sogenannte Health Claims, festgelegt. Hier findest Du die Health Claims von Niacin, wobei wir uns die aufgeführten Funktionen einmal genauer anschauen:
Niacin ist am Energiestoffwechsel beteiligt, indem es bestimmte Enzyme unterstützt, die wichtig sind, um Kohlenhydrate, Fette (Fettsäuren) und Aminosäuren umzubauen. Aminosäuren sind die Grundbausteine für Eiweiße. Damit zeigt sich die Verbindung von Niacin und einem funktionierenden Energiestoffwechsel.
Wenn der Körper über die Nahrung weder ausreichend Niacin erhält noch die Aminosäure Tryptophan, aus der er Niacin selbst herstellen kann, führt das zur Mangelerkrankung Pellagra. Diese Krankheit kann unter anderem neurologische Symptome durch geschädigte Nerven verursachen. Expert:innen sprechen von Polyneuropathie, bei der Nerven außerhalb des Rückenmarks und des Gehirns betroffen sind. Dies führt beispielsweise zu Problemen bei Bewegungsabläufen oder Kribbeln beziehungsweise Missempfindungen in Armen und Beinen. Diese Zusammenhänge belegen, dass Niacin an der normalen Funktion des Nervensystems beteiligt ist.
Durch einen Niacinmangel zeigen sich unter anderem psychische Beeinträchtigungen wie Depressionen, Apathie und Gedächtnisstörungen bis zu den Symptomen einer Demenz. Auch psychotische Probleme sind möglich, die sich zum Beispiel durch Anspannung oder Wahrnehmungsstörungen bemerkbar machen. Dementsprechend ist eine ausreichende Niacin-Zufuhr wichtig für eine normale psychische Funktion.
Die durch Niacin- und Tryptophan-Mangel ausgelöste Krankheit Pellagra verursacht unter anderem Veränderungen an der Haut. Dabei entwickelt sich ein pigmentierter Ausschlag an den Hautbereichen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Das belegt den Beitrag von Niacin in unserem Körper für den Erhalt einer normalen Haut.
Durch die Krankheit Pellagra, die durch einen kombinierten Mangel an Niacin und Tryptophan ausgelöst wird, können sich die Schleimhäute des gesamten Verdauungstrakts verändern. Dies führt zu Erbrechen, Verstopfung oder Durchfall und einer hellroten Zunge. Eine ausreichende Niacin-Zufuhr hingegen wirkt an der Erhaltung normaler Schleimhäute mit.
Zu den Symptomen der Niacin-Mangelkrankheit Pellagra gehören auch Müdigkeit und Ermüdung. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine ausreichende Niacin-Zufuhr zur Verringerung dieser Symptome beiträgt.
Hättest Du das über Niacin gewusst?
- Nicotinsäure zur äußeren Anwendung:
Nicotinsäure wirkt gefäßerweiternd und wird daher mitunter bei Massagen und physio-therapeutischen Behandlungen eingesetzt. Es soll die Durchblutung der Haut verbessern. - Niacin besser verfügbar im „ausgelaugten“ Mais:
Unter anderem in Mais und Hirse liegt Niacin in einer Verbindung vor, die es dem Körper schwer macht, das Vitamin zu verwerten. Bei einer einseitigen Ernährung mit diesen Lebensmitteln, wie es beispielsweise in manchen afrikanischen Ländern und in Zentralamerika der Fall ist, steigt daher das Risiko für einen Niacinmangel. Die biologische Verfügbarkeit der Nicotinsäure kann jedoch durch eine Behandlung des Getreides mittels einer Kalklauge nach der Ernte erheblich gesteigert werden. Das wird zum Beispiel in Mexiko gemacht, wodurch der Niacinmangel dort sehr selten geworden ist. - Pellagra = raue Haut:
Die Niacin-Mangelkrankheit wird Pellagra genannt und bekam ihren Namen im 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit tauchte sie erstmals in Italien auf. Der Mangel löst unter anderem Hautprobleme aus. Im Italienischen heißt Haut „pella“ und rau „agra“ – so ergab sich zusammengezogen die Bezeichnung Pellagra.
Tagesbedarf: Wie viel Niacin am Tag?
Wie viel Niacin pro Tag brauchen wir? Bei dieser Frage helfen die Referenzwerte der Fachgesellschaften D-A-CH von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie bestimmen gemeinsam die empfohlenen Mengen für die tägliche Zufuhr von Nährstoffen und Energie.
Der Niacin-Tagesbedarf richtet sich nach Alter, Geschlecht und Energieverbrauch. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist der Bedarf unter Jungen und Männern am höchsten bei männlichen Jugendlichen im Alter von 15 bis unter 19 Jahren mit 17 Milligramm (mg) Niacin-Äquivalenten pro Tag. Bei Jungen steigert sich der Bedarf kontinuierlich von 8 mg Niacin-Äquivalenten bei einjährigen Kindern bis zu diesem Wert. Danach sinkt der Bedarf mit dem Alter leicht ab.
Bei Frauen ist der Bedarf am höchsten in der Schwangerschaft und Stillzeit. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel wird eine Zufuhr von 14 mg Niacin-Äquivalenten pro Tag empfohlen. Im dritten Trimester und während der Stillzeit ist der Bedarf mit 16 mg Niacin-Äquivalenten pro Tag noch etwas erhöht. Ansonsten ist auch hier die Tendenz wie bei männlichen Kindern und Erwachsenen, kontinuierliche Zunahme des Bedarfs an Niacin-Äquivalenten bis zum Alter als junge Erwachsene. So erhöht sich bei Frauen und Mädchen der tägliche Bedarf ansteigend von 8 mg Niacin-Äquivalenten bei einjährigen Kindern bis zu 13 mg Niacin-Äquivalenten für die Altersstufe von 13 bis unter 25 Jahren.
Bei Männern ab 25 Jahren bis unter 65 Jahren liegt der Tagesbedarf bei 15 mg Niacin-Äquivalenten und ab 65 Jahren bei 14 mg Niacin-Äquivalenten. Der Bedarf bei Frauen zwischen 25 und unter 51 Jahren wird auf 12 mg Niacin-Äquivalenten pro Tag und ab 51 Jahren oder älter auf 11 mg Niacin-Äquivalenten pro Tag geschätzt.
In der Schwangerschaft findet eine erhöhte Umwandlung von Tryptophan in Niacin statt. Da schwangere Frauen jedoch gleichzeitig einen erhöhten Energiebedarf haben, kompensiert die höhere Tryptophan-Umwandlung diesen Bedarf nicht vollständig. Daher empfiehlt die DGE eine erhöhte täglichen Zufuhr von Niacin ab dem 4. Monat.
Niacin: Referenzwerte
| Alter | Niacin mg-Äquivalentea/Tag |
|
|---|---|---|
| m | w | |
| Säuglinge | ||
| 0 bis unter 4 Monateb | 2 | |
| 4 bis unter 12 Monatec | 5 | |
| Kinder und Jugendlichec | ||
| 1 bis unter 4 Jahre | 8 | |
| 4 bis unter 7 Jahre | 9 | |
| 7 bis unter 10 Jahre | 11 | 10 |
| 10 bis unter 13 Jahre | 13 | 11 |
| 13 bis unter 15 Jahre | 15 | 13 |
| 15 bis unter 19 Jahre | 17 | 13 |
| Erwachsenec | ||
| 19 bis unter 25 Jahre | 16 | 13 |
| 25 bis unter 51 Jahre | 15 | 12 |
| 51 bis unter 65 Jahre | 15 | 11 |
| 65 und älter | 14 | 11 |
| Schwangered | ||
| 2. Trimester | 14 | |
| 3. Trimester | 16 | |
| Stillendee | 16 | |
|
a1 mg Niacin-Äquivalente = 1 mg Niacin = 60 mg Tryptophan bSchätzwert, der sich auf vorgebildetes (in der Nahrung befindliche) Niacin bezieht. cZugrunde gelegt wurden die alters- und geschlechtsspezifischen Richtwerte für die Energiezufuhr. dUnter Berücksichtigung des Richtwerts für Frauen von 19 bis unter 25 Jahren (PAL-Wert 1,4) und Zulage von 250 kcal/Tag während des 2. Trimesters und von 500 kcal/Tag während des 3. Trimesters der Schwangerschaft. eUnter Berücksichtigung des Richtwerts für Frauen von 19 bis unter 25 Jahren (PAL-Wert 1,4) und Zulage von 500 kcal/Tag für ausschließliches Stillen während der ersten 4 bis 6 Monate. |
||
In Deutschland wird die Bedarfsdeckung mit Niacin als sehr gut angesehen. Die mittlere Zufuhr von Niacin-Äquivalenten liegt bei allen Altersgruppen deutlich über der von der DGE empfohlenen Zufuhr. So konnte die Nationale Verzehrstudie zeigen, dass Männer im Alter von 15 bis 80 Jahren durchschnittlich 34 mg Niacin-Äquivalente pro Tag und Frauen in dieser Altersgruppe etwa 25 mg Niacin-Äquivalente täglich aufnehmen.
Niacin-Bedarf decken
Fast alle Nahrungsmittel tragen zur Deckung des Bedarfs von Niacin bei – in mehr oder weniger großen Mengen. Die größte Menge an Niacin benötigen männliche Jugendliche im Alter von 15 bis unter 19 Jahren. Mit einer abwechslungsreichen Ernährung kannst Du diesen Wert gut erreichen, zum Beispiel, wenn Du täglich diese Lebensmittel kombinierst:
- 25 g Erdnüsse (eine Handvoll) und 100 g gegarte Sardine
- 50 g gebratene Champignons, 100 g Vollkornbrot (etwa 2 Scheiben) und 100 g gebratene Putenbrust
Niacin: Wo enthalten?
In welchen Lebensmitteln ist Niacin (Vitamin B3) enthalten? Niacin oder Vitamin B3 kommt sowohl in pflanzlichen als auch tierischen Nahrungsmitteln vor. Besonders niacinhaltig sind Fisch, Fleisch und Innereien. Bei den pflanzlichen Lebensmitteln mit Niacin punkten Mungobohnen, Erdnüsse und Pilze. Mit Blick auf unsere Essgewohnheiten in Deutschland steuern vor allem Fisch, Fleisch, Kartoffeln, Brot- und Backwaren, Kaffee, Bier, Milch und Milchprodukte zur Niacin-Versorgung bei.
Dies sind die Top-Niacin-Lieferanten unter den Lebensmitteln:
Das Erhitzen oder Kochen von Lebensmitteln verringert den Niacingehalt kaum, da das Vitamin recht hitzestabil ist. Allerdings geht ein Teil in das Kochwasser über – wie es bei wasserlöslichen Vitaminen immer der Fall ist. Um die Verluste klein zu halten, kannst Du das Kochwasser weiterverwerten, zum Beispiel für Soßen. Generell lässt sich ein Verlust von Niacin durch Kühlung bei Frischeprodukten und dunkle Lagerung bei Getreideprodukten vermeiden. Schätzungen zufolge gehen im Durchschnitt etwa 10 Prozent des Niacingehalts durch Erhitzen, Kochen oder längere Lagerung verloren.
Niacinmangel: Ursachen & Symptome
Wie äußert sich ein Niacinmangel – und wodurch wird er verursacht? Bei uns in Deutschland sowie in anderen Industrieländern tritt nur selten ein ernährungsbedingter Niacinmangel auf. Die Ursache eines Mangels liegt meistens in einer Erkrankung, die die Zufuhr, Verwertung oder den Stoffwechsel von Niacin und/oder Tryptophan erschwert. Es gibt aber auch andere Auslöser wie zum Beispiel Wechselwirkungen mit Medikamenten.
Zu den Risikofaktoren für einen Niacinmangel gehören:
- Hartnup-Krankheit: angeborene Stoffwechselkrankheit mit gestörter Aufnahme von Tryptophan
- Karzinoid-Syndrom: verringerte Umwandlung von Tryptophan in Niacin durch Tumorbildung
- Alkoholmissbrauch
- Leberzirrhose (chronische Lebererkrankung)
- Chronischer Durchfall oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn
- Magersucht
- Medikamentöse Störung des Nicotinsäurestoffwechsels
Zu den Medikamenten, die einen Niacinmangel bei längerfristiger Einnahme hervorrufen können, gehören beispielsweise bestimmte Psychopharmaka, Antidiabetika (bei Diabetes mellitus), Antiepileptika (gegen epileptische Anfälle), Immunsuppressiva (zur Unterdrückung immunologischer Reaktionen) oder Analgetika (Schmerzmittel).
Niacinmangel Symptome
Zu den ersten Symptomen eines Niacinmangels zählen:
- Körperliche Abgeschlagenheit
- Appetitverlust
- Verdauungsstörungen
Dauert die eingeschränkte Zufuhr von Niacin und Tryptophan länger an, kann dies zur Niacin-Mangelkrankheit Pellagra führen.
Im späteren Stadium der Niacin-Mangelkrankheit Pellagra treten folgende Symptome auf:
- Funktionsstörungen des Gehirns (wie Halluzinationen, Apathie, Demenz)
- Depression
- Sonnenbrandähnliche Hautveränderungen der Areale, die der Sonne ausgesetzt sind
- Durchfall, Übelkeit, Erbrechen
- Schleimhautveränderungen im gesamten Verdauungstrakt (inklusive Mund, Zunge, Rachen, Speiseröhre)
Eine unbehandelte Pellagra kann zu Multiorganversagen und damit zum Tod führen.
Menschen, die unter einem Mangel an Niacin leiden, sind häufig auch von einem Mangel an weiteren B-Vitaminen wie Riboflavin oder Vitamin B6 betroffen. Dies entsteht durch eine gegenseitige Abhängigkeit. So wird beispielsweise durch ein starkes Riboflavin-Defizit (Riboflavin = Vitamin B2) der Niacin-Stoffwechsel gehemmt.
Niacin: Darreichungsformen
Möchtest Du Deine tägliche Niacin-Aufnahme durch Nahrungsergänzungsmittel unterstützen, stehen Dir unterschiedliche Darreichungsformen zur Verfügung. Apotheker:innen oder Ärzt:innen beraten Dich, wenn Du Unterstützung bei der Auswahl des geeigneten Präparates brauchst.
Niacin liegt zum Beispiel in folgenden Darreichungsformen vor – zum Teil als Kombinationspräparat mit anderen Vitaminen und Mikronährstoffen:
- Niacin-Tabletten
- Niacin-Kapseln
- Niacin-Granulat (zum Beispiel als Direkt- oder Heißgetränkgranulat)
- Niacin-Kautabletten (für Kinder beispielsweise als weiches Toffee)
- Niacin-Spray
- Niacin-Lösung (etwa als Trinkfläschchen)
- Niacin-Tropfen
Zu viel Niacin: Überdosierung
Wie viel Niacin ist schädlich? Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig, zwischen den beiden Niacin-Formen Nicotinamid und Nicotinsäure zu unterscheiden.
Eine erhöhte Aufnahme von Nicotinamid führt nur selten zu Nebenwirkungen. Gelegentlich kommt es zu Magen-Darm-Beschwerden. Insgesamt stufen Fachleute das Risiko für die Verwendung von Nicotinamid selbst bei Einnahme hoher Dosen als gering ein.
Höhere Dosen von Nicotinsäure können hingegen zu verschiedenen Beschwerden führen. Da diese Substanz eine gefäßerweiternde Wirkung aufweist, ist das Auftreten eines sogenannten Flushs charakteristisch. Dabei kommt es zu einer anfallsartigen Rötung besonders im Gesicht und Halsbereich mit Hitzegefühl an den betroffenen Stellen. Oft juckt zudem die Haut und es bilden sich Quaddeln. Bei höheren Dosen über einen längeren Zeitraum sind Störungen im Magen-Darm-Trakt wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Schäden an der Leber möglich.
Bei einer normalen Ernährung mit üblichen Lebensmitteln werden keine zu hohen Niacin-Mengen verzehrt, die die beschriebenen Nebenwirkungen auslösen. Nur wenn Niacin in Form von Nährstoffpräparaten oder angereicherten Lebensmitteln in Mengen zugeführt wird, die über der empfohlenen Zufuhr liegen, kann dies zu unerwünschten Nebeneffekten führen.
Niacin: Höchstmengen
In Deutschland ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) verantwortlich, die Höchstmengen von Vitaminen und Mineralstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln vorzuschlagen. Diese Angaben werden in regelmäßigen Abständen überprüft. Sie helfen Dir, eine Überdosis zu vermeiden.
Die beiden chemisch verwandten Substanzen Nicotinamid und Nicotinsäure dürfen Lebensmitteln als Niacin-Quelle zugesetzt werden. Aufgrund ihrer Besonderheiten hat das BfR eine getrennte Empfehlung für die Höchstmengen der verschiedenen Niacinformen herausgegeben.
Für Nicotinamid gibt das BfR eine Höchstmenge von 160 Milligramm pro Tag in Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) an. Es empfiehlt, bei Produkten mit einer Tagesdosis ab 16 Milligramm Nicotinamid den Hinweis anzugeben, dass Schwangere auf die Einnahme solcher Produkte verzichten sollen. Für feste Lebensmittel wird eine Höchstmenge von 37 Milligramm Nicotinamid pro 100 Gramm und für Getränke eine Höchstmenge von 10 Milligramm Nicotinamid pro 100 Milliliter vorgeschlagen.
Für Nicotinsäure gelten deutlich geringere Höchstmengen. Nahrungsergänzungsmitteln sollten höchstens 4 Milligramm Nicotinsäure als Tagesverzehrempfehlung zugesetzt werden. Eine Anreicherung von sonstigen Lebensmitteln wird nicht empfohlen.
Die genannten tolerierbaren Zufuhrmengen pro Tag gelten nicht für die Einnahme von Niacin als Arzneimittel für medizinische Zwecke. Nicotinsäure kommt beispielsweise bei bestimmten Fettstoffwechselstörungen zum Einsatz.