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Burnout-Phasen: Alles über den Verlauf eines Burnouts

Ein Burnout-Syndrom oder das Gefühl ausgebrannt zu sein, entsteht nicht plötzlich von heute auf morgen, sondern schleichend über einen langen Zeitraum. Der deutsch-amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger entwickelte ein theoretisches Phasenmodell, um den schleichenden Prozess eines Burnout-Syndroms darzustellen. Auch der deutsche Psychologe Prof. Dr. Matthias Burisch arbeitete ein Burnout-Phasenmodell aus, das jedoch nur sieben Stufen umfasst.

Hier erfährst Du, welche Risikofaktoren dazu beitragen, dass Betroffene ein Burnout entwickeln, und was die verschiedenen Phasen kennzeichnet.

 

Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht ein Burnout-Syndrom?

Die Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung eines Burnouts sind vielfältig und individuell. Oft sind Menschen betroffen, die perfektionistisch eingestellt sind, hohe Ansprüche an sich selbst stellen und das Gefühl haben, für alles verantwortlich zu sein. Sie sehnen sich nach Anerkennung und Wertschätzung durch ihre Umwelt, vernachlässigen aber ihre eigenen psychischen und körperlichen Bedürfnisse und deren Grenzen. Es wird zwischen zwei Risiko-Typen unterschieden: Menschen mit einem eher schwachen Selbstbewusstsein können betroffen sein, aber auch sehr ehrgeizige, dynamische und zielstrebige Menschen, die viel im Leben erreichen wollen.

Im Fokus steht bei Betroffenen die eigene Leistungsfähigkeit bei der Arbeit und im Alltag. Wenn im Laufe der Zeit die Ansprüche und Erwartungen nicht zu 100 Prozent erfüllt werden, entsteht aus Euphorie irgendwann Frustration und Resignation. Eine innere Leere und Erschöpfung machen sich breit. Es gibt verschiedene innere und äußere Risikofaktoren, die zur Entstehung eines Burnouts beitragen können:
 

Innere Risikofaktoren:

  • Eigene Bedürfnisse werden den gesetzten Zielen und Erwartungen anderer untergeordnet.
  • Eigene zu hochgesteckte Ziele sind unrealistisch in der Umsetzung.
  • Das eigene Selbstbild hängt von einer einzigen zugeschriebenen Rolle ab (z. B. Hausfrau, Manager:in. Pfleger:in).
  • Das eigene Handeln wird angezweifelt.
  • Hohe Erwartungshaltung an Wertschätzung, Anerkennung, Dankbarkeit und Belohnung beim Erreichen eines Ziels.
  • Nein-Sagen ist nicht möglich. Es besteht die Schwierigkeit, anderen Menschen oder seinem inneren Antreiber eine Absage zu erteilen.

 

Äußere Risikofaktoren:

  • Veränderung der Lebensumstände (Jobwechsel, Studienanfang, Trennung).
  • Erhoffte Veränderungen finden nicht statt (Gehaltserhöhung, Beförderung, Jobwechsel).
  • Stress im Job oder Alltag.
  • Arbeitsüberlastung, Mangel an Kontrolle und Autonomie.
  • Mangelnde Anerkennung, Gerechtigkeit und Belohnung.
  • Konflikte mit Kolleg:innen und Vorgesetzten.
  • Fehlende Unterstützung im Alltag und Privatleben.
  • Konflikt zwischen eigenen Wertvorstellungen und Anforderungen von außen.

 

Phasenmodell nach Herbert Freudenberger und Gail North

Der Psychologe und Psychoanalytiker Herbert Freudenberger (1927 – 1999) entwickelte mit seiner Kollegin Gail North ein zwölfstufiges Phasenmodell über den Verlauf des Burnout-Syndroms. Freudenberger wird generell als Begründer des Begriffs „Burnout“ angesehen. Im Jahr 1974 veröffentlichte er eine Schrift mit dem Titel „Stuff Burn Out“, in der die vielen Burnout-Symptome wie z. B. ein Gefühl der Verausgabung, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Infektanfälligkeit, Schlafstörungen, emotionale Schwäche, sozialer Rückzug und ein unflexibles Denken beschrieben wurden.

Das von Freudenberger und North zwölfphasige Modell skizziert einen möglichen Burnout-Verlauf mit den charakteristischen Symptomen. Die Reihenfolge der zwölf Stufen spielt dabei eine untergeordnete Rolle, denn bei jedem Menschen treten Burnout-Symptome individuell verschieden auf.

 

12 Phasen nach Freudenberger und North:

  • Phase 1: Die erste Phase zeichnet sich durch Perfektionismus und einen ausgeprägten Ehrgeiz aus. Bei Betroffenen besteht der Zwang, sich selbst und anderen Personen etwas beweisen und alle Anforderungen besonders gut bewerkstelligen zu müssen. Es besteht auch die Befürchtung, man könne nicht mehr als 100 Prozent geben.
  • Phase 2: Diese Phase ist eine erweiterte Version der ersten Phase. Betroffene zeigen ein ausgeprägtes Leistungsstreben, setzen sich verstärkt ein und geben alles. Es besteht dabei das Gefühl, alles selbst erledigen und anstehende Aufgaben im hohen Tempo bearbeiten zu müssen. Aufgaben zu delegieren oder Nein-Sagen fällt schwer.
  • Phase 3: Die dritte Phase ist gekennzeichnet dadurch, dass aufgrund der Überarbeitung eigene Bedürfnisse ignoriert und vernachlässigt werden. Der berufliche (stressige) Istzustand wird als normal und noch als angenehm betrachtet. Soziale Bedürfnisse und Kontakte werden der Arbeit untergeordnet. Kolleg:innen, die ihre eigenen (sozialen) Bedürfnisse berücksichtigen, werden manchmal abgewertet. In dieser Phase entwickelt sich langsam ein ungesunder Lebensstil und es können schon kleinere Fehlleistungen und Flüchtigkeitsfehler auftreten.
  • Phase 4: Im vierten Stadium werden eigene Bedürfnisse, zunehmende Konflikte und Probleme mit Kolleg:innen oder Partner:innen übergangen und verdrängt. Es können erste körperliche Beschwerden und Schlafstörungen auftreten, die ebenfalls überspielt oder nicht wahrgenommen werden. Nun treten auch Fehlleistungen öfter zutage. Betroffene kommen häufiger zu spät zur Arbeit, vergessen Termine und ihnen unterlaufen immer mehr Flüchtigkeitsfehler.
  • Phase 5: In diesem Abschnitt verändert sich die eigene Wahrnehmung, es kommt zu einer Umdeutung von persönlichen Wertvorstellungen. Der eigene Horizont verengt sich zunehmend. Die Veränderungen äußern sich darin, dass Betroffene immer mehr abstumpfen, berechnende Verhaltensweisen zeigen und sich nur noch auf die Gegenwart konzentrieren. Einst wichtige Personen und zwischenmenschliche Beziehungen treten in den Hintergrund – es zählt nur noch die Arbeit.
  • Phase 6: Im sechsten Stadium verleugnen Betroffenen ihre Probleme und zeigen sich immer verbitterter, zynischer und härter in ihrem Verhalten. Sie sind ungeduldig, intolerant und pflegen einen leicht aggressiven Umgangston. Sie kapseln sich ab und ziehen sich immer mehr zurück. Die körperlichen Beschwerden zeigen sich deutlich und auch die Leistungsfähigkeit ist inzwischen ersichtlich reduziert.
  • Phase 7: Charakteristisch für diese Phase ist der soziale Rückzug. Partner, Kinder, Familie und Freunde werden vernachlässigt und als Belastung oder gar als feindlich empfunden. Betroffene ertragen keine Kritik, fühlen sich orientierungslos und eine Hoffnungslosigkeit macht sich breit. Bei der Arbeit erledigen sie nur noch das Nötigste und machen Dienst nach Vorschrift. Kontakte werden auf ein Minimum reduziert.
  • Phase 8: In der achten Stufe zeigen Betroffene eine deutliche Veränderung ihres Verhaltens. Ihnen ist nun alles egal und sie entwickeln paranoide Tendenzen in dem Sinne, dass sie alle Begebenheiten als eine Art Angriff empfinden. Jede zusätzliche Anforderung im Beruf und Alltag wird immer belastender, sodass nur noch Ausflüchte den Druck nehmen können. Es besteht ein fortschreitendes Gefühl der Wertlosigkeit und auch Ängste nehmen in diesem Stadium zu.
  • Phase 9: Die Situation spitzt sich in Phase neun dahingehen zu, dass Betroffene das Gefühl haben, nicht mehr sie selbst zu sein und nur noch wie eine Maschine zu funktionieren. Es findet eine sogenannte Depersonalisierung durch Kontaktverlust zu sich selbst und anderen Menschen statt. Das Leben wird als sinnlos empfunden und auf die eigene Gesundheit wird auch nicht mehr achtgegeben.
  • Phase 10: In diesem Stadium steht ein Gefühl der inneren Leere im Vordergrund. Betroffene fühlen sich mutlos, ausgezehrt, nutzlos, ängstlich und panisch. Es können Panikattacken auftreten und auch Phobien zeigen sich möglicherweise. Das leere Gefühl soll durch Ersatzbefriedigungen überspielt werden, z. B. durch Sexualität, Essen, Alkohol oder andere Drogen.
  • Phase 11: Depressionen sind in der elften Phase charakteristisch. Betroffene zeigen depressive Symptome wie eine tiefe Müdigkeit und Erschöpfung, Gleichgültigkeit, Hoffnungslosigkeit, Antriebsschwäche. Sie sind verzweifelt und voller Selbsthass. Suizidgedanken sind allgegenwärtig, sie hegen einfach nur noch den Wunsch, nie mehr aufwachen zu müssen.
  • Phase 12: In der letzten Phase kommt es letztendlich zum körperlichen, psychischen und emotionalen Zusammenbruch. Es besteht eine völlige Erschöpfung und der Suizid wird oft als Ausweg aus der hoffnungslosen Situation gesehen. Es handelt sich um einen Notfall, der sofortiger Hilfe bedarf.

 

Phasenmodell nach Prof. Dr. Matthias Burisch

Der deutsche Psychologe und Gründer des Burnout-Institut Norddeutschland (BIND) Prof. Dr. Matthias Burisch untersuchte ebenfalls das Burnout-Syndrom und entwickelte ein Phasenmodell: Nach einer Anfangsphase folgen sieben Burnout-Stadien mit charakteristischen depressiven und körperlichen Symptomen. Dabei sei wie bei dem Modell von Freudenberger und North zu erwähnen, dass nicht jeder Betroffene jede dieser Phasen durchleben muss:

  • In der Anfangs- und ersten Phase treten Anzeichen der Erschöpfung auf. Zunächst geraten Betroffene u. a. unter permanenten Zeitdruck, fühlen sich unentbehrlich und verdrängen ihre eigenen Bedürfnisse. Dann folgen Symptome wie Rastlosigkeit, Schlafmangel, ein erhöhtes Unfallrisiko sowie eine Anfälligkeit für Infekte und psychosomatische Erkrankungen.
  • In der zweiten Phase reduzieren Betroffene ihr Engagement im Beruf und Alltag. Sie haben ihren Job „innerlich“ gekündigt, kommen zu spät zur Arbeit, machen viele Pausen und verabschieden sich früh in den Feierabend. Auch das Familienleben ist betroffen. Ohne Gegenleistung werden hohe Ansprüche an den Partner oder die Partnerin gestellt und nur noch wenig Geduld den Kindern gegenüber aufgebracht.
  • Die dritte Burnout-Phase ist geprägt von emotionalen Reaktionen. Das können depressive Symptome, aggressive Reaktionen oder Schuldzuweisungen sein. Wenn Betroffene irgendwann feststellen, dass ihre Wünsche nicht der Realität entsprechen und ihr übersteigertes Engagement „umsonst“ war, entsteht Frustration. Der Frust richtet sich entweder gegen sich selbst, dann fühlen sich Betroffene wie Versager und reagieren eher mit depressiven Symptomen wie Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit und eine reduzierte Leistungsfähigkeit. Entlädt sich der Frust aber gegen andere Personen oder Umstände, tritt eher ein aggressives Verhalten wie schlechte Laune, Zorn und Reizbarkeit zutage.
  • In der vierten Phase kommt es zu einer deutlich schwindenden Leistungsfähigkeit aufgrund von fehlender Motivation und einer immer stärker werdenden emotionalen Erschöpfung. Betroffene sind nicht mehr in der Lage, komplexe Aufgaben zu bewerkstelligen und Entscheidungen zu treffen, vergessen Termine und ihnen unterlaufen Flüchtigkeitsfehler. Sie erledigen nur noch Aufgaben nach Vorschrift und auch die Kreativität kommt immer mehr abhanden.
  • Phase fünf ist gekennzeichnet durch ein gesteigertes Desinteresse, emotionalen Rückzug und Langeweile. Der Energiemangel macht sich zunehmend bemerkbar. Betroffene ziehen sich immer mehr vom sozialen Umfeld zurück, gehen nicht mehr ihren Hobbys nach und werden gleichgültiger. Mit der Zeit werden sie immer einsamer.
  • In der sechsten Phase treten erste psychosomatische Beschwerden auf. Aufgrund der psychischen Belastung können also körperliche Erkrankungen und Probleme entstehen, die sich manchmal allerdings auch schon zu Beginn des schleichenden Burnout-Prozesses bemerkbar machen können. Zu den körperlichen Symptomen gehören z. B. Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Albträume, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Beschwerden (Herzklopfen, Engegefühle im Brustbereich), Magen-Darm-Probleme (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall), sexuelle Probleme, Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust, eine erhöhte Infektanfälligkeit sowie ein erhöhter Konsum von Genussgiften wie Alkohol und Nikotin.
  • In der letzten (siebten) Phase des Burnout-Syndroms stehen Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung von Betroffenen im Vordergrund. Sie befinden sich in einer schweren Burnout-Depression und sehen keinen Sinn mehr in ihrem Leben. Nichts bereitet mehr Freude, es besteht eine totale innere Leere und Gleichgültigkeit bis hin zum Zusammenbruch.

 

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