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Durchfall (Diarrhö): Ursachen, Symptome, Behandlung und Hausmittel

Durchfall kann nicht nur schmerzhaft sein, außerhalb der eigenen vier Wände kann er Betroffene auch in unangenehme oder als peinlich empfundene Situationen bringen. Darüber hinaus ist länger anhaltender Durchfall auch eine ernstzunehmende Gefahr für den Flüssigkeitshaushalt und die Versorgung des Körpers mit Nährstoffen.

Flüssiger Stuhl kann akut und plötzlich aber auch chronisch auftreten. Es gibt viele verschiedene Erkrankungen und Störungen im Dünn- oder Dickdarm, die breiige bis dünnflüssige Darmentleerungen verursachen können. Je nach Ursache werden akute oder chronische Durchfälle entsprechend behandelt. Zudem gibt es viele Hausmittel, die zur Therapie oder Prävention zum Einsatz kommen können.

Was genau verstehen Mediziner:innen unter Durchfall? Welche Ursachen, Risikofaktoren und Symptome gibt es? Welche Möglichkeiten der Behandlung stehen Dir zur Verfügung und was kannst Du im Alltag noch tun, wenn sich der Verdauungstrakt in Aufruhr befindet? Hier bekommst Du alle wichtigen Informationen zum Thema Durchfall.

 

Was ist Durchfall?

Der medizinische Begriff für Durchfall lautet Diarrhö oder auch Diarrhoe. Wie häufig wir am Tag die Toilette aufsuchen, ist individuell verschieden, die Spannbreite ist groß. Bis zu drei Mal täglich oder mindestens drei Mal wöchentlich gelten als "normal".

Laut der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) liegt Durchfall vor, wenn der dünnflüssige, ungeformte Stuhl bei Erwachsenen mehr als dreimal täglich auftritt und / oder das Stuhlgewicht über 250 Gramm pro Tag beträgt. Wenn von “normaler” Konsistenz des Stuhls die Rede ist, dann ist ein geformter Stuhl gemeint. Bei Durchfall ist die Beschaffenheit weicher, breiig oder sogar flüssig. Der Wasseranteil des Stuhls kann bei über 75 Prozent liegen.

 

Häufigkeit von Durchfallerkrankungen

Durchfallerkrankungen sind sehr verbreitet: In Deutschland leidet statistisch gesehen jeder dritte Erwachsene durchschnittlich einmal im Jahr über einige Tage unter Durchfall. Kinder sind sogar noch häufiger betroffen. In der kalten Jahreszeit treten Durchfallerkrankungen scheinbar öfter auf als in den Sommermonaten – insbesondere bei jüngeren Menschen.

 

Schweregrade bei Durchfallerkrankungen

Mediziner:innen unterscheiden drei Schweregrade bei Durchfallerkrankungen. Es gibt einen milden Verlauf ohne körperliche Beeinträchtigung, einen moderaten Verlauf mit Beeinträchtigungen im Alltag und schwere Verlaufsformen mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen.

 

Akuter Durchfall, anhaltender Durchfall und chronischer Durchfall

Auch hinsichtlich der Dauer von Durchfall differenzieren Mediziner:innen zwischen drei Formen von Diarrhö.

  1. Akute Diarrhö kann bis 14 Tage andauern. Die akute Verlaufsform wird meistens durch bakterielle oder virale Infektionen ausgelöst.
  2. Anhaltende Diarrhö dauert zwischen zwei bis vier Wochen an.
  3. Chronische Durchfälle setzen sich auch nach vier Wochen fort. Chronische Diarrhö ist oft ein Symptom von einer Grunderkrankung oder Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Im Rahmen einer akuten Verlaufsform wird außerdem zwischen einer entzündlichen und einer nicht-entzündlichen Diarrhö unterschieden.

 

Ätiologie: Wie entsteht Durchfall

Verschiedene Mechanismen können in unserem Körper Durchfälle auslösen. Mediziner:innen differenzieren zwischen fünf Prozessen, die bei der Entstehung von Diarrhö eine Rolle spielen:

  1. Osmotische Diarrhö: Bei dieser Form entstehen die flüssigen Stühle aufgrund von Nahrungsbestandteilen (Kohlenhydrate, Stärke), Medikamenten oder anderen Stoffen, die unverdaut in den Dickdarm gelangen. Können die Stoffe (osmotisch wirkende Substanzen) nicht vom Darm aufgenommen (resorbiert) werden, fließt vermehrt Flüssigkeit durch die Darmschleimhaut (intestinale Mukosa) in das Innere unseres Darms. Der Darminhalt wird so lange verdünnt, bis der Brei wässrig ist und ausgeschieden wird. Das Einströmen von Flüssigkeit in den Darm wird auch von bestimmten Abführmitteln erwirkt. Eine osmotische Diarrhö tritt oft begleitend zu einer Laktoseintoleranz auf.
  2. Sekretorische Diarrhö: Bakterien und deren Giftstoffe (Toxine), Viren, Parasiten (Protozoen), Medikamente (Abführmittel) oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa können diese Form von wässrigem Durchfall auslösen. Die Darmschleimhaut sondert in dem Prozess aktiv Wasser in das Innere des Darms ab und verflüssigt so den Darminhalt.
  3. Exsudativ-entzündliche Diarrhö: Eine Exsudation beschreibt den entzündlich bedingten Austritt von Schleim oder Blutbestandteilen aus den Kapillaren in das umliegende Gewebe. Bei einem exsudativen Durchfall führen z. B. eine durch Bakterien oder Parasiten hervorgerufene Entzündung der Darmschleimhaut, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa dazu, dass die Mukosa vermehrt Schleim und unter Umständen auch Blut absondert. Sowohl der Schleim und auch Blut werden dann mit dem Stuhl ausgeschieden und die Beimengungen sind oft auch sichtbar.
  4. Hypermotile Diarrhö: Bei einem hypermotilen Durchfall kommt es zu einer deutlichen Zunahme der Darmperistaltik (Bewegung der Muskulatur) und einer schnelleren Passage des Speisebreis durch den Darm. Durch die verkürzte Aufenthaltsdauer im Darm kann dem Stuhl nicht ausreichend Flüssigkeit entzogen werden. Dadurch behält der Speisebrei eine dünnflüssige Konsistenz. Die hypermotile Diarrhö wird auch als funktionelle Diarrhö bezeichnet. Oft sind es psychische Auslöser, die zu dieser Fehlfunktion im Darm führt.
  5. Fettstuhl: Ein sogenannter Fettstuhl (Steatorrhoe) oder auch Pankreasstuhl ist eine besondere Form von Durchfall. Darunter verstehen Mediziner:innen eine krankhafte Erhöhung des Fettgehalts im Stuhl. Oft ist ein Fettstuhl die Folge einer Fettverdauungsstörung (Malassimilation). Im Dünndarm fehlt es an Gallensäure, die eigentlich dafür sorgt, dass Fette im Darm so aufgespalten werden, dass sie von der Mukosa aufgenommen werden können. Kennzeichnend für einen Fettstuhl sind die schleimige, schmierige oder schaumige Konsistenz und eine gelbe bis lehmartige Farbe sowie ein sehr unangenehmer Geruch. Neben Durchfall können auch Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen und Völlegefühle auftreten.

 

Durchfall: Ursachen und Risikofaktoren

Es gibt eine Vielzahl an möglichen Ursachen, die mit dem Symptom akuter oder chronischer Durchfall einhergehen. Die häufigsten Ursachen von akutem Durchfall sind eine entzündliche Infektion im Darm (Gastroenteritis) durch Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Parasiten (Amöben), eine Lebensmittelvergiftung und die Einnahme bestimmter Medikamente.

Zu den häufigsten Ursachen von chronischem Durchfall gehören das Reizdarmsyndrom, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Nebenwirkungen von Medikamenten sowie das Malabsorptionssyndrom.

 

Akute Diarrhö: Ursachen

Rotaviren, Noroviren und Adenoviren sind die häufigsten Erreger von virusbedingten Durchfallerkrankungen und für heftige, ansteckende Durchfälle verantwortlich. Die Diarrhö tritt plötzlich auf, verschwindet aber auch schnell wieder. Von einer Infektion mit Rotaviren sind meistens Säuglinge und Kleinkinder betroffen. Noroviren können jeden Menschen treffen und Adenoviren sind die häufigste Ursache für Durchfall bei Kleinkindern.

Die häufigsten Bakterien, die Durchfallerkrankungen (Reisedurchfall) und eine Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis) hervorrufen, sind Campylobacter, Salmonellen und Kolibakterien (Escherichia Coli).

Salmonellen und Campylobacter verursachen klassische Lebensmittelinfektionen. Campylobacter-Bakterien stecken hauptsächlich im Geflügelfleisch und Rohmilch, Salmonellen in Eiern und Eierspeisen (z. B. Mayonnaise, Tiramisu) sowie in nicht ganz durchgebratenem Fleisch. Kolibakterien sind fester Bestandteil unserer Darmflora. Sie zersetzen in erster Linie Kohlenhydrate, Eiweiße und wehren zudem Krankheitserreger im Darm ab. Einige Stämme (z. B. EHEC) bilden aber auch Giftstoffe (Toxine), wodurch teilweise blutige Durchfälle entstehen können.

Weitere Bakterien, die Durchfälle hervorrufen können, sind: Shigellen, Staphylokokken und Streptokokken, Typhus- und Cholera-Bakterien, Listerien, Clostridium botulinum.

Medikamente wie z. B. Antibiotika (Antibiotika-assoziierte Diarrhoe), Laxanzien (Abführmittel), Zytostatika (Krebstherapie), Digitalis (Herzglykoside) und Schmerzmittel (nichtsteroidale Antiphlogistika) können als Nebenwirkungen mit wässrigen Durchfällen einhergehen.

Weitere Ursachen für akute Durchfälle sind außerdem Stress, Aufregung (Prüfung, Bewerbungen), Angst und psychische Belastungen. Vergiftungen (Pilze, Quecksilber, Blei), hormonelle Erkrankungen (Schilddrüsenüberfunktion), Strahlentherapie in der Bauchregion oder ein Mangel an Verdauungsenzymen.

 

Akuter Durchfall – Ursachen im Überblick:

  • Bakterielle oder virusbedingte Infektionen im Darm
  • Lebensmittelvergiftung, Pilzvergiftung, Vergiftung durch Chemikalien
  • Reisedurchfall
  • Ängste, Stress
  • Medikamente (Abführmittel, Antibiotika)
  • Gefäßverschluss im Darm
  • Strahlentherapie (akute Strahlenkolitis)

 

Chronische Diarrhö: Ursachen

Bei anhaltenden und chronischen Durchfällen kommen unterschiedliche Erkrankungen und Störungen im Verdauungstrakt als Ursache infrage.

Bei einem Reizdarm können teilweise krampfartige Durchfälle u. a. durch Reizstoffe oder aufgrund von psychischem Stress entstehen. Eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut (chronische Gastritis) und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn (Entzündung, die im gesamten Verdauungstrakt auftreten können) und Colitis ulcerosa (Entzündung im Dickdarm) können ebenfalls oft für eine dauerhafte Diarrhö verantwortlich sein. Bei entzündeten Darmausstülpungen (Divertikulitis) treten meistens wässrige Durchfälle auf oder die Stühle zeigen sichtbare Schleim- und Blutauflagerungen.

Wie auch bei akuten Durchfällen können Medikamenten, die regelmäßig eingenommen werden müssen, Durchfälle hervorrufen. Weitere Ursachen für eine chronische Diarrhö sind Lebensmittelunverträglichkeiten (z. B. Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit, Fruktoseintoleranz) und Allergien (Kuhmilchallergie) sowie das Malassimilations-Syndrom.

Bei einer Malassimilation handelt es sich um ein Syndrom, bei dem es zu einer Störung der Aufspaltung (Maldigestion) oder einer verminderten Aufnahme (Malabsorption) von Nahrungsbestandteilen im Darm kommen kann. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Ursachen für eine chronische Diarrhö:

 

Chronischer Durchfall – Ursachen im Überblick:

  • Reizdarm
  • Divertikulitis (entzündete Darmdivertikel)
  • Tumoren, Polypen
  • OP im Magen-Darm-Trakt, Strahlentherapie (chronische Strahlenkolitis)
  • Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)
  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Bauchspeicheldrüsenentzündung, Bauchspeicheldrüsenkrebs)
  • Unverträglichkeiten und Allergien: Laktoseintoleranz (Milchzucker), Fruktose, Gluten (Zöliakie), Weizen, Nahrungsmittelallergien
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
  • Gallenstau (Cholestase)
  • Chronische Darminfektionen
  • Wurmerkrankungen (Bandwürmer)
  • Medikamente (Abführmittel)

 

Durchfall: Symptome

Bei Durchfall rumort es in unserem Bauch und es treten typischerweise mehr als drei Stuhlentleerungen pro Tag auf. Neben der Frequenz verändert sich der Stuhl auch in seiner Konsistenz, dem Zeitpunkt des Abgangs, nach dem Geruch und der Farbe. Der Kot kann z. B. hell, lehmfarben, schaumig, weich und wässrig sein oder dunkel mit Blut- und Schleimauflagerungen.

Akute und chronische Durchfälle können zudem von vielen weiteren Beschwerden begleitet werden. Dazu gehören möglicherweise:

  • Krampfartige Schmerzen, krampfartige Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Kreislaufprobleme, Schwindel durch Flüssigkeits- und Elektrolytverluste
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwäche

 

Gesundheitliche Folgen von Durchfall

Durchfall geht mit einem hohen Flüssigkeitsverlust einher. Das kann unseren Körper austrocknen (dehydrieren). Besonders bei älteren Menschen, Säuglingen, Babys und Kleinkindern besteht die Gefahr, dass sie dehydrieren. Infolgedessen gerät auch der Elektrolythaushalt durcheinander, wodurch es zu Verlusten von Natrium, Kalium, Magnesium, Chlorid und Bikarbonat im Blut kommen kann.

Bei ausgeprägten Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten fühlen sich betroffene Patient:innen geschwächt und verwirrt. Der Blutdruck sinkt, Kreislaufprobleme entstehen und es droht die Gefahr, in Ohnmacht (Synkope) zu fallen. Weiter kann ein Elektrolytmangel zu Krämpfen und Muskelschwäche führen. Auch Herzrhythmusstörungen können die Folge sein. Mögliche Zeichen einer Dehydration sind trockene Haut und Schleimhäute, stehende Hautfalten, starker Durst, Herzrasen, niedriger Blutdruck, Schock mit Kreislaufschwäche, Bewusstseinsstörungen (Lethargie, Verwirrung) bis hin zum Koma.

 

Durchfall: Wann zum Arzt?

Leidest Du unter einer ausgeprägten, heftigen Diarrhö, die länger als drei Tage anhält, wird zur Abklärung der Ursache ein Arztbesuch empfohlen. Bei Babys, Kleinkindern oder älteren Menschen besteht ein früherer Handlungsbedarf, denn es besteht die Gefahr einer Dehydration.

Treten zudem noch hohes Fieber, Schwindel, Kreislaufprobleme, starke Bauchschmerzen und Erbrechen auf, erscheint der Stuhl sehr blutig oder besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, sollte umgehend der Notarzt alarmiert werden.

Folgende Beschwerden sind Warnsignale. In dem Fall wäre es sinnvoll, einen Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren:

  • Blut oder Eiter im Stuhl
  • Stuhl mit Schleimauflagerungen
  • Hohes Fieber
  • Starke Bauchschmerzen
  • Dehydration (vermindertes Wasserlassen, Schläfrigkeit, Lethargie, ausgeprägtes Durstempfinden, trockener Mund)
  • Chronischer Durchfall
  • Nächtlicher Durchfall
  • Gewichtsverlust

 

Durchfall: Diagnose

Die erste Anlaufstelle bei Durchfall ist in der Regel eine Hausarztpraxis. Neben ausführlichen Fragen zu Deiner Krankengeschichte (Anamnese) können auch gezielte Untersuchungen wie eine Stuhlprobe, Blutuntersuchungen oder eine Darmspiegelung für die Diagnose eingesetzt werden. Um die Ursache für die Beschwerden zu ermitteln, benötigt der Arzt oder die Ärztin möglichst viele Informationen über die Durchfälle:

Dir werden viele Fragen gestellt, z. B. wann die Beschwerden aufgetreten sind, wie lange sie bestehen und ob sie plötzlich in kurzer Zeit oder allmählich entstanden sind. Dann geht es um das Aussehen, die Konsistenz des Stuhls und ob begleitende Beschwerden bestehen. Wichtig für die Diagnosestellung ist zudem, ob Du zuvor auf Reisen im Ausland warst, unter Allergien oder Unverträglichkeiten leidest oder eine Grunderkrankung wie z. B. Diabetes mellitus besteht und ob Du bestimmte Medikamente einnimmst.

Berichtest Du über Blut- und Schleimauflagerungen, wird eine Blut- und Stuhlprobe notwendig, um mögliche Krankheitserreger für eine infektiöse Diarrhö zu identifizieren.

 

Meldepflichtigen Krankheiten des Magen-Darm-Trakts

Es gibt meldepflichtige Krankheiten, zu denen auch Magen-Darm-Infektionen gehören. Ärzt:innen sind dazu verpflichtet, das örtliche Gesundheitsamt zu informieren, wenn sie bei Dir z. B. eine Infektion durch Krankheitserreger wie Noroviren, Rotaviren, Salmonellen oder Campylobacter nachweislich feststellen.

Hierzulande sorgt das Infektionsschutzgesetzt (IfSG) dafür, dass bei übertragbaren infektiösen Krankheiten die Weiterverbreitung von möglichst verhindert wird, die Infektion frühzeitig erkannt und vorgebeugt wird. Bei Menschen, die in Lebensmittelberufen tätig sind und die unter einer infektiösen Durchfallerkrankung leiden, Salmonellen haben oder bei denen der Verdacht auf eine Darminfektion besteht, dürfen erst wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren, wenn in drei Stuhlproben keine Krankheitserreger mehr nachgewiesen worden sind.

 

Durchfall: Behandlung

Die Behandlung von Durchfall richtet sich auch immer nach der Ursache für die Beschwerde. Liegt eine chronische Erkrankung mit chronischem Durchfall vor, steht die Therapie der Grunderkrankung oder Nahrungsmittelunverträglichkeit im Vordergrund.

Akuter Durchfall bei Jugendlichen und Erwachsenen muss in den meisten Fällen nicht behandelt werden. Bei starkem Durchfall sollte in erster Linie der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgeglichen werden.

Es gibt auch Medikamente, die bei Durchfall eingenommen werden können. Dazu gehören z. B. sogenannte Antidiarrhoika und Antibiotika (Antibiotika-Therapie). In vielen Fällen ist eine medikamentöse Behandlung jedoch nicht notwendig.

 

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei akutem Durchfall

Leidest Du unter akutem oder chronischem Durchfall mit wässrigen Stühlen, wäre die wichtigste Erstmaßnahme, ausreichend Flüssigkeit zu trinken. Damit verhinderst Du, dass zu viel Flüssigkeit und zu viele Elektrolyte verloren gehen und gleichzeitig beugst Du einer Dehydrierung vor.

Im Rahmen einer oralen Rehydration gibt es in Apotheken spezielle Rehydrationslösungen (ORS = ”oral rehydration solution”) für Kinder und Erwachsene. Die Lösungen enthalten Wasser und Elektrolyte wie Kalium, Natrium, Chlorid und Bikarbonat sowie Zucker. Zucker sorgt für Energie und wird auch als sogenannter ”Carrier” benötigt, damit unser Organismus die Elektrolyte besser aufnehmen kann.

 

Ernährung bei Durchfall

Diese Ernährungstipps können bei Durchfall hilfreich sein und die Beschwerden lindern: Achte möglichst auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (stilles Wasser, leicht gesüßte Kräutertees, Fleisch- oder Gemüsebrühe) von etwa zwei bis drei Litern täglich, um nicht auszutrocknen. Bei akutem Durchfall ist empfehlenswert, für eine gewisse Zeit auf feste Nahrung ganz zu verzichten oder Deine Ernährung vorübergehend auf eine leicht verdauliche, fettarme Schonkost umzustellen.

Statt drei Hauptmahlzeiten verteile die Mahlzeiten lieber auf fünf kleinere Portionen. Bestimmte Nahrungsmittel wie Zwieback, ein geriebener Apfel, eine zerstampfte Banane, Salzstangen, Reis- oder Haferschleim sind zum Verzehr oder langsamen Kostaufbau nach Durchfallerkrankungen gut geeignet.

Ungünstig hingegen wirken sich frisches Obst (außer Banane und Apfel), rohes und blähendes Gemüse wie Kohl und Zwiebeln, Salat, scharfe Gewürze, fettreiche Nahrungsmittel, frittierte und gegrillte Speisen aus.

 

Medikamentöse Behandlung

Der erste Griff bei plötzlich auftretenden akuten Durchfällen, z. B. während einer Reise (Reisedurchfall) ist meistens der zu einer “Durchfalltablette”. Arzneimittel gegen Durchfall werden auch als Antidiarrhoika bezeichnet. Es können aber auch Medikamente mit krampflösenden oder schmerzlindernden Wirkstoffen zur Behandlung eingenommen werden. Bei bakteriellen Darminfektionen kommt eine Antibiotika-Therapie zum Einsatz.

  • Arzneien mit dem Wirkstoff Loperamid gehören zur Gruppe der Opioide, die die Darmtätigkeit (Darmperistaltik) dämpfen und lahmlegen. Es handelt sich dabei um sogenannte Mobilitätshemmer. Loperamid verhindert zudem die Abgabe von Wasser und Elektrolyten in den Darm. Dadurch kann der Speisebrei länger im Darm verweilen und Wasser und Elektrolyte besser vom Organismus aufgenommen werden.
  • Adsorbenzien wie sogenannte “Kohletabletten” kommen auch bei Durchfall zum Einsatz. Es handelt sich dabei um medizinische Kohle, die Toxine, Bakterien oder Viren binden kann. Die Wirkung von Adsorbenzien entsteht aufgrund der großen Oberflächenstruktur, die über viele Poren verfügt und so die krankmachenden Stoffe gut einfangen kann. Die so gebundenen Toxine und Erreger werden dann über den Stuhl ausgeschieden. Bei der Einnahme von Kohletabletten ist zu bedenken, dass sie auch wichtige Stoffe anderer Arzneien einfangen und damit die Wirkung beeinträchtigen können.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) spricht sich in der neuen Leitlinie für die Einnahme von Antibiotika aus, wenn Bakterien wie Shigellen oder Salmonellen die Auslöser für plötzlich auftretende akute Durchfälle sind.

 

Vorsicht bei der Einnahme von Medikamenten: Was gibt es zu beachten?

Medikamente gegen Durchfall eignen sich nur für eine kurzzeitige Behandlung. Mit Durchfall reagiert unser Körper auf Krankheitserreger oder Gifte und möchte diese möglichst schnell aus dem Organismus befördern. Dieser reinigende Prozess sollte möglichst nicht voreilig durch eine Tabletteneinnahme unterdrückt werden.

Eine längere Einnahme des Wirkstoffs Loperamid kann zu schweren Verstopfungen (Obstipation) und im schlimmsten Fall zu einem Darmverschluss führen. Daher solltest Du die unbedingt an die Einnahmeempfehlungen auf der Verpackung halten.

Antibiotika bekämpfen bei bakteriellen Infektionen nicht nur die krankmachenden Bakterien in unserem Darm, sondern leider auch die “guten” Darmbakterien, die für eine gesunde Darmflora sorgen. Zudem können Antibiotika selbst Ursache für schwere Durchfälle sein. Die DGVS empfiehlt Ärzt:innen daher, eine Therapie mit Antibiotika nur in bestimmten Fällen anzuwenden.

 

Durchfall: Hausmittel und Tipps für den Alltag

Konnte der Arzt oder die Ärztin eine meldepflichtige Durchfallerkrankung oder andere Grunderkrankungen als Ursache ausschließen, könntest Du versuchen mit Hausmitteln wie Kräutertees oder Ernährungsrichtlinien (Schonkost) die Beschwerden zu lindern.

Salzstangen und Cola – das klassische Hausmittel gilt längst als ungeeignet zur Behandlung von Durchfall.

Welche Hausmittel eignen sich für die Behandlung von Durchfall?

  • Pektinhaltiges Obst und Gemüse wie ein geriebener Apfel, pürierte Banane oder eine Möhrensuppe (Pektin entzieht dem Darm Flüssigkeit).
  • Tee aus getrockneten Heidelbeeren (stopfende, antibakterielle Wirkung), Brombeerblättern (reizlindernde Wirkung), Kamillentee oder Pfefferminztee (beruhigende Wirkung auf Darmbewegung), Rooibostee (krampflösende Wirkung).
  • Wärmflasche oder Kirschkernkissen für den Bauch (krampflösende, entspannende und schmerzlindernde Wirkung).

 

Durchfall vorbeugen

Welche Maßnahmen können wir ergreifen, um Durchfallerkrankungen vorzubeugen? In vielen Fällen bekommen wir Durchfall, wenn Krankheitserreger wie Viren und Bakterien oder andere Keime durch verunreinigte Gegenstände, Nahrungsmittel und verunreinigtes Wasser, durch Kontakt mit Stuhl oder Erbrochenem übertragen werden. Hygiene ist daher eine der wichtigsten Maßnahmen zur Prävention.

Folgende Tipps eignen sich zur Vorbeugung von Durchfallerkrankungen und Schutz vor Ansteckung:

  • Regelmäßiges, gründliches Händewaschen (Fingerzwischenräume nicht vergessen!) mit Seife, Händedesinfektion.
  • Händewaschen nach jedem Toilettengang und vor der Zubereitung oder dem Verzehr von Mahlzeiten.
  • Das Gesicht möglichst wenig mit den Händen berühren.
  • Wäsche (Kleidung, Handtücher) bei mindestens 60° Celsius waschen.
  • Durchfallerkrankte Mitglieder eines Haushalts sollten (wenn möglich) ein Gäste-WC separat benutzen und keine Speisen für andere Personen in der Küche zubereiten.
  • Reisende in subtropischen oder tropischen Ländern verzichten besser auf rohes Gemüse, Obst, Leitungswasser und achten auf gut durchgegarte Speisen.
  • Auch hierzulande sollte Gemüse und Obst vor dem Verzehr immer gründlich mit warmem Wasser gewaschen und hinterher abgetrocknet werden.
  • Geflügel, Hackfleisch, Fisch und Eier nur gegart und möglichst nicht roh verzehren.
  • Nahrungsmittel (Geflügel, Eier, Milchprodukte) im Kühlschrank lagern. Salmonellen vermehren sich zwischen 10° und 47° Celsius.
  • Die ständige Impfkommission spricht sich für eine Impfung gegen Rotaviren bei Säuglingen unter sechs Monaten aus.